Chronik des Panzerbataillons 164

Wappen PzBtl 164
Wappen PzBtl 164

Am Donnerstag, dem 26. Oktober 1961, erreichte, von Süden kommend, über die mit Blaubasalt gepflasterte E 3 ein 0,75 t Borgward-Kübel die Abzweigung Flensburg-Weiche und tauchte im Fördenebel Flensburgs unter, um dann an der Wache einer noch namenlosen Kaserne wieder aufzutauchen. »Wo sind hier die Blocks des Panzerbataillons 164''« Doch die erstaunten Posten wussten keine Antwort. Nun setzten die »Geburtswehen« des Panzerbataillons 164 ein, denn im Borgward-Kübel saß das Vorkommando und somit die ersten Soldaten des entstehenden Bataillons.

Zum Aufstellungsstab gehörten Oberleutnant Dieter Gradl, Oberleutnant Klaus Kühl und Leutnant Helmut Wagner. Unterstützung fanden sie in den ersten Tagen durch die Oberfeldwebel Günter Brammer, Andreas Schmitt und Helmut Mosalski, den Feldwebel Otto Stührwoldt, den Stabsunteroffizier Alfred Heine und die Unteroffiziere Karl-Heinz Elias, »Charlie« Delfs, Gerwin und Nitschke. Der Auftrag ihrer Dienstreise lautete: 1. Besprechung mit der Panzergrenadierbrigade 16 und der Standortverwaltung, 2. Klärung von Unterkunfts- und Wohnungsfragen.

Am 16. November 1961 war dann offiziell die Geburtsstunde des Panzerbataillons 164. Es wurde als letztes Bataillon der Panzergrenadierbrigade 16, wegen der nördlichen Lage auch »Eismeerbrigade« genannt, aufgestellt. Das Bataillon war ein reinblütiges Kind der 6. Panzergrenadierdivision. So setzten sich die Stabs- und Versorgungskompanie aus Soldaten der Panzerbataillone 174, 183 und 184 zusammen, die 2. Kompanie bestand aus 174ern, die 3./-aus 183ern, und die 4. Kompanie wurde ab 1.7.1962 aus Männern des Panzerbataillons 184 aufgestellt. Der Aufstellungsbefehl Nr. 715 vom 18.8.1961 hatte vorerst nur eine Teilaufstellung ohne 4. Kompanie mit 344 Soldaten vorgesehen.

Schon im Gründungsjahr wurde das Verbandsabzeichen entworfen und eingeführt. Das Verbandsabzeichen zeigt auf gelbem Grund zwei blaue Löwen und am rechten oberen Rand ein Nesselblatt. In der Verwendung der Grundfarben »Gelb« und »Blau«, den Löwen und dem Nesselblatt aus dem Wappen der Stadt Flensburg, wird der Zusammenhang zur 1. Garnisonsstadt hergestellt. Mit den beiden Schleswiger Löwen unterstrich das Bataillon die Zusammengehörigkeit zum Landesteil Schleswig und mit dem Nesselblatt die Einbettung in das Land Schleswig-Holstein. Mit dem Wechsel des Panzerbataillons in den Standort Schwarzenbek im Jahre 1969 wurde das Verbandsabzeichen links oben durch das Wappen der Stadt ergänzt.

1966 - Castle Martin - 2 Kp - Erster Schiessplatzaufenthalt
1966 - Castle Martin - 2 Kp - Erster Schiessplatzaufenthalt

Der erste Kommandeur des Bataillons war Oberstleutnant Gerhard Kaufmann; sein Stellvertreter und S 3-Stabsoffizier wurde Major Heinrich Pohl. Schon knapp drei Monate nach Aufstellung des Bataillons mussten sich die Soldaten während der schweren Sturmflut beim Katastropheneinsatz an der Westküste Schleswig-Holsteins bewähren. Über 100 Soldaten der 2. und 3. Kompanie waren vom 18.2. bis 24.2.1962 im Adolf Koog bei Husum Tag und Nacht im Einsatz. Alle Soldaten wurden später mit der Sturmflutmedaille ausgezeichnet. Es folgten die ersten Übungsplatzaufenthalte in PUTLOS und LECK und eine Versorgungsübung im Raum Lütjenholm. bei der die Stabs- und Versorgungskompanie ihre erste Bewährungsprobe zu bestehen hatte. Der 1.7.1962 war für das Panzerbataillon 164 ein ganz besonderer Tag: Mit der Aufstellung der 4. Kompanie unter Führung des Oberleutnants Georg Kühnke war das Bataillon nun endlich komplett. Über ein eigenes Kompaniegebäude verfügte die 4./164 noch nicht. Sie wurde bei 2./- und 3.;-, jeweils im I. Stock, einquartiert, das Geschäftszimmer in einem Feldhaus zwischen den beiden Unterkunftsblöcken eingerichtet.

Am 16.1 1.1962 wurde der erste Bataillonsgeburtstag gefeiert. und die 164er traten zum ersten Mal in die Öffentlichkeit. Der Kommandeur, Oberstleutnant Kaufmann, nahm in einer Feldparade den Vorbeimarsch des gesamten aufgesessenen Bataillons entlang des Alten Husumer Weges ab. Das Interesse der Bevölkerung war dementsprechend groß. Beim anschließenden Empfang im Offizierkasino des Versorgungsbataillons 166 zeigten die Männer der ersten Stunde, wie stolz sie auf die geleistete Arbeit waren.
Die 3 . Kompanie führte am 29. l 1.1962 unter Führung von Hauptmann Vorhauer den wohl ersten und einzigen Nachtmarsch ohne Licht auf einer Landstraße von Flensburg nach Husum durch. Zwei Wochen später verlegte die 3./- auf den Übungsplatz LÜTJENHOLM und schloss diesen Aufenthalt mit einen Manöverball in Bredstedt ab.

Das Jahr 1963 begann mit dem Besuch des Inspizienten der Panzertruppe, General Herbert Reidel, während des Truppenübungsplatzaufenthaltes BERGEN-HOHNE. Hierbei wurden die Kampfkompanien im Gefecht besichtigt. Insbesondere die 4./- bekam ihr Fett weg: Oberleutnant Georg Kühnke lag mit seiner Kompanie im Verfügungsraum, als der Inspizient erschien. Alle wussten natürlich, worauf es ankam und waren in Lage und Auftrag der Kompanie genauestens eingewiesen. Der erste Panzerkommandant, den der General zur Feindlage befragte, Feldwebel »Hansi« Kohleneier, antwortete zackig: »Diese Richtung 1.500 m (!), Spitzen des Feindes! « Für diese Feindlage war es dem Herrn General etwas zu friedlich im Verfügungsraum der 4./-; so musste hier wohl etwas genauer inspiziert werden, und das Schicksal nahm seinen Lauf. Und als zu guter Letzt der Kompaniehund Florian - ansonsten ein gutmütiges Tier- dem Inspizienten in die Wade biss, war die Überprüfung für den jungen Oberleutnant und seine Einheit »gelaufen«.

Ende Oktober stand aber noch ein anderes Ereignis vor der Tür. Die Kaserne sollte endlich einen Namen erhalten. Ani 30.10. wurde sie auf den Namen »von Briesen-Kaserne« nach dem Kommandeur der 30. Schleswig-Holsteinischen Infanterie-Division, Generalleutnant von Briesen, getauft. Beim feierlichen Vorbeimarsch nahm auf der Ehrentribüne der Divisionskommandeur, General Haack, auch den eindrucksvollen Vorbeimarsch von ca. 50 M 47 ab.

M47 im Gelände
M47 im Gelände

Vieles wurde zur Routine. Die Übungsplatzaufenthalte, die Ausbildung der Besatzungen an den Kampfpanzern, die Sportveranstaltungen und Appelle wiederholten sich. Und doch gab es etwas ganz Neues in diesem Frühjahr 1965: den ersten Kommandeurswechsel. Oberstleutnant Kaufmann wurde nach Hamburg versetzt und übergab sein Bataillon an Major Rolf Stoves, der von der Heeresoffiziersschule II nach Flensburg versetzt wurde. Die Übergabe des Bataillons erfolgte am 8.4. durch den Brigadekommandeur, Brigadegeneral Werner Ebeling, auf dem Ex-Platz der von Briesen-Kaserne. Die Männer des Panzerbataillons 164 waren kompanieweise im offenen Viereck angetreten und marschierten anschließend unter Führung ihres neuen Kommandeurs am Brigadekommandeur und Oberstleutnant Kaufmann vorbei. Im Tagesbefehl vom 5.4.1965 bedankte sich Oberstleutnant Kaufmann mit folgenden Worten: »Soldaten des Panzerbataillons 164, als Kommandeur Ihres Bataillons habe ich bei Ihnen während meiner Tätigkeit in der Zeit vom 16. November 1961 bis B. Apri11965 treue Pflichterfüllung und stete Mitarbeit gefunden. Ich spreche Ihnen für Ihre guten Leistungen im täglichen Dienst und besonders bei Truppenübungsplatzaufenthalten meine volle Anerkennung aus. Ich hoffe, dass Sie Ihrem neuen Bataillonskommandeur. Herrn Major Stoves, das Vertrauen entgegenbringen, das Sie mir gegenüber gezeigt haben. Ich wünsche dem Panzerbataillon 164 und seinen Angehörigen alles Gute für die Zukunft. «

Der zweite Paukenschlag des Jahres folgte nur zwei Wochen später. Am 24.4. fand im Preußen-Stadion in Münster die feierliche Übergabe der Truppenfahnen an Abordnungen aller Bataillone des Heeres statt. Die Fahnenabordnung des Panzerbataillons 164 führte der neue Kommandeur, Major Rolf Stoves, die Fahnenbegleitoffiziere waren Oberleutnant Kraft und Leutnant Wolfgang Wendorff, der Fahnenträger war Hauptfeldwebel Karl Frankenberg. Den Bataillonen des Standortes Flensburg wurden die neuen Truppenfahnen am 26.4. in einer vom Heeresmusikkorps 6 umrahmten Feierstunde auf dem Ausbildungsplatz der von Briesen-Kaserne vorgestellt. Im Anschluss an die Feier trug die Fahnenabordnung im Geleit der 4. Kompanie als Ehrenkompanie die Bataillonsfahne zum Stabsgebäude.
Die 3. Kompanie ging im April 1966 auf »hohe See«. Das Kommando der amphibischen Seestreitkräfte führte vor Generalstabsoffizieren die Seetransportübung SEEHUND durch. Dabei wurde die 3. Kompanie von Männern des Panzergrenadierbataillons 163 verstärkt. Die Gefechtsfahrzeuge wurden am Strand bei Aschau auf die Landungsboote verladen und nach PUTLOS in Marsch gesetzt. Das Anlanden der Truppe gelang vorzüglich, und die verstärkte 3. Kompanie konnte den Brückenkopf bei PUTLOS planmäßig verstärken.
Doch es ging nicht immer alles so glatt. Eines Abends verabschiedete sich der Stabsunteroffizier Klaus Groth von Major Stoves, der im unteren Flur des Stabsgebäudes seine Schuhe putzte. In diesem Moment klingelte das Telefon des KvD. Als er abnahm, meldete sich die »Brigade«: »Quick Train - NATO-Alarm! « »Alles klar«, antwortete der Gefreite und legte sich wieder hin.

So erinnerte sich der damalige Stabsunteroffizier Klaus Groth: »Nachdem der Kommandeur des Panzerbataillons seine Dienstgeschäfte erledigt hatte, wollte er die Kaserne verlassen. Er war an diesem Abend von seinem Stellvertreter, der gegenüber der Kaserne wohnte, zum Essen eingeladen. Major Stoves wunderte sich beim Verlassen des Stabsgebäudes über die offenkundige Verdunkelung der Truppenunterkünfte und fragte den Wach-posten am Kasernentor, warum das Wachlokal verdunkelt sei. Der erstaunte Wachposten klärte ihn auf: »Ja, wissen Sie denn nicht, dass wir seit fast zwei Stunden NATO-Alarm haben?« Major Stoves wusste es natürlich nicht, woher auch. Das Bataillon wurde dank der in der Nähe wohnenden Kompanie- und Zugführer sofort alarmiert. Höchste Eile war geboten! Das Bataillon schaffte es noch, die vorgesehenen Maßnahmen in der vorgeschriebenen Zeit durchzuführen, wenngleich auch als vorletzter Verband der Flensburger Einheiten. Die vorausgesagte Katastrophe hielt sich in Grenzen - auch wenn die militärischen Nachbarn bald mehr feixten als den 164ern lieb war. «

Castle Martin 1979
Castle Martin 1979

Höhepunkt des Jahres 1966 war der erste Auslandsaufenthalt des Bataillons. Am 1.9.1966 verlegte das Panzerbataillon 164 auf den Truppenübungsplatz CASTLE MARTIN in Großbritannien/Wales. Nicht nur das Abenteuer Wales, sondern auch die besondere Verantwortung eines jeden deutschen Soldaten im Ausland, wurde von den Männern des Bataillons in hervorragender Weise bewältigt. Zu jener Zeit waren Aufenthalte wie dieser noch nicht all-täglich, und die Einheimischen beobachteten die deutschen Panzersoldaten mit gemischten Gefühlen. Aber gerade den Männern der ersten Stunden gelang es, ein freundschaftliches Klima zu schaffen, von dem die Bundeswehr noch heute profitiert.


16 Offiziere, 83 Unteroffiziere und 281 Mannschaftsdienstgrade flogen mit der »Noratlas« nach Wales. Dies war für alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis. Hauptfeldwebel Henry Engelhardt, Kompaniefeldwebel der 1. Kompanie, belehrte kurz vor dem Abflug noch einmal seine Männer: »... und dass mir ja keiner ins Flugzeug reihert!« Kaum war die »Noratlas« in der Luft, war Engelhardt froh, einen »Kotzbeutel« in Reichweite zu haben. Er gab den Startschuss zum allgemeinen Übelsein. Wieder festen Boden unter den Füßen, fühlten sich die Panzermänner sichtlich wohler. Mit Elan ging es an die Kampfpanzer und das Schießprogramm. Vorbereitet wurde dieser Aufenthalt durch Oberleutnant Wendorff, der im Vorkommando mit dem Panzerbataillon 174 nach Wales verlegte. Die gute Zusammenarbeit mit dem Schwesterbataillon aus Hamburg erleichterte damals vieles.

Gegen Ende des Aufenthaltes mehrten sich die Fälle, dass einige Soldaten glaubten, sie müssten mal so richtig einen draufmachen. Demolierte Toilettenkästen, die nach Mitteilung des MP-Captains von deutschen Soldaten ruiniert wurden, wodurch sie die meisten Toiletten und Naßräume überfluteten, waren Anlass genug, das gesamte Bataillon 15 Minuten später auf der Wiese vor dem Bataillonsgefechtstand antreten zu lassen. Da die Verursacher nicht festgestellt werden konnten, setzte Oberstleutnant Stoves kurzerhand einen Nacht-marsch an. Punkt 1.00 Uhr wurde dem Bataillonskommandeur gemeldet. Ein Freiwilligenkommando hatte die Schäden bereits beseitigt, und so konnte das Bataillon geschlossen los-marschieren. Anschließend wurden die restlichen Schäden abgestellt, die Kästen per Umlage bezahlt und der Frieden mit der Platzkommandantur wieder hergestellt.

Am freien Wochenende gab es Gelegenheit, Land und Leute kennenzulernen. Für so manchen Soldaten kam der Rückflug sicher zu früh. Auf dem britischen Militärflugplatz standen die Maschinen zum Rückflug bereit. Die für die jeweiligen Flugzeuge eingeteilten Männer waren bereits aufgesessen. Hauptmann Müller und Stabsfeldwebel Frankenberg brachten Hauptmann der Reserve Tiedemann zu seiner »Nora« und sahen, dass aus dem linken Motor Betriebsstoff tropfte. Die Besatzung stand unter der Tragfläche und diskutierte lebhaft. Die drei hörten dabei folgendes: »Sieht traurig aus!«, bemerkte der Pilot und fragte seinen Mechaniker: »Haben die hier eine ordentliche Messe?« »Nee, unter aller Würde«, gab dieser zurück. »Also fliegen wir«, bestimmte der Pilot. Daraufhin Protest der Besatzung: »Ich nicht.« »Ich auch nicht«, mischte der Bordfunker mit. »Stimmen wir also ab«, befand der Pilot. Unentschieden 2:2, der Copilot hielt zu seinem Chef. »Ich bin der Pilot, meine Stimme zählt mehr - wir fliegen«, entschied der Pilot nach alter demokratischer Tradition. »Dann aber ohne uns«, gab der Mechaniker bekannt. Da kam dem Copiloten der rettende Einfall: »Komm', habt Euch nicht so, wir machen das sportlich«, sprach's und holte eine Münze aus der Tasche. »Kopf oder Zahl'? Kopf: wir fliegen, Zahl: wir bleiben hier!« Kleine Pause -- die Münze zog ihre Bahn und ...: »Kopf, wir fliegen!« Tiedemann, sichtlich
blass geworden, fügte sich seinem Schicksal und stieg ein, gefolgt von der Besatzung. Die Maschine erreichte ohne Probleme ihren Zielflughafen.


In diesem Jahr stand aber noch ein anderes Ereignis auf dem Kalender. Das Panzerbataillon 164 feierte seinen 5. Geburtstag. Beim Appell auf dem Standortübungsplatz wurde an das Jahr 1961 erinnert, in dem das Bataillon als jüngstes der 20 Panzerbataillone des 1. Korps aufgestellt wurde.
Von 1966 an wurde das Panzerbataillon mit einem anderen Waffensystem, dem amerikanischen M 48, ausgerüstet. Er vereinte die bewährte 90 mm Kanone mit stärkerer Panzerung und einem leistungsfähigeren Motor. Nach Umschulung der Panzerkommandanten und des Instandsetzungspersonals wurde der Ausbildungsbetrieb weiter fortgeführt.

Im Jahre 1968 verließen schließlich die letzten M 47 das Bataillon, und im südöstlichsten Landkreis Schleswig-Holsteins, im Herzogtum Lauenburg, wurden die ersten Vorbereitungen für die Aufnahme der Panzermänner aus dem hohen Norden geschaffen. Dem Bund war es gelungen, das historische Gut Lanken teilweise käuflich zu erwerben, teilweise zu pachten. Dort entstand in der Gemeinde Elmenhorst an der B 207 eine großzügig gestaltete Kasernenanlage, die spätere Sachsenwald-Kaserne.

Am 16.9.1969 übernahm Major Harro Lueder das Panzerbataillon auf dem Truppenübungsplatz in BERGEN-HOHNE, GOLDBOCKENBERG. Seine erste Aufgabe war es, den Umzug nach Schwarzenbek zu organisieren und durchzuführen. Die veränderte NATO-Konzeption, die Vorneverteidigung, machte eine grenznahe Stationierung notwendig.

Fussballgruppe
Fussballgruppe

Die 1. Kompanie packte als erste Einheit ihre »Koffer« und verlegte im Landmarsch nach Süden. Die Kampfkompanien folgten bald nach, und am 16.12.1968 übergab der Kommandeur der 6. Panzergrenadierdivision, General Dr. Schnell, den Schlüssel der neuen Kasernenanlage an Major Lueder. Gleichzeitig wurde die Namensgebung vollzogen. Der Name »Sachsenwald-Kaserne« sollte die heimatliche Verbundenheit der Soldaten unter-streichen. Anlässlich des Appells berichtete der Bürgermeister der Stadt Schwarzenbek, Hans Koch, dass er schon zuzeiten des Amtes Blank, dem Vorläufer des Bundesverteidigungsministeriums, in Bonn gewesen sei, um Schwarzenbek Garnisonsstadt werden zu las-sen. Er sagte: »Die Zukunft muss nun zeigen, wie Schwarzenbek zu seinen Vorstellungen stehen wird.« Die Stadt strebe auch ein Patenschaftsverhältnis mit den Soldaten der neuen Kaserne an, fügte er hinzu. Der Kommandeur, Major Harro Lueder, richtete den Wunsch nach einer guten Zusammenarbeit an die Zivilbevölkerung. Die Einheimischen möchten den Soldaten das Einleben erleichtern. Dieses Ziel sei erreicht, wenn eines Tages nicht von »den« Soldaten, sondern von »unseren« Soldaten gesprochen werde.
War der Abschied aus Flensburg auch schwer, so fanden die Soldaten und ihre Familien im schönen Landkreis Herzogtum Lauenburg, dessen Bevölkerung dem soldatischen Auftrag besonders aufgeschlossen gegenübersteht, doch schnell eine neue Heimat. Und zum Dank für diese herzliche Aufnahme, aber auch, um sich der neuen Umgebung einmal richtig vor-zustellen, führte das Panzerbataillon 1970 ein Feierliches Gelöbnis und einen »Tag der offenen Tür« durch. Am 29.8 öffneten sich die Tore und über 10.000 interessierte Besucher strömten durch die Kaserne.

Auf insgesamt 12 Stationen konnten sich die »Lauenburger« aus erster Hand über ihre Soldaten informieren. Insgesamt fünftausend Liter Erbsensuppe wurden von der begeisterten Bevölkerung an diesem Tage verzehrt. Die örtliche Presse berichtete ausführlich von diesem Großereignis, und die Soldaten fühlten sich für ihre Anstrengungen belohnt.
Hoher Besuch kam am 19.10. in die Kaserne. Der Bürgermeister der Stadt Zelzate/Belgien, Livien Danschutter, und Offiziere des 2. Regiments aus Gielsen, einem Patenregiment von Zelzate, waren zu Gast in der Sachsenwald-Kaserne. Hier wurde die Idee erneut aufgegriffen, eine Patenschaft zwischen Schwarzenbek und dem Panzerbataillon 164 zu verwirklichen.

Anlässlich der vorgezogenen Geburtstagsfeier (10 Jahre Panzerbataillon) am 6.1 1.1971 war es dann soweit. Die Stadt übernahm die Patenschaft für das Panzerbataillon 164. Der Tag begann mit einem Empfang im Rathaus der Stadt Schwarzenbek. Der Bürgervorsteher, Hermann Püst, erinnerte daran, dass der Beschluss zur Übernahme der Patenschaft ohne Diskussion gefasst wurde und selbstverständlich war. Das anschließende Platzkonzert auf dem Marktplatz ließ dann wieder einmal keine Wünsche offen. Um 11.00 Uhr wurden während des Appells auf dem Exerzierplatz die Patenschaftsurkunden unterzeichnet.

Schwarzenbek - die Patenstadt des Panzerbataillons 164

Wappen der Stadt Schwarzenbek
Wappen der Stadt Schwarzenbek

Schwarzenbek, der natürliche Mittelpunkt des südlichen Kreises Herzogtum Lauenburg, liegt an der Bundesbahnstrecke Hamburg - Berlin und ist durch die wichtigen Verkehrs-adern, den Bundesstraßen 207, 209 und 404 sowie der Bundesautobahn A 24 mit dem näheren und weiteren Umland verbunden. Der 7.000 ha große Sachsenwald erstreckte sich bis an die Schwarzenbeker Gemarkung heran. Es ist der größte geschlossene Hochwald in Norddeutschland und dient den Menschen der Umgebung, insbesondere den Hamburgern, als Naherholungsgebiet. Früher nannte sich die kleine Gemeinde »das Gartendorf am Sachsenwald«. Der Rülauer Forst und das Gülzower Gehölz, insgesamt 1.000 ha groß, liegen südlich der Stadt. Schwarzenbek ist die jüngste Stadt im Kreis. Die ehemalige Landgemeinde erhielt am 27. Juni 1953 die Stadtrechte. Die Verleihung dokumentierte den gewaltigen Aufschwung der Gemeinde in der Zeit nach 1945. In den Jahren danach entwickelte sich die junge Stadt zu einem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt eines ländlichen Gebietes.


Schwarzenbek hat auch eine viel ältere Geschichte. Die erste Ansiedlung an der Schwarzen Beke wurde aus dem alten Grenzwald zwischen Sachsen und Slawen herausgerodet. Das Rittergeschlecht Wulf to Swarte Beke, das erstmals 1291 urkundlich erwähnt wurde, baute die Marienburg, die die Ansiedlung schützen sollte.


Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde das Amt Schwarzenbek als herrschaftlicher Verwaltungsbezirk gebildet, zu dem 22 umliegende Dörfer sowie der Sachsenwald gehörten. Die Wandlung zu einer modernen und bürgerlichen Wohngemeinde im ländlichen Bereich begann im 18. Jahrhundert mit der Ansiedlung von Dienstleistungs- und Kleingewerbebetrieben und setzte sich bis ins 20. Jahrhundert fort. Die Folgen des 2. Weltkrieges mit denn gewaltigen Zustrom an Flüchtlingen und Vertriebenen haben die Einwohnerzahlen stets an-steigen lassen. Insbesondere wegen der Lage der Stadt im damaligen Zonenrandgebiet, aber auch wegen der leidvollen Geschichte europäischer Machtpolitik früherer Jahrhunderte, fühlte sich Schwarzenbek der kulturellen und europäischen Arbeit stark verpflichtet. Neben einem gut ausgebildeten Vereinsleben, engen Kontakten zum Bundesgrenzschutz und der Patenschaft zum Panzerbataillon 164 engagierte sich die Stadt im Sinne der europäischen Integration. Verbrüderungen mit den Städten Aubenas (Frankreich), Sierre (Schweiz), Zelzate (Belgien), Cesenatico (Italien) und Delfzijl (Niederlande) zeugen von der Verankerung des europäischen Gedankens in der Stadt, die 1962 den »Europapreis 1961« erhielt.

Das neue Wohnungsbaugebiet »Mühlenkamp« im Norden der Stadt sowie das erweiterte Industriegebiet an der Grabauer Straße stellen die Weichen für ein künftiges Wachstum. Mit der Realisierung des Verkehrskonzeptes, das neben dem bereits fertiggestellten Brückenbauwerk über die Bahnlinie und der Kerntangente auch einen Nordzubringer und eine große Umgehungsstraße beinhaltet, wird eine wichtige strukturelle Maßnahme fertiggestellt. die positiv auf die Entwicklung der Stadt wirken wird. Durch ihre zentrale und verkehrsgünstige Lage ist die Stadt nach der deutschen Einigung für einen weiteren Entwicklungsschub »vorprogrammiert«,

Bahnverladung Schwarzenbek
Bahnverladung Schwarzenbek

Im September 1971 fand die NATO-Übung BRIC'K STONE statt. Im Rahmen dieser Übung hatte das Panzerbataillon den Auftrag, entlang der Divisionsgrenze einen Vorausangriff auf den Nord-Ostsee-Kanal zu führen. Hauptfeldwebel Schroeder mit seiner Erkundergruppe verhängte, um den Feind zu »irritieren«, die Straßenschilder mit Säcken. So führte Oberstleutnant Lueder das gesamte inzwischen verstärkte Bataillon über eine 18 t Brücke. Außer-dem ging ein paar Stunden später der stellvertretende Brigadekommandeur, Oberst Ohme, mit der Brigadegefechtsstandgruppe (darunter auch schwere Teile wie Bergepanzer) über dieselbe Brücke. »Innerhalb des Vorausangriffs hatte das Bataillon im freien Gelände ostwärts Hohenlockstedt gerade Breitkeil eingenommen, als mir«, so erinnert sich Oberstleutnant Lueder, »gemeldet wurde, dass im zwei Kilometer entfernten Schierenwald ein kleiner dänischer Verband auf einer Lichtung beim Versorgen war. Ich befahl: »Breitkeil halt!«, schwenkte mit der nachgeführten Reserve (einer Panzerkompanie und zwei Panzergrenadierzügen) nach Norden ein und brach zangenartig durchs Unterholz auf die Lichtung zu. Beim Erscheinen der M 48 und HS 30 fielen den völlig überraschten Dänen die Benzinkanister förmlich aus den Händen. Das Bataillon setzte nach diesem Handstreich seinen Auftrag weiter fort. «

Im Mai 1972 gab es eine einschneidende Neuerung. Der Bundesverteidigungsminister gab den Haar- und Barterlaß heraus. Damit gehörten Haarnetze und Pferdeschwänze der Vergangenheit an. Oberstleutnant Lueder wurde durch den Brigadekommandeur über dieses Ereignis informiert. Er überlegte kurz, wie er das Übel packen sollte, und kam zu dem Entschluss, dass zur bevorstehenden Pfingstdienstbefreiung kein »Langhaariger« die Kaserne verlassen werde. Zum Glück gab es im nahegelegenen Hamfelde eine Friseurschule, die immer »Modelle« brauchte. So rollten ab Mittag die LKW 5 t des Bataillons vollbesetzt Richtung Hamfelde und zurück. Noch am gleichen Tag waren alle Haare gefallen. Kurz vor Dienstschluss rief der Brigadekommandeur an. Man möge, gemäß eines zweiten Fernschreibens des Ministers sehr behutsam bei der Lösung des Haarproblems verfahren. Man müsse auf die Psyche der Soldaten achten und deshalb eine Übergangszeit von 14 Tagen einräumen. Nun, die Panzersoldaten glänzten schon mit »kurzer« Haartracht. Am nächsten Morgen wurde dem Bataillonskommandeur nun doch ein Vorfall gemeldet. Ein Soldat hatte sich aus Protest einen Irokesenschnitt verpassen lassen.


Im Frühjahr 1974 neigte sich die Kommandeurzeit des Oberstleutnant Harro Lueder dem Ende zu, und am 1.4. übergab Oberst Bruhn das Panzerbataillon an Oberstleutnant Georg Kühnke. Eine Kradeskorte begleitete den scheidenden Kommandeur aus der Kaserne zu seiner Wohnung in Sahms. Damit hatte nunmehr der 4. Kommandeur das Ruder in die Hand genommen. Dieser war im Bataillon kein Unbekannter. 1962 hatte er die 4. Kompanie aufgestellt und sie 3 Jahre lang geführt.

Neben mehreren Übungsplatzaufenthalten in BERGEN und PUTLOS, bei denen die Soldaten des Bataillons ihre Treffsicherheit mit der 90 mm Kanone unter Beweis stellten, wurden in diesem Jahr Vergleichsschießen zwischen dem Unteroffizierkorps der 1. Kompanie, der Schützengilde Schwarzenbek, der 4. Kompanie und der Schützengilde von 1407 e.V. aus Mölln durchgeführt. Diese ersten Kontakte der 4./- zu den Möllner Schützen sollten später zu einer festen Patenschaft mit Mölln führen. Kurze Zeit später besuchten Offiziere aus Japan das Bataillon und beobachteten die Gefechtsübung GELBER WEG, die das »Gefecht der verbundenen Waffen« darstellte. Das neue Jahr wurde mit einem Jazz-Konzert eingeleitet. Das von Major Günter Thees organisierte Konzert mit »Roy Pellet and his Jazzband« war der Beginn einer Reihe von Jazzkonzerten, die bis Anfang der 90er Jahre in der Sachsenwald-Kaserne durchgeführt wurden. Dabei wuchs die Jazzgemeinde langsam, aber stetig. Waren es zu Roy Pellets Zeiten noch 200, so kamen später zu Max Collie und Abi Hübner fast 500 begeisterte Zuschauer.
Im März 1975 verlegte das Bataillon mit drei Kompanien auf den Truppenübungsplatz BERGEN. Vertreter der Stadt Schwarzenbek und der Gemeinden Elmenhorst und Sahms, darunter der Bürgervorsteher Hermann Püst und die Bürgermeister Schnack, Brüggmann und Relling, besuchten das Bataillon am 18. März. Zuerst beobachteten sie das Schulschießen der 4. Kompanie. Instandsetzungszug und Versorgungspunkt wurden inspiziert und spätestens beim Blick auf die Feldküche ahnten die Zivilisten, welchen organisatorischen und logistischen Aufwand ein solcher Übungsplatzaufenthalt bedeutet.


Höhepunkte des Jahres waren zweifelsfrei die Gefechtsübung SPITZE KLINGE auf dem Truppenübungsplatz BERGEN-HOHNE und das Feierliche Gelöbnis mit Großem Zapfen-streich in Mölln. Annähernd 4.000 Zuschauer beobachteten das Großereignis, bei dem der Brigadekommandeur, Oberst Joachim Bruhn, und der Kreispräsident, Heinrich Hagemann, die Front der angetretenen Rekruten abschritten.

Sahms - Patengemeinde der 3. Kompanie

Wappen der Gemeinde Sahms
Wappen der Gemeinde Sahms

Im Juni feierte die 31- ein Kompaniefest in der Patengemeinde Sahms. Wie lebendig eine Patenschaft sein kann, zeigten die Bürger der Gemeinde. Kurzerhand wurden alle Soldaten, die am Wochenende nicht nach Hause fahren konnten, zum Abendessen eingeladen - nicht wenige blieben über Nacht bei ihren Paten. Die Verbundenheit zwischen der Sahmser Bevölkerung und den Panzermännern zeigte sich nicht zuletzt dadurch, dass im Jahre 1986 Oberstleutnant Mösche Schützenkönig in Sahms wurde und die Auszeichnung »schönstes Dorf« ein Jahr später mit aktiver Hilfe der 3. Kompanie errungen wurde. Die Männer des 
Panzerbataillons, insbesondere der 3. Kompanie, waren und sind gerngesehene Gäste in Sahms. Daran hat vor allem der langjährige Bürgermeister von Sahms, Helmut Brüggmann, erheblichen Anteil. Die Patenschaft zu erwähnen, ohne ihn zu nennen, würde dem persönlichen Engagement dieses Mannes nicht gerecht werden. Als Dank und Anerkennung für seine geleistete Arbeit bei der Integration der Soldaten in das zivile Umfeld, wurde Helmut Brüggmann anlässlich des letzten Feierlichen Gelöbnisses der 3. Kompanie in Sahms im Juni 1993 das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold verliehen.

In diesen Tagen bereitete der Lärm, den die Kampfpanzer beim Verladen im Bahnhof Schwarzenbek machten, einigen Wirbel. Die Idee, den 164ern eine eigene Verladestation in oder in der Nähe der Kaserne zu bauen, wurde bis Anfang 1990 diskutiert, aber nie in die Tat umgesetzt. Andere Taten folgten. So durften die Panzerbesatzungen zwischen 20.00 Uhr und 7.00 Uhr nicht mehr entladen. Die Bundesbahn jedoch behielt ihre Gewohnheit bei, die Militärzüge in der Nacht, wenn weniger Personenverkehr auf den Strecken unterwegs war, zwischenzuschieben. So erreichten die aus BERGEN zurückkehrenden Transporte meist in den frühen Morgenstunden den Bahnhof, und die Soldaten mussten stundenlang in den abgekoppelten und daher kalten Waggons ausharren. Dies veranlasste so manchen fürsorglichen Kompaniechef, doch zu entladen, was ihm die Soldaten dankten, die Menschen in der Nähe des Bahnhofs jedoch erneut verärgerte.


Im Dezember wurde während des Übungsplatzaufenthaltes in BERGEN ein Vergleichs-schießen durchgeführt. Das Panzerbataillon 164 trat mit seinen M 48 gegen die Leopard 1 der 183er und 184er aus Boostedt an. Gesamtsieger wurde keine Leopardbesatzung, sondern der Unteroffizier »Acker« Weist aus der 2. Kompanie mit seinem M 48.
Im Frühjahr 1977 stellte Rolf-Otto Heydorn 91 Bilder vom Alltag der Soldaten des Panzerbataillons in der Schalterhalle der Sparkasse in Schwarzenbek aus. Der Maler aus Trittau hatte Oberstleutnant Kühnke 1975 kennengelernt und seither die Soldaten des Bataillons bei ihrer alltäglichen Arbeit begleitet. Mehr als 10.000 Menschen hatten während der 14tägigen Ausstellung Gelegenheit, die Bilder zu betrachten. Am 7.5. tauschten Major Günter Thees und Schützenoberst Karl-Ludwig Tiedemann offiziell die Patenschaftsurkunden aus. Damit wurde besiegelt, was schon lange Bestand hatte: die Freundschaft zwischen den Soldaten und den Schützen aus Schwarzenbek.
Ende 1979 kam es in Schleswig-Holstein zu heftigen Schneefällen. Viele Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten und mussten aus der Luft versorgt werden. Katastrophenalarm beendete die Neujahrsdienstbefreiung der Soldaten, und die Bergepanzer des Panzerbataillons fraßen sich durch den Schnee. Schlagzeilen wie »Wentorfer Panzerspitzen im Schneegefecht« spiegeln die Lage am besten wieder. So mancher Autofahrer wurde aus den Schneemassen befreit, und so manche Straße zu den anliegenden Dörfern musste freigeräumt werden.

Nach fast 5jähriger Kommandeurzeit verließ Oberstleutnant Georg Kühnke das Panzerbataillon 164, und am 24.2.1979 übernahm - mitten im Schneewinter - Oberstleutnant Otto Kary das Bataillon. Seine Dienstzeit im Panzerbataillon 164 war geprägt durch die Umrüstung auf ein praktisch neues Waffensystem, den Kampfpanzer M 48 mit der 105 mm Kanone und die Vorbereitung auf die Einnahme der neuen Gliederung nach Heeresstruktur 4.
Oberst a.D. Otto Kary erinnert sich: »Um es kurz zu sagen, das Bataillon war eine materielle Baustelle. Es wurde auf die 105 mm Kanone umgerohrt und das bedeutete Abgabe der 90 mm Panzer im Materialaustausch Truppe/Truppe (das Schlimmste, was es gibt) und Aufnahme des neuen Geräts, zum Glück mit Masse aus dem Heeresinstandsetzungswerk und daher in gutem Zustand. Und über OEM-Sätze bei amerikanischen Panzern spricht ein Panzermann ohnehin nicht. Die »Affäre« zog sich bis zum Herbst hin, von kontinuierlicher Ausbildung konnte keine Rede sein. Die Landser schrubbten, wienerten, malten, die Instandsetzungskompanie 160 machte Überstunden und leistete vorzügliche Arbeit, und der S 4, Hauptmann Gerhard Friederich, und der Technische Offizier, Major Christian Heisig, nötigten mir ob ihrer Gelassenheit und Übersicht Bewunderung ab.«
Im Vordergrund stand die Umschulung der Kommandanten und die Führerweiterbildung. Das neue Waffensystem ließ auch den Kommandeur nicht ungeschoren: Eines Nachmittags machte er unter der Obhut eines Schießlehrers im Technischen Bereich ein paar Messreihen, um nicht außer Übung zu geraten. Die Artillerie hatte zu diesem Zweck eine Reihe gut einsehbarer Geländepunkte vermessen. Die Messungen waren sehr gleichmäßig, alles um 10% zu weit! Süffisant grinsend, empfahl der Schießlehrer seinem Kommandeur einen Gang zum Augenarzt. Was er auch tat - ohne Befund. Nächste Messreihe, dasselbe Drama. Und dann der Blick auf die Beschriftung des Entfernungsmessers: »Auf Yard geeicht«; die Artillerie hatte in Metern vermessen! Der Schießlehrer verließ blitzartig den Ort des Geschehens. Herzlich gelacht haben hinterher beide.


Unbeschadet der sich ständig ändernden Ausstattung des Bataillons, die zeitweise auch eine Mischausstattung in den Kompanien zur Folge hatte, und der damit verbundenen Schwierigkeiten in der Ausbildung, bestritt das Bataillon dennoch die planmäßigen Truppenübungsplatzaufenthalte. wobei die gerade im Materialtausch befindliche Kompanie und die Masse der 1./- ausgenommen blieben.

Arbeiten im T-Bereich
Arbeiten im T-Bereich

Die Kampfentfernungen in Schleswig-Holstein hatten den Elmenhorster Kommandeuren schon immer Kopfzerbrechen bereitet. Also wurde Oberstleutnant Kary eines Tages auf der Kommandantur vorstellig und bat für den letzten Schießtag um einen Zielbau der »besonderen Art«. Gutes Zureden, langatmige Erklärungen und letztendlich eine Flasche Korn machten es möglich: Am nächsten Morgen stand auf der Schießbahn 5 ein Zielbau, der bei 250 Metern begann und hei 800 Metern endete. Die Panzer wurden aus einer gedeckten Aufstellung abgerufen. den Kommandanten blieben nur Sekunden Zeit, die Schießbahn einzusehen, dann kamen die Zielansprachen und die Feuerkommandos. »Es kam wie er-wartet. Die Kommandanten trauten ihren Augen und E-Messern nicht, alle »semmelten drüber«, von Schußbeobachtung auf diese Entfernung keine Rede«, so Oberst a.D. Kary. »Nach dem dritten Panzer brach ich ab und ging zur Besprechung über. Wir hatten etwas ganz Wichtiges gelernt: In Schleswig-Holstein ist nun mal alles anders - einschließlich der Wahl des Haltepunktes für den ersten Schuss...«
Im November bewies das Panzerbataillon, dass es trotz Umrüstung nichts verlernt hat. Die Gefechtsvorführung GELBER WEG wurde wieder einmal ein voller Erfolg. Insbesondere die 2. Kompanie überzeugte. Hauptmann Böhm musste seine Männer- mangels Grenadiere - artfremd abgesessen ins Feld führen. Man konnte keinen Unterschied feststellen!


Oberst a.D. Kary erinnert sich an seine Kommandeurszeit: »Divisionsgefechtsübung an der Schlei. Sauwetter. Pünktlich zu Übungsbeginn nach einer vor Lachen fast schlaflosen Nacht (der Bataillonsarzt war am Anmarschabend in die Mistkuhle gefallen) wurde das Bataillon, als Brigadereserve im Verfügungsraum und der Division nach dem gedachten Verlauf nicht genehm, von einem C-Angriff getroffen und damit für die nächsten zwölf Stunden aus dem Verkehr gezogen.

Am Dorfeingang zum HEP erwartet mich der Chef der Spitzenkompanie, stinkwütend: »Herr Oberstleutnant, ich habe meiner Kompanie zwar befohlen, weiter mitzuspielen, aber gucken Sie sich mal den FIEP an. Wenn Ihnen dazu noch etwas einfällt...« Ich fahre mit dem Fernmeldeoffizier, »Charly« Delfs, zum HEP, es regnet junge Katzen und Hunde. Tatort: eine geradezu riesige Scheune, leer, zehn Meter davor die obligatorische Dusche, Außentemperatur so um die 10 Grad. »Und warum habt ihr den Schrott nicht in der Scheune aufgebaut'? « »Ja, gestern sah es noch nach Sonne aus. « Rückfrage bei der Leitung, Reaktion: »Inn Krieg können wir uns das Wetter auch nicht aussuchen. « »Richtig, aber die Scheunen!« »Schluss jetzt, dekontaminieren. « Das ganze Dorf hängt inzwischen aus den Fenstern. Nach beidseitiger Geste stummer Verzweiflung entledigen wir uns der Panzerkombi, lassen aber Unterhose, lang, oliv, an und Schutzmaske auf. Die 2./- ist noch immer nicht fertig.

Da erscheint wie der deus ex machina ein aufgebrachter Bauer. Seine Fische wären so komisch. Das Rätsel klärt sich relativ schnell auf. Ub-Dekontaminierungsmittel sind zwar für den militärischen Endverbraucher unschädlich, nicht aber für das ungleich empfindsamere System von Forellen und Schleien: Die pflegen nach Gebrauch auf dem Rücken zu schwimmen. Wir ziehen uns wieder an und machen dabei eine Feststellung: Nasse Unterhose unter trockener Kombi bleibt nass. «

Während der Divisionsgefechtsübung BRISK FRAY verlegte das Panzerbataillon von der Weser auf den Platz BERGEN-HOHNE. Die Ablösung eines Panzerbataillons der Brigade 18 auf dem HAMMBERG bei Nacht bildete den Höhepunkt des Gefechts. Die Übung ging zufriedenstellend zu Ende, ein paar Wochen später flatterten die Erfahrungsberichte ins Haus: NATO-Verteiler, wie bei der 6. Division üblich. Darin stand zur freudigen Überraschung zu lesen: Der für den dritten Übungstag geplante Angriff vom HAMMBERG aus habe nicht stattfinden können, da das Panzerbataillon 164 sich »leergefahren und die Betriebsstoffversorgung nicht zeitgerecht habe abschließen können.«
»Nun weiß man als mit dem M 47 aufgewachsener Panzersoldat, dass man lieber zu früh als zu spät nachschüttet. Also wütender Anruf bei der Brigade. Antwort: »Klären Sie das selbst. « Anruf beim G 3 der Division: »Ja, also der Divisionskommandeur und ich haben persönlich gesehen, wie Ihr Bataillon zur Zeit des Angriffsbeginns am Meierbach aufgetankt hat.« »Am Meierbach?, feindwärts unserer Stellung?« »Ja.« »Also, was haben Sie denn nun konkret gesehen? « »Mindestens zwei Panzerkompanien und die tankten aus Tankaufsatzbehältern auf. « »Aus Tankaufsatzbehältern?« »Ja.« »Dann lesen Sie mal in Ihrem Befehl für die Übung nach. Da steht nämlich unter »Logistik« drin, dass bei dieser Übung die Versorgung mit Diesel-Kraftstoff aus Tankaufsatzbehältern erfolgt, und ich habe ein Bataillon M 48!« »???«

Der Erfahrungsbericht wurde nicht geändert. Er musste wohl gestimmt haben. Dass die Panzer des Bataillons dennoch weiterliefen, war ein großes technisches Wunder. Oberst a.D. Kary: »Dass zwei Jahre später, als ich Chef des Stabes der 6. Division wurde, der G 3 nicht mehr da war, nenne ich Glück. Seines!«

»Kommandeurfahrer haben ein zwittriges Dasein: Mal profitieren sie von ihrer Vertrauensposition, zum Beispiel, wenn sie dem Landrat vorgestellt werden oder dem Divisionskommandeur, mal hassen sie ihren Job, zum Beispiel, wenn sich der Alte ums Verrecken nicht vom Schützenfest der Patengemeinde lösen kann. Holger Finnern war Kommandeurfahrer: Ein zierliches Kerlchen, Hamburger, mit einer mächtigen japanischen Maschine unterwegs, klug, diskret, ein klasse Fahrer, beliebt bei seinen Kameraden, Glasmaler... also rundum ein ganz interessanter Typ. Mehrfache Gespräche im Iltis: »Firnern, wollen Sie sich nicht verpflichten? « Funkstille. Gespräch mit dem S 1, »Kuddel« Hülser: »Wie kriegen wir den Finnern dazu, sich zu verpflichten'? « Kurze Zeit später meldet der S 1 die Verpflichtung des Herrn auf vier Jahre. Gespräch im Iltis: »Na, Glückwunsch zur Weiterverpflichtung!« »Na ja...« »Was is denn?« »...nix...« »Also, jetzt raus mit der Sprache!« »Na ja, also der Oberleutnant Hülser hat mich neulich, als ich den Bolzen gedreht hab', zu sich befohlen und dann hat er gesagt: »Firnern«, hat er gesagt, »entweder ich habe morgen früh um acht Deinen Antrag auf dem Tisch oder Du bist ab neun im Transportzug. «
Anmerkung: Er ist inzwischen Leutnant.

Der Brigadekommandeur will mit seinem Gästekreis auf Gut Lanken feiern und ordert dazu die Standard-Lehrübung des Bataillons GELBER WEG sowie für den Abend ein zünftiges Biwak im Gutsgarten mit Serenade. Am Vortag »scharfe« Generalprobe im Beisein des Brigadekommandeurs. Es läuft gut, die MTW-Kompanie ist mustergültig eingegraben, die dargestellten Gefechtsabläufe stimmen mit den Erläuterungen synchron überein, die Effekte sind kriegsnah und beeindruckend der Brigadekommandeur ist zufrieden, nur ein bisschen mehr Power bei der Sprengung der Brücke durch die Sicherung, unmittelbar vor der Tribüne, hätte er sich halt doch gewünscht. Sprach's und fuhr seiner Wege.

Für die »Sprengung« ist ein junger Oberleutnant der Panzerpionierkompanie zuständig. Er kommt aus Bayern. Jetzt steht er auf dem Sprengobjekt, einer zu Ausbildungszwecken auf dem Übungsplatz abgelegten Panzerschnellbrücke und gelobt, den Blick nach Wentorf gerichtet: »Na wart, Bürscherl. Jetzert pack I do no finfazwanzg DM 12 mehra nei und dann bet I für morgn um an saubern Nordwind; dann fliagn die Frösch bis auf d' Tribün naufa. « Sprach's, tat's und zündete. Selbst der Brigadekommandeur zuckte zusammen.

Am 19.12.1980 erhielt das Panzerbataillon 164 einen neuen Kommandeur, den sechsten in seiner fast 20jährigen Geschichte. Oberstleutnant Peter Schwarzmeier übernahm das Kommando.


Das Jahr 1981 war ein Jahr des Umbruchs. Am 1.4. begann die Umgliederung in die Heeresstruktur 4. Die 4. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 161, die dem Panzerbataillon im Frieden unterstellt war, wurde formell aufgestellt. Der 1 1.6.1981 war für das Panzerbataillon ein ganz besonderer Tag. Der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Gerhard Stoltenberg, verlieh den 164ern das Fahnenband zur Truppenfahne in Plön.
Ein weiterer Höhepunkt in diesem Jahr war sicherlich der Schießplatzaufenthalt in CASTLE MARTIN vom 7.9. bis 24.9., bei dem Oberfeldwebel Udo Wargenau ohne Urkunde - nur auf telefonischen Befehl aus Deutschland - vor den angetretenen Männern zum Hauptfeldwebel befördert wurde.

Mehrere tausend Besucher feierten am 24.10. bei einem »Tag der offenen Tür« das 20jährige Bestehen des Bataillons und das 10_jährige Jubiläum der Patenschaft der Stadt Schwarzenbek zu den Soldaten des Bataillons. Die Vorführungen der Kradstaffel, die tollkühn über abgestellte Autos fuhr, durch Feuerreifen flog und die Rundfahrt mit den bereitgestellten Panzern waren die Publikumsmagnete des Tages.

Anfang Juni 1982 führten die 164er die bewährte Gefechtslehrübung GELBER WEG vor dem Kommandeur der Ecole Militairs Interarmes, General Forrey, und 130 Kadetten der französischen Offizierschule sowie Brigadegeneral Röhrs und 130 Offizieren der Offizierschule des Heeres in Hannover vor.

Die 3. Kompanie feierte das 10jährige Bestehen der Patenschaft zu Sahms in der Nachbargemeinde. Schon kurz nach Eintreffen des Panzerbataillons in Lanken hatte man sich zu einer Patenschaft entschlossen. Die ehemaligen Begründer der Patenschaft, Kompaniechef Hauptmann Theo Scherer, und Kompaniefeldwebel Hauptfeldwebel Peter Mielke, wurden vom Bürgermeister Helmut Brüggmann begrüßt. Der amtierende Kompaniechef, Hauptmann Bernd Oldenburg, überreichte dann zwei neue Ortsschilder, die die Patenschaft mit der 3. Kompanie bekunden sollen.

Wie ein Kommandeur das so im Gespür hat, fuhr ich 90 Minuten vor dem weltbewegenden Ereignis zu Hauptmann Kaack, dem Chef, und der wies mich in die Vorbereitungen ein. Man konnte sagen: Er könne kommen, der Herr Minister - alles war tipptopp. Hauptmann Kaack hatte die geplanten Gesprächspartner für die Talk-Runde schon frühzeitig befohlen, so dass sich vor der Scheune ein fröhlicher Haufen aufhielt, der nur bedauerte, dass kein Bier da war - noch, muss man sagen, denn das wollten sie dem Minister »aus dem Kreuz leiern«, sozusagen in einem Überraschungsangriff. Der Uhrenvergleich zeigte, dass die Besucher eigentlich im Landeanflug auf den Hauptverbandplatz sein müssten. Im Befehl stand, dass zur Begrüßung in Reihe zu einem Gliede anzutreten haben: der Divisionkommandeur mit Kommandeuren der Übungstruppen ROT und BLAU, der Leiter Hauptverbandplatz, die abkömmlichen Herren des Stabes, der Oberschiedsrichter, und, und, und... Es war auch bekannt, dass die bei Übungen so willkommene Presse die Ankunft des Ministers filmen, fotografieren und beschreiben wollte und in einem Pulk auf dem Landeplatz lauerte.


Später hatte keiner den Hubschrauber gehört. Plötzlich kam ein Feldjäger den Knickweg entlang auf mich zugelaufen, deutete mit allen Anzeichen beginnender Panik nach hinten und sagte heiser vor Erregung: »Herr Oberstleutnant, da hinten am Knick steht der Minister mit einem Mann mit gelben Ärmelstreifen!« Das fand ich richtig lustig, und ich machte mich auf den Weg, um nach dem Rechten zu schauen. In blendender Stimmung, mit dem Befehlshaber im Territorialkommando Schleswig-Holstein angeregt diskutierend, kam der Herr Minister schon auf mich zu. Was sollte ich machen? Ihm melden, dass er hier falsch sei und der Divisionskommandeur woanders auf ihn wartete? Verwirre nie einen Minister, der hat schließlich einen Adjutanten dafür. Also: Meldung, wie es sich gehört, Vorstellung der Soldaten und Gesprächsteilnehmer. Freundlich widmete sich unser Dienstherr sofort seinen Soldaten vor der Scheune.


Hinter der Szene herrschte große Hektik. Der Adjutant hatte keine Ahnung, aber dem Befehlshaber schwante Böses. So wurde heimlich an die Reservisten durchgegeben, dass Minister Apel unbedingt vor der Scheune festgehalten werden müsste, bis die anderen hohen Herren eingetroffen sind. Die Jungs waren phantastisch. Obwohl er schon mal fragte, ob es mit der Gesprächsrunde jetzt langsam losgehen könnte, verzögerten sie den Anfang durch Fragen und die Bitte um Erinnerungsfotos, und wir gewannen Zeit. Natürlich war der Stab dauernd besetzt, und ich wählte mir vom Bauernhof aus die Finger wund. Nach einer Ewigkeit erwischte ich jemanden, der dann die Hiobsbotschaft auf den Landeplatz mit den an-getretenen Potentaten brachte. Mittlerweile hatte sich die Lage aber etwas entspannt, weil der Projektoffizier der Brigade, Major Beardi, schnell gemerkt hatte, was schief gelaufen war und seine Herren in die Hubschrauber gescheucht hatte. Sekundenbruchteile bevor der Minister ungeduldig den weiteren Ablauf selbst in die Hand nahm, stürmte die Führungsetage mit dem Divisionskommandeur Generalmaior Manthey an der Spitze aufs Feld. Manthey war so böse, wie ich es noch nie erlebt habe. Es schien, als wolle er dem Minister ans Leder; dann hätte es jedoch nur niedrigere Chargen getroffen, aber die Suche nach den Schuldigen des Debakels begann unverzüglich. Die 5. Kompanie wollte es in diesem Jahr wissen. Kompaniechef Hans Kaack und seine Männer wurden zu einer Mobilmachungsübung einberufen, die in der NATO-Gefechtsübung BOLD GUARD 82 ihren Höhepunkt fand.

Oberstleutnant Schwarzmeier erinnert sich: »GOLD GUARD 82. Irgendwo in den Wäldern Schleswig-Holsteins ruhte sich das Bataillon in einem riesigen Verfügungsraum aus. Dabei eines der Aushängeschilder der gesamten Übung: Die 5. Kompanie, die bis auf den Spieß ausschließlich aus Reservisten bestand. Dieser verschworene Haufen hatte sich seit Jahren gesucht und gefunden. Ein Verfügungsraum mit Technischem Dienst und »nur« Sicherung und Feldposten war nicht nach ihrem Geschmack, und ich spürte die Unruhe und den Tatendrang, wenn ich sie besuchte.

Mitten in die Idylle platzte die Nachricht, dass der Verteidigungsminister Dr. Hans Apel die Truppe besuchen wolle und selbstverständlich bei der 5. Kompanie vorbeikommen würde, um sich diese im Heer fast einmalige Einheit anzusehen. Natürlich, so hieß es, wolle er auch ausgiebig mit den Reservisten sprechen - und das möglichst in einer lockeren Runde. Schnell wurde ein sehr schöner, einsam gelegener Bauernhof inmitten des Verfügungsraumes erkundet, in dessen Scheune mit Hilfe von Strohballen eine Gesprächsarena aufgebaut wurde. Nun harrten wir der Dinge, die da bald kommen sollten. Erst kam aber ein Plan, aus dem hervorging, dass der Minister, begleitet vom Befehlshaber des Territorialkommandos Schleswig-Holstein (und, wie wir aus Erfahrung wussten, von einem Rattenschwanz zuständiger und vor allem unbeteiligter Menschen in Uniform) von Kiel kommend, zunächst den ca. 10 Flugminuten entfernten Hauptverbandplatz der Division besuchen würde.
Mein Brigadekommandeur, Oberst Klewin, machte einen etwas ruhigeren Eindruck, während Manthey immer noch außer sich war. Schließlich aber wurde die Tür zur Scheune geöffnet, die Soldaten setzten sich in einer trauten Runde auf ihre Strohballen, die Presse machte die Fotos, und die Situation entspannte sich. Das Ministerprogramm begann. Niemand hat je erfahren, ob der Herr Minister etwas gemerkt hat - und selbstverständlich hat er seinen Reservisten ein Faß Bier spendiert. «


Die Umrüstung auf das neue Waffensystem Leopard 1 begann, und am 25.1. wurde der erste Leo von Bürgermeister Ralph Schnack auf den Namen »Wulf de Swartebeke« getauft. Hierbei gab es leichte Probleme, da die Sektflasche anscheinend ebenso hart gepanzert war wie der Leopard. Erst beim vierten Anlauf zerbrach das gute Stück und ergoss ihren kostbaren Inhalt über den Panzerstahl.
Am 22.3.1984 war es dann wieder soweit: Oberstleutnant Schwarzmeier übergab die Führung des Panzerbataillons an Oberstleutnant Jochen Blumschein. Der neue Kommandeur nahm im September an einer Lehrvorführung mit dem Thema »Übersetzen über ein Gewässer« am Elbe-Lübeck-Kanal teil. Hierbei sollte geprüft werden, ob es gepanzerten Kampffahrzeugen gelingt, ohne Hilfsmittel den Kanal von Ost nach West zu überqueren. Eines wurde sehr schnell deutlich: Hinein kamen sie alle, nur heraus nicht! Das Westufer des Kanals war dermaßen steil und feucht, dass weder der schwere Leopard 1 noch der radangetriebene Luchs das Westufer erklimmen konnten. Die Gewissheit, ein echtes Panzerhindernis zwischen sich und den Panzerverbänden des Warschauer Paktes zu haben, beruhigte so manchen Zuschauer.

Kompanie angetreten
Kompanie angetreten

Im November 1984 wurde ein M 47 nach mühevoller Restaurierung durch die Männer der Instandsetzungskompanie 160 vor dem Stabsgebäude des Panzerbataillons aufgestellt. Der Kompaniechef der Instandsetzungskompanie, Hauptmann Friedrich Knuth, der später Technischer Offizier des Panzerbataillons werden sollte, dokumentierte dies mit der Y-Nr. 160 164. Der M 47 erinnerte so manchen alten Hasen an die Flensburger Tage. Beim Feierlichen Appell anlässlich der Aufstellung des Panzers erinnerte Oberstleutnant Blumschein an den Höhepunkt des Ausbildungsjahres: die NATO-Gefechtsübung BRISK FRAY.

Insgesamt fast 12.000 Mann, darunter 800 Reservisten, übten mit 734 Kettenfahrzeugen und ca. 2.500 sonstigen Fahrzeugen eine Woche lang den Ernstfall. Dabei wurde auch der Übergang über den Nord-Ostsee-Kanal geübt. Das Panzerbataillon 164 hatte den Auftrag, die Übergänge über den Kanal im Angriff der Brigade voraus zu nehmen und das gewonnene Angriffsziel zu halten. Zügig wurde der Nord-Ostsee-Kanal erreicht, und unter dem Schutz der 105 mm Rohre fuhren die Pioniere eine Pontonbrücke zusammen. Schon 15 Minuten später rollten die »roten« Streitkräfte mit dem Panzerbataillon 164 an der Spitze über die Kriegsbrücke. Für diesen Auftrag wurde das Bataillon zeitweise mit drei Panzergrenadierkompanien und der Panzerjägerkompanie verstärkt. So konnte das Angriffsziel bis zum Übungsende gehalten werden.


Ein Ereignis anderer Art erwartete das Bataillon im Sommer 1985. Zusammen mit den Grenadieren aus Wentorf verlegten die 164er auf den Truppenübungsplatz SHILO in der kanadischen Provinz Manitoba. Absoluter Höhepunkt des Aufenthaltes war das Bataillonsgefechtsschiel3en, genannt SCHWARZER BÄR. Verstärkt durch eine Panzergrenadierkompanie und die kanadische Artillerie griff das Bataillon den Feind beiderseits »NASH« an.
»Durch unsere Optiken konnten wir die Einschläge der Artilleriegranaten genau beobachten. Noch während Feuerblitze und Dreckfontänen die Sicht auf unser Angriffsziel erschwerten, griffen wir weiter an. Unter dem Feuerschutz der Panzer saßen nun die Panzergrenadiere ab und drangen in die Hügellandschaft vor uns ein. Kurze Zeit später war der »NASH« in unserer Hand, und wir stießen weiter vor«, erinnerte sich Hauptfeldwebel Nippa. US-General W.R. Richardson, der SHILO besuchte und das Schießen beobachtete, bedankte sich anschließend für die gelungene »Bilderbuchvorführung« der deutschen Panzermänner. Einen Monat später erschien in der Sonntagsausgabe der Brandon Sun, einer Zeitung der zweitgrößten Stadt Manitobas, ein großer Bericht über das Panzerbataillon. Unter der Überschrift »Toughing it out at SHILO« wurde das Schießtraining der Panzerbesatzungen aus Elmenhorst beschrieben.

Das Jahr 1986 begann dort, wo das alte Jahr endete: in PUTLOS. Aber kaum sind die Kampfkompanien wieder im Standort, erhält das Panzerbataillon 164 einen neuen Kommandeur. Der Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 16, General von Falkenhayn, über-gab den Verband von Oberstleutnant Jochen Blumschein an Oberstleutnant Uwe Mösche. Dieser war kein Unbekannter, war er doch vom 1.4.1980 bis 30.9.1982 stellvertretender Bataillonskommandeur und S3-Stabsoffizier beim Panzerbataillon.


In diesem Jahr stand ein Doppeljubiläum auf dem Programm. Das Panzerbataillon feierte sein 25jähriges Bestehen und die 15jährige Patenschaft zur Stadt Schwarzenbek. Zwar liefen die Vorbereitungen für dieses große Ereignis schon frühzeitig auf Hochtouren, doch musste zunächst einmal die Ausbildung der Panzerbesatzungen weiter vorangetrieben wer-den. Im Sommer fand ein neugeschaffener Kompaniewettbewerb, der »Militärische Vierkampf«, statt. Die Unteroffiziere des Bataillons konnten an zwei Wettbewerbstagen ihr Können unter Beweis stellen. 100 m Kleiderschwimmen und ein 3.600 m Geländelauf waren am ersten Tag zu absolvieren. Der zweite Tag brachte einen 20 km Marsch und Schießübungen mit Pistole und Maschinenpistole. Oberstleutnant Mösche gratulierte der 4. Kompanie, die die Mannschaftswertung gewann. Beste Einzelleistung erbrachte Fahnenjunker Thomas Röhrs vor Unteroffizier Detlef Hauck und Feldwebel Martin Schlücking.

Im September nahm das Panzerbataillon 164 an der NATO-Gefechtsübung BOLD GUARD 86 teil, die erstmals nach dem neuen Übungskonzept als kombinierte Gefechtsübung mit Volltruppe und Rahmenübung durchgeführt wurde. Das stolze Bataillon marschierte u.a. mit 67 Kampfpanzern Leopard 1 auf, da auch die 5./164 für diese Übung mobilgemacht hatte. Einen Monat später, am 25.10., feierte das Panzerbataillon sein Doppeljubiläum. Im Beisein der ehemaligen Kommandeure Luder, Kühnke, Kary, Schwarzmeier und Blumschein übergab der Bürgermeister der Stadt Schwarzenbek, Ralph Schnack, beim Bataillonsappell die Fahne der Stadt als Jubiläumsgeschenk. Zu den vielen Zuschauern und Gästen des Bataillonsappells zählten auch zwei Männer der ersten Stunden: Hauptmann a.D. Frankenberg und Hauptfeldwebel a.D. Schmidt.

Sie alle erlebten nach dem Appell einen hervorragend organisierten »Tag der offenen Tür«. Mehr als 7.000 Besucher strömten durch die Kaserne und bestaunten die Vorführungen der 164er. Bei einer Tombola gab es unter anderem einen VW-Golf und einen Motorroller zu gewinnen. Die Feierlichkeiten klangen am 26.10. mit einem Frühschoppen auf Gut Lanken aus. Der Reinerlös aus der durchgeführten Tombola in Höhe von 5.339,52 DM konnte anschließend dem Soldatenhilfswerk übergeben werden. Während des ersten Übungsplatzaufenthaltes des Jahres 1987 fand ein Vergleichsschießen der Panzerzüge des Bataillons statt. Am 26.2. schoss sich der 1. Zug der 4./161 - wie übrigens auch im darauffolgenden Jahr - mit einem überragenden Durchgang auf den ersten Platz. Der Zugführer Oberleutnant Lutz Grüne konnte mit seinen Kommandanten Unteroffizier Jahnert, Fähnrich Langusch und Unteroffizier Gottschalk den »Hinkelstein« für den besten Panzerzug in Empfang nehmen. Der »Hinkelstein«, ein Leopard 1-Modell auf grauem Steinquader, wurde von den 7 ehemaligen Kommandeuren anlässlich des 25jährigen Jubiläums gestiftet.

Vom 1. bis 7.11. nahm das Panzerbataillon 164 an der Gefechtsübung BRISK FRAY teil. Beim Ausmarsch aus der Kaserne kam es zu einer sonderlichen Begebenheit: Die Panzerkolonnen bogen alle nach links in Richtung BAB 24 ab, um die Einsatzräume Kaltenkirchen/Lentförden zu erreichen. Alle? Nein, nicht alle! 2 Kampfpanzer unter Führung des Fahnenjunkers Udo Carstens bogen aus bis heute ungeklärten Gründen nach rechts in Richtung Schwarzenbek ab. Der Kommandeur, der direkt an der Kreuzung stand und sein Bataillon beim Ausmarsch aus der Kaserne beobachtete, war sichtlich »begeistert«.

Einen Monat später rückte das Panzerbataillon wieder aus. Die Brigadegefechtsübung GRÜNE EICHE und der anschließende Übungsplatzaufenthalt in BERGEN verlangen von den Panzermännern noch einmal alles. Die Besichtigung der 3. Kompanie musste wegen dichten Nebels abgebrochen werden. Wie die Kompanie es schaffte, als erste das Lager zu erreichen, bleibt für viele ein Rätsel...
Am 23.5.1988 verlegte die 2. Kompanie auf den Truppenübungsplatz OKSBOL/Dänemark. Panzerschießen und eine Gefechtsübung mit den dänischen Kameraden standen auf dem Programm. Wegen extremer Trockenheit verhängte Oberstleutnant Mösche ein striktes Rauchverbot. Oberfeldwebel Stefan Schaube musste den Kommandeur - auch starker Raucher - des Öfteren an sein Verbot erinnern. Daraufhin hatte Oberstleutnant Mösche meist dringend im Lager zu tun...

Anfang September 1988 bereitete sich das Panzerbataillon 164 auf den achten Kommandeurwechsel in seiner Geschichte vor. Oberstleutnant Uwe Mösche ging als Dozent zur Führungsakademie der Bundeswehr nach Hamburg. Am 5.9. übergab der Brigadekommandeur das Bataillon an Oberstleutnant Rainer Oestmann. Abends verabschiedete sich der scheidende Kommandeur von seinem Bataillon. Die Männer des Panzerbataillons verhielten sich zurückhaltend und kühl, so dass Oberstleutnant Mösche etwas enttäuscht den Empfang verließ. Was er nicht wusste: Die »eigentliche Verabschiedung« sollte erst noch kommen. Mit einem Leo wurde er von zu Hause abgeholt und zum Sportplatz gebracht. Dort war das Grillfest schon in vollem Gange! Oberstabsarzt »Ulli« Depmer hatte sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Oberstleutnant Mösche musste seine Kompaniechefs anhand von Gebissabdrücken erkennen. Beim abschließenden Feuerwerk wurden die Augen des »Ehemaligen« dann doch etwas feucht.

Elmenhorst - Patengemeinde der 2. Kompanie

Wappen des Amtes Schwarzenbek-Land
Wappen des Amtes Schwarzenbek-Land

Anfang 1989 übernahm dann die Gemeinde Elmenhorst, die dem Standort seinen Namen gab, die Patenschaft zur 2. Kompanie. Als Patenschaftsgeschenk erhielt Kompaniefeldwebel Manfred Pasinski 200 DM für den Kraftraum der Kompanie. Der offizielle Austausch 
der Urkunden fand am 6.5. anlässlich eines feierlichen Gelöbnisses auf dem Sportplatz der Patengemeinde statt. Hauptmann Klaus-Peter Lohmann hatte die Kontakte in den letzten beiden Jahren intensiviert und die Elmenhorster zu verschiedenen Veranstaltungen der Kompanie eingeladen. So war es nicht überraschend, als der Gemeinderatsbeschluß für die Patenschaft einstimmig fiel und von allen Seiten Beifall fand. Bürgermeister Richard Hamester betonte: »Gerade wir Bürger in einer Region, die im Sprachgebrauch der Verwaltung so trocken Zonenrandgebiet genannt wird, die wir hier nunmehr seit 40 Jahren im Angesicht einer Grenze leben, die mit willkürlichem Schnitt Straßen und Eisenbahnlinien unterbricht, Gemeinden zerschneidet und vielfach sogar Familien trennt, sollten uns immer bewusst werden, dass diese Soldaten eine Aufgabe haben, die wir ihnen im Bewusstsein einer Bedrohung von jenseits des Eisernen Vorhangs auferlegt haben.« Ein Feldgottesdienst, eine Besichtigungsfahrt an die Grenze und der abendliche »Danz op de Deel« rundeten den Tag ab.

Der »Freundeskreis Sachsenwald-Kaserne«, eine Idee von Oberstleutnant Oestmann, wurde am 30.5.1989 gegründet. Ziel dieses Vereins ist es, die Beziehungen zwischen den Bürgern aus Schwarzenbek und Umgebung und den Soldaten des Bataillons zu pflegen und zu fördern. Schon bald konnten die 164er mit Freikarten zu Heimspielen des HSV und mit Industriestaubsaugern die im Gefechtsdienst verdreckten Panzer säubern.
Kurz vor den Feierlichkeiten zum 20jährigen Bestehen der Sachsenwald-Kaserne gab es einen kleinen Zwischenfall: Drei Jugendliche aus Schwarzenbek versuchten, ungesehen den Kasernenzaun zu überwinden und durch die Kaserne »abzukürzen«. Sie hatten jedoch nicht mit den Gefreiten Michael Jesse und Dirk Fellechner gerechnet, die als Streifensoldaten ihren Wachdienst verrichteten. Die »Mutprobe« war schnell beendet, und die drei Jungs wurden der Polizei übergeben.

Am 8.1.1990 zogen die ersten Übersiedler in die Sachsenwald-Kaserne ein. Hierfür wurde ein kompletter Wohnblock umgeräumt. Die Soldaten rückten etwas näher zusammen, damit die hilfesuchenden Menschen eine vorläufige Unterkunft bekamen. Insgesamt wurden 68 Übersiedler, später auch Aussiedler aus Polen und der Sowjetunion, untergebracht.


Kurze Zeit später verlegte die 4./161 im Eisenbahntransport auf den dänischen Übungsplatz OKSBOL. Die Männer um Hauptfeldwebel Karl-Heinz Lehmann, der Spieß der Kompanie, staunten nicht schlecht, als sie ihre Unterkünfte bezogen. Aus Platzmangel in der nahegelegenen Kaserne wurden die Unteroffiziere der Kompanie im Ferienort Blavand Strand untergebracht. So ließen sich die ersten Abende im Whirlpool und in den Strandkörben recht gut überstehen. Doch nach einem erlebnisreichen Betreuungswochenende ging es für die Männer so richtig los. Eine Gefechtsübung unter Leitung des dänischen Regimentskommandeurs mit schnell wechselnden Gefechtssituationen zwang die Panzerkompanie über sich hinauszuwachsen. So wurde die gesamte Übung - bis hinunter auf Zugebene - nur auf Englisch geführt und durch personelle Ausfälle auf Kompanie- und Zugebene wurde »nur« mit Stellvertretern geführt; und das klappte vorzüglich. Die Feldwebel Heiko Berendes, Gerd Hoffmann, Peter Lehmann und der dänische Zugführer, Oberleutnant Per Rothmans, zeigten, was sie draufhatten. So schleuste sich Rothmans in die ausweichenden Feindkräfte ein, wurde ohne Schwierigkeiten durch ROT aufgenommen und meldete dem ÜbChef, Oberleutnant Mario Lauer, ständig die neueste Feindlage. Aber auch solche Übungen gehen einmal zu Ende, und so verabschiedete sich die 4./161 herzlich von den Männern aus Holstebro, zu denen es noch heute private Verbindungen gibt.

Die seit 16 Jahren bestehende Freundschaft zwischen der 4./164 und der Möllner Schützengilde von 1407 e.V. wurde am 4.5.1990 durch den Austausch von Patenschaftsurkunden zwischen Möllns Bürgermeister Joachim Dörfler und dem Kompaniechef der 4./-, Hauptmann Horst-Peter Klaas, offiziell besiegelt. Am gleichen Tag flog das Panzerbataillon mit der 2./-, 3./- und Teilen der Stabs- und Versorgungskompanie wieder nach Kanada. So wehte zum ersten Mal die neue Bataillonsfahne über der Prärie Manitobas. Anlässlich der »Welcome Party« übergab Oberstleutnant Oestmann dem Canadischen Base Commander, Colonel D.B. Walton, einen Stein aus der Berliner Mauer.


Das neue Jahr begann für Oberstleutnant Rainer Oestmann mit einem Ereignis, das sich wohl viele Kommandeure schon vor ihm gewünscht hatten. Der damalige Kommandeur er-innert sich: »9. Februar 1991. Über 3.000 Schaulustige aus Gemeinden entlang der ehemaligen Demarkationslinie - darunter auch 60 Rekruten aus Berlin-Brandenburg - starren auf den Bergepanzer des Panzerbataillons 164, der unter kräftigem Aufheulen seines Triebwerkes ein 20 Meter langes Seil langsam anspannt. Der Wachturm des ehemaligen DDR-Regimes, Symbol für Unterdrückung, Gewalt und Teilung Deutschlands, widersteht der Kraft der über 1.000 PS nur kurz und stürzt dann langsam und unter enormer Staubentwicklung auf den hartgefrorenen Boden des ehemaligen Todesstreifens. Atemlose Stille, ungläubige, teilweise tränengefüllte Augen, verhaltenes Flüstern und ein plötzlich aufbrausendes Klatschen der Zuschauer beenden die Existenz eines Symbols, welches für die Ewigkeit gebaut schien. »Wir haben Jahrzehnte im Schatten von Türmen und Zäunen und unter der ständigen Beobachtung von Feldstechern gelebt«, sagte Bröthens Bürgermeister Bernhard Basedow, »dies ist für uns ein wirklich unvergesslicher Tag. «

Das Panzerbataillon 164, das im Ernstfall vornehmlich in diesem Raum eingesetzt gewesen wäre, hatte die anfangs ungeklärten Besitzverhältnisse und die zunächst noch »endbürokratisierte Grauzone« genutzt und das Unvermeidliche getan: Von Januar bis Februar 1991 fielen im Bereich Bröthen und Umgebung insgesamt 6 Wachtürme der ehemaligen DDR und beendeten damit symbolisch für den Kreis Herzogtum Lauenburg eine über 40 Jahre an-dauernde Zeit der Unfreiheit und der gewaltsam abgebrochenen Verbindungen zwischen Freunden, Familien, Deutschen.«

Im gleichen Monat verließen die letzten Aus- und Übersiedler die Kaserne. Ihr Dank galt Stabsfeldwebel Schroeder, der sich über ein Jahr lang mit Umsicht und Einfühlungsvermögen um die Menschen gekümmert hatte. Die Beschlüsse zur Truppenreduzierung Ende Mai streiften das Bataillon nur knapp. Der Kelch der Auflösung schien an Lanken vorbeigegangen zu sein. Der Standort sollte bleiben! Da die »Einser-Bataillone« der Heeresstruktur 4 in der neuen Konzeption nicht mehr vorkommen, musste die 4./161 nach nur 10 Jahren wieder aufgelöst werden.
Das Personal wechselte in die anderen K mpanien des Panzerbataillons 164. Die Hauptfeldwebel »Ulli« Strauß und Manfred Schuhmacher, Oberfeldwebel Bodo Bettge-Reddöhl und Feldwebel Gerd Hoffmann meldeten sich aus dem Funkkreis des Bataillons ab und leisteten von nun an Aufbauarbeit an der polnischen Grenze beim Panzerbataillon 413 in Eggesin. Die Hauptfeldwebel Martin Schlücking, Michael »Charly« Brügmann und die Oberfeldwebel Manfred Paetow und Lutz Lorenzen wechselten zum Panzerbataillon 403 nach Sternbuchholz. Auch die 5. Kompanie (Geräteeinheit) gab es in der neuen Struktur nicht mehr und musste aufgelöst werden.

Ende August ging das Panzerbataillon wieder ins Feld. Zu Beginn der Brigadegefechtsübung GRÜNE EICHE bezog das Bataillon standortnahe Verfügungsräume ostwärts der B 207. Schon am Nachmittag sollten die Truppen Richtung Celle vorstoßen. Der Feind hatte die Brücke bei Artlenburg jedoch zerstört. Britische und deutsche Pioniere bauten binnen 30 Minuten aus 14 Brückenfähren eine neue Brücke. Am Abend rollte Panzer für Panzer über die Kriegsbrücke, und das Panzerbataillon stieß weiter nach Süden vor.

Der Gefechtsstand des Bataillons wurde in der Nähe der Kreuzung »ehemals HANGLÜS« aufgebaut, wo am Samstagabend der Divisionskommandeur zur Dienstaufsicht erschien. Kurz und knackig wurde er in die Lage eingewiesen. Anschließend wollte er zum beweglichen Gefechtsstand, und der Fahrer des Kommandeurs, Gefreiter Gössel, machte sich mit General von Falkenhayn auf den Weg in die stockdunkle Nacht. Und dann kam es zum historischen Funkgespräch:
»Großer Willi (Kdr), hier kleiner Willi (Fahrer), geben Sie Standort, kommen. « »Hier großer Willi, eigener Standort bei...« »Hier kleiner Willi, verstanden. Ende. « Kurze Zeit später: »Kleiner Willi, hier großer Willi, wo befinden Sie sich jetzt, kommen? « Pause. »Hier kleiner Willi, befinde mich auf der Straße bei...« »Hier großer Willi, verstehe, gebe Lichtzeichen. « Pause. »Hier kleiner Willi, kann Sie nicht sehen. « Pause. »Großer Willi, hier kleiner Willi, kann Sie nicht sehen, kommen. « Etwas länger Pause. »Großer Willi, hier SUPER-Willi!!« Der Divisionskommandeur hatte sich eingeschaltet. »Geben Sie jetzt korrekten Standort!! « »SUPER-Willi, eigener Standort hei... Gebe Zeichen Ein-Stern-Rot! Drei, Zwei, Eins!« Peng, der Platz war hellerleuchtet. Mindestens von 4 verschiedenen Panzern wurde Ein-Stern-Rot verschossen. Oberleutnant Funke, der damalige Fernmeldeoffizier, nahm anschließend zu Fuß Verbindung zum Divisionskommandeur auf. Die Einweisung in die Lage durch Oberstleutnant Oestmann erfolgte abgesessen, etwas vom Kampfpanzer entfernt...

Am 13.12.1991 übergab Oberstleutnant Rainer Oestmann an den zehnten und letzten Kommandeur des Panzerbataillons 164, Oberstleutnant Georg Nachtsheim, der direkt aus dem Bundesverteidigungsministerium kommend, diese Führungsaufgabe übernahm. Eine seiner ersten Aufgaben war es, die Umrüstung des Bataillons in neuer Gliederung auf den Kampfpanzer Leopard 2 voranzutreiben. Da das Bataillon nur eine geringe Anzahl an Panzerfahrern und Kommandanten ausgebildet hatte, musste er mit Hand anlegen, als die ersten Panzer am Entladebahnhof eintrafen - was er mit sichtlicher Freude auch tat. Die ersten 15 Kampfpanzer Leopard 2 wurden direkt auf den Ex-Platz gefahren, wo sie während eines Appells vom Kommandeur an die Kompaniechefs, Hauptmann Lutz Grüne und Hauptmann Oliver Wellnitz, übergeben wurden.

Leopard 1 im T-Bereich der Sachsenwald Kaserne
Leopard 1 im T-Bereich der Sachsenwald Kaserne

Am 13.3.1992 wurde Hauptmann Horst-Peter Klaas vom Till Eulenspiegel aus der Patenstadt Mölln zum Narren getauft, auch, um ihn so für seine neue Verwendung als S 1-Offizier im Bataillon vorzubereiten. Nachdem er in alle vier Himmelsrichtungen »Ich bin ein Narr! « gerufen hatte. wurde er mit Taufwasser übergossen und war von nun an in die Zunft der Narren aufgenommen. Am gleichen Tag wurde der erste Leopard 2 der der Y-139 des Zugführers. Hauptfeldwebel Ralf Tetzlaff, vom Bürgermeister Joachim Dörfler auf den Namen »Till von Mölln« getauft. Von diesem Tage an zierte der »Till« das Wappen der 4. Kompanie. Während der Leopard 1 noch bis Mitte des Jahres in der Ausbildung eingesetzt wurde - eine Woche später marschierte die gleiche Kompanie im Straßen- und Eisenbahntransport noch mit Leopard 1 zum Schulschießen nach OKSBOL und lernte Wind und Wetter, vor allem aber Regen und Kälte der nahen Nordsee fürchten - begann gleichzeitig die Umschulung aller taktischen und logistischen Führer und Spezialisten. Lange Lehrgänge in Aachen und andernorts waren zum Erreichen der erforderlichen Qualifikation erforderlich. Ab 1.4. wurde die neue, jetzt aktive 5. Kompanie, die vierte Kampfkompanie des Bataillons, aufgestellt, hauptsächlich aus Angehörigen des außer Dienst gestellten und als Aufwuchsbataillon nach Elmenhorst überführten Panzerbataillons 174 aus Hamburg-Rahlstedt. Hauptmann Holger Funke und seine Männer feierten bis in die Nacht hinein den Neu-beginn in der Sachsenwald-Kaserne.

Einen Monat zuvor übte das Bataillon wieder in der Lüneburger Heide. Der ungleiche Kampf, verstärkte 4./- (Leopard 1) gegen den Rest der Welt (ausgestattet mit Leopard 1 A5 und Leopard 2), endete spätestens an den Hohebachübergängen mit dem persönlichen Waterloo des jungen von Lehrgang wie selbstverständlich herbeigeeilten Chefs.


Nachdem Hauptfeldwebel »Kralle« Kroh die M 48-Brücke ohne Sicherung über den Bach gelegt hatte und dieser Übungsabschnitt wiederholt werden durfte - spätestens jetzt erfuhren wir auch, wie laut Oberstleutnant Nachtsheim werden konnte - musste Leutnant Andreas Röger, ein hervorragender junger Offizier, zeigen, was er draufhatte. Etwas »übermotiviert« fuhr er sich jedoch kurz vor dem Bach fest. Der III. Zug musste ran! Der Kompaniechef, die Übergangsstelle vor Augen, sah nun den erwarteten III. Zug dicht an der Brücke vorbei, quer zur Feindrichtung. den Bach entlangfahren! Irgendwie kamen dann die ersten Panzer über die Brücke, als der Kommandant des M 48 die Brücke schon wieder auf-nehmen wollte. Ein Funkspruch hielt ihn davon ab, und der nächste Zug rollte über den Bach. Gleiches Spiel: Schon wieder rollte der Pionierstabsunteroffizier mit seinem Ungetüm heran, und so standen sich nun ein Panzerjägerzug und der M 48 auf der Brücke gegenüber. Dennoch, vor Sonnenuntergang gelang es der Kompanie, das andere Ufer zu erreichen, und so konnte die Übung mit etwas Verspätung fortgeführt werden.

Im August biwakierte das gesamte Panzerbataillon 164 zusammen mit einer Gastkompanie der dänischen »Jütland Dragoner« im Biwakraunm TILSIT auf dem Truppenübungsplatz BERGEN: der Kommandeur hatte sich zum Schrecken aller durchgesetzt. Der Regen beim Aufbau der Zeltstadt trieb manchem - nicht nur Spieß Gabriel von der 5./- - die Tränen in die Augen. Lakonischer Kommentar des Kommandeurs an die zuletzt eintreffenden Soldaten: »Die, die zuerst da waren und die Zelte aufbauten, wussten nicht, dass dort jetzt alles unter Wasser steht, ihr könnt jetzt wenigstens um die Pfützen herumhauen! « Aber die Sonne kam bald und damit auch Spaß und Erfolg an der Ausbildung.


Die 2. Kompanie konnte ihre Richtschützenausbildung und die Umschulung der Panzerkommandanten im ersten scharfen Schuss mit Leopard 2 erfolgreich abschließen.

Die 3. und 4. Kompanie verlegten zum ersten Mal mit dem neuen Kampfpanzer auf den Übungsplatz. Der 4. Kompanie gelang es noch, die Masse der zum 30.9. zu entlassenden Soldaten auf Leopard 2 umzuschulen, obwohl sie diese Männer noch bis Juni am Leopard 1 bis zum Gefechtsschießen geführt hatte.


Hauptmann Wellnitz stellte hier auch die Unteroffizierlehrkompanie auf. Diese 6. Kompanie war es. auf die der Inspizient der Panzertruppe, Oberst Reitemeier, der im Oktober das Bataillon besuchte, sein Hauptaugenmerk legte. Sichtlich erfreut über den Schwung im Bataillon, verließ er am 15.10. die Kaserne. Nicht zuletzt die Leistungsfähigkeit des Bataillons hei der Lösung der zahlreichen Probleme, die die Umstellungen mit sich brachten, über-zeugten Oberst Reitemeier. So galt es, neben der Umschulung insbesondere die logistischen Maßnahmen zur Umrüstung auf das Waffensystem Leopard 2 zu realisieren. Dabei kam es besonders darauf an, zulaufendes und abzusteuerndes Material, das im Wesentlichen aus Großgerät bestand, mit der Umschulung des Funktions- und Bedienerpersonals zu koordinieren. Die Konzepte »Eingeschränkte Nutzung von Großgerät für die Ausbildung« (ENGA) und die »Langzeitlagerung« (LZL) mussten parallel zu den Ausbildungserfordernissen des Bataillons umgesetzt werden und forderten dem S 4-Stabsoffizier. Hauptmann Herbert Kriebel, als den logistischen Führer des Bataillons, sein ganzes Können ab. »Der einzige« Waffenfeldwebel, Walter Niemann, war lange Zeit der gefragteste Mann im Bataillon, nicht nur beim Standfestmachen des teilweise schon recht mitgenommenen »neu-en« Großgerätes. Damit mussten die infrastrukturellen Maßnahmen mithalten - nicht nur Panzerjäger und Panzerpioniere mussten die Kaserne verlassen, fast alle anderen, ein-schließlich Stab, zogen um, ein oder wieder aus. Die Standortverwaltung und die Fernmeldedienststelle hatten alle Hände voll zu tun, um die Ansprüche des Bataillons zu befriedigen.


Eine Stabs- und Versorgungskompanie mit insgesamt 288 Mann, 4 Kampfkompanien, eine Unteroffizierlehrkompanie, ein gekadertes Panzerbataillon mit 45 Mann Kaderpersonal, also insgesamt 593 Mann mit 106 Kampfpanzern Leopard 2, standen jetzt unter dem Kommando von Oberstleutnant Nachtsheim. Der sollte dann später noch häufiger an die Formulierung seiner Rede erinnert werden: »... neues Gerät, neue Struktur, neuer Anfang der Ausbildung mit neuen Männern - die Zukunft liegt in Elmenhorst und gehört uns! « An seiner Seite übernahm Oberstleutnant Horst Saame den neugeschaffenen Posten des stellvertretenden Bataillonskommandeurs. Im Einsatz hätte er das Panzerbataillon 164, Oberstleutnant Nachtsheim das Panzerbataillon 174 geführt.
Dann kam der 15. Dezember 1992: Alle Dienstgrade des Bataillons wurden nach Wentorf befohlen, wo der Divisionskommandeur, General von Falkenhayn, die neuesten Informationen zur Truppenreduzierung bekanntzugeben hatte. Die Männer des Panzerbataillons fuhren mit einem »mulmigen Gefühl« in die Bose-Bergmann-Kaserne, Vorahnungen plagten so manchen. - Und dann war es raus: Die Panzergrenadierbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg« wird zum 31.12.1994 aufgelöst. Der Schlag saß tief! Einige der sonst stahlharten Männer hatten Tränen in den Augen. Soldaten wie Hauptfeldwebel Ulrich Staeckling, Spieß 6./-, oder Hauptfeldwebel Dirk (lausen, Zugführer 4./-, gerade erst aus aufgelösten Truppenteilen zuversetzt, erfuhren beim Renovieren ihrer neubezogenen Wohnung von der Auflösung des Panzerbataillons. Viele Pläne für die Zukunft des Bataillons und Lebenserwartungen der Betroffenen, vor allem der fingerdienenden Zeit- und Berufssoldaten und ihrer Familien, lösten sich schlagartig in nichts auf. Aber der neue Auftrag der Bundeswehr und fehlende Mittel im Verteidigungshaushalt machten dies insgesamt unumgänglich. Dem konnten sich weder die Soldaten noch die Garnisons- und Patengemeinden entziehen.
Weihnachten 1992 hatten sich viele anders vorgestellt. Nach kurzer Durststrecke Anfang Januar 1993 konnten die 164er wieder Tritt fassen. Für dieses Jahr hatte sich das Panzerbataillon 164 auch noch einiges vorgenommen.

Am 30.4. ging es dann los: Das Bataillon verlegte wieder geschlossen auf den Übungsplatz BERGEN. 14 fordernde und anstrengende Tage standen bevor. Aus dem Standort marschierten die Kampfkompanien in Eisenbahntransporten nach MUNSTER, direkt in eine »Ausbildungsübung« hinein. Die Bataillonsgefechtsübung mit zwei Parteien bildete den Rahmen für die Ausbildungsvorhaben der Kompaniechefs. Nachdem der Marsch, Beziehen von Räumen, dabei Verbindung und Sicherung, geübt waren, übernahm das Bataillon wie-der das Ruder. Rund um den TUTENBERG trafen zwei verstärkte Bataillone aufeinander. Krönender Abschluss der Gefechtsübung war der unerkannt gebliebene Gegenangriff der Bataillonsreserve, der 4. Kompanie, in den Rücken der angreifenden »roten« Kräfte. Die Kompanie fegte die Angreifer in einem wunderschönen Breitkeil vom Platz. Ein Anblick, den keiner so schnell vergessen wird. Anschließend standen eine Woche lang Schul- und Gefechtsschießen auf dem Programm. Ab Freitagmittag musste dann umgedacht werden.
Das Panzerbataillon 164 hatte den Auftrag, für Gäste des Kommandierenden Generals des 1. Korps, General Boes, eine dynamische Waffenschau durchzuführen, ein Gefechtsschießen verbundener Waffen auf der Schießbahn 9 anzulegen und vorzuführen und ein Feldbiwak aufzubauen und zu betreiben.

Unter extremer Hitze bereitete sich das Bataillon auf den Auftrag vor. Am 13.5. zeigte sich dann das Panzerbataillon 164 von seiner besten Seite. Vor 300 Zuschauern, darunter der KG des 111. französischen Korps, General Arnold, gelang der 4. Kompanie eine wirklich dynamische Waffenschau, bei der der Leopard 2 natürlich im Mittelpunkt stand. Anschließend marschierte der Tross zur Schießbahn 9, wo Hauptmann Peter Schwindling seine große Erfahrung in der Leitung des Schießens unter Beweis stellte.


Die Palette der teilnehmenden Truppenteile reichte vom Transport- und Panzerabwehrhubschrauber über Luftlandekräfte bis zu Pionier- und Grenadierkräften. Beeindruckend war das zusammengefasste Feuer der Panzer-, Raketen- und Feldartilleriekräfte unter Führung von Oberstleutnant Kneflowski, Kommandeur des Panzerartilleriebataillons 335, und die hochbeweglich geführten Panzerstöße der 5. Kompanie unter Führung von Hauptmann Volker Pietschmann. Die großartige Inszenierung eines hochbeweglichen und mit großer Feuerkraft im neuen operativen Bild der Gegenkonzentration von Kräften geführten Gefechts aller Waffen fand dann mit einen qualmend vor der Zuschauertribüne stehenden Kampfpanzer einen »realistischen« Abschluss. Beim anschließenden Feldbiwak ließ Oberstabsfeldwebel Heinz Hems wieder einmal keinen Wunsch offen, so daß insgesamt von einem überragenden Erfolg gesprochen werden konnte, auch wenn seine berühmte Erbsensuppe in die Annalen des Bataillons einging und General von Falkenhayn unvergesslich bleiben wird...!

Für ein aufzulösendes Bataillon wäre das eigentlich der geeignete Zeitpunkt und ein guter Anlass für die Außerdienststellung gewesen. Aber der Kommandeur - und erst recht der Brigadekommandeur - wollten noch keine Langeweile aufkommen lassen. Im Juli flog die 4./- nach CASTLE MARTIN und konnte an die herausragenden Zuggefechtsschießen im Mai anknüpfen. Am 12.7. um 11.08 Uhr Ortszeit gab die Kompanie den letzten Schuss ab. Sie wurde am 30.9.1993 aufgelöst.

Mölln - Patenstadt der 4. Kompanie

Wappen der Stadt Mölln
Wappen der Stadt Mölln

Drei Tage zuvor, am 27.9., wurde auch die noch junge Patenschaft mit der Stadt Mölln auf-gelöst. Die am 4.5.1990 geschlossene Verbindung lebte von den zahlreichen persönlichen Kontakten zwischen den Möllner Bürgern und der 4. Kompanie. So lud die Stadt die neu-eingezogenen Rekruten regelmäßig zu einem Betreuungstag mit Frühstück und an-schließender Stadtführung ein. Zahlreiche gegenseitige Besuche, insbesondere die herzlichen Kontakte zur Schützengilde, an deren Spitze Schützenoberst Günter Holdorf und die »Seele« der Gilde, Wolfgang Sachse, zu nennen sind, formten die Patenschaft. Ein weiterer Motor dieser Verbindung und als »all-round-Talent« von allen Beteiligten hochgeschätzt, war der Leiter des Hauptamtes, Manfred Kohlrus.


Zu den jährlichen Schützenfesten marschierte die 4./- immer mit einer stattlichen Abordnung auf, und seit 1992 zierte der »Till Eulenspiegel« das Wappen der Kompanie. Der auf den Namen »Till von Mölln« getaufte Leopard 2 und der Eulenspiegelgang in der Sachsenwald-Kaserne erinnern ebenfalls an die historische Figur aus Mölln.
Die feierliche Zeremonie, mit der die Patenschaft offiziell beendet wurde, ging dann auch vielen Anwesenden ans Herz. Trotz Rückgabe der Urkunden und Austausch der Fahnen werden die gewachsenen Verbindungen, insbesondere mit der Möllner Schützengilde von 1407 e.V., noch lange Bestand haben.


Während der Bataillonsübung SCHLUSSAKKORD setzte Oberstleutnant Nachtsheim letzte Akzente, bevor er am 28.9. das Panzerbataillon an Oberstleutnant Horst Friedrich Saame übergab. Oberstleutnant Saame hatte zwar den traurigen Auftrag, das Bataillon aufzulösen, konnte jedoch zunächst mit zwei Kampfkompanien nach CASTLE MARTIN fliegen. Dieser Übungsplatzaufenthalt, bei dem die 2. Kompanie als Höhepunkt ihres Ausbildungsjahres das Kompaniegefechtsschießen erfolgreich durchführen konnte, war zweifellos ein krönender Abschluss dieses bewegten Jahres. Am 23.10. löste die 2./- ihre nur 1.631 Tage dauernde Patenschaft mit der Gemeinde Elmenhorst auf. Bürgermeister Arno Schultz und Kompaniechef Thomas Harland tauschten während eines feierlichen Appells in Elmenhorst ihre Urkunden aus.

Der letzte scharfe Schuss der 3./164 brach in CASTLE MARTIN in der Zeit vom 23.11. – 10.12.1993.

Im Januar 1994 verlegte die 5. Kompanie noch einmal auf den Truppenübungsplatz BERGEN. Sie bildete ab 1.10.1993 nach der neuen Schießkonzeption aus. Das Schulschießen der Panzerbesatzungen fand weitgehend simulatorgestützt statt. Die Schieß- und Gefechtssimulatoren ASPT und AGPT waren nach Bekanntgabe der Auflösung des Bataillons in Eutin aufgestellt worden, und so fuhren die Panzerbesatzungen zur Ausbildung in den über 80 Kilometer entfernten Aufklärerstandort. Am Freitag, dem 14.1.1994, gab Hauptmann Pietschmann mit seiner Besatzung den letzten Schuss des Panzerbataillons auf der Schießbahn 9 ab. Die »Schönheit« des Trefferblitzes auf ein Hartziel überdeckte die Traurigkeit dieses historischen Ereignisses. 

Auf Übung in Bergen
Auf Übung in Bergen

Das Panzerbataillon 164 verabschiedete sich am 19.2.1994 von seinen Ehemaligen, Freunden, Paten und der Öffentlichkeit. Vor dem Bataillonsappell auf dem Ritter-Wulf-Platz in Schwarzenbek lud die Stadt zu einem Empfang im Foyer des Rathauses ein. Am Abend stieg in der Sachsenwald-Kaserne die »große Sause«.

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Weitere Bilder des Panzerbataillons 164 finden sich im Fotoalbum unter:

Fotoalbum