Chronik der Nachschubkompanie 160

Wappen NschKp 160
Wappen NschKp 160

Die drei Pfeile im Wappen der Nachschubkompanie 160 symbolisieren die in der Logistik bewegten Mengenverbrauchsgüter (MVG), Nichtverbrauchsgüter (NVG) und Einzelverbrauchsgüter (EVG). Die eiserne Faust kennzeichnet die straffe Führung und Organisation. Das dahinterliegende Wagenrad kennzeichnet die Beweglichkeit der Versorgungsgüter durch die Transportkomponente. Gleichzeitig stellt es eine historische Verbindung zum Gemeindewappen der Gemeinde Wentorf her. Mit der Farbe Blau-Weiß wird auf den Bezug zur Waffengattung und zur Panzergrenadierbrigade 16 hingewiesen. Mit der Auflösung des Versorgungsbataillons 166 auf Brigadeebene im Zuge der Umgliederung in die Heeresstruktur 3 wurde die Nachschubkompanie 160 am 1. Oktober 1972 in Wentorf bei Hamburg aufgestellt. Da die Kompanie aus Teilen der Stabs- und Versorgungskompanie, der Instandsetzungskompanie und der Transportkompanie entstanden war, waren die Anfänge in der Aufstellung des Versorgungsbataillons 166 am 1. Mai 1959 in Flensburg-Weiche zu sehen.

Die Nachschubkompanie 160 hatte den Auftrag, die Verbände und selbständigen Einheiten der Panzergrenadierbrigade 16 zu versorgen. Dazu richtete sie den Brigadeversorgungspunkt ein und hielt Bestände an Munition, Betriebsstoff, Verpflegung, Ersatzteilen und sonstigem Material bereit. Ihre Bestände ergänzte die Kompanie aus logistischen Einrichtungen der Depotorganisation in Schleswig-Holstein. Im Rahmen der regionalen Versorgung waren bis zu 29 Truppenteile auf die Nachschubkompanie angewiesen, so dass sich die Soldaten über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen konnten. Der Auslastungsgrad der Kompanie war gleichmäßig hoch, da die Aufgabenstellung im Frieden wie im Verteidigungsfall die gleiche war.
Die von der Nachschubkompanie zu versorgenden Truppenteile legten im Durchschnitt täglich 650 Materialanforderungen vor, von denen ca. 60 bis 70 sofort erfüllt werden konnten. Wie ein Großversand organisierte die Nachschubkompanie die Bereitstellung von Material und Verbrauchsgütern, damit Betriebsstoff, Munition und Ersatzteile für die Reparatur von Waffen, Fahrzeugen und Gerät rasch am Einsatzort waren. So bevorratete die Kompanie im »Warenlager der Brigade« ca. 11.000 verschiedene Versorgungsartikel. Das Sortiment reichte von der kleinsten Schraube bis zum Panzermotor.

Bold Guard 1982 (Peter Meyn)
Bold Guard 1982 (Peter Meyn)

Die Versorger, so werden die Nachschubsoldaten im Soldatenjargon genannt, mussten motiviert sein, Verantwortung zu tragen, und vielfach selbständig handeln, um die oft kurzfristig auftretenden Probleme schnell und unbürokratisch zu lösen und somit einen reibungslosen Versorgungsablauf zu gewährleisten. Damit die Kompanie jährlich 2,5 Millionen Liter Kraftstoff, 800 Tonnen Ausbildungsmunition und das Material von 120.000 Anforderungen bereitstellen konnte, war sie voll beweglich und mit mehr als 100 Fahrzeugen vom 0,4-Tonner bis zum 10-Tonner mit 7-Tonnen-Anhänger und 5 Feldumschlaggeräten als Umschlagmittel ausgerüstet. Die überwiegend handelsüblichen Fahrzeuge der Kompanie waren mit wenigen Ausnahmen Fahrzeuge der zweiten Generation.

Die Nachschubkompanie hatte stets dafür gesorgt, dass es den Verbänden und selbständigen Einheiten der Panzergrenadierbrigade 16 an nichts fehlte, was sie zur Erfüllung ihres Auftrages für den Einsatz brauchten. Die Kompanie hatte immer dienende Funktionen gehabt und trat selten ins Rampenlicht. Die Erfolge der Verbände der Brigade waren aber immer auch die Erfolge der Nachschubkompanie 160.

Teile der Stabs- und Versorgungskompanie, Teile der 3. Kompanie und die 4. Kompanie des Versorgungsbataillons 166 waren Geburtshelfer für die Stunde der Nachschubkompanie 160 am 1.10.1972 in Wentorf.

Unter dem Dach der Panzergrenadierbrigade 16 waren von nun an Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit die prägenden Merkmale des neuen Wirkens. Erste Erfahrungen als selbständige Kompanie wurden bei dem Truppenübungsplatzaufenthalt 1973 in BERGEN-HOHNE gemacht. Dabei versorgte die Kompanie die Truppenteile der Brigade 16 aus dem Brigadeversorgungspunkt NEUMARK/ETTENBOSTEL. Dieser Raum wurde Stammsitz der Kompanie bei allen weiteren Aufenthalten.

Chefwechsel 1973. Hauptmann Stenzel übergibt die Dienstgeschäfte an Hauptmann Schatte. Eine »Fehlfarbe« übernimmt das Unteroffizierkorps. Der »grüne« und überzeugte Panzergrenadier Hauptfeldwebel Gebauer übernimmt am 1.6.1975 die Dienstgeschäfte als Kompaniefeldwebel - ein Kämpfer zur rechten Zeit. 130 Reservisten bei der ersten Mobilmachungsübung im Raum Möhnsen-Basthorst-Havekost forderten besonders die Kompanieführung.

Bei der Überprüfung der Materialbestände durch die Prüfgruppe gemäß § 78 BHO der 6. Panzergrenadierdivision wurden immer noch Spätschäden von der Aufstellung (1972) festgestellt; ein Platz zum Nachdenken auf einer einsamen Insel waren dem Kompaniechef und dem Umschlagstaffelführer schon fast sicher. Bei den nachfolgenden Überprüfungen war ein »Inselurlaub« nicht notwendig. »Blaue Briefe« für den Kompaniechef gab es nie mehr! Am 1 1.3.1977 wechselte Major Schatte zum Spezialstab ATV an die Nachschubschule und übergab die Kompanie an Hauptmann Dammann, der von dieser als »OA- Dompteur« kam.

Der »Neue« führte sich sofort gut ein: Ab sofort war einmal im Jahr eine Woche Schießplatzaufenthalt Pflicht! Nach dieser Devise erfolgte im Januar 1978 die erste Härteprüfung bei »sibirischen Verhältnissen((Schneesturm und bittere Kälte) auf dem Truppenübungsplatz PUTLOS. Im September 1978 nahm die gesamte Kompanie und 80 Reservisten an der NATO-Gefechtsübung BOLD GUARD teil. Die Versorgung der Truppenteile erfolgte aus dem Brigadeversorgungspunkt Lokstedt-Tappendorf. Für den Kompaniegefechtsstand wurde diese Übung beinahe zum Alptraum. Bei dem Bemühen des Fernmeldegruppenführers (Stabsunteroffizier Maas), einen heißen Benzinkocher mit Kraftstoff zu füllen, entfachte er ein Feuerwerk. Erschrocken warf er den Brenner nebst Kanister aus dem Schuppen, wobei dieser einen Feuerschweif hinter sich herzog und die Hintertür zum Kompaniegefechtsstand (Gaststätte mit Silberhochzeitsgesellschaft) entflammte. Es bedurfte dreier Feuerlöscher (zwei waren ohne Funktion), um größeren Schaden abzuwenden. »Die Bearbeitung des Übungsschadens war nicht ganz unproblematisch! «

BrigKdr im Betriebsstofflager (1986 - Volker Leptien)
BrigKdr im Betriebsstofflager (1986 - Volker Leptien)

Im Jahre 1978 und den nachfolgenden Jahren fanden häufig Truppenbesuche bei den amerikanischen Streitkräften in Heidelberg, Darmstadt und Sembach statt. Da-bei erwarben Teilnehmer der Kompanie Schießabzeichen der US-Army und der US-Air Force. Bei den Gegenbesuchen wurden amerikanische und belgische Soldaten mit Schützenschnur und Leistungsabzeichen der Bundeswehr ausgezeichnet.
Während der Schneekatastrophe im Januar/Februar 1979 waren Soldaten der Kompanie mit Feldarbeitsgeräten und geländegängigen Lastkraftwagen im Einsatz. Losgelöst von der Kompanie räumten sie im Raum Dithmarschen und auf der Insel Fehmarn Straßen und Ortschaften frei. Eine Tankstelle wurde auf Fehmarn gleich mit weggeräumt.


Nichts ist für Nachschieber unmöglich:
• 1. Platz beim Sportfest der Brigadeeinheiten 1979,
• dem Wunsch des Kommandeurs Brigadeeinheiten Oberst Poller nachkommend, präsentierte sich die Kompanie bei der Formalausbildung anlässlich der Kompaniebesichtigung mit Waffe, Sturmgepäck und Helm bei Marsch und Gesang,
• »25 Jahre - ein halbes Jahrhundert«? Die Feststellung traf Oberst Polier anlässlich des Dienstjubiläums von Oberleutnant Mitzlaff. Anschließend wurde die Jubiläumszuwendung »per Luftpost« übergeben. Ein Windstoß trieb die zwei Hundertmarkscheine davon


Bei der Feldeinsatzübung der Kompanie BRISK FRAY 1979: Wie auch in den Jahren zuvor war der Materialzug bei der Erfüllung der Versorgungsaufträge auf Höfe, Scheunen und Schleppdächer angewiesen. Das Erkundungsergebnis für eine Feldeinsatzübung in dem Ort Grethen wurde hier in besonderer Weise dem Begriff »Versorgung« gerecht. Der Zug konnte auf einer Deckstation mit angrenzenden Höfen unterziehen, sich einrichten, betreiben und versorgen. Während die dort stationierten Hengste zur Deckung des Bedarfs und zur Versorgung aller im Umkreis vorhandener Stuten nach Celle verlegt wurden, konnte nun der Materialzug aus den frischgetünchten Boxen die Versorgung der Brigade mit NVG/EVG übernehmen. Auch hier gilt: Versorgung kann man nicht beschreiben, Versorgung muss man praktisch treiben!

Munitionstonner (1976 - Manfred Kuhrt)
Munitionstonner (1976 - Manfred Kuhrt)

Truppenbetreuung auf besondere Art
Mit der Einrichtung eines mobilen Feldkinos in einem LKW 5 t-Koffer sorgten Herr Teitzel und Stabsunteroffizier Brümmer im Brigadeversorgungspunkt allabendlich bei den Soldaten für Freude und Heiterkeit. Was gab es wohl für Filme zu sehen?


Standesgemäße Verpflegung
Um dem Kommandeur der 6. Panzergrenadierdivision, General Manthey, seinen Aufenthalt bei der Kompanie so angenehm wie möglich zu gestalten, war die Zivilbevölkerung sogar bereit, hierfür ihr Sonntagsgeschirr mit Goldrand zur Verfügung zu stellen.

Eine neue »Waffengattung« entstand: Nachschubgrenadiere Anmerkungen des Brigadekommandeurs Oberst Klee in wörtlich zum Kompaniechef: »Im gefechtsmäßigen Verhalten sind die Nachschubsoldaten besser als die Grenadiere hier auf dem Übungsplatz. 

Im Brigadebefehl vom 8.9.1981: »Die Schieß- und Übungsvorhaben der Kampf- und Kampfunterstützungstruppen waren nicht ohne die rund um die Uhr sichergestellte Unterstützung der Logistiktruppen der Brigade zu gewährleisten.
Insbesondere nahm die Nachschubkompanie 160 ihren Auftrag engagiert und zuverlässig wahr und unterstützte darüber hinaus reibungslos und diszipliniert im Rahmen der Materialbewirtschaftung alle sich auf beiden Truppenübungsplätzen befindenden Verbände der 6. Panzergrenadierdivision.«

Diesem Werturteil schloss sich auch einige Jahre später der Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 16 an, und das Ergebnis wurde bei den nachfolgenden Überprüfungen noch mehrmals bestätigt.

TrspZg250t-Bergen-Hohne (1986 - Thorsten Frey)
TrspZg250t-Bergen-Hohne (1986 - Thorsten Frey)

Nach zwölfeinhalb Jahren... Es war schon eine Legende. 1.10.1988: Hauptfeldwebel Christofzik, Kompanietruppführer, Mann der ersten Stunde und einziger Ehrenunteroffizier der Kompanie, wechselte zur Nachschubkompanie 170 in Hamburg. - Da waren es nur noch zwei. Am 4.10.1989 übergibt Major Dammann »seine stolze Kompanie« an Hauptmann Leising und wechselt als Nachschubstabsoffizier in den Stab der Panzergrenadierbrigade 16. Da war es nur noch einer - der aber blieb bis zum »bitteren Ende«.


Durchlauferhitzer (1989 bis 1994):
19.4.1991 - schon wieder ein Chefwechsel. Major Leising übergab die Kompanie an Hauptmann Goebel.

27.9.1993 - Major Goebel übergab die Führung der Kompanie an Hauptmann Borth. 17.9.93 bis 24.9.93 - mit dem Rest einer einst stolzen Kompanie fand der letzte Truppenübungsplatzaufenthalt BERGEN-BOHNE statt.

31.3.1994 - Das Ende.

Was war noch erwähnenswert?

Sammlung für das Soldatenhilfswerk
»Die richtige Einstellung, um sich für karitative Zwecke einzusetzen.« Sammelergebnis in den Jahren 1985 bis 1993: DM 23.740,- : dabei im Jahr 1989 ein Höchstbetrag von DM 6.120,-.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
• Jährliche Sammlungen
• 1987 bis 1992: jeweils zwei Wochen freiwilliger Einsatz von Soldaten der Kompanie in Villers Outreaux (Frankreich) zur Betreuung der Teilnehmer eines Jugendlagers


Dezember 1993 bis März 1994:
Stabsunteroffizier Sichert war erster und einziger freiwilliger Soldat der Kompanie im Einsatz in Somalia.

Entwicklung hin zu einem modernen Dienstleistungsbetrieb, von der Karteikarte zur DV- Anlage:
1966: Einführung des Versorgungsverfahrens Bw-Milstrip
1977: Einführung des Versorgungsverfahrens MKZ-Truppe
1983: Einführung des Versorgungsverfahrens MKZ-Truppe (System Platte) 1986: Einführung des Versorgungsverfahrens MKZ-Truppe 1
1988: Einführung des Versorgungsverfahrens MKZ-Truppe Nachschub 1991: Einführung des Versorgungsverfahrens DVU-VTT hei der Truppe

Links

Weitere Bilder der Nachschubkompanie 160 finden sich im Fotoalbum unter:

Fotoalbum