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Chronik des Traditionsverbandes Panzergrenadierbrigade 16 HERZOGTUM LAUENBURG

Wappen aller Verbände der Brigade, aufgebaut zum 15. Jubiläum des Verbandes im Jahre 2009 im Garten der Alten 16
Wappen aller Verbände der Brigade, aufgebaut zum 15. Jubiläum des Verbandes im Jahre 2009 im Garten der Alten 16

Am 5. Mai 1994 erfolgte unter großer Anteilnahme der Bevölkerung mit einem feierlichen Appell und dem Großen Zapfenstreich die Außerdienststellung und Verabschiedung des Wentorfer Großverbandes durch den Befehlshaber im Wehrbereich I, Generalmajor Jürgen von Falkenhayn, der selbst einmal Generalstabsoffizier im Brigadestab und später auch Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 16 gewesen war.

Von der Auflösung der Panzergrenadierbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg« waren 3.500 Soldaten und 550 zivile Mitarbeiter unmittelbar betroffen. Ende Dezember 1992 war die Entscheidung des Verteidigungsministeriums bekannt gegeben worden, die Panzergrenadierbrigade 16 bis Ende Dezember 1994 aufzulösen und den Truppenstandort Wentorf aufzugeben. Oberst Dankert, der damalige stellvertretende Kommandeur der Brigade 16: »Mit dieser politischen Entscheidung war festgelegt, dass die größte Brigade des Heeres mit Ablauf des Jahres 1994 aufhört zu existieren und die Gemeinde Wentorf bei Hamburg ihre rund 60-jährige Geschichte als Garnisonsstandort beendet«.

Schon frühzeitig stellten sich die aktiven und die vielen ehemaligen Soldaten dieser Brigade die Frage, wie denn in Wentorf nach Auflösung des Standortes die militärische Tradition bewahrt und die vielen kameradschaftlichen Verbindungen erhalten und fortgeführt werden könnten. Es war für alle nur sehr schwer vorstellbar, dass die militärische Tradition aus Wentorf und dem Kreis Herzogtum Lauenburg so spurlos verschwinden sollte. Oberst Dankert: »Schon bald war uns bewusst: wir brauchen eine Bleibe, ein Haus o.a. für die Zeit danach, für die Unterbringung der Chronik, von Wappen, Fahnen und Urkunden etc., einen Treffpunkt der Kameraden und Kameradschaften zur Erinnerung an Treue und Standfestigkeit zum Staat, zur Bundeswehr und insbesondere zu unserer Brigade, aber auch zum Blick in die Zukunft.«

Brigadegeneral Eckart Fischer, als Oberst der letzte Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 16 und spätere Kommandeur des Standortkommandos Berlin, erinnert sich: »Am 15. Dezember 1992 musste ich den im Offizierheim kurzfristig zusammengerufenen Führern der Verbände und Einheiten die uns völlig überraschende Entscheidung über die komplette Auflösung der Brigade eröffnen. Ich schaute in betroffene, zum Teil ungläubige Gesichter: das konnte es doch nicht gewesen sein? Großartige militärische Leistungen, gewachsene menschliche Verbindungen in den Verbänden und Einheiten, mit der Bevölkerung in Wentorf und Schwarzenbek, in Bergedorf und Reinbek, das durfte doch nicht verloren gehen? Jeder spürte, hier gilt es Wichtiges zu bewahren, weiterzutragen - doch wie? Ich war entschlossen, diese Fragen gemeinsam anzupacken. Aus vielen Überlegungen wuchs der Entschluss:

  • Die Geschichte der Verbände und der Menschen der Brigade gilt es in einer Chronik festzuhalten.
  • Für eine lebendige Traditionspflege mussten Traditionsverbände gebildet, eine Heimat für die Pflege der Verbindungen geschaffen werden.

