Chronik des Panzerartilleriebataillons 165

Wappen PzArtBtl 165
Wappen PzArtBtl 165

Wir möchten mit Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, heute eine kleine Reise durch das Leben des Panzerartilleriebataillons 165 unternehmen.

So eine Reise hat ihren Beginn und ein Ende, und man erinnert sich an die Höhepunkte, die man erlebt hat. Natürlich wird man nie das ganze Leben erfassen können, und so konzentrieren auch wir uns auf eine gewisse Zahl von Erlebnissen. Wir haben in unserem Tagebuch Menschen zu Wort kommen lassen. Der eine wird seinen Teil im Leben des Bataillons wiederfinden, der andere nicht. Eine Reise ist nicht nur geprägt durch eine Chronologie (und dann, und dann, und dann....), sondern sie ist auch ein Puzzle, die ein Ganzes ergibt. So werden wir Sie auf dieser Reise zwar begleiten und Sie von Teil zu Teil führen, doch liegt es an Ihnen, sich Ihr eigenes Bild zu machen und die Teile zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Die Einbindung in die Panzergrenadierbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg« prägte das Bataillon und umgekehrt. Niemand konnte verleugnen, dass wir die größte Feuerkraft innerhalb der Brigade besaßen und dass man sich auf »unser« Artilleriebataillon verlassen konnte. Aber geben wir es zu, wir hatten auch unseren eigenen Kopf und manche Eigenheiten; wer denkt da nicht gleich an die alljährliche Barbarafeier. Im Verbund sind wir Artilleristen besonders stark, und so manche Situation im Leben des Bataillons zeugt davon.

»Zu Gleich« lautet der Schlachtruf, den man landauf, landab hörte. Lassen Sie uns nun mit der Reise durch die 31jährige Geschichte des Panzerartilleriebataillons 165 beginnen. Eigentlich beginnt die Reise aber 57 Jahre früher, und zwar in Wentorf im Jahre 1937. Die Einwohnerzahl belief sich damals auf 2.183. In diesem Jahr, so haben Nachforschungen ergeben, wurde die Bismarck-Kaserne fertiggestellt, im April 1938 die Bose-Bergmann-Kaserne. Doch wer war dort eigentlich stationiert?

Gab es damals schon artilleristische Vorfahren des Panzerartilleriebataillons 165? Ja,-es gab sie. Es war die II. Abteilung des Artillerieregiments 20, stationiert in der Bismarck-Kaserne. Dass dies den dort stationierten Truppenteilen der Bundeswehr erst 30 Jahre später bekannt wurde, ist ein Zeichen für den Bruch in der deutschen Militärgeschichte. Das Panzerartilleriebataillon 165 steht demnach in der Garnison Wentorf in direkter Folge des Artillerieregiments 20 des deutschen Heeres und hat im Mai 1982 die Tradition der II. Abteilung des Artillerieregiments 20 übernommen. Mit der Übernahme der Tradition bekennen und bezeugen wir unsere Verbundenheit und Achtung vor den Soldaten, Artilleristen und Menschen dieses Verbandes und ihren großen militärischen und menschlichen Leistungen in den vielen entsetzlichen Grenzsituationen des Krieges, die sich unserer Beurteilung und Bewertung - gottlob aus Mangel an Erfahrung - entziehen. Der Missbrauch ihrer Leistungen, ihres guten Glaubens und ihrer Treue durch eine verbrecherische Staatsführung ist schockierend und kennzeichnet die Tragik dieser Männer, entwertet ihre Tugenden aber nicht.

M109 in Schleswig - Fahrer Gefr Schiller (1968 - Reinhold Schiller)
M109 in Schleswig - Fahrer Gefr Schiller (1968 - Reinhold Schiller)

Als Beispiel soll Ihnen folgende kleine Begebenheit aus der Geschichte der 11. Abteilung des Artillerieregiments 20 dienen: Der II. Weltkrieg neigte sich dem Ende zu. Die 11. Abteilung hatte bereits, aus einer Sommerübung kommend, seit dem 1. Septemberl939 am Polenfeldzug, einige Monate später am Westfeldzug und dann ab Juni 1941 am Russlandfeldzug teilgenommen und stand mit ihren Batterien am Außenring von Berlin, unterstellt dem VI. Panzerkorps, das allerdings keine Panzer mehr besaß und in Auflösung begriffen war. Der Adjutant meldete, dass der Kommandeur keine Befehle mehr erteilen wolle und das Major Eichler, Kommandeur der 11. Abteilung, selbst entscheiden möge, was er weiter tun wolle. Das gab ihm die Bestätigung und Rechtfertigung für seinen Entschluss, die Truppe aus Berlin heraus und nach Hause zu führen. Er setzte zwei Kradmelderspähtrupps in Richtung Lübeck/Ratzeburg in Marsch, die erkunden sollten, wie weit die englischen Truppen nach Überschreiten der Elbe in Richtung Lübeck vorgedrungen waren. Die Kradmelder kehrten in der Nacht zurück und meldeten, dass Ratzeburg bereits besetzt war und dass die sogenannte »Micky-Maus-Division« in Richtung Lübeck marschierte. Daraufhin befahl Major Eichler noch in der Nacht den Rückmarsch über Schwerin - Lübeck in den Raum Bad Segeberg. Die Truppe erreichte den Segeberger Forst ohne schwere Zwischenfälle.

Hier wurden die Geschütze, Zugmaschinen und nicht mehr benötigten Fahrzeuge gesprengt. Anschließend dankte Major Eichler in einer Ansprache allen anwesenden Soldaten für die treuen Dienste und verabschiedete sie. Es wurden Gruppen gebildet, die sich nach den Heimatorten der Soldaten richteten. Auf diese Gruppen wurden dann gleichmäßig die noch vorhandenen Güter - einschließlich der Kriegskasse - verteilt. Jeder Gruppenführer hatte nun den Auftrag, seine Gruppe in den Heimatort zu führen und anschließend schnellstmöglich wieder Verbindung zu Major Eichler in Itzehoe aufzunehmen.

Alles klappte nach Plan. Die Gruppen erreichten ihre Heimatorte in ganz Norddeutschland. Anschließend wurden in Itzehoe alle »ordnungsgemäß« aus der Wehrmacht entlassen, denn Major Eichler waren in Berlin Entlassungsformulare und Stempel in die Hände gefallen, mit deren Hilfe freigestellte Soldaten zu entlassen waren. Mit fünf getreuen Schreibstubensoldaten richtete Major Eichner in Itzehoe eine »Entlassungsstelle« ein und stattete alle Soldaten der 11. Abteilung mit Entlassungspapieren aus, die sie vor Kriegsgefangenschaft bewahrten und ihnen den Übergang ins Zivilleben ermöglichten. Für diese mutige Haltung, die aus einer Verantwortung und Fürsorge für seine Männer entsprang, genießt Major a.D. Eichler heute noch Dankbarkeit und Verehrung.

MAN Munitionstonner (1975 - Klaus Wolbert)
MAN Munitionstonner (1975 - Klaus Wolbert)

Doch beginnen wir mit der Reise durch das Tagebuch des Panzerartilleriebataillons 165. Wir schreiben das Jahr 1962, das Geburtsjahr des Bataillons. Der Geburtsort: Schleswig- Seefliegerhorst. Wie weise hat sich das BMVg gezeigt, dass es Oberstleutnant Salomon mit dem Aufbau und der Führung dieses neuen Bataillons beauftragte. Der erste Befehl des Bataillons, datiert vom 12. April 1962, lautete wie folgt:

»Tagesbefehl. In den ersten Aprilwochen 1962 hat die Aufstellung des Feldartilleriebataillons 165 begonnen. In einer Zeit der politischen Spannungen ist uns dieser Auftrag gestellt worden. Wir können ihn nur erfüllen, wenn alle Soldaten des Bataillons diese Aufgabe ernst nehmen und mit Eifer und Passion an die Arbeit gehen. Wir kommen aus verschiedenen Einheiten der Bundeswehr. Nur in gegenseitigem Vertrauen, durch kameradschaftliche Hilfe und mit dem ehrlichen Wollen, einen neuen Verband zu schaffen, können wir unser Ziel erreichen und ein Bataillon werden. Mein Dank gilt allen Soldaten, die als Vorauspersonal die Vorarbeiten geleistet und damit den Weg zur Aufstellung geebnet haben. Ich erwarte, dass alle Soldaten des Bataillons ihre Pflicht tun und sich würdig erweisen der Tradition des deutschen Soldatentums.«

Ja, Sie haben sich nicht verlesen, in seinen Jugendjahren war das Bataillon ein Feldartilleriebataillon mit dem Waffensystem Feldhaubitze 105 mm. Doch zuvor musste der Kader 1 als Vorauskommando, bestehend aus Hptm Prignitz, Lt Altekrüger, OStFw Manthey, OFw Weiß und Fw Abend den Einzug in den Seefliegerhorst organisieren. Eine Unterkunft für Kader 1 stand nicht bereit. Einzug in Block 14. Ein ehemaliges UvD-Zimmer wird Geschäftszimmer. Weitere fünf Räume werden im Laufe des Tages freigemacht. Diese Räume sind gleichzeitig Wohn-, Schlaf- und Geschäftsräume. Büromaterial ist nur insofern vorhanden, als jeder persönlich aus seinen privaten Beständen dazu beiträgt. Auf einer uralten privaten Schreibmaschine werden die ersten Schreiben verfasst. Arbeitsgrundlage für die weitere Tätigkeit ist der Aufstellungsbefehl Nr. 833 (H). Nachdem sich der Kader 1 eingerichtet hatte, machte man sich daran, die 2. und 3. Batterie aufzustellen bzw. umzubenennen. So wird aus der 4./177 (Ausbildungsbatterie ) am 10. April 1964 die 3. Feldartilleriebataillon 165 mit einer Stärke von 2/12/84. Erstaunlicherweise ist der einzige Portepeeunteroffizier der Batteriefeldwebel, Hauptfeldwebel Aufinesser. Die erste Munition muss vom Gefreiten UA Werner, der einzige Fachmann im Munitionswesen, übernommen werden. Langsam stellt sich der Alltag ein. Man führt Orientierungsmärsche im Gelände und Kfz-Märsche zum Einfahren der neuen LKW Faun GT 8/15 durch und renoviert die Unterkunftsgebäude (die Standortverwaltung bewilligt pro Block 90 bis 180 DM) in viel Eigenarbeit. Erste Batterieübungen und die erste Grundausbildung bei der 2. Batterie werden durchgeführt. Daneben bereiten sich der Oberleutnant Stechmann und der Gefreite Seifert auf einen besonderen Wettbewerb vor, der der Truppe heute leider nicht mehr vergönnt ist. Die 6. Panzergrenadierdivision in Neumünster führt in Anlehnung an den modernen Fünfkampf ein Reit- und Springturnier durch. Neben verschiedenen Einzelwettkämpfen standen die Vielseitigkeitsprüfungen 1 und 11 im Mittelpunkt. Als passionierter Reiter konnte Oberleutnant Stechmann einen beachtlichen 5. Platz in der Gesamtwertung erreichen. Man merkte, dass die Tradition der gezogenen Artillerie doch noch vorhanden war. Oberleutnant Stechmann konnte das noch auf anderen Turnieren in Satrup und Böklund unter Beweis stellen.

Schon 1964 legte man die Grundsteine zur guten militärischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. Im Rahmen einer Veranstaltung hielt der französische Oberst Kleinmann einem Vortrag mit dem Thema » Das deutsch-französische Verhältnis«. Dieser fand bei allen Zuhörern vollste Zustimmung. Die »Nagold-Prozesse« brachten Unruhe in die Truppe, so dass sich die Bataillonsführung zu vermehrten Belehrungen veranlasst sah. Wegen Mangel an Lehrtruppen an der Artillerieschule Idar-Oberstein wird die 2. Batterie geschlossen zur Verfügung der Artillerieschule als zusätzliche Lehrtruppe auf dem Truppenübungsplatz BAUMHOLDER verlegt. Die angespannte Tätigkeit aller Batterieangehörigen innerhalb ihrer Funktionen und vor allen Dingen die häufig stattfindenden Scharfschießen tragen wesentlich dazu bei, jeden erfolgreich zu schulen. Für die Batterie bedeuten diese 5 Wochen zudem eine Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls. Frisch und auf dem Höhepunkt der Ausbildung kehrt die Batterie in den Bataillonsverbund zurück und zwar gleich zu einem der drei Übungsplatzaufenthalte diesen Jahres in MUNSTER SÜD. Die Batterie erhält für die in BAUMHOLDER gezeigten Leistungen vom Kommandeur der Artillerieschule ein ausgesprochenes Lob, auf das jeder Bataillonsangehörige stolz sein kann.

Gruppenbild T-Bereich (1975 - Klaus Wolbert)
Gruppenbild T-Bereich (1975 - Klaus Wolbert)

Besonders für ein Artilleriebataillon sind die Schwerpunkte der Ausbildung die Truppenübungsplatzaufenthalte, denn hier besteht die einzige Möglichkeit, sich im scharfen Schuss zu üben. Für unser Bataillon ist das hauptsächlich der Truppenübungsplatz MUNSTER/BERGEN. 1964 hatte das Bataillon viermal die Gelegenheit, unter teilweiser Dienstaufsicht durch den Regiments- und den Divisionskommandeur, seine artilleristischen Kenntnisse zu vertiefen. Das Hauptwaffensystem ist ein prägendes Stück des Selbstverständnisses einer Truppengattung. Unser 1962 aufgestelltes Feldartilleriebataillon mit seinem Waffensystem Feldhaubitze 155 mm und dann die schon ein Jahr später erfolgte Umstellung auf die Feldhaubitze 105 mm in Verbindung mit dem Faun Geräteträger (GT) 8/ 15 war ein Artillerieverband im klassischen Sinne.

Mit dem Umgliederungsbefehl Nr. 48/67 (11) vom 6. April 1964 hielt auch die gepanzerte Komponente in Form der neuen Panzerhaubitze M 109 G Einzug. Das Gesicht des Bataillons änderte sich grundlegend. Die Soldaten wurden in einzelnen Gruppen an der Artillerieschule und beim Panzerartillerielehrbataillon 95 in das neue Waffensystem eingewiesen und die Kraftfahrer geschult. Mit Stolz konnte man 1965 in Münster eine neue vom Bundespräsidenten gestiftete Fahne in Empfang nehmen. Manche Übergabe und so manchen Appell hat sie in den weiteren Jahren erlebt.

Man schreibt den 5. März 1971, es ist Freitagnachmittag, und die Führungsspitze des Bataillons befindet sich im Casino beim »Beercall«. Der Verteidigungsminister entscheidet sich, auf dem Flug von Eggebeck nach Bonn einen Überraschungsbesuch in Schleswig durchzuführen.

Die Tätigkeiten innerhalb der 1. Batterie sind sicherlich nicht immer so spektakulär wie eine Gefechtsübung. Sie bleibt dabei meist im Hintergrund. Doch wissen wir alle, dass der alte Spruch nach wie vor seine Gültigkeit hat: »Ohne Mampf kein Kampf«. Doch oftmals sind es gerade Soldaten der 1. Batterie, wie z.B. der Bergetrupp, die den rettenden Engel spielen. So konnten sie im November 1971 bei der Bergung des Motorschiffes MS Amrum tatkräftige Hilfe leisten, so dass es zu keinen größeren Beeinträchtigungen im Fahrbetrieb kam.

Nicht immer ist ein Jahr mit Höhepunkten versehen. Neben dem Soldatenalltag sind es Ereignisse, wie der Besuch des Verteidigungsministers Schmidt, die Zeichen für die Truppe setzen. Im Dezember 1971 können die Soldaten der 3. Batterie mit ihrem Engagement an-deren eine Überraschung bereiten. Sie hatten mit viel Mühe gebastelt, um im Waisenhaus Lindaunis den Weihnachtsmann für 35 Waisenkinder zu spielen. Gerade solches Tun ist der Ausdruck des Dienens als Staatsbürger in Uniform.

Am 21. Dezember war es soweit! Über 1.000 Arbeitsstunden in einer dunklen Tischlerei, fast 1.500,- DM gesammeltes Geld und Sachspenden aus Filmvorführungen und amerikanischen Versteigerungen sollten ihre Belohnung in der kindlichen Freude dieser 35 Waisenkinder aus Lindaunis finden. Noch sehr verschüchtert stiegen sie aus dem Bus, stellten sich Hand in Hand vor der Kantine auf und konnten es gar nicht fassen, dass all die Dinge, die dort auf sie warteten, nun ihnen gehören sollten. Doch zunächst wurde die Erwartung noch gesteigert, denn erst einmal wurde der Hunger mit Kakao und Kuchen gestillt. Als es dann kräftig an die Tür klopfte, war es allen klar. Jetzt kann nur der Weihnachtsmann kommen, und es wurde entsprechend still. Da alle Kinder jedoch brav gewesen waren, konnte die Rute im Sack bleiben, und jedes Kind bekam sein Geschenk. Die großen Sachen gehörten natürlich allen und das Spielen konnte beginnen. Nun passierte etwas Seltsames. Die Buben stürzten sich auf das Puppenhaus, vielleicht wegen der elektrischen Beleuchtung, während die Mädchen sich mehr der Eisenbahn und der Autorennbahn zuwandten. Aber auch alle anderen Dinge wie Kasperletheater, Arche Noah, große selbst gebastelte Stofftiere, Segelboote, Puppen, Trecker und Roller, Fahrräder und viele andere Sachen fanden reichlich Anklang. Die kleinen ohnehin schon leuchtenden Gesichter bekamen rote Pausbacken. Bald gab es keine Kinder oder Soldaten mehr, nur noch ein spielendes Knäuel. Die Zeit verging wie im Fluge, und beim Abschied bedankte sich jedes Kind mit einem aufgesagten Gedicht. Die Soldaten hat es tief bewegt, soviel Freude verschenken zu dürfen. Einziger Kommentar: »Das machen wir das nächste Jahr wieder!« Ihr Dank geht an alle Geschäftsleute Schleswigs, die ihnen bei der Durchführung dieser Idee geholfen haben.

Eingang Block 4. Batterie (1977 - Rainer Büchel)
Eingang Block 4. Batterie (1977 - Rainer Büchel)

Ein großes Ereignis wirft seine Schatten im Jahre 1972 voraus, doch sind neben Übungen in Dänemark und in MUNSTER noch einige wichtige Aufträge durchzuführen. Die in diesem Jahr stattfindenden Olympischen Sommerspiele brauchen Unterstützung. So entscheidet man sich, unter Leitung des S 4, Major Busche, einen Küchentrupp zur Mitarbeit zu den Segelwettbewerben nach Kiel zu senden. Es sollen keine Klagen vernommen worden sein. Major Busche, war bis zu seiner Pensionierung 24 Jahre im Amt und soll eine Institution geworden sein. Im Biwak z.B. war sein Zelt daran zu erkennen, dass es wegen eines großen Ofens kurz vor dem Abheben stand. Sein Motto: Wenn alle arbeiten und ich die erteilten Aufträge als erledigt abhaken kann, ist alles in Ordnung. So zeichnete er sich stets durch eine eigene Produktivität aus.

Die Schleswiger Nachrichten berichten ans 16. Juni 1972: »An einem besseren Termin hätte das Panzerartilleriebataillon 165 seine Waffenschau auf dem Stadtfeld gar nicht stattfinden lassen können: Sonnabendvormittag uni 10 Uhr und dazu strahlender Sonnenschein. So finden sich denn auch gleich zu Beginn der Schau Hunderte von Besuchern ein, um die ausgestellten Panzer und Fahrzeuge zu besichtigen und sich bei allerlei Geschicklichkeitsspielen zu unterhalten. Übersichtlich und für jeden zugänglich waren Waffen, Fahrzeuge und Geräte ausgestellt. Fragen konnten Interessierte an das Fach- und Bedienungspersonal richten. Allerdings konnte der eine oder andere Soldat seine Nervosität im Gespräch mit den Zivilisten kaum verbergen. Es ist doch ein Unterschied, ob man sich mit Kameraden im Soldatenjargon unterhält oder Laien irgendein technisches Gerät erklären muss. Schaukeln, Dosenwerfen, Kasperletheater und Filmvorführungen ließen neben anderen Attraktionen beinahe Jahrmarktatmosphäre aufkommen. Wer Kritik an der Waffenschau vorzubringen hatte. hatte Gelegenheit. in einem »Kummerkasten« seine Einwände vorzubringen. Ihn will das Bataillon zu einem Gespräch über die kritischen Punkte einladen.«

Das Bataillon steht nach seinem 10jährigen Bestehen vor einem Abschied, der jedem schwerfällt. Mit dem Verlegungsbefehl vom 3. Mai 1972 heißt es, die Zelte in Schleswig abzubrechen. Der Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 16, Oberst Bruhn, ist anwesend, als sich das Bataillon bei einem Empfang von den Spitzen der anderen Truppenteile, der Behörden und Organisationen offiziell von der »Freiheit« verabschiedet. Oberst Bruhn verschwieg freilich nicht seine Genugtuung darüber, dass er in Wentorf nun auch die »dicksten Brocken« in Form der Schleswiger Artillerie bei sich habe. Am 13. November gegen 19.00 Uhr sind zum letzten Male Kettengeräusche des Bataillons in den Straßen Schleswigs zu hören. Beim Ausmarsch aus der Schleistadt wird das Bataillon vom Standortältesten, Oberstleutnant Läpple, aus dem Standort entlassen.

Nachdem man sich nun in Wentorf häuslich niedergelassen hatte und so manche Übung, darunter der erste Besuch in SHILO (wovon später noch zu berichten sein wird), erfolgreich abgeschlossen hat, geht man daran, auch in Wentorf neue Wege zu beschreiten, die Zivilbevölkerung für sich einzunehmen. So entschließt man sich, ein öffentliches Jazzkonzert zu veranstalten. Mit der Überschrift »Heißer Jazz statt Kanonendonner« werden über 500 Gäste in die Bose-Bergmann-Kaserne gelockt. Den richtigen Riecher hat unser Hauptfeldwebel Schlenz, als er die Jazzband Subway Jazzman kurzentschlossen in die Kaserne holte. Die z.T. selbstgebauten Instrumente lockten selbst die größten Bewegungsmuffel aus der Reserve.

Das Bild, das die Bundeswehr nach außen zeigt, ist oft prägend für die Unterstützung, welche die Zivilbevölkerung uns entgegenbringt. Gerade in schwierigen Zeiten hat das Bataillon und besonders die 4. Batterie unter ihrem damaligen Chef, Hauptmann Diepenhorst, den Kontakt gesucht und für Verständnis geworben. ln ihrer Patengemeinde werden mehrmals Informationsveranstaltungen mit verschiedenen Schwerpunkten durchgeführt.

Besuch in Hamwarde: Soldaten wollen mehr Verständnis. Wenn die Bundeswehr durch Felder und Gemeindestraßen rattert, dann reagiert die Bevölkerung oft ärgerlich - egal, ob's der Verteidigung dient oder nicht. Das Panzerartilleriebataillon 165 aus Wentorf hat das erkannt und in Hamwarde Konsequenzen gezogen. Da gab es zunächst eine Diskussionsveranstaltung mit Gemeindevertretern und nun am 17. Februar 1977 einen »Mini-Tag der offenen Tür«. Hauptmann Diepenhorst: »Wir haben hier eine Übung. Und unsere Anwesenheit hier haben wir gleich genutzt, uns der Bevölkerung zu präsentieren.« Das Angebot wurde angenommen - genau wie Erbsensuppe und Rundfahrten.

M 109 A3 im T-Bereich 3 Bttr (1988 - Lothar Probst)
M 109 A3 im T-Bereich 3 Bttr (1988 - Lothar Probst)

Jeden Tag eine gute Tat. So lautet das Motto unserer Stabs- und Versorgungsbatterie. Naturgemäß steht der alltägliche Routinebetrieb im Vordergrund, doch wird die 1. Batterie auch mit der Ausbildung der neu zuversetzten Soldaten betraut oder führt sogar mit einem Zug die Allgemeine Grundausbildung durch. Für das Soldatenhilfswerk ist man gerne bereit, für einen Leistungsmarsch während des Ausbildungslagers in Langsee Startgeld zu zahlen, wenn man dafür eine schöne Urkunde erhält. 1978 konnten so von Oberleutnant Oppermann 200,- DM an das Bundeswehr-Sozialwerk übergeben werden.

Symbole haben häufig ihren Ursprung in besonderen Erlebnissen. So hat auch das Wappen, sei es ein Batterie- oder Bataillonswappen, seine Geschichte. Man weiß z.B. zu berichten, dass ein gefangener Wildschweinfrischling bei einem Truppenübungsplatzaufenthalt der 2. Batterie die Zeichner stark inspirierte. Für das Bataillonswappen, welches auf das Jahr 1964 zurückzuführen ist, sind als Grundlage Symbole aus dem Wappen der Division genommen worden.

Oben rechts das holsteinische Nesselblatt auf rotem Grund. Dies war das Familienwappen der Grafen von Schaumburg. Es wurde im Jahre 1110 zum Wappen Holsteins, nachdem der deutsche Kaiser dem Grafen Adolf von Schaumburg die Länder Holstein und Stormarn als Lehen zugesprochen hatte. Oben links die Schleswiger Löwen auf gelben Grund. Dieses Schleswiger Wappen wurde dem Wappen Dänemarks entnommen, als die Grafen von Schaumburg im Jahre 1386 Schleswig von der dänischen Krone als Lehen erhielten. In der unteren Hälfte wurde als Zeichen der Verbundenheit zur damaligen Garnison des Bataillons, der Stadt Schleswig, das Nydamboot aufgenommen, das aus dem 4. Jahrhundert stammt und heute im Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in dieser Stadt zu sehen ist. Ergänzt wurde dieser untere Teil durch die gekreuzten Kanonenrohre über dem Nydamboot, welche als Symbol für die Artillerie stehen, sowie einem kleinen Wappen mit der Bataillonsbezeichnung 165. Dieser Entwurf wurde von Heraldikern geprüft, und nach heraldischen Grundsätzen wurde das kleine Wappen später entfernt. Als äußeres Zeichen wird das Wappen von jedem Soldaten als Brustanhänger getragen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen am 6. November 1979 lässt Oberstleutnant Führer, der damalige Kommandeur, erstmals den Traditionsmarsch des Artillerieregiments 20 vorspielen. Dieser Marsch nach Motiven der Oper »Indra« wird dann einstimmig vom Offizierkorps als zukünftiger Bataillonsmarsch festgelegt.

Großübungen bilden für jeden Verband die Höhepunkte eines Ausbildungsjahres. Hierbei kann man geschlossen seine Stärken unter Beweis stellen und im Verbund mit anderen Truppengattungen üben. Auf unzähligen Übungen, hießen sie BEACON GLARE, BOLD GUARD, KÜHLE BRISE, BUMERANG usw., stellte das Bataillon seinen Leistungsstand unter Beweis. Exemplarisch kann man wohl die Übung GROSSER SPRUNG im Mai 1979 ansehen. Das Bataillon verlegte zur Durchführung von Artillerie-Schulgefechtsschießen und Gefechtsübungen auf den Truppenübungsplatz MUNSTER-SÜD. Die Unterbringung erfolgte im Biwakraum G. Im Standort verblieben die Ausbildungsbatterie und die Fahrschule. Der Aufenthalt ist durch drei Schwerpunkte gekennzeichnet. Nach nur kurzer Übungszeit führt der Kommandeur, Oberstleutnant Führer, am 25. April bei der 2. und am 26. April 1979 bei der 3. Batterie die jährliche Gefechtsbesichtigung durch. Dabei erreichen beide Batterien ein befriedigendes Ergebnis. Vom 29. April bis 4. Mai 1979 nimmt das Bataillon im Rahmen der Brigade zusammen mit der 6. Field Force (UK) und 1. Jütland-Brigade an der Nato-Übung BEAT BLOW 79 teil. Die Gefechtsübung im Raum südlich Uelzen endet mit dem Scharfschießen aller beteiligten Artillerie- und Mörserverbände auf dem Truppenübungsplatz MUNSTER. Schadenfreude bei den Soldaten des Bataillons, Verwirrung und beleidigte Gesichter bei den Engländern gab es, als es einem vom Kommandeur angesetzten »Spezialteam« gelang, das kleine Traditionsgeschütz des 6. Field Regiment erfolgreich zu entführen. Um das Bataillon vom Makel der Ehrverletzung zu befreien, stellte der englische Kommandeur nachträglich Oberstleutnant Führer eine Leihurkunde für eine Nacht aus. Abschließender Höhepunkt des Übungsplatzaufenthaltes war schließlich die Brigade-Marschübung GROSSER SPRUNG mit dem Übersetzen über die Elbe.

Für uns norddeutsche Artilleristen ist unser Hausübungsplatz MUNSTER. Hier im Lager TRAUEN und in den Artilleriestellungen kennen die alten Hasen schon jeden Grashalm. Darum, so dachte sich der damalige Kommandeur Oberstleutnant Führer im Jahre 1980, würde dem Bataillon eine Luftveränderung in das »bayrische Sibirien«, dem Übungsplatz GRAFENWÖHR guttun. Wie eine Gedenktafel zu erinnern weiß, wurde dieser bereits 1910 von Artilleristen »militärisch eingeweiht«: 0 Wanderer, stehe still und hör was ich dir sagen will. 25 Meter südlich dieser Stelle hat am 30. Juni 1910 früh 8 Uhr eine 15 cm Granate 80 Z, aus schweren Feldhaubitzen von der Grünhundhöhe kommend, als erstes Artilleriegeschoss auf den Truppenübungsplatz 800 m vor dem Ziel ihren Geist aufgegeben.

Dies ist für uns natürlich kein Maßstab. Die erzielten Schießleistungen beim ersten Bataillonsschießen in der neuen Heeresstruktur 4, d.h. mit drei schießenden Batterien, wurden mit gut bewertet.

Auch in GRAFENWÖHR waren ein Garant für gute Leistungen die Reservisten des Bataillons. Sie schafften es innerhalb kürzester Zeit, sich in den Bataillonsverbund einzuleben und genau wie ihre »aktiven« Kameraden die Feuerkraft unter Beweis zu stellen. 1982 war für das Bataillon ein herausragendes Jahr. Man konnte auf eine 20jährige Geschichte zurückblicken. Viele Ereignisse haben den Verband geprägt. In der Festschrift bescheinigt der Brigadekommandeur, Oberst Klewin, einen allseits anerkannten hohen Ausbildungs- und Leistungsstand. Diesen Geburtstag feiert man im Beisein von vielen geladenen Gästen mit einem Feldappell auf dem Standortübungsplatz Wentorfer Lohe mit darauffolgendem Vorbeimarsch sowie einen Feldempfang.

»Es sei notwendig«, so Oberstleutnant Führer, »dieses Jubiläum in der umfassenden und feierlichen Form zu begehen, um zu dokumentieren, dass es schon etwas Besonderes sei, wenn ein Verband des Heeres über einen Zeitraum von zwanzig Jahren ständig seine Einsatzbereitschaft bewiesen habe. Da der Dienst der Soldaten hart sei, gelte es, die Gäste um Unterstützung zu bitten, für den Auftrag und den festen Willen der Soldaten, den Staat zu verteidigen.« Dem Bataillon wünschte er weitere 20 Jahre Beständigkeit in Recht sowie Frieden in Freiheit.

Spiess 3 Bttr (HFw Pelz) in der Feuerstellung (1988 - Lothar Probst)
Spiess 3 Bttr (HFw Pelz) in der Feuerstellung (1988 - Lothar Probst)

Ehrungen sollen Verdienste, die weit über das normale Maß hinausgehen, würdigen. Eine besondere Form ist die Verleihung von Fahnenbändern für die Truppenfahne. Es ist eine Ehrung, die nicht den einzelnen ehrt, sondern die Leistung eines Verbandes. Das Bataillon erhielt 1982 für seine Verdienste während der Katastrophen der letzten Jahre aus der Hand von Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg das Fahnenband des Landes Schleswig-Holstein während eines Feierlichen Appells in Rendsburg. Auszug aus der Rede des Ministerpräsidenten: »Unsere Gemeinschaft hat die Ideale der Freiheit und der Gerechtigkeit und das Leben in unserem demokratischen Rechtsstaat für Wert erachtet, auch mit letzter Konsequenz vertreten zu werden. Und es kann als eine erfreuliche Tatsache festgestellt werden, dass die Bundeswehr rund zweieinhalb Jahrzehnte nach ihrer Gründung ihren unbestrittenen Platz in unserem Staatsgefüge einnimmt. Der besondere Auftrag der Soldaten, den Frieden zu sichern und die Freiheit zu erhalten, hat in unserer Gesellschaft weitestgehende Anerkennung gefunden. Ich habe allerdings den Eindruck, dass Freiheit heute vielfach als ein wohlfeiler, selbstverständlicher Besitzstand in unserem Lande angesehen wird, der alles gewährt, aber zu nichts verpflichtet. Das Wort »Freiheit« hat für manchen Menschen nur dann noch einen Klang, wenn es exotischen revolutionären Bewegungen zugeordnet werden kann.«

Paten-und Partnerschaft mit der Stadt Geesthacht

Wappen Stadt Geesthacht
Wappen Stadt Geesthacht

Geesthacht, eine liebenswerte aufstrebende Mittelstadt, vor den Toren Hamburgs an der Oberelbe. Die größte Stadt im Kreis »Herzogtum Lauenburg« hat ihren Namen vom alt-hochdeutschen Wort »Hachede«. Erste Erwähnung fand Hachede im Jahre 1216. Das Kreisdorf entwickelte sich, trotz mancher Zerstörungen, dank seiner günstigen Flußlage zu einem Handelsplatz für Holz und Salz. Gleichzeitig war es Zollstelle für die Herzöge von Sachsen-Lauenburg. Berühmt wurde Geesthacht im 18. Jahrhundert durch das Rutenreißen und Korbflechten. Die industrielle Entwicklung begann in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als dem Schweden Alfred Nobel hier die Herstellung von Dynamit gelang. Schon längere Zeit vor der offiziellen Übernahme der Patenschaft der Stadt Geesthacht für das Panzerartilleriebataillon 165 bestanden intensive Kontakte zwischen Vertretern und Bürgern der Stadt mit Soldaten aller Dienstgrade des Bataillons. So war es nur eine Frage der Zeit, dass diese mittlerweile gewachsenen Beziehungen in »geordnete Bahnen« übergeführt wurden und somit den Beziehungen ein formaler Rahmen gegeben wurde. Im Februar 1982 hatte die Division einen entsprechenden Antrag des Bataillons genehmigt. Die Ratsversammlung der Stadt hatte schon am 15.12.1981 einstimmig beschlossen, die Patenschaft für die Wentorfer Artilleristen zu übernehmen. So nahmen dann die Dinge ihren Lauf. Am 14.5.1982 konnte die damalige Bürgervorsteherin, Frau Anneliese Schmidt, im Rahmen eines gut besuchten Festaktes im Ratssaal der Stadt dem seinerzeitigen Kommandeur, Oberstleutnant Führer, die Patenschaftsurkunde überreichen. Der Kernsatz ihres Textes lautete: »Die Stadt Geesthacht bekennt sich zu den Soldaten der Bundeswehr. Sie anerkennt die gesellschaftliche Stellung der Bundeswehr als Teil unseres Volkes.«

Oberstleutnant Führer betonte, dass eine Patenschaft helfe, Brücken innerhalb der Familien und der Gesellschaft zu bauen. In diesem Sinne wurde die Patenschaft von beiden Seiten über lange Jahre gepflegt, in diesem Geiste entwickelte sie sich zunehmend zu einer Partnerschaft.

Die nun folgenden Jahre waren von Harmonie und gegenseitiger Achtung über teilweise auch vorhandene weltanschauliche Grenzen hinweg geprägt. Hilfsbereitschaft und zunehmend auch echte Freundschaft bestimmten das gegenseitige Verhältnis. Auch die Einrichtung des Geesthacht-Zimmers im Offizierkasino zeugt von dieser gelebten Partnerschaft.

Gegenseitige Besuche, auch auf dem Truppenübungsplatz, gemeinsame Sportveranstaltungen, von der Stadt organisierte Stadtrundfahrten für neue Soldaten, Diskussionsabende, Kontakte zum DGB-Ortskartell wechselten mit jährlichen »Gästeschießen« in Hohenhorn, mit Barbara-Feiern und Bataillonsbällen. Soldaten des Bataillons unterstützten karitative Einrichtungen der Stadt durch Spenden oder persönlichen Arbeitseinsatz. Unvergessen bleiben die Feste zusammen mit den Sportlern, Sängern und Schützen der Stadt oder die unübertroffene Gastfreundschaft der Grünhof-Tesperhude bei ihrem jährlichen Volks- und Heimatfest. Ein Höhepunkt der Patenschaft war sicherlich das Feierliche Gelöbnis aller Rekruten der Panzergrenadierbrigade 16 vor großer öffentlicher Kulisse im Stadion an der Berliner Straße am 29.10.1985. Bürgermeister, Bürgervorsteher, Kommunalpolitiker, Vereine und Bürger sowie unzählige Soldaten des Bataillons haben diese Patenschaft geprägt und mit Leben erfüllt.

Eine Bürgerin der Stadt, die sich in ganz besonderer Weise verdient gemacht hat, soll hier besonders erwähnt werden: Frau Siglinde Porsch, Leiterin der Beruflichen Schulen in Geesthacht. Über ihr ganz persönliches, intensives Engagement für die Patenschaft, über ihr überzeugtes Eintreten für das Verfassungsgebot der »wehrhaften Demokratie« hinaus, wer-den die Weihnachtsbescherungen für die diensttuenden Soldaten des Bataillons unvergessen bleiben. Wiederum im Rahmen eines von der Stadt im Ratssaal durchgeführten feierlichen und sehr würdigen Festaktes wurde am 19.5.1993 nach nahezu genau 11 Jahren der Schlusspunkt gesetzt. Die Worte des Bürgermeisters Peter Walter anlässlich dieser Veranstaltung zeugen von einer Haltung, die sicher auch nach unserer Auflösung noch Bestand haben wird: »Ich kann es kaum in wenigen Sätzen auflisten, was sich zwischen uns ereignete, besonders denke ich an die Hilfeleistungen, etwa bei der Schneekatastrophe. Es ist ein Ende, das keiner gewollt hat, das aber unvermeidbar ist.«

An jedem 4. Dezember ist Barbara-Tag. Wir Artilleristen wissen, man huldigt an diesem Tage unserer Schutzpatronin, der heiligen Barbara, Beschützerin aller, die mit Feuer und Rauch zu tun haben. Sie ist der Spiegel, der uns Artilleristen - vom Oberkanonier bis zum Stückknecht - vorgehalten wird. Als Dank für besonders verdienstvolle Barbara-Jünger können Nichtartilleristen mit »Schlag und Treffer« zu Ehrenkanonieren ernannt werden. Beim Truppenübungsplatzaufenthalt im August 1983, während sich das Bataillon mit der Besichtigung der 1. und 4. Batterie beschäftigt, tauscht man bei der 2. und 3. Batterie die Waffensysteme.

Man kehrt zu den Wurzeln zurück, indem man ein Schulgefechtsschießen mit der Feldhaubitze 105 mm durchführt. Man kennt dieses System ja noch aus der Schleswiger Zeit, als man noch Feldartilleriebataillon 165 hieß.

Die Umgliederung des Feldheeres der Bundeswehr in die Heeresstruktur 4 in der ersten Hälfte der 80er Jahre führte zu einschneidenden Veränderungen der Größe, Gliederung und Ausrüstung der Verbände der Kampftruppen. Die neue Struktur der Kampftruppe forderte eine umfassende Reaktion der Artillerietruppe. Ihren Auftrag, die Kampftruppe jederzeit in jeder denkbaren Lage effektiv mit Feuer zu unterstützen, vermochte die Artillerie in ihrer alten Gliederung nicht mehr hinreichend auszuführen. Darüber hinaus stellte das moderne Kriegsbild immer gewichtiger werdende Forderungen an schnelle Reaktionsfähigkeit, Beweglichkeit und Auflockerung. Dieser Herausforderung hatte sich die Artillerietruppe durch geänderte Grundgliederung, verbesserte Ausrüstung und angepasste Führungs- und Einsatzgrundsätze zu stellen. Das Ergebnis dieser taktischen und technischen Neuorientierung war die sogenannte »Artilleriestruktur 85«, die unser Bataillon ab 1. April 1987 ein-zunehmen hatte, d.h. eine Reduzierung von drei auf zwei schießende Batterien.

Das Bataillon bewältigte die Umgliederung wie folgt: Im Februar 1987 gibt die 4. Batterie in MUNSTER ihren letzten Schuss ab, um dann zum 30. März 1987 aufgelöst zu werden. Das Material verbleibt im Bataillon, die Masse der Soldaten der 4. Batterie tritt mit wenigen Ausnahmen zur 2. Batterie, die auch die Tradition der ehemaligen 4./- weiterführt. In der Folgezeit nehmen alle Batterien des Bataillons die neue Gliederung ein. In zahlreichen Ausbildungsvorhaben, mehreren Plan- und Rahmenübungen tasten sich die Führer und Unterführer des Bataillons erfolgreich an die neuen Einsatzgrundsätze, aber auch an das anspruchsvolle System IFAB (Integriertes Feuerleitsystem Artillerie-Batterie) heran.

Bei einer mehrtägigen Inspizierung im Juni konnte der Inspizient der Artillerietruppe, Oberst Braun, dem Bataillon bestätigen, dass es auf einem guten Wege sei. Dank des engagierten Einsatzes aller Soldaten war ein neuer Abschnitt in der Geschichte des stolzen Panzerartilleriebataillons 165 eingeleitet worden.

Dazu aber auch ein kritisches Wort von Oberstleutnant von Pappenheim: »Über Vor- und Nachteile der Artilleriestruktur 85 ist viel und ausgiebig gestritten worden. Zweifellos brachte sie einen enormen Zugewinn an schneller Reaktionsfähigkeit der Artillerie. Bei Nutzung des Systems IFAB waren Feuerzusammenfassungen des ganzen Bataillons regelmäßig deckend nach spätestens 2 Minuten, oftmals aber schneller im Ziel. Das Feuer konnte ohne Verzug sehr schnell verlegt werden, bewegliche Ziele waren wirkungsvoll abzuriegeln. Insgesamt war jedoch die zu erbringende Führungsleistung im erheblich vergrößerten Feuerstellungsraum des Bataillons ungleich anspruchsvoller geworden. Der größte Nachteil der Artilleriestruktur 85 ist jedoch in der unzureichenden Personalausstattung auf allen Ebenen zu sehen. Fazit: In der Artilleriestruktur 85 funktionierte das System Artillerie in beeindruckender Weise. Es blieb uns gottlob erspart, den Nachweis ihrer Kriegstüchtigkeit führen zu müssen.«

Gruppenfoto 4. Btr (1988 - Karl Heinz Hackstein)
Gruppenfoto 4. Btr (1988 - Karl Heinz Hackstein)

Die Auflösung des Panzerartilleriebataillons 165 wirft ihre Schatten voraus. Die der Heeresstruktur 5 bedeutet nicht nur große organisatorische Veränderungen im deutschen Heer, sie greift auch in erheblichem Maße in die Stationierung ein. Bereits im Juni 1991 trifft die Nachricht ein, dass auf Grund einer einsamen Entscheidung des Verteidigungsministers Dr. Stoltenberg das künftige Artilleriebataillon der Brigade nicht mehr in Wentorf, sondern in Dedelsdorf liegen und das Panzerartilleriebataillon 335 sein sollte.

Die Meldung schlägt wie eine Bombe oder besser: wie eine Artilleriegranate ein. Denn schnell wird klar, dass das die Auflösung des Bataillons in Wentorf bedeutete. Lediglich für die in Heeresstruktur 5 geplante Neuaufstellung der dritten schießenden, der vierten Batterie des Panzerartilleriebataillons 335 sollte unser Bataillon den Personalstamm und die materielle Ausrüstung bereitstellen; sie sollte auch das Traditionserbe der »165er« in der Heide bewahren. Doch es sollte alles noch ganz anders werden.

Aber zunächst zurück ins Jahr 1991: Der Stimmungseinbruch währte nur kurz, er wich einem trotzigen Stolz und dem Gefühl: »Jetzt erst recht.« Das Bataillon sollte ja noch zwei Jahre in Wentorf präsent sein, und da war noch eine Menge zu leisten: Übungen mit der Brigade, dem Artillerieregiment 6 und der Division - alle hatten schließlich sehr übungsfreudige Kommandeure. Außerdem stand die Feier des 30. Geburtstages des Bataillons und der zehnten Wieder-kehr der Patenschaftsübernahme durch die Stadt Geesthacht im Jahre 1992 bevor. Und schließlich wollten und sollten wir aller Welt zeigen, dass wir bis zuletzt voll einsatzbereit waren, äußerlich wie innerlich, und die Auflösung des Verbandes mit Disziplin und Würde selbst gestalten konnten.

Und dann war da ja noch SHILO. SHILO, für viele Soldaten des Heeres ein Begriff für ein weites Land. Staub, einsame Seen, Indianer und Winnipeg. Auch für die Artilleristen bietet dieser Übungsplatz in Kanada eine Vielzahl von Möglichkeiten, im Bataillonsverbund und mit den Kampftruppen im scharfen Schuss zu üben. Bereits 1974 verlegte das Bataillon zum ersten Male nach SHILO. Das Vorkommando, bestehend aus dem S 4. Major Busche, und dem S 3-Fw, Hauptfeldwebel Schlenz, flog schon 14 Tage vorher, uni den Aufenthalt organisatorisch vorzubereiten und dabei auch die Betreuungsmaßnahmen auszuloten. Schenkt man dem Bericht in der Bataillonschronik Glauben, so war neben der Artilleristik die Betreuung Hauptbestandteil.

Nach 16jähriger Abstinenz zeigt das Bataillon 1992 als erster deutscher Artillerieverband wieder Präsens auf dem kanadischen Übungsplatz. Das Unternehmen wird diesmal durch ein Vorkommando unter der Leitung von Major Krempf, Chef der 1. Batterie, bestens vorbereitet. Höhepunkte bilden die gemeinsamen Übungen und Schießen mit der Kampftruppe, die sich von Präzision, Waffenwirkung und Schnelligkeit der Artilleristen beeindruckt zeigt. Die Angehörigen des Bataillons erleben Kanada während des Betreuungswochenendes von seiner besten Seite. Das Wetter hatte sich innerhalb weniger Tage von beißender Winterkälte mit Schnee in ein herrliches Frühlingsblühen verwandelt.

Davor und danach aber musste hart gearbeitet werden. Das Bataillon hatte Batterie- und Bataillonsgefechtsschießen und Gefechtsübungen, Direktes Richten und die Zusammenarbeit und die unmittelbare Feuerunterstützung für die Kampftruppe zu leisten. Als Abschluss und Höhepunkt wurde ein Bataillonsgefechtsschießen mit Direktem Richten, mit Wettbewerben für die Geschützgruppen/-zöge und die vorgeschobenen Beobachtungstrupps durchgeführt. Am 18. Mai 1992 erfolgte die letzte Bataillonsfeuerzusammenfassung im Leben des Panzerartilleriebataillons 165. Die Erfahrungen des Bataillons mussten als Maßstab für die nachfolgenden Artillerieverbände dienen, denn hinsichtlich der Schießsicherheit, eines realistischen, einsatznahen Übens, Schießens und Zusammenwirkens mit der Kampftruppe gab es neue Erfahrungen und viele Verbesserungsvorschläge. Einen Eindruck vermittelt der Erfahrungsbericht des Kommandeurs, Oberstleutnant Brauss.

Hier ein Auszug: »Der Truppenübungsplatzaufenthalt in SHILO stellt aus Sicht des Panzerartilleriebataillons 165 eine wesentliche und, genießen an den Zielen für die Einsatz-und Schießausbildung der Artillerie und gemessen an den Möglichkeiten in Deutschland, unverzichtbare Bereicherung der Ausbildung für die Panzerartillerie dar.

Die vollständige und damit unkritische Übertragung der für Deutschland maximierten Bestimmungen ist dabei weder zweckdienlich noch notwendig... Es habe sich in mehrerer Hinsicht als teilweise nicht hinnehmbare Beeinträchtigung der Ausbildung erwiesen... Für notwendig halte ich :... eine gemeinsame Konzeption der Abschlussübungen Kampftruppe-Artillerie, die den Übungszielen der Artillerie im Rahmen des Gefechts der verbundenen Waffen besser Rechnung trägt....Dazu wäre eine Übungsanlage notwendig, in der ein sehr bewegliches, abwechslungsreiches und wendiges Gefecht unter mehrmaliger Nutzung der Tiefe und Breite der Schießbahn und mehrmaliger Nutzung der Zielräume Artillerie angelegt wird, ein Gefecht, in dem sich Feuer und Meldungen der Artillerie taktisch auswirken, statt einer Angriffslage in nur einer Richtung...«

Ende: Der goldene Schuss
Ende: Der goldene Schuss

Kurz nach Rückkehr aus Kanada feiert das Bataillon am 12. Juni sein 30jähriges Bestehen. Das Jubiläum wird mit einem Feierlichen Appell mit anschließendem Empfang unter Anwesenheit vieler Ehemaliger, des Bürgermeisters der Patenstadt und der Angehörigen der 11. Abteilung des Artillerieregiments 20 begangen. Den Höhepunkt bildet ein für Artilleristen typisches Ari-Biwak auf dem Standortübungsplatz. Daneben sind aber auch die beiden weiteren Patenschaften, nämlich zur Stadt und zur 1I. Abteilung des Artillerieregiment 20, zu feiern. 30 Jahre 165er, das bedeutet Kontinuität und lebendige Tradition. Oberstleutnant Heinrich Brauss, der 9. Kommandeur der 165er, ist stolz auf drei Jahrzehnte, in denen sie ihren Teil zur Friedenssicherung, Stabilität und Freiheit in Deutschland und Europa beige-tragen haben. Die lange Kontinuität bestärkt darin, etwas Sinnvolles und Positives mit dem Dienst der 165er zu leisten. Die Zeit bei der Bundeswehr sehen auch viele Wehrpflichtige nicht als vertan an. Dennoch wird von den jungen Männern die vorurteilsfreie Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung vermisst. An ihr kräftiger mitzuwirken, sei eine politische und auch kommunalpolitische Aufgabe.

Viele äußere Veränderungen hat man erlebt, so am augenfälligsten die Einführung des automatischen Feuerleitsystems 1FAB und seinen Komponenten M 109 A3G, Beobachtungspanzer Optronik, dem Feuerleitpanzer Artillerie M 113. Man beherrscht durch zielstrebige Ausbildung mit der Standardübung »Stetes Üben« das System, so dass Bataillonsfeuerzusammenfassungen in der Rekordzeit von 1:34 Min. möglich waren.

Und schließlich erlebt man den »goldenen Schuss« des Bataillons am 20. August 1992 auf dem altvertrauten, liebgewonnenen Truppenübungsplatz MUNSTER.

Der 15. Dezember 1992 besiegelt mit der Entscheidung des Verteidigungsministers auch das Schicksal der Panzergrenadierbrigade 16.

Im Rahmen der Truppenreduzierung auf 370.000 Soldaten wird die Brigade zum Ende des Jahres 1994 aufgelöst. Für das Panzerartilleriebataillon bedeutet dies, dass es ein Weiterbestehen im Rahmen des Bataillons 335 nicht geben wird und man es bis zum 30.9.1993 aufzulösen hat.

Schon frühzeitig hat man damit begonnen, das Gerät zu zentralisieren und eine Arbeitsgliederung, die dem Materialabfluß und dem Personalabbau Rechnung trägt, einzunehmen. Im Juni 1993 bildet man wieder einen Kader (d.h., das komplette Bataillon bezieht Quartier im Stabsgebäude), um mit dem wenigen Personal die Auflösung in einem geordneten Rückzug durchzuführen. Als letzter verlässt der TVB Hauptfeldwebel Winterhoff nach der Blockübergabe das Stabsgebäude des Panzerartilleriebataillons 165.

Hier endet nun die Reise durch das Tagebuch des Panzerartilleriebataillons 165. Der Chronist hat sich bemüht, Ihnen die ganze Bandbreite eines lebendigen Verbandes in einzelnen Bildern zu zeigen. Sicherlich mag manches literarisch nicht dem höchstem Niveau entsprechen, doch hier haben Menschen des Bataillons geschrieben, und es ist auch gerade das Gefüge der Kameraden aller Ebenen, die ein Verband erst mit Leben füllen.

Das Bataillon hat bis zu seiner Auflösung zum 30. September 1993 seinen Beitrag für einen Frieden in Freiheit geleistet. Mit der offiziellen Übergabe der Bronzetafel für die Gedenkmauer der deutschen Artillerie an die Artillerieschule in ldar-Oberstein wird sich unser Bataillon in die Geschichte des deutschen Heeres eingeschrieben. Wir scheiden mit dem Wissen, einen Beitrag für das Zusammenwachsen des deutschen Volkes und den Frieden in Europa geleistet zu haben.

Links

Weitere Bilder des Panzerartilleriebataillon 165 finden sich im Fotoalbum unter:

Fotoalbum