Chronik des Jägerbataillons 66

Wappen des Jägerbataillons 66
Wappen des Jägerbataillons 66

Die Heeresstruktur 4 brachte eine Verkleinerung, gleichzeitig aber auch Vermehrung der Verbände. Jede Heeresdivision erhielt zwei Jägerbataillone und ein Sicherungsbataillon zusätzlich. So wurde zum 15. April 1981 das Jägerbataillon 66 in Wentorf aufgestellt. Es wurde truppendienstlich für Friedenszeiten der Panzergrenadierbrigade 16 unterstellt. Für die Verteidigungsplanung unterstand es der 6. Panzergrenadierdivision in Neumünster direkt. Das Bataillon wurde mit Mannschaftstransportwagen M 113 ausgestattet und war, allerdings ohne diese Fahrzeuge, luftbeweglich, sodass es mit Hubschraubern jederzeit und an jedem Ort eingesetzt werden konnte. Neben dem Hauptauftrag, nämlich Verteidigung, war das Bataillon zum Jagdkampf sowie zum Schutz von Räumen und Objekten besonders befähigt.

Das Geschichts- und Traditionsbewusstsein, vor allem aber das Selbstverständnis der Jäger, wurde von Anfang an durch Oberstudienrat Siegfried Joppich, einen erlesenen Fachmann auf diesem Gebiet, mitgeprägt. In seinem Aufsatz über die »Ratzeburger und Lübbener Jäger« schreibt er: »Die große Tradition der Jäger gellt auf das Jahr 1744 zurück, als Friedrich der Große zwei Kompanien Jäger zu Fuß aufstellte (seit 1740 gab es bereits ein kleines »Reitendes Feldjägerkorps«). 1806 hatten die Jäger Regimentsstärke (2.125 Mann). Berühmtester Kommandeur des »Feldjäger-Regiments zu Fuß« war General York von Wartenburg, der 1808 an die Spitze der neu gebildeten Inspektion der Jäger und Schützen gerufen wurde.

Die Jäger galten von Anfang an und immer als Elitetruppe; Plänkler-Tätigkeit, Aufklärung, Vorpostendienst, Sicherung und Waldkampf waren ihre Hauptaufgaben. Durch alle Zeiten hindurch bis heute wurde und wird von ihnen ein hohes Maß an Motivation, selbstständigem Handeln, geistiger Beweglichkeit, körperlicher Fitness, kurz: ein »gewandtes und jägermäßiges Vorgehen« gefordert«. Eine solche Truppe galt es nun in dem ohnehin mit Soldaten gut belegten Standort Wentorf aufzustellen.

Wie sich diese Gründerzeit des Jägerbataillons gestaltet hat, schildert Hauptmann Ullrich Struck: »Am 26.2.1981 meldete ich mich als S 1-Offizier beim Leiter des Aufstellungsstabes Jägerbataillon 66, dem Technischen Offizier, Hauptmann Andres. Was ich vorfand, war eher bescheiden; so ähnlich musste es beim Aufbau der Bundeswehr Mitte der 50er Jahre auch zugegangen sein. Die Unterbringung des Jägerbataillon 66 war wie folgt vorgesehen: Bataillons-Stab, Technischer Bereich, Stabs- und Versorgungskompanie und 2. Kompanie in der Bismarck-Kaserne, die restlichen Kompanien (3./-, 4./-, 5./-) und die Fahrschule in der Bose-Bergmann-Kaserne. Der Stab befand sich im Gebäude des Sanitätszentrums im dritten Stock, gleich neben der Quarantänestation. Die S 1-Abteilung bestand aus einem Großraumbüro, in das außer mir noch fünf weitere Soldaten und eine Schreibkraft einziehen sollten. Das Jägerbataillon wuchs auch materiell erst langsam auf. Die Kfz-Ausstattung war zum Teil noch die erste Fahrzeuggeneration der Bundeswehr, und dem ersten Kommandeur sollte tatsächlich 1981 noch ein VW-Käfer zugewiesen werden. Auf Anraten des S 4-Offiziers wurde darauf jedoch verzichtet, und so fuhr der Kommandeur bei offiziellen Anlässen, z.B. bei Empfängen in Bergedorf, mit dem 0,5 t Iltis vor und erregte durchaus Aufsehen, wenn z.B. die Frau Gemahlin ebenfalls aus dem hohen Geländewagen stieg.

Die Schwerpunktarbeit in der Aufstellungsphase lag für den S 1-Offizier in der Truppenwerbung, die intensiv und mit allen, auch unkonventionellen Mitteln, und mit Rückgriff auf die Bergedorfer Paten erfolgreich betrieben wurde.« Nur wenige Wochen nach dem Aufstellungsappell, der am 15. 4. 1981 stattfand, gründete das Bataillon am 11.6.1981 eine Patenschaft mit dem Bezirk Bergedorf. Um die Geschichte dieser bis auf den heutigen Tag währenden Patenschaft besser zu verstehen, sollten wir uns Auszüge aus der Rede von Herrn Werner Neben ansehen, die er als damaliger Vorsitzender der Bezirksversammlung an diesem Tage aus Anlass der Begründung der Patenschaft zwischen dem Jägerbataillon 66 und dem Bezirk Bergedorf hielt: »Sehr geehrter Herr Oberst Klewin, sehr geehrter Herr Oberstleutnant Kobe, Soldaten des Jägerbataillons 66, liebe Bergedorfer Bürgerinnen und Bürger, liebe Gäste und Freunde, die Soldaten sind heute auf Einladung der drei in der Bezirksversammlung vertretenen Parteien zu uns gekommen. Sie weilen stellvertretend für alle Soldaten des Jägerbataillons 66 unter uns, und das aus einem ganz besonderen Grund: Wir, d.h. der Bezirk Bergedorf, möchten heute Abend in aller Form und mit allen Konsequenzen die Patenschaft über das Jägerbataillon 66 übernehmen. Dass diese Patenschaft nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, dafür werden wir uns einsetzen, dafür werden wir Sorge tragen. Und wir haben auch schon eine Reihe von Ideen, wie wir die Patenschaft mit Leben erfüllen wollen.

Und dass die Übernahme der Patenschaft nicht nur ein spontaner Gefühlsausbruch, sondern ein sorgsam überdachter und wohlüberlegter Entschluss aller Bergedorfer Bezirksabgeordneten ist, möchte ich Ihnen kurz deutlich machen: Bereits im Juni 1980, und zwar - der Zufall will es - ganz genau vor einem Jahr, nämlich am 11.6.1»80, ist in der Drucksache Nr. 718 zum ersten Mal festgehalten worden, dass der Bezirk Bergedorf ein sichtbares Zeichen für seine Verbundenheit mit den Soldaten der Nachbargemeinde setzen soll. Diese Tatsache und der gemeinsame Wille aller im Bezirksparlament Bergedorf vertretenen Fraktionen war die »geistige« Geburtsstunde der Patenschaft, die nunmehr förmlich begründet werden soll. Diese Patenschaft ist für uns Politiker eine ernste Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass den Soldaten aus Wentorf und speziell den Angehörigen des Jägerbataillons 66 das zuteil wird, was ihnen gebührt: die Anerkennung als Bürger in Uniform. Soldaten dürfen nicht ein Eigenleben in den Kasernen führen. Sie verrichten ihren Dienst wie jeder Bürger auch, der seinem zivilen Beruf nachgeht. Und sie haben das Recht, wie jeder Bürger auch, in der Freizeit am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sie sind nicht ausgeschlossen, nur weil sie Uniformen tragen. Und insbesondere die Wehrpflichtigen, die Soldaten sind, weil das Gesetz es befiehlt, sollen nicht zusätzlich unter der Wehrpflicht leiden. Ihnen wollen wir es etwas leichter machen. Sie sollen sich als unsere Gäste betrachten, die wir gerne sehen. Denn abgesehen von ihrer eigentlichen Aufgabe, unser Vaterland und unsere Freiheit zu beschützen, erfüllen unsere Soldaten noch einen weiteren guten Zweck: Der Ruf nach Hilfe, nach Hilfe durch unsere Bundeswehr in Zeiten der Not, wie auch Bergedorf sie kennt - ich erinnere daran, dass z.B. die Bedrohung durch Sturmfluten trotz hoher Deiche nicht vollends gebannt ist - allein dieser Ruf sollte für jeden von uns Verpflichtung sein, die Helfer in der Not in guten Zeiten wie gute Freunde zu behandeln. Dafür wollen wir uns einsetzen, dafür wollen wir Pate sein.«

Der langjährige stellvertretende Vorsitzende der Bezirksversammlung, Dr. Detlef Daur, erinnert sich heute an diese Patenschaftsgründung, die in der Bevölkerung nicht nur auf Verständnis oder gar Freude stieß (immerhin stand man am Beginn der so genannten Nachrüstungsdebatte): »Es war symbolisch, dass die offizielle Begründung der Partnerschaft in einer wirklich denkwürdigen Veranstaltung anlässlich eines Rathausfestes in Bergedorf massiv gestört wurde und die Soldaten Arm in Arm mit den Bergedorfer Bürgern, gleich welcher Partei, gegen die Störer tatkräftig und erfolgreich Front machten. So etwas verbindet und hat sicher dazu beigetragen, dass eine sehr enge und vielleicht sogar einmalige Partnerschaft über viele Jahre hinweg gedieh. Beide Seiten erfüllten ihren Bereich mit Leben und suchten den Partner in seinen Lebensbereich einzuführen, Verständnis zu wecken und ihn an seinem Leben teilnehmen zu lassen. Ein dichtes Netz von Beziehungen und Freundschaften wurde geknüpft, gemeinsame Veranstaltungen geplant und durchgeführt, und der Kreis der Menschen, die diese Partnerschaft trugen, wurde immer größer, bis die Bergedorfer, wenn sie es denn wollten, - und das waren sehr viele schon - von »ihren« 66ern sprachen. Und es war nur selbstverständlich, dass später die Truppenfahne des Jägerbataillons 66 das Fahnenband der Stadt Hamburg vom Regierenden Bürgermeister persönlich verliehen bekam.«

Bergedorf, Stadt im Stadtstaat - von Dr. Klaus-Detlef Daur

Wappen Bergedorf
Wappen Bergedorf

Die Geschichte der Stadt Bergedorf erklärt den Bürgerstolz, denn dass Bergedorf zu Hamburg gehört, geht auf eine Art Deal zwischen den Hansestädten Lübeck und Hamburg zurück; und der ist, gemessen an der Länge der historischen Entwicklung Bergedorfs und seiner Umgebung, noch gar nicht lange her. Aber darüber etwas später. Wen wundert es, wenn in der Geschichte Bergedorfs auch von Soldaten und kriegerischen Auseinandersetzungen die Rede sein muss. Macht wurde auch damals nicht nur erhandelt, sondern meistens erkämpft. Beginnen wir mit der ersten urkundlichen Erwähnung 1162. Zu der Zeit war Bergedorf schon ein wichtiger Ort, ein Kirchspiel, das zum Lauenburgischen gehörte, allerdings nicht sehr lange, denn die Dänen besetzten 1202 das nahe Hamburg und auch Bergedorf. Der Statthalter des Dänenkönigs, Graf Albrecht von Orlamünde, ließ 1208 den Mühlendamm aufschütten, die Bille aufstauen und baute eine kleine Wasserburg, den Vorläufer des Schlosses. Nach der Niederlage der Dänen bei Bornhöved 1227 verloren diese die eroberten Gebiete wieder, und nach der politischen Neuordnung fanden sich die Bergedorfer im Herzogtum Sachsen - etwa dem heutigen Kreis Herzogtum Lauenburg - wieder.

Ihr kleines Städtchen, wirtschaftlich von immer größerer Bedeutung, hatte 1275 das Möllner Stadtrecht verliehen bekommen. Dies wurde 1315 noch einmal bestätigt und das in Mölln geltende Lübische Recht wurde in Bergedorf eingeführt. Bergedorf- Lauenburg - Dänemark-Lübeck... von Hamburg kaum die Rede. Wir können den Bericht abkürzen, denn in den folgenden Jahrhunderten wurde die Entwicklung Bergedorfs beeinflusst durch -wie sollte es auch anders sein - die Machtinteressen seiner großen Nachbarn: Auf der einen Seite die Handelsachse zwischen den Hansestädten Hamburg und Lübeck, andererseits die Askanier, die das Herzogtum Sachsen und damit auch damals das Lauenburgische beherrschten. Ein Waffengang verlief zum Vorteil der Hanseaten; die Bergedorfer erhielten eine »beiderstädtische Staatsangehörigkeit«. Dieses ungewöhnliche Verwaltungsmodell bewährte sich über Jahrhunderte. Vom 30jährigen Krieg verschont, 1806 bis 1813 französisch besetzt, 1867 für 200.000 Taler von Lübeck an Hamburg verkauft, wurde es 1937 durch das »Groß-Hamburg-Gesetz« endgültig einverleibt. Von einer Soldaten-Tradition kann man in Bergedorf kaum sprechen. Zu Beginn der beiderstädtischen Zeit wurde das Schloss, das man als Festung ansah, von 12 »wehrhaftigen, frommen Leuten« bewacht. War Gefahr im Anzug, schickten die Hansestädte Verstärkung. Im 17. Jahrhundert hören wir von einer kleinen Garnison von 28 Mann, die natürlich im Ernstfall nicht viel ausrichten konnte. Ein solcher Fall war 1686 eingetreten, als das Schloss dem anrückenden Herzog von Braunschweig kampflos übergeben werden musste. 1805 wurde das Schloss von seiner Aufgabe als Festung »entpflichtet«, sodass den Franzosen auch kein Widerstand entgegengesetzt werden musste. Nach deren Abzug wurde wieder eine Garnison eingerichtet, die sogenannten Stadtsoldaten: 1 Sergeant, 3 Korporale, 12 Mann.

Hauptaufgabe: Die Polizei bei der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung zu unterstützen und den Zugang zum Schloss zu bewachen. Sie hatten, wie nachzulesen ist, eine bunte Uniform und eine nach heutigen und wohl auch damaligen Maßstäben schlechte Disziplin. 1874 wurden sie nach Hause geschickt. Ähnlich wie die Bürgerwehr von 1848. Sie war in politisch unruhigen Zeiten gegründet worden, um herumziehenden Banden - es lief das Gerücht, das Schloss sollte gestürmt werden - Einhalt zu gebieten. 100 Freiwillige meldeten sich, bekamen von den Frauen Bergedorfs eine Fahne gestiftet (auf rotem Tuch das Bergedorfer Wappen) und übten auf einem Schießstand in der Chrysanderstraße das Schießen. Nach Einführung der Wehrpflicht und der Auflösung aller Bürgerwehren im Jahre 1873, traten die Mitglieder in die neu gegründete Schützengesellschaft über. Und jetzt gehörte Bergedorf ja ganz Hamburg, was natürlich der Stadt im Stadtstaat keine eigene militärische Hoheit mehr erlaubte. Was bis heute geblieben ist, ist das anfangs erwähnte Selbstbewusstsein, von dem keiner genau sagen kann, woher es kommt. Aber die Geschichte der Stadt könnte eine Ursache sein. So ist die Offenheit der Bergedorfer zu den Soldaten jenseits der Landesgrenze, zur Panzergrenadierbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg« - auch historisch gesehen - nicht so ungewöhnlich. Es ist ja nicht das erste Mal, dass die Lauenburger für die Bergedorfer eine wesentliche Rolle spielen.

MTW 113 auf Appellplatz der Bose-Bergmann Kaserne (Otto Antl)
MTW 113 auf Appellplatz der Bose-Bergmann Kaserne (Otto Antl)

Wir sind in der Gegenwart und denken an die Partnerschaft des Jägerbataillons 66 mit der Stadt Bergedorf. Es war in den vergangenen Jahren ein beruhigendes Gefühl, einen solchen Partner »auf Abruf« in der Nähe zu haben. Erwähnt seien die Einsätze bei Sturmflutgefahr, die Transporthilfe bei Versorgung von Flüchtlingen, die logistischen Hilfen bei Festen in Bergedorf, die Organisation des 66-km-Marsches und vieles andere mehr. Doch die Geschichte nimmt ihren Lauf. Auch wir müssen Liebgewordenes aufgeben. Für Bergedorf gehört dazu bestimmt die Partnerschaft zu den Soldaten der Panzergrenadierbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg«. Die beispielhafte Patenschaft mit dem Jägerbataillon 66 ist damit jedoch nicht zu Ende. Neben vielen Freundschaften, die sich gebildet haben, ist der »Freundeskreis Jägerbataillon 66 e.V.« stark wie eh und je, und die gute Sitte, sich an jedem »Letzten Sonntag im Monat« (LeSoMo) zu treffen, scheint unzerstörbar. Das Bataillon war gerade 5 Monate alt, als eine Mannschaft der 2. Kompanie am NEC-Wettkampf in Dänemark teilnahm und prompt den 1. Platz belegte. NEC-Wettkampf oder NECK (Northern European Command Infantery Competition); was sich dahinter verbirgt, schildert uns Oberleutnant Matthias Kasper, der jahrelang Mannschaften trainiert und auch selbst mehrmals am Wettkampf teilgenommen hat: »Der Wettkampf wurde 1969 ins Leben gerufen, um die Qualität der Infanteristen im Kommandobereich Europa Nord zu vergleichen und zu demonstrieren sowie die Freundschaft zwischen den teilnehmenden Staaten zu fördern. Der Wettkampf bestand ursprünglich aus einem Spähtrupp bei Nacht, einer infanteristischen Vielseitigkeitsprüfung des Einzelschützen mit 10 Stationen (Pz-Erkennung, Schießen, ABC-Abwehr, Hindernisbahn etc.), je einem Gruppenverteidigungsschießen bei Tag und Nacht sowie einem 15 km Geländelauf mit Ausrüstung und bis zu 6 Stationen (Schlauchboot, Hindernisbahn etc.), die auf Zeit zu bewältigen waren.

Mitte der 80er Jahre wurde das Niveau so gesteigert, dass man mit den üblichen drei Monaten Training nicht mehr auskam und auf bis zu zwölf Monate steigerte. So suchte das Jägerbataillon 66 1985 seine Wettkämpfer mit Masse im eigenen Bataillon aus, konnte sich aber in Norwegen nicht durchsetzen. Den immens gestiegenen körperlichen Anforderungen konnte man erst bei den folgenden Teilnahmen Rechnung tragen. 1988 suchte das Jägerbataillon 66 die besten Soldaten aus den vier Jägerbataillonen nördlich der Elbe aus und konnte dann den Wettkampf im norwegischen Evjemoen für sich entscheiden. Den Männern wird die Teilnahme am NEC als die große Herausforderung in ihren bisherigen Leben in Erinnerung bleiben, als ständig wiederkehrende Annäherung an die körperliche und seelische Leistungsgrenze; über allem aber steht für sie das Erlebnis der Kameradschaft im Team, das Bewusstsein, für den Zug, die Kompanie, das Bataillon und letztlich für Deutschland ihr Bestes gegeben zu haben.« Diejenigen Soldaten, die mit der Logistik dieses Abenteuers zu tun hatten, dachten bisweilen ganz anders darüber, interpretierten das Kürzel NEC als »never ending Chaos«. Inzwischen gingen zwischen dem Jägerbataillon 66 und den Bergedorfer Paten die Einladungen hin und her. Am 2. 10. 1981 lud das Bataillon zum ersten Mal alle Bergedorfer Bürger zu einem großen Jägerbiwak in die Wentorfer Lohe ein. Dieses Jägerbiwak wurde ein voller Erfolg und ab sofort zur jährlichen Tradition im Jägerbataillon 66.

Was das Jägerbiwak bedeutet, was es beinhaltet, schildert uns Hauptmann Michael Matz: »Das Jägerbataillon 66 führte seit 1981 regelmäßig die so genannten »Jägerbiwaks« als Teil des Stadt-Rathausfestes durch. Ziel war es, die Leistungsfähigkeit des Jägerbataillons vor einem großen Publikum darzustellen und den zivilen Gästen aus dem Patenbezirk Bergedorf, den Soldaten und Ehemaligen eine »Plattform« der Begegnung zu bieten. Der Programmablauf war standardisiert.

Nach einer Vorführung, einer Waffen- und Geräteschau und einem Kinderprogramm wurde der Biwakplatz von der Bezirksamtsleiterin, Frau Christine Steinert, sowie dem jeweiligen Kommandeur des Jägerbataillons eröffnet. Bei »jägermäßigem« Imbiss, Bier und Livemusik wurde bis tief in die Nacht gefeiert. Besonderes Organisationsgeschick erforderte die Beschaffung der Zelte, der Bestuhlung, der Beleuchtung sowie der Dekoration. Mit sehr viel Engagement und mit selbstloser Unterstützung vieler Bergedorfer Verbände sowie der mit der Durchführung betrauten Kompanien wurde regelmäßig in kurzer Zeit eine Spitzenleistung erbracht. So konnte Oberstleutnant Manfred Graumann anlässlich des letzten Jägerbiwaks im September 1991 nahezu 1.500 Gäste aus dem zivilen und militärischen Umfeld begrüßen und bei dieser Gelegenheit einige sehr verdiente Bürger aus dem zivilen Umfeld würdigen. Ein ebenfalls wichtiger Moment während der Jägerbiwaks.« Ani 27.9.1982 übernahm Oberstleutnant Helmut Beeck das Jägerbataillon 66. Er legte die Schwerpunkte für die Ausbildung fest (Zitat: »Schießen, Schanzen, Sport«) und zementierte darüber hinaus den Grundstein für eine aktive Öffentlichkeitsarbeit.

Vor und über allem aber stand die Idee und der Wille, im Bataillon Korpsgeist zu schaffen. Beeck über Beeck: »Ich sammele nicht Briefmarken oder Bierdeckel, ich sammele Menschen!« Die ersten Jägerabende hatten den Zweck, das Führerkorps des auf die beiden Wentorfer Kasernen verteilten Jägerbataillons zusammenzuführen, Gedanken auszutauschen, sich besser kennenzulernen. Aus der Situation, in einer seit Jahrzehnten gewachsenen Brigade jederzeit bestehen zu müssen und im Wissen um die Besonderheiten und das historische Erbe der Jägertruppe, wuchs im Jägerbataillon 66 bereits in den ersten Jahren ein besonderer Geist der Kameradschaft und des Zusammengehörigkeitsgefühls. Dieser Korpsgeist, der in nur wenigen Verbänden der Bundeswehr so ausgeprägt war wie bei den Wentorfer Jägern, sollte der Schlüssel zum Erfolg in der Geschichte des Bataillons sein. Alsbald erwies es sich als sinnvoll, außer diesem so genannten »kleinen« auch einen »großen« Jägerabend mit den Bergedorfer Freunden zu veranstalten. Unter Oberstleutnant Beeck wurden auch die ersten »Ehrenjäger« ernannt. Beim Jägerbiwak am 9.9.1983 wurden vor über 1.000 Gästen zum ersten Mal Bergedorfer Bürger, die sich um die Patenschaft besonders verdient gemacht hatten, zu Ehrenjägern ernannt, die sich besonderen »Leitsätzen für Ehrenjäger« verpflichtet fühlten, wie z. B.: 5. Der Ehrenjäger möge immer bestrebt sein, die Patenschaft zwischen dem Bezirk Bergedorf und dem Jägerbataillon 66 mit Wort und Tat zu stärken. Zu Ehrenjägern des Jägerbataillon 66 wurden ernannt: Heinz Dietze (1983); Heiner Klemm (1983); Jörg König (1983); Jürgen Riepe (1983); Werner Neben (1984); Dr. Klaus Detlef Daur (1984); Egon Boldt (1984); Siegfried Joppich (1984); Wolfgang Schmahl (1985); Reiner Alpen (1985); die Herren Klemm und Riepe wurden zu »Oberjägern« ernannt; Siegwart Zur (1986); Ulrich Hafenstein (1986); Manfred Ehlers (1988); Christine Steinert (1992); Margret Dietze (1992); Paul Lösche (1992); Ralph Mierke (1992).

Verleihung der Flagge der Lützower Jäger in der Wentorfer Lohe
Verleihung der Flagge der Lützower Jäger in der Wentorfer Lohe

Im Frühjahr 1984 wurde im Jägerbataillon 66 die Idee geboren, die bereits bestehende Patenschaft mit dem Bezirk Bergedorf durch eine feste Veranstaltung zu vertiefen. Nach kurzer Vorbereitungszeit fiel der Startschuss im Mai für den LeSoMo (Letzter Sonntag im Monat). Bürger des Bezirkes Bergedorf und Soldaten des Jägerbataillons -später auch des Panzergrenadierbataillons 162 - trafen und treffen sich immer am letzten Sonntag im Monat im Standortoffizierheim zu einer fröhlichen Runde.

Die Veranstaltung wurde sehr schnell zu einer festen Größe im Terminkalender, und es gab keine Ausnahmen, selbst wenn der nächste Tag der Jahreswechsel war. Höhepunkt des LeSoMo waren die Endspieltage der Fußballweltmeisterschaften 1986 und 1990, an denen 100 Personen auf der Terrasse das Geschehen an mehreren Fernsehgeräten verfolgten und Tore/Gegentore mit Freudenschreien oder derben Ausdrücken kommentiert wurden. Nach der Beurkundung der Patenschaft zwischen dem Bezirk Bergedorf und dem Jägerbataillon 66 hat sich das Jägerbataillon regelmäßig an den Aktivitäten während des Stadt- und Rathausfestes in Bergedorf beteiligt. Insbesondere in der Vorbereitung dieser Veranstaltungen halfen die Jäger ihren Paten, beispielsweise beim Heranführen und Aufbauen von Bühnen, Podesten und Pontons sowie beim Zeltbau. Während des Stadt-/Rathausfestes waren die Offiziere, »Oberjäger« (also: Unteroffiziere) und Mannschaften des Jägerbataillons die Olivtupfen auf der Rathauswiese, der Festmeile und an anderen Veranstaltungsorten. Um die »Hausnummer« des Bataillons während der Feste in Bergedorf zu repräsentieren, wurde ab 1984 der 66 km-Marsch durch den Bezirk Bergedorf eingeführt. Am Samstag und Sonntag eines jeden Stadtfestes galt es, je 33 km hinter sich zu bringen.

In großer Zahl marschierten die Soldaten des Jägerbataillons und der Reservistenverbände durch die Chausseen, Alleen und Wege des Bezirkes; leider konnten nicht immer ebenso viele zivile Teilnehmer zu dieser anstrengenden, aber schönen Veranstaltung »befohlen« werden. Nach den ersten 33 km sah man regelmäßig Soldaten der marschierenden Mannschaften über das Stadtfest bummeln, viele Betreiber von Fahrgeschäften ließen dann ihre Karussells für die Soldaten etwas länger fahren. Am Ende des zweiten Tages wurden die Mannschaften im Festzelt durch den Präsidenten der Bergedorfer Bezirksversammlung, Herrn Egon Boldt, gewürdigt. Die schnellste und die kopfstärkste Mannschaft erhielt einen Pokal - die Gewinner: Mannschaften des Jägerbataillons 66. Zwischen den Festen ging man immer wieder auf Truppenübungsplätze, um die Spannkraft der Truppe zu erhalten.

Gefechtsschießen und Manöver wechselten dabei einander ab. Um einen möglichst hohen Grad der Gefechtsbereitschaft herzustellen und zu jeder Zeit zu halten, ließ sich Oberstleutnant Beeck eine Spezialität einfallen, die nicht nur von Außenstehenden mit einer Mischung aus Bewunderung, Neid und Mitleid bedacht wurde: Die Standardübung »Adlerkralle«. Die Vorbereitungen für die Übungen ließ der Kommandeur im kleinsten Kreis und unter größter Verschwiegenheit durchführen, so dass plötzlich während des Routinedienstes eine solche Übung »aus dem Hut« gezogen werden konnte. Mit diesen Gefechtsübungen, die fast ausnahmslos im Raum Schleswig-Holstein durchgeführt wurden und bei denen immer ein kombinierter Luft- und Landmarsch geübt wurde, machte sich das Jägerbataillon 66 in der 6. Panzergrenadierdivision einen Namen. »Gefürchtet« waren die Wentorfer Jäger an der Bollingstedter Au, im Raum Ostholstein und im Segeberger Staatsforst. Ob in der Verteidigung, im Angriff oder bei Jagdkampfvorhaben, immer wurden auch die jüngsten Soldaten des Bataillons während solcher Übungen integriert. Wie sich herausstellte, eine richtige Entscheidung, fühlten sie sich doch nun als »richtige Jäger«. Unter Oberstleutnant Beeck wurden 13 »Adlerkrallen« durchgeführt, ein letztes Mal stieg der Adler 1988 unter Oberstleutnant Klaus Beardi in die Lüfte. Am 26. 3. 1986 wurde Oberstleutnant Klaus Beardi, in der Brigade 16 ein »alter Hase«, mit der Führung des Bataillons beauftragt. Als Panzergrenadier musste Beardi zunächst seine Jäger-ATN erwerben.

Das ging nicht leicht, aber schnell: Er wurde mit seinem Bataillon in eine Gefechtsübung geworfen, nach der bekannten Management-Regel: »Machen Sie mal, Sie machen das schon«. Der gelernte Personaloffizier Beardi fügte die Soldaten des Bataillons mit sicherer Hand zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen, und er intensivierte die gemeinsamen Freuden und Pflichten mit den Bergedorfer Paten weiter. Zu den Pflichten gehörte auch eine Sonderform des »Ernstfalles«, nämlich die gemeinsame Deichverteidigung. Das Jägerbataillon war für die Deichverteidigung im Patenbezirk Bergedorf zuständig. Die Besonderheit dieser Situation bestand darin, dass ein in Schleswig-Holstein stationierter Truppenteil für einen 30 km langen Elbdeichabschnitt in Hamburg (Bezirk Bergedorf) verantwortlich war. Im Falle eines Hochwassers/einer Sturmflut wären Teile des Jägerbataillons mit anderen Hilfsorganisationen an der Deichlinie eingesetzt worden. Um im »Frieden«, d.h. bei Niedrigwasser, diese Zusammenarbeit zu üben, wurden regelmäßig Planübungen im Rathaus des Bezirks Bergedorf durchgeführt. Vertreter der Bundeswehr waren hier weniger als Berater, denn als Beobachter gefragt. Höhepunkt der Deichverteidigungszusammenarbeit zwischen dem Jägerbataillon 66 und dem Bezirk Bergedorf war eine Deichverteidigungsübung an einem herbstlichen Sonnabend im Jahr 1989. Neben freiwilligen Feuerwehren, THW und DRK waren auch zwei Jägerzüge der 2./- unter Führung von Hauptmann Michael Matz eingesetzt. Nur mit Mühe konnte der Leitende der Übung davon überzeugt werden, dass die Jäger nur mit ihren Kettenfahrzeugen an der »Veranstaltung« teilnehmen konnten (in Ermangelung von LKW). Den vielfältigen Beziehungen zwischen den Bürgern des Patenbezirks Bergedorf und den Soldaten des Jägerbataillons wurde am 23. 3. 1988 eine neue Plattform gegeben. Der Bergedorfer Freundeskreis Jägerbataillon 66 e. V. wurde ins Leben gerufen.

Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die vielfältigen Verbindungen der 66er zu den Bergedorfern, insbesondere auf sportlichem und kulturellem Gebiet, zu intensivieren, dabei sollten alle Soldaten des Bataillons, vor allem die Wehrpflichtigen, von diesem »Unternehmen« profitieren. Der 1. Vorsitzende, Herr Manfred Ehlers, und sein Vorstand legten Grundsteine für die Vereinsarbeit. Besuche bei den diensttuenden Soldaten zu Weihnachten und Silvester wurden organisiert, Fahrten zum Kennen lernen des Patenbezirks angeboten und »Pateneltern« für ein Wochenende nach einer Übung gesucht - und gefunden, sogar ein Jubiläumsball in Bergedorf wurde durchgeführt. Ab 1991 zeichnete der Vorstand unter dem 1. Vorsitzenden, Herrn Horst Oehlers, für die Freundeskreisarbeit verantwortlich. Auf solider Grundlage aufbauend, organisierte der mittlerweile mehr als 250 Mitglieder zählende Verein eine Vielzahl von Veranstaltungen. So wurden Vierlandenfahrten für Wehrpflichtige des Bataillons, Besuche bei Ferdinand Fürst von Bismarck mit Offizieren und Vorstandsmitgliedern, eine Barkassenfahrt auf der Elbe von Hamburg nach Bergedorf, Theaterabende im Haus im Park u.v.m. durchgeführt, dass auch nach Außerdienststellung des Jägerbataillons 66 die Mitgliederzahl des Vereins steigt, die Aktivitäten des Freundeskreises, jetzt auf das Panzergrenadierbataillon 162 konzentriert, ungebrochen sind, zeigt die Einmaligkeit, Harmonie und Intensität der Beziehungen zwischen den Wentorfer Soldaten und den Bürgern Bergedorfs. Damit das Jägerbataillon nicht übermütig werde, hatte der Dienstherr ihm gleich zu Anfang zusätzlich eine Fahrschulgruppe unterstellt. Diese bildete unentwegt Soldaten zu Militärkraftfahrern (fast) aller Führerscheinklassen aus. Der erste Fahrschulleiter war ein Feldwebel »von altem Schrot und Korn«, geradlinig und hart, aber mit dem »Händchen« für den Umgang mit Soldaten. So verfügte die Fahrschulgruppe Wentorf 2 -- wie sie später hieß --über einen soliden und hoch motivierten Ausbilderstamm. Sein Nachfolger, Hauptmann Bernhard Jänicke, erinnert sich: »Die Übernahme der Dienstgeschäfte vom Vorgänger, Oberstabsfeldwebel Müller, lief ohne Probleme, außer dass ich eine große Lücke zu füllen hatte: Mein Vorgänger wurde »Mister 100%« genannt, weil immer alle seine Fahrschüler ihre Prüfung zu 100%, bestanden. Dank der profihaften Ausbildung durch die erfahrenen Fahrlehrer, die sämtliche MTW-Fahrschüler der Brigade 16 ausbildeten, konnten wir diesen Stand aber doch halten. Einmal kam unser Kommandeur, Oberstleutnant Beardi, jedoch mit einem besonderen Auftrag zu mir: Ein Rekrut war in der Grundausbildung dadurch aufgefallen, dass er, obwohl er nach längeren Märschen dicke Wasserbeine bekam und sich hinlegen musste, verbissen und mit großem Eifer weiter an jeder noch so fordernden Ausbildung teilnahm und sich nicht etwa innendienstkrank schreiben ließ. Dieser Soldat kam aus denkbar schwierigen Familienverhältnissen, hatte keinen Schulabschluss, Schwierigkeiten mit der Aussprache und der Rechtschreibung, war aber in seiner neuen militärischen Heimat vorbildlich aufgenommen worden (von Vorgesetzten und Gleichgestellten) und fühlte sich hier das erste Mal wie zu Hause. Er wurde so, wie er war, voll akzeptiert. Auf die Frage des Kommandeurs, der von seinem Kompaniechef auf den Soldaten aufmerksam gemacht wurde, was er denn nach der Grundausbildung im Jägerbataillon 66 machen wolle, antwortete der Soldat: »Am liebsten Fahrer, Herr Oberstleutnant, aber ich habe keinen Führerschein.«

So kam es, dass wir in unserer Fahrschule diesen Soldaten durch intensive Ausbildung und viel Geduld dahin brachten, dass er die Prüfung erfolgreich absolvierte. Später hörte ich, dass dieser Soldat sich auf vier Jahre verpflichtet hatte und in der S 1-Abteilung als Kraftfahrer dadurch bestach, dass er sich um alle Fahrzeuge vorbildlich kümmerte, die VW-Busse sogar mit Teppichen auslegte und ein unermüdlicher und unersetzlicher Mitarbeiter wurde. Er wurde von seinen Vorgesetzten geschätzt und geachtet. Der Soldat fand hier die Nestwärme und Beachtung, die ihm in seinem bisherigen Leben nicht in diesem Maße zugedacht worden waren. Diese kleine Geschichte zeigt auch einen Ausschnitt aus dem vorbildlichen Klima und Teamgeist im Jägerbataillon 66, das ich - sehr unglücklich darüber - bald verlassen musste, um in der Fahrschule eines anderen Bataillons eingesetzt zu werden.« Im Herbst 1988 sickerte durch, dass Oberstleutnant Beardi das Bataillon im März 1989 verlassen würde. Er befand sich zu der Zeit im Urlaub, der S 3-Stabsoffizier wurde vom Kompaniechef der 1. Kompanie vertreten, als dem Bataillon ein zusätzlicher Truppenübungsplatzaufenthalt angeboten wurde: entweder SENNELAGER oder HAMMELBURG, beide im Februar. Als der gestresste Kommandeurvertreter gerade seinen Entschluss mit Begründung für SENNELAGER getroffen hatte und an die Brigade weitermelden wollte, kam in Zivil der Kommandeur des Weges und sagte knapp: »Die Lösung ist nicht schlecht, aber nur teilweise richtig. Wir wählen beide!« So zog Oberstleutnant Beardi mit seinem Bataillon zum Abschluss seiner Komnmandeurszeit für 9 Tage in die SENNE (Anmarsch: Rosenmontag) und von dort aus für weitere 8 Tage nach HAMMELBURG. Am Rande bemerkt: In diesen Februartagen wurden plus 18 °C in der SENNE-Sonne gemessen. Wenige Wochen später wurde Oberstleutnant Beardi von den Jägern und zivilen Mitarbeitern mit »Horrido« und »Waidmannsheil«, aber auch mit viel Wehmut verabschiedet.

Das Bataillon stand »prall-elastisch« (Originalton Beardi) und hochmotiviert da, sicherlich auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Am 14. 4. 1989 übergab der Brigadekommandeur, Oberst Ocken, das Jägerbataillon an Oberstleutnant Günther Weblus, einen Generalstabsoffizier, der aus dem schönen belgischen Dörfchen »SHAPE« nach Wentorf versetzt wurde. Günther Weblus ist Fallschirmjäger, freut sich auf die Truppenführerverwendung und wird von seiner putzmunteren Truppe schnell überzeugt, denn es ist wieder einmal Brigadesportfest. Das Brigadesportfest wurde zwischen 1985 und 1989 insgesamt fünfmal durchgeführt. Beseelt durch das Leistungsvermögen und den Zusammenhalt im Jägerbataillon und um das Wissen, einem besonderen Infanterieverband anzugehören, starteten unsere Mannschaften und Einzelsportler.

Sie konnten sich der anfeuernden Rufe ihrer Jägerkameraden gewiss sein, die zu Hunderten die Sportstätten säumten, und so ist es nicht verwunderlich, dass sich auch hier die Jäger durch herausragende Einzel- wie Mannschaftsleistungen im Rahmen der Brigade behaupten konnten. Insgesamt viermal konnte das Bergedorfer Patenbataillon den Titel des »Brigademeisters« erringen und sich vor den übrigen Bataillonen der Brigade platzieren; nur 1987 musste der Pokal dem Panzergrenadierbataillon 162 überlassen werden. Aber dieses stellte sich nur als eine kurzfristige Leihgabe heraus, denn bereits ein Jahr später kehrte der »Pott« an seinen angestimmten Platz zurück. Als das Jägerbataillon 66 im Jahr 1989 den Pokal zum vierten Mal gewinnen konnte, bemerkte der damalige Brigadekommandeur. Oberst Rolf Ocken: »Wir müssen uns für das nächste Jahr wohl neue Spielregeln oder ein Handicap überlegen, damit die Jäger nicht wieder so deutlich gewinnen.« Gesagt - getan. Ab 1990 gab es kein Brigadesportfest mehr, sondern es wurden »Brigadewaldlaufmeisterschaften« in der Wentorfer Lohe ausgetragen. Aber auch das half nicht viel.

Teile der 1 Kompanie angetreten (Chronik 1-JgBtl66)
Teile der 1 Kompanie angetreten (Chronik 1-JgBtl66)

Nach einer kurzen Umgewöhnungsphase konnte das Jägerbataillon 66 bereits 1991 mit der 5. Kompanie auch hier den 1. Platz belegen. Höhepunkt in der Ausbildung der Führer, Unterführer, Teileinheiten und Einheiten waren auch im Jägerbataillons 66 die Truppenübungsplatzaufenthalte. Regelmäßig verlegte das Bataillon bzw. Einheiten auf Übungsplätze in Deutschland und Dänemark, um im nationalen oder internationalen Rahmen zu trainieren. Der Anmarsch erfolgte in der Regel im Land-, Luft- und Eisenbahntransport, welches besonderes Können von Offizieren, »Oberjägern« und Jägern verlangte. Eine Meisterleistung vollbrachte das Infanteriebataillon, als es 1988 Land-, Luft- und Eisenbahnstaffel in OKSBOL/Dänemark miteinander koppelte. Der »Hausübungsplatz« des Jägerbataillon 66 war zweifelsohne der Truppenübungsplatz HAMMELBURG. Das Bataillon genoss das Privileg, als einziges leichtes Infanteriebataillon der Bundeswehr jährlich den Ortskampf in BONNLAND zu üben. Höhepunkte in der Geschichte des Verbandes waren u.a.: ein Nachtangriff der 4. Kompanie unter Hauptmann Gerd Johannes Hagemann gegen die erstmals mit Nachtsichtgeräten Mira ausgestattete 2. Kompanie, verstärkt durch den Panzerabwehrzug des Bataillons.

Der Nachtangriff wurde frühzeitig aufgeklärt, der Angriff war gescheitert. Während des letzten Truppenübungsplatzaufenthaltes der 2. Kompanie in HAMMEL-BURG -. unter Hauptmann Michael Matz - hatte die Kompanie gegen die 2./Panzergrenadierbataillon 161 den Ort zu verteidigen. Dank guter Verteidigungsvorbereitung, hervorragender Aufklärung und listenreichen Handelns der Jäger konnte auch dieser Angriff abgewehrt werden. Da das Jägerbataillon 66 in der Regel andere Übungsplatzzeiträume hatte als die Brigade, gilt es, ein Augenmerk auf die Dienstaufsicht zu werfen: Durchweg gute Erinnerungen in Form von Rundflügen mit dem Verbindungshubschrauber des Brigadekommandeurs, der Freude an der Einnahme der Mittagsverpflegung im Kreise der Jäger (Leberwustbrötchen!), die Frage einer roten Taschenleuchte nach der Parole, die Beglückwünschung des Jäger-Kommandeurs zum 25jährigen Dienstjubiläum sowie die Verwunderung über den Namen des Dorfplatzes der Ortschaft BONNLAND sind vorhanden. Wenn sich auf Übungsplätzen nicht genügend Dienstaufsicht einstellte, wusste sich das Jägerbataillon stets selbst zu helfen: Unbeschreibliche Freude lösten bei den »unbeteiligten« Zuschauern/Zuhörern die meisterhaften Auftritte des Hauptmanns Michael Matz als »General von Falkenhayn« aus! In unvergleichlicher Weise verstand (und versteht) Matz es, unseren hochverehrten, manchmal wohl auch »leicht gefürchteten« ehemaligen Brigade- und jetzigen Divisionskommandeur zu imitieren. Hauptmann Matz begnügte sich häufig nicht damit, unter frenetischen Beifallsstürmen der Anwesenden Manöverkritik mit täuschend echt imitierter Stimme, Wortwahl und Inhalt wiederzugeben. Zuweilen zwang er von ihm »hochverehrte Kameraden« zu unvorstellbaren Schweißausbrüchen, indem er ihnen am Telefon mitteilte, er befände sich bereits in ihrer Kaserne und erwarte in 30 Minuten einen »LVU« (Lagevortrag zur Unterrichtung). Eingeweihte können sich vorstellen, welche Betroffenheit bei den Angerufenen ausgelöst wurde; die Unbeteiligten konnten sich dann unbeschwert ihrer grenzenlosen Schadenfreude hingeben! Auch war es an trüben Herbst- und Winterabenden nach Tag- und Nachtausbildung durchaus üblich, der ZDv 10/8 (»Militärische Feiern und Formen der Bundeswehr«) Tribut zu zollen. Denn der »unheimliche Imitator« konnte nicht nur einen Divisionskommandeur, nein, er konnte gleichzeitig ein Heeresmusikkorps lebensecht darstellen, ließ sich melden, korrigierte den Gruß des Meldenden, schritt mit ihm imaginäre Fronten ab, grüßte nicht vorhandene Truppenfahnen, verbesserte dabei Haltungen (»linkes Ohr tiefer«), munterte desolate Typen auf (»Kopf hoch, Brust raus«) und zelebrierte anschließende Empfänge (»Küss die Hand, gnädige Frau, von ihrem Mann habe ich schon mal mehr gehalten, wie geht's den Kindern«).

Nicht nur auf Truppenübungsplätzen, sondern auch während »freilaufender« Übungen im In- und Ausland konnte das Jägerbataillon sein Leistungsvermögen unter Beweis stellen und seinen ausgeprägten Korpsgeist zeigen. So nahm das Bataillon beispielsweise im Februar 1990 an der Rahmenübung FRAEDS WAEBNER der 1. (DA) Jütland Division mit dem Bataillonsgefechtsstand als Übungstruppe und den Kompaniegefechtsständen als Rahmenleitungsgruppen und den erforderlichen Versorgungsteilen teil. Für den Kommandeur eine gute Gelegenheit, das Zusammenwirken auf und zwischen den Gefechtsständen des Bataillons zu üben und die Fähigkeit zum Zusammenwirken mit den dänischen alliierten Freunden zu überprüfen. Im Verlauf der Übung stellte sich dann schnell heraus, dass die Kompaniechefs als Führer der Rahmenleitungsgruppen die willkommene Gelegenheit nutzten, mit überraschenden Lagemeldungen und Anträgen ihrem Kommandeur und seinen Gefechtsstand auf den Zahn zu fühlen bis zum Höhepunkt des Gefechts - dem Zerschlagen einer feindlichen Luftlandung im sofortigen Gegenangriff. Allen im Gedächtnis bleiben wohl die nächtlichen Funksprüche von Irmgard, einem weiblichen dänischen Verbindungsoffizier der (dänischen) Homeguard, die das Bataillon regelmäßig mit Aufklärungsinformationen über den Feind versorgte. Alle Versuche, Irmgard zum Rapport auf den Gefechtsstand zu befehlen, scheiterten. So blieb nur die Erinnerung an eine liebliche Stimme, die manches Herz in kalter, regnerischer Nacht erwärmt und manche Soldaten-Fantasie beflügelt hat. Schon 2 Jahre nach seiner Aufstellung -1983 - wurde dem Jägerbataillon für seine besonderen Verdienste das Fahnenband des Landes Schleswig-Holstein durch den damaligen Ministerpräsidenten Dr. Uwe Barschel verliehen.

Fahnenbandverleihung durch den BM Hamburgs Henning Voscherau (Otto Antl)
Fahnenbandverleihung durch den BM Hamburgs Henning Voscherau (Otto Antl)

Zur Rarität wurde die Truppenfahne des Bataillons jedoch, als ihr am 24.8.1989 der Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Henning Voscherau, das Fahnenband seines Stadtstaates anheftete. Oberstleutnant Weblus erinnert sich: »Der Brigadekommandeur und der Erste Bürgermeister würdigten in ihren Ansprachen die beispielhafte Patenschaft des Bataillons mit dem Bezirk Bergedorf und im besonderen die aktive Rolle, die das Bataillon im Rahmen der Deichverteidigung für seine Patengemeinde übernommen hatte. Diese besondere Aufgabe der Abwehr von Sturmfluten wurde prompt durch sintflutartige Regenfälle während des Appells unterstrichen. In Ermangelung eines Deiches wurde flugs ein Regenschirm über dem Ersten Bürgermeister aufgespannt.« Oberstleutnant Graumann war in der Brigade und im Jägerbataillon durch seine Verwendungen beim Panzergrenadierbataillon 162 und 163, vor allem aber als gefährliche Konkurrenz beim Sportfest (5000-m-Lauf) bekannt. »Prall-elastisch« (Originalton Beardi) übernahm er das Bataillon, aber schon nach wenigen Wochen wurde er »von der Fährte« gepfiffen: Am Freitag, 24. 5. 1991, wurden alle Kommandeure der Verbände und Großverbände der 6. Panzergrenadierdivision durch den Divisionskommandeur, Generalmajor von Falkenhayn, in Neumünster in die weitgehend abgeschlossene Neuplanung des Heeres eingewiesen. Das Ergebnis bedeutete, dass - neben vielen anderen Verbänden -auch das Jägerbataillon 66 in der neuen Struktur des Heeres nicht mehr vorgesehen war. Dieses war ein herber Schlag für das junge, aber dennoch überaus leistungsstarke und fest gefügte Infanteriebataillon. Nach anschließender Verkündung des Ergebnisses noch am selben Tag (freitagmittags) vor allen Feldwebeln und Offizieren der Brigade durch den Brigadekommandeur, Oberst Fischer, wurden dann nach kurzem Luftholen nicht etwa »die Ohren hängen gelassen«, sondern ganz im Gegenteil, jägertypisch »die Ärmel aufgekrempelt«. Umfangreiche, insgesamt sehr erfolgreiche Personalplanung zur Weiterverwendung der Soldaten und Zivilbediensteten, möglichst in der unmittelbaren Umgebung, ging einher mit nicht minder intensiver Planung von Ausbildungs- und Übungsvorhaben, die in der verbleibenden Zeit bis zum geplanten Außerdienststellungsappell dann auch ohne Abstriche, auch mit maßgeblicher Beteiligung unserer stets hoch motivierten Reservisten, verwirklicht wurden. Die letzte große Übung des Jägerbataillons 66, die Bataillonsgefechtsübung EHRENJÄGER, beinhaltete noch einmal fast alles, was ein Infanteriebataillon innerhalb von insgesamt 3 Tagen in komprimierter Form üben und ausbilden kann. Hierzu gehörten Marschbewegungen im Luft-, Land- und Eisenbahntransport ebenso wie die Verbindung von Übungsanteilen mit Gefechtsmunition mit solchen mit Manövermunition.

Auch bei dieser Übung konnten wir wie immer auf den Besuch von Vertretern unserer Patengemeinde rechnen und vor allem in großer Zahl Angehörige unserer Reservistenkameradschaft Bergedorf«, sowie viele freiwillige wehrübende Offiziere und Unteroffiziere einsetzen. Einen absoluten Höhepunkt unserer Bataillonsgefechtsübung stellte sicherlich der Einsatz des Pionierbataillons 61 aus Lübeck dar. Mithilfe unserer gut ausgestatteten Pioniere wurden sämtliche Gefechtsfahrzeuge unserer Kampfkompanien, der Panzermörserkompanie sowie des Bataillonsgefechtsstandes innerhalb kürzester Zeit auf dem Truppenübungsplatz BERGEN so eingegraben und getarnt, dass sie aus einiger Entfernung nicht mehr aufgeklärt und kaum noch durch »feindliche Waffen« getroffen werden konnten.

Nachdem an den beiden ersten Tagen zunächst der Anmarsch zum Übungsplatz sowie das Erkunden, Beziehen und Vorbereiten der Verteidigungsstellungen (einschließlich Orts- und Häuserkampf mit erhöhtem Verwundetenanfall und -abtransport mit Transporthubschraubern) im Vordergrund gestanden hatten, wurden am Morgen des dritten Tages zunächst der Angriff der wie üblich »rot gekleideten« Feindkräfte abgewiesen und verloren gegangene Geländeabschnitte wieder in eigenen Besitz gebracht. Am Morgen des dritten Tages, also während des Höhepunktes unserer »Schlacht«, erschienen dann auch unser Brigadekommandeur, Oberst Fischer, und unser Divisionskommandeur, Generalmajor von Falkenhayn, und sparten nicht mit Lob für die gute, geschlossene Gesamtleistung, die wieder einmal »typisch« war für unser Jägerbataillon.

Während die letzte große Bataillonsgefechtsübung EHRENJÄGER unter Einsatz des gesamten Jägerbataillons 66 vom 10. bis 12. 9. 1991 durchgeführt worden war, wurde mit den noch verbliebenen, zahlenmäßig geringen Kräften des Jägerbataillons 66 unmittelbar vor der geplanten Außerdienststellung (27.3.1992) zum Staunen vieler in der Panzergrenadierbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg« noch die Kompaniegefechtsübung DONNERSCHLAG durchgeführt. Hierzu konnte die Panzermörserkompanie (5./66) den noch verbliebenen Mörserhalbzug sowie die Führungs- und Funktionsdienste einsetzen. Die Übung stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass das Jägerbataillon 66 trotz bereits erfolgter weitgehender personeller und materieller Reduzierung im Rahmen des Möglichen bis zum letzten Tag fest gefügt und funktionstüchtig blieb und nicht etwa zerfiel. Dieses war ein besonderes Verdienst vor allem der hoch motivierten Führer des Jägerbataillons 66.

Hammelburg im Oktober 1981 (Chronik 1./JgBtl 66)
Hammelburg im Oktober 1981 (Chronik 1./JgBtl 66)

Die Auflösung des Jägerbataillons 66 wurde am 27. 3. 1992 nicht nur mit dem üblichen militärischen Zeremoniell vollzogen. Die Bergedorfer Paten luden zuvor zu einer Feierstunde in den Spiegelsaal des Rathauses. Nach einem erlesenen Imbiss traf man sich zu einem gemeinsamen Abschiedsfoto. Am 27. 3. 1992 wurde das Jägerbataillon in einem feierlichen Appell in der Bismarck-Kaserne offiziell »außer Dienst gestellt«. Auch zu diesem letzten großen Auftritt konnten wir neben zahllosen militärischen Gästen wiederum einen großen Teil ziviler Besucher begrüßen, an ihrer Spitze natürlich den Präsidenten der Bezirksversammlung unseres Patenbezirks Bergedorf, Herrn Egon Boldt, sowie die Leiterin des Bezirksamtes Bergedorf, Frau Christine Steinert, und ebenso auch den Bürgermeister unserer Standortgemeinde Wentorf, Herrn Holger Gruhnke.

Bevor an diesem denkwürdigen Tag die Ehrenreden gehalten wurden, konnte der Kommandeur des Jägerbataillons 66, Oberstleutnant Manfred Graumann, seinem Stellvertreter, Herrn Major Peter Rogge, für beispielhafte Pflichterfüllung das »Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold« überreichen. Major Rogge, der von dieser Auszeichnung nichts geahnt hatte, war zunächst sprachlos, freute sich dann anschließend aber umso mehr! Frau Christine Steinert bekannte sich in ihrer Ansprache noch einmal in aller Form zu »unserer Bundeswehr, ..., die dem Primat der Politik folgt und demokratisch verfasst ist«, hob die positive Wirkung der 11 Jahre währenden Patenschaft hervor und versprach anschließend: »Wir werden unseren Teil dazu beitragen, dass die Beziehung zwischen der Bundeswehr und Bergedorf auch jetzt noch lebendig bleibt.« Oberst Eckart Fischer würdigte, u. a. die vielfältigen Leistungen des Jägerbataillons 66 in seiner 11 jährigen Geschichte sowie die unvergleichlichen Beziehungen zum Patenbezirk Bergedorf, bevor Oberstleutnant Graumann als symbolisches Zeichen der Außerdienststellung die Truppenfahne des Jägerbataillons 66 an den künftig für die Traditionspflege der »Wentorfer Jäger« zuständigen Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 162, Oberstleutnant Harald Hofmann, übergab. An den Appell anschließend begann um 16.00 Uhr ein großer Empfang im Offizierheim der Bose-Bergmann-Kaserne mit für die Jäger gewohnt großem Zuspruch von etwa 400 Gästen, von denen viele bis zum späten Abend, einige auch noch länger ausharrten, um wehmütig ihren Erinnerungen aus den »guten, alten Zeiten im Jägerbataillon 66« nachzusinnen, kurzum, ihre in Friedenszeiten erworbenen Kriegserlebnisse zum Besten zu geben. Ob »Bergedorfer Freundeskreis Jägerbataillon 66 e.V«, Reservistenkameradschaft Bergedorf, DRK, THW, FF, TSG Bergedorf, DLRG..., alle zivilen Vereinigungen, Vereine, Verbände und Interessengruppen, die das Jägerbataillon 66 in den 11 Jahren seines Bestehens tatkräftig unterstützt hatten, standen »ihren Jägern« in ihrer sicherlich schwersten Stunde bei und sorgten dafür, dass »Trauerstimmung« gar nicht erst aufkommen konnte.

Abschied von Bergedorf (1992 - Otto Antl)
Abschied von Bergedorf (1992 - Otto Antl)

Abschließend ist dem letzten Kommandeur Jägerbataillon 66, Oberstleutnant Graumann, zuzustimmen, wenn er in seiner Rede anlässlich der Außerdienststellung feststellt: »Das Jägerbataillon 66 hat sich durch Leistungsfreude, Zuverlässigkeit, Lebensfreude einen Namen erworben. Auch das Ziel, die Bundeswehr möglichst weitgehend in die Gesellschaft zu integrieren, haben wir zu erreichen versucht.« Hiermit endet zunächst die Geschichte der aktiven Dienstzeit eines außerordentlich bemerkenswerten, leistungsstarken Infanterieverbandes. Aber wer weiß, vielleicht findet ja doch eines Tages einmal die von Oberstleutnant Graumann angedeutete »Traditionswehrübung« statt; an Freiwilligen hierfür wird es mit Sicherheit nicht fehlen!

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Weitere Bilder des Jägerbataillon 66 finden sich im Fotoalbum unter:

Fotoalbum