Die Ideen waren geboren, sie wurden mit Feuereifer verfolgt.« Oberst Fischer wandte sich an die Kommandeure und Chefs der militärischen Verbände und Einheiten, an die Vorsitzenden der Ehemaligen- und Reservistenverbände sowie an viele befreundete Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben und bat sie zu einer Zusammenkunft am 17. Juni 1993 in das Offizierheim der Bose-Bergmann-Kaserne, um bei dieser gemeinsamen Veranstaltung Meinungen zu hören, Ideen, Anregungen und Vorschläge für den Erhalt und die Fortführung der bestehenden freundschaftlichen Verbindungen aufzunehmen. Der Bürgermeister von Wentorf, Holger Gruhnke, der Präsident der Bergedorfer Bezirksversammlung, Egon Boldt, der Bürgermeister von Reinbek, Dr. Manfred Neumann sowie auch der Bürgermeister von Schwarzenbek, Gerd Krämer, waren neben vielen anderen zivilen und militärischen Freunden dieser Einladung gefolgt. Bei dieser ersten Veranstaltung zur Fortführung der Traditionspflege der Panzergrenadierbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg« am 17. Juni 1993 wurde von allen anwesenden Freunden und den Vertretern der verschiedenen Kameradschaften und Gemeinschaften das große Interesse bekundet, die bestehenden guten Verbindungen, Patenschaften und Freundschaften auf allen Ebenen fortzuführen und Ausschau nach einer Begegnungsstätte (»Soldatenheim«) zu halten.

Von Bürgermeister Holger Gruhnke wurde dabei angeregt, dass sich alle interessierten Traditionsträger zusammentun sollten, um einen »Dachverband« zu bilden und von Hauptmann a. D. Küttner wurde vorgeschlagen, eine »AG Tradition PzGrenBrig 16« zu bilden. Hauptmann a. D. Küttner: „Die politische Entscheidung zur Auflösung der Brigade 16 löste eine rege Zukunftsdebatte aus. Dienstgespräche sowie Pausengespräche hatten immer häufiger Fragen zum Bestand und Verbleib der Panzergrenadierbrigade 16 zum Inhalt. Das Fazit der Veranstaltung am 17. Juni 1993 war die Gründung einer Arbeitsgruppe mit dem Auftrag: Schaffung von Voraussetzungen für eine Traditions- und Kameradschaftspflege.

Im Rückblick muss man feststellen, dass diese Veranstaltung wohl die Geburtsstunde des Traditionsverbandes ist.“ Am 18. August 1993 fand die erste Sitzung der »Arbeitsgruppe Traditionsgemeinschaft Panzergrenadierbrigade 16« im Offizierheim statt. Das große Interesse und Engagement aller bestehenden Kameradschaften, Vereinigungen und Freundeskreise an der gemeinsamen Sache mitzuwirken, war spürbar. Jetzt galt es, einen Namen für den Dachverband zu finden, eine Satzung zu erstellen und dann eine Gründungssammlung einzuberufen. Zur Vorbereitung der Gründungsversammlung wurde ein Satzungsausschuss eingesetzt. Eine besonders dringliche Aufgabe der Arbeitsgruppe war aber auch die Suche nach einer geeigneten »Liegenschaft«, d. h. nach einer Räumlichkeit als zentralen Treffpunkt für zukünftige Versammlungen der Traditionsgemeinschaft, da ja die Kasernen nach ihrer Schließung nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Es wurde zu diesem Zwecke Liegenschaftsausschuss eingesetzt, der sich ganz ausschließlich dieser Aufgabe zuwenden sollte. Am 24. November 1993 fand dann die Gründungsversammlung des Traditionsverbandes im Offizierheim der Bose-Bergmann-Kaserne statt. Der vom Satzungsausschuss vorgelegte Satzungsentwurf wurde von der Versammlung in der vorgelegten Form verabschiedet. Danach sollte der Verband den Namen »Traditionsverband Panzergrenadierbrigade 16 >Herzogtum Lauenburg<« führen, seinen Sitz in Wentorf bei Hamburg haben und Dachverband aller Traditions- und Interessengemeinschaften sowie aller Vereinigungen und Ehemaligen der Panzergrenadierbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg« sein. Der Satzung entsprechend sollte der Traditionsverband natürlich auch einen Vorstand haben.

Als Ergebnis der ersten Vorstandswahlen wurde Oberst Dankert als Vorsitzender gewählt, als sein Stellvertreter Stabsfeldwebel a. D. Kroneberger, als Kassenwart Hauptmann a.D. Oppermann, als Schriftführer Major a.D. Busche und als Leiter Organisation/Archiv Oberstleutnant Dammann. Die Suche nach einem Domizil für den Traditionsverband gestaltete sich schwieriger. Nachdem sich im Januar 1994 die Hoffnung zerschlagen hatte, dass die Körber-Stiftung das Offizierheim in der Bose-Bergmann-Kaserne erwerben würde und der Traditionsverband dort ggf. ein Nutzungsrecht erhalten hätte, musste nach anderen Möglichkeiten (Trägerschaften/Gebäuden) gesucht werden. So rückte das alte reetgedeckte Fachwerkhaus innerhalb der Bismarck-Kaserne, das sog. »Klühnsche Haus« in den Mittelpunkt des Interesses. Dieses Fachwerkhaus, dessen Alter man auf über 250 Jahre schätzt, wurde noch bis Herbst 1994 als Nebenstelle des Landesbauamtes Lübeck genutzt und ist vielen Wentorfern als Wahllokal bekannt. Es ist etwa 160 qm groß und steht auf einem ca. 900 qm großen Grundstück.

Inge Voß, geborene Wentorferin und Vorstandsmitglied des »Wentorfer Bürgervereins« sowie auch Mitglied des Traditionsverbandes, hat sich intensiv mit der Geschichte dieses Reetdachhauses befasst. Aus ihrer Niederschrift hier ein Auszug: »Die alte Kate«, irrtümlich Klühnsches Bauernhaus genannt, spiegelt die Vergangenheit des Dorfes Wentorf wider. Leider kann das genaue Baujahr nicht mehr festgestellt werden, aber die Behörde für Denkmalspflege datiert die Kate ins 18. Jahrhundert. Durch einen Vergleich mit anderen Bauten in Wentorf aus diesem Jahrhundert könnte man dem Haus die Zeit von etwa 1730-1750 zugrunde legen. Bei dem Bauwerk handelt es sich um eine Tagelöhnerkate im Niedersachsenstil mit Lehmdiele und einem großen Tor zur Südseite, Bodenraum für Getreide und Kammern. Die Kate hatte verschiedene Besitzer. 1919 erwarb der Kunstmaler Georg Greve-Lindau das Anwesen. Er baute das Obergeschoss aus und erweiterte die Fensterfront zur Hamburger Chaussee, so wie sich die Kate heute noch darstellt. Der Kunstmaler Greve-Lindau kam aus Lindau im Harz. Er hatte ein Studienjahr (1912-1913) in Florenz in Italien in der Villa Romana verbracht und in der alten Kate sein Atelier eingerichtet. Als 1935 die ersten Verhandlungen über Landankauf für Kasernen begannen, ließ die Familie Greve auf Anraten eines Onkels, der Rechtsanwalt war, das Haus unter Denkmalschutz stellen. Unterlagen sind heute leider nicht mehr zu finden, da alle Akten vor 1940 vernichtet worden sind.

Dadurch ist in Wentorf das letzte Haus aus dem 18. Jahrhundert erhalten geblieben. 1936 verkaufte Herr Greve an die Wehrmacht, die das Haus als Offiziersheim der Bismarck-Kaserne nutzte. Das Haus wurde 1997 unter Denkmalschutz gestellt. In der Eintragungsverfügung des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein vom 9. Januar 1997 wird das Haus nach seinem letzten Besitzer Greve-Lindau offiziell „ehem. Wohnhaus Greve-Lindau“ auf der sog. Klühn'schen Hofstelle genannt. Der damalige Brigadekommandeur, Oberst Fischer, richtete am 30. März 1994 ein Schreiben an den Abgeordneten des Deutschen Bundestages und Präsidenten des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, Peter Kurt Würzbach, und bat diesen um Unterstützung für eine Verpachtung des Reetdachhauses an den Traditionsverband anstelle des vorgesehenen Verkaufs an private Investoren. Oberst Fischer begründete in seinem Schreiben ein besonderes Bundesinteresse an einer solchen Verpachtung und schrieb: „Entscheidend für einen Erfolg der Arbeit zur Erhaltung und Pflege der Tradition und der gewachsenen Verbindungen mit der Bevölkerung in diesem Raum wird es sein, dass wir eine geeignete Räumlichkeit am Standort Wentorf verfügbar haben. Wir bemühen uns darum, ein im alten Kasernenbereich gelegenes Bauernhaus für diesen Zweck langfristig vom Bundesvermögensamt zu pachten; damit könnte auch ein Stück der Identität des alten Kasernements erhalten werden, woran insbesondere die Gemeinde Wentorf interessiert ist.“

Seinen wohl maßgeblichen Anstoß bekam das Projekt »Reetdachhaus« durch zwei besonders engagierte Verbandsmitglieder, den Bürgermeister Holger Gruhnke und Lisa Marks, Vorsitzende der Wirtschaftsinitiative Wentorf, die am 24. Mai 1994 nach Bonn gereist waren und dort dem Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Echternach, das große gemeinsame Interesse an diesem geplanten Vorhaben vorgetragen hatten. Staatssekretär Echternach hatte bei diesem Gespräch allerdings nicht die Verpachtung des Gebäudes, sondern eine Verkaufslösung favorisiert und dabei in Aussicht gestellt, dass das Reetdachhaus ggf. als Teilbereich aus dem Gesamtprojekt Bismarck-Kaserne herausgelöst werden könnte. So wurden jetzt alle Anstrengungen auf einen Erwerb des Reetdachhauses gerichtet und dabei immer auch das grundsätzliche Bundesinteresse an einer Nutzung durch den Traditionsverband herausgestellt und ebenso auch darauf hingewiesen, dass bei dem Gesamtverkauf der Bismarck-Kaserne an einen Investor die Ausgliederung einer so kleinen Teilfläche wohl kaum eine Minderung des Verkaufserlöses für den Bund bedeuten würde. Die Vorstellungen und Planungen des Traditionsverbandes zielten darauf ab, dieses Haus mithilfe des Deutschen Bundeswehrverbandes zu erwerben, es als Clubhaus einzurichten und mit einem verantwortlichen Geschäftsführer als Gästehaus zu bewirtschaften. Dank des guten Willens und der großen Unterstützung aller Beteiligten, insbesondere auch durch den Wentorfer Gemeindevertretung, der dem Einzelverkauf des Reetdachhauses zugestimmt hatte, hatten die Bemühungen und Verhandlungen um einen Ankauf schließlich den erhofften Erfolg und der Bundeswehrverband war bereit, das Haus zu erwerben. Am 16. September 1994 wurden die notwendigen Vertragsverhandlungen zwischen dem Schatzmeister des DBwV, Martin Michels, Bürgermeister Holger Gruhnke und Vertretern des Bundesvermögensamtes durchgeführt, an denen vom Traditionsverband die Herren Dankert, Dammann, Kroneberger und Jurksch beteiligt waren. Als Ergebnis dieser Verhandlungen konnte am 4. Oktober 1994 der Erwerb des ehem. Wohnhauses Greve-Lindau durch den Bundeswehrverband bekannt gegeben werden. Der Bundeswehrverband als neuer Eigentümer stellt das Gebäude seither dem Traditionsverband zur Nutzung als Clubhaus zur Verfügung. Das wohl wichtigste Ziel des Traditionsverbandes, eine zentrale und lebendige Begegnungsstätte zur Pflege der vielfältigen Freundschaften zwischen aktiven und ehemaligen Soldaten sowie den Bürgern aus Wentorf und den Patengemeinden zu schaffen, war mit der großen Hilfe des Bundeswehrverbandes erreicht worden.

Zur Erinnerung an die 32 Jahre in Wentorf stationierte Panzergrenadierbrigade 16 wurde dem Clubhaus der Name »Zur Alten 16« gegeben. In monatelanger Arbeit wurde nun die alte Bauernkate mit vielen fleißigen Helfern in ihrer Freizeit umgebaut, renoviert und sehr sorgsam im Inneren das alte Fachwerk freigelegt. Mittelpunkt des Hauses ist die mit Flaggen, Bataillonswappen und Bildern geschmückte große Diele im Erdgeschoss, die für bis zu 60 Personen Platz bietet und für Veranstaltungen des Traditionsverbandes aber auch für private Festlichkeiten genutzt werden kann. Am 30. September 1994 wurde an der Wache der Bismarck-Kaserne um 11 Uhr die Bundesdienstflagge eingeholt und das Kasernentor für immer geschlossen. Das Namensschild der Bismarck-Kaserne wurde von Oberst Dankert in Beisein von Carl-Eduard von Bismarck, dessen Großvater das Kasernenschild 1965 gestiftet hatte, von Bürgermeister Holger Gruhnke und von Oberstleutnant Gerhard Harrendorf, dem letzten Kommandeur PzGrenBtl 162, abgenommen. Der Namenszug auf der Holzplatte wurde dem Traditionsverband übergeben. Am 9. Dezember 1994 wurde in einer feierlichen Zeremonie begleitet von Militärmusik und einem letzten »Hol nieder Flagge!« auch das Namensschild der Bose-Bergmann-Kaserne von Oberst Dankert nach 56 Jahren abgenommen und in Anwesenheit von Bürgermeister Holger Gruhnke und des Präsidenten der Bergedorfer Bezirksversammlung, Egon Boldt, an Stabsfeldwebel a.D. Eugen Kroneberger, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Traditionsverbandes, übergeben. Damit wurde in Wentorf endgültig von der Bundeswehr Abschied genommen und die Geschichte Wentorfs als Garnisons-Standort war beendet. Die Namensschilder der Bose-Bergmann-Kaserne, der Bismarck-Kaserne und auch der Sachsenwald-Kaserne in Elmenhorst, die im Oktober 1994 geschlossen worden war, wurden gut sichtbar neben der »Alten 16« aufgestellt.

Am 13. Dezember 1994 konnte das neue Clubhaus des Traditionsverbandes bereits vielen geladenen Gästen vorgestellt und in einer Feierstunde eingeweiht werden. Als Höhepunkt dieses Tages bleibt aber ohne Frage der Moment in Erinnerung, als das Haus per Handschlag zwischen Oberst Dankert und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, Manfred Grodzki, an den Traditionsverband zur zukünftigen Nutzung übergeben wurde! Als verantwortlicher Geschäftsführer für den Betrieb der »Alten 16« als Gast- und Tagungsstätte konnte Stabsfeldwebel a.D. Siegfried Räder gewonnen werden. Am 2. Januar 1995 wurde die »Alte 16« offiziell eröffnet und steht seither allen Mitgliedern und Gästen offen und lockt zudem mit guter Küche und saisontypischen Gerichten. In seinem Jahresrückblick an die Wentorfer Bürger Ende Dezember 1994 hat Bürgermeister Holger Gruhnke sicher vielen Menschen aus dem Herzen gesprochen: »Mit dem Einholen der Bundesflagge über der Bismarck-Kaserne geht am Ende des Jahres 1994 eine Ära zu Ende. Auch wenn wir zwei Jahre Zeit hatten, uns mit diesem Gedanken vertraut zu machen, ist uns doch in diesem Moment die Endgültigkeit der Entscheidung noch einmal voll bewusst geworden. Wir können dankbar auf eine lange Zeit eines herzlichen Miteinanders zwischen Bürgern und Soldaten zurückblicken. Das Klima war geprägt durch das Verständnis und die Bejahung des Auftrags der Soldaten einerseits und die Rücksichtnahme auf das zivile Umfeld andererseits. Wir danken unseren Soldaten ! Wir haben in Wentorf - buchstäblich mit vereinten Kräften - die Möglichkeit geschaffen, die Erinnerung lebendig zu erhalten. Dank der Hilfe des Deutschen Bundeswehrverbandes ist erstmals in Deutschland außerhalb eines Garnisonsortes ein Domizil für die Traditionspflege geschaffen worden. Die Mitglieder des Traditionsverbandes unter der Führung von Herrn Oberst Dankert haben ein beeindruckendes Beispiel dafür gegeben, wozu ehrenamtliche Tätigkeit in kürzester Frist fähig ist. »Das erklärte Ziel ist, das >Klühnsche Haus< gerade auch als Begegnungsstätte für die zivilen Mitbürger zu öffnen«.

 

Dieses Ziel, die »Alte 16« zu einer lebendigen Begegnungsstätte werden zu lassen, war bereits bei seiner Eröffnung erreicht worden und der Traditionsverband konnte sich über eine stetig wachsende Mitgliederzahl und insbesondere über die große Zahl der »nichtmilitärischen« Mitglieder freuen. Im Jahre 1995 gehörten dem Traditionsverband bereits 1.579 Mitglieder an. Auf der Jahreshauptversammlung 1996 wurde ein neuer Vorstand gewählt: Zum Vorsitzenden wurde Karl-Heinz Dammann gewählt, als sein Stellvertreter Hartmut von Osten, als Kassenwart Rudolf Oppermann, als Schriftführer Günther Wagner und als Archivar Hans-Werner Sticken. Der vormalige Vorsitzende, Oberst Danken, der nach Munster versetzt worden war und sein Stellvertreter, Eugen Kroneberger, hatten nicht mehr kandidiert. Beide wurden zu Ehrenvorsitzenden ernannt. Auf diesem Verbandstag wurde auch das eindrucksvolle persönliche Engagement und die stets gegenwärtige Unterstützung des Traditionsverbandes und der »Alten 16« von Lisa Marcks hervorgehoben und sie mit den Worten »Sie ist Motor und Antrieb in vielen Bereichen, gibt Rat und Unterstützung wo immer möglich« unter dem Beifall der Versammlung geehrt. Im November 1997 ließ der Traditionsverband den Adler fliegen. Der steinerne Adler vom Kompaniegebäude 1./PzGrenBtl 162 wurde in einer schwierigen Aktion an seinen endgültigen Platz an der Westseite der »Alten 16« umgesetzt. Dazu musste ein Sockel errichtet werden. Die Steine für die Einfassung wurden aus Abbruchsteinen in der ehemaligen Bose-Bergmann-Kaserne nach dem Vorbild der Trümmerfrauen gesammelt, geputzt und wieder verwendet. Die Rettung des Adlers beim Abbruch des Gebäudes und seine erfolgreiche Umsetzung ist ganz besonders zwei Männern zu danken, Karl Heinz Dammann und Rudolf Oppermann, die mit ihrem tatkräftigen Einsatz dafür gesorgt haben, dass es kein »Sturzflug« wurde. Obwohl sich der Traditionsverband im Einvernehmen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde eigentlich für einen Erhalt von Zaun und Mauer an der Straßenfront (B207) der »Alten 16« ausgesprochen hatte, wurde dann doch auf Wunsch der Gemeinde Wentorf und mit Zustimmung des Bundeswehrverbandes im Oktober 1998 der alte Kasernenzaun abgebaut und eine Ligusterhecke gepflanzt. Dass die »Alte 16« einen so gepflegten Eindruck macht, ist das besondere Verdienst von Hajo Müller, der den Garten der »Alten 16« nun schon über viele Jahre so schön grünen und blühen lässt, und ebenso von Horst Steinberg mit seiner vielseitigen Hausmeistertätigkeit. Der Schriftzug »Zur Alten 16«, der an der Nordseite des Hauses angebracht ist, wurde im Oktober 1999 von Hans-Heinrich Klemm mit viel Geduld und 23,74 karätigem Blattgold sehr aufwendig vergoldet und schmückt seither dauerhaft strahlend das Clubhaus. Im Juni 1999 wurden erneut Vorstandswahlen durchgeführt.

Der Traditionsverband Panzergrenadierbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg« zählte zu diesem Zeitpunkt insgesamt 1.705 Mitglieder, die sich aus Einzelmitgliedern und Zugehörigen zu einer der bestehenden Vereinigungen, Gruppen und Institutionen zusammensetzten:

  • Vereinigung ehem. Angehöriger PzGrenBtl 163 (Vors. Uwe Küttner) 
  • Kameradschaft Ehemalige Wentorf im DBwV (Rudolf Oppermann)
  • Mob-Kameradschaft Feldersatzbataillon 63 (Hartmut von Osten)
  • Bergedorfer Freundeskreis Jägerbataillon 66 e.V. (Rolf Fliegner)
  • Vereinigung ehem. Angehöriger PzGrenBtl 162 e.V. (Manfred Gründel)
  • Traditionsverband PzArtBtl 165 (Roland Dutschke) 
  • Polizeirevier 43 u. Verkehrsstaffel Billstedt (Olaf Karlson)
  • Wirtschaftsinitiative Wentorf (Lisa Marcks)
  • Freiwillige Feuerwehr Wentorf (Gerhard Böhm)
  • Reservistenkameradschaft Reinbek (Arthur Rohde)
  • Reservistenkameradschaft Bergedorf (Dieter Mahel)
  • Reservistenkameradschaft Wentorf (Karl-Heinz Wittmaack)
  • Jagdhornbläsergruppe Kreis Hzgt. Lauenburg (Astrid Simon)
  • Klönschnack 8 nach 8 (Birgit Krage)

 

Die Vorstandswahlen hatten folgendes Ergebnis: Vorsitzender wurde Karl-Heinz Dammann, stellvertretender Vorsitzender Rudolf Oppermann, Schriftführer Günther Wagner, Kassenwart Fritz Hartwig und Archivar Dr. Eckard Schmidtsen. Im September 2000 kam es zu einem Wechsel in der Geschäftsführung des Wirtschaftsbetriebes der »Alten 16«. Als Nachfolger von »Sigi« Räder, der nach sechs Jahren seine Tätigkeit beendet hatte, konnte Stabsfeldwebel Dieter Rath gewonnen werden, der zusammen mit seiner Frau Herta Rath und einem versierten Küchenchef, Bernd Fensch, die Gäste des Hauses in bewährter Form bewirtet. Der »Zahn der Zeit« hatte an der alten denkmalgeschützten Tagelöhnerkate überall, vom Dach bis zum Fundament, seine Spuren hinterlassen. Nachdem das Reetdach im März 2002 von Moos befreit und mit der Erneuerung des Heidefirstes und dem Anbringen neuer Windfedern in alter Schönheit wiederhergestellt worden war, wurde noch im gleichen Jahr auch mit einer vollständigen Sanierung der Außenmauern zum Schutz des Hauses vor eindringender Feuchtigkeit begonnen. Unter der Leitung des Architekten Oliver Juhnke aus Neustadt/Holst., der auf die Restauration von Denkmalschutzobjekten spezialisiert ist, und in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde des Kreises wurde das gesamte Außenmauerwerk des Hauses nacheinander abschnittweise entfernt, die schadhaften Holzfachwerke, die Ständer, Streben, Riegel, etc. mit Eichenholz aus einer 200 Jahre alten Feldscheune ausgebessert und erneuert, eine vorher nicht vorhandene Isolierdämmung eingefügt und sodann allseitig »fachgerecht« mit passenden Ziegeln das Mauerwerk erneuert. Eine Drainage wurde gelegt und das über die Jahrhunderte verschüttete Feldsteinfundament der Kate wieder sichtbar freigelegt. Die Westseite des Hauses wurde zum Rückbau einer »neuzeitlichen« baulichen Veränderung vollständig geöffnet und dort der ursprüngliche Zustand der Kate in typischer und denkmalschutzgerechter Form wiederhergestellt.

Nach einer dreimonatigen Bauzeit konnte die Restauration der »Alten 16« erfolgreich abgeschlossen werden, am 29. August 2002 zur Freude aller Beteiligten im Beisein des Schatzmeisters des Deutschen Bundeswehrverbandes, Herrn Martin Michels, die Bauabnahme erfolgen und am 2. Dezember 2002 die Einweihung der neuen »Alten 16« mit vielen Gästen gefeiert werden. Heute erinnert nur noch die »Traditionsinsel« mit der »Alten 16« und den beiden südlich dahinter stehenden ehemaligen Kasernengebäuden sowie der Adlersteele an die frühere Bedeutung der Kasernen für Wentorf und die umliegenden Gemeinden. Für viele Menschen waren sie Dienstort und Arbeitsplatz, auch ein Ort der kulturellen, gesellschaftlichen, kirchlichen und sportlichen Begegnungen und bleibt vielen inzwischen erwachsenen Mitbürgern auch als behütete Stätte eines fröhlichen Kindergartens in Erinnerung. Der Traditionsverband Panzergrenadierbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg« e.V. hat sich zu einer lebendigen und aktiven Gemeinschaft entwickelt.

Das schöne Clubhaus »Zur Alten 16« ist als zentraler Ort mit geselligen Zusammenkünften, interessanten Vorträgen, Tagungen und nicht zuletzt auch mit festlichen Veranstaltungen der Mittelpunkt des Traditionsverbandes und seiner Freunde. Beispielhaft für die vielen Aktivitäten des Traditionsverbandes seien hier die interessanten Wintervorträge mit militärischen und politischen Themen genannt, die vielen eindrucksvollen Exkursionen nach Munster, die jährlichen Fahrten zum Militär-Musikfest nach Berlin, die beliebten von »Sigi« Räder organisierten Reisen an die Mosel, in den Schwarzwald, ins Erzgebirge, nach Ungarn, nach Böhmen, etc. und natürlich die regelmäßigen und gut besuchten Jazz-Konzerte der BIB-Jazzband.

Am 1. Juni 2003 konnte bereits das 10-jährige Bestehen des Traditionsverbandes bei »Kaiserwetter« mit einem »Tag der offenen Tür« gefeiert werden. Dieser Tag war lange vorbereitet worden und sollte nicht nur eine Geburtstagsfeier sein, sondern auch dazu genutzt werden, den Traditionsverband und die »Alte 16« insbesondere den neuen Wentorfer Mitbürgern bekannt zu machen und ihnen die vielfältigen Angebote des Traditionsverbandes und das schöne Fachwerkhaus vorzustellen. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden des Traditionsverbandes, Oberstleutnant a. D. K.-H. Dammann, zum zehnjährigen Jubiläum und den Glückwünschen des Wentorfer Bürgervorstehers, Oberstleutnant a.D. Bernd Helms, des früheren 1. Vorsitzenden und jetzigen Ehrenvorsitzenden des Traditionsverbandes, Oberst a.D. Peter Dankert, sowie des Schatzmeisters des Deutschen Bundeswehrverbandes, Hauptmann a.D. Martin Michels, konnte das Fest mit Jazz-Musik, kühlen Getränken und leckeren Speisen beginnen. Innerhalb des Hauses war eine sehr informative Ausstellung zur Geschichte des Traditionsverbandes und der »Alten 16« vorbereitet worden, außerhalb des Hauses präsentierten sich an einem gemeinsamen Stand die Reservistenverbände aus Bergedorf, Reinbek und Wentorf, der Deutsche Bundeswehrverband war mit seinem Infomobil vertreten und im Garten des Hauses war bei den Kindern mit einer Torwand, einem Glücksrad sowie einem fröhlichen Schminken, das von Felicitas Wende, der Orts- und Fraktionsvorsitzenden der CDU Wentorf geleitet wurde, für sehr viel Spaß und Freude gesorgt. Das Fest wurde von einem Platzkonzert des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Wentorf/Börnsen begleitet und hat musikalisch zur fröhlichen Stimmung bei den vielen Gästen beigetragen. Der »Tag der offenen Tür« war ein voller Erfolg, hat den Traditionsverband als eine lebendige und sehr aktive Gemeinschaft gezeigt und die »Alte 16« in ihrer Schönheit und als offenes Haus für alle Bürger vorgestellt!