Chronik des Panzergrenadierbataillons 161

Wappen PzGrenBtl 161
Wappen PzGrenBtl 161

Das gemischte Panzergrenadierbataillon 161 ist ein Kind der vierten Heeresstruktur und hat nichts mit den Vorgängern gemein, die die gleiche »Hausnummer« trugen. Es ist das letzte legitime »Kind« der Brigade, sozusagen das Nesthäkchen. Dementsprechend wurde das junge Bataillon auch von der Brigade umsorgt und gleich mit drei »Paten« versehen, nämlich den drei vorhandenen, bereits »erwachsenen« Kampftruppenbataillonen, die auch offiziell die Bezeichnung Patenbataillon trugen. Allerdings wurden keine Urkunden ausgetauscht, die sich das Bataillon ohnehin nicht hätte leisten können. Unterstützung und ständige »Gehhilfe« hatte das Bataillon stets bitter nötig, da es mangels ausreichenden Vermögens der Eltern nur eine magere personelle Ausstattung in der für die Selbstständigkeit so wichtigen Stabs- und Versorgungskompanie erhielt:

Der Stab und die Kompanieführung waren im Frieden lediglich als Kaderpersonal vorhanden, nämlich ein Stabsoffizier, der Führer Kaderpersonal und der Kompaniefeldwebel sowie weitere drei Soldaten und zwei Zivilisten. Dieser Mini-Stab erhielt Wohnrecht als »Untermieter« des Brigadestabes; dies gab ihn Geborgenheit, aber auch ständige Beobachtung. Erst später bekam der Stab dann ein eigenes kleines Heim, das sogar einige Wohneinheiten 2000 erhielt. Mit dem neuen Bataillon erfuhr die Brigade für den Einsatz eine Verstärkung um ein zusätzliches Kampftruppenbataillon, im Frieden lief es jedoch nur auf eine Verstärkung der vorhandenen Bataillone und eine »Mobilmachungsvorbereitungsgruppe« für das neue Bataillon hinaus.

 Die Aufstellung des Bataillons erfolgte aufgrund des Organisationsbefehls Nr. 10/80 (H) vom 13.10.1980. Das »gemischte Kampftruppenbataillon mit der Endnummer 1«, so die offizielle Bezeichnung, gliederte sich in eine stark gekaderte Stabs- und Versorgungskompanie und 3 voll aufgestellte Kampfkompanien, davon 2 Panzergrenadierkompanien (Marder) und 1 Panzerkompanie (M 48).

Gruppenbild (Eckard Dopke)
Gruppenbild (Eckard Dopke)

Die Aufstellung wurde vom Aufstellungsstab/Vorkommando unter Leitung von Major Bernhardt vorbereitet, der seine Arbeit im Block 11 ab 16.2.1981 in Wentorf, Bose-Bergmann-Kaserne aufnahm. Hieraus bildete sich dann das Kaderpersonal. Ab 1.4.1981 beginnend, wurden die Kampfkompanien durch die Patenbataillone wie folgt aufgestellt: Die 2. Kompanie, eine Panzergrenadierkompanie Marder, entstand als Neuaufstellung durch das Panzergrenadierbataillon 162. Es wurden zunächst die Kompanieführungsgruppe und der 1. Zug aufgestellt. Der II. und III. Zug folgten am 1.7.1981.

Die 3. Kompanie, ebenfalls eine Panzergrenadierkompanie Marder, wurde durch Umwandlung der 4. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 163 gleich vollständig aufgestellt. Dies erklärt auch das bis zur Auflösung des Bataillons anhaltende starke Zugehörigkeitsgefühl der Kompanie zum Panzergrenadierbataillon 163. Die 4. Kompanie, eine Panzerkompanie M 48, entstand als Neuaufstellung durch und bei dem Panzerbataillon 164 in Elmenhorst zunächst mit Kompanieführungsgruppe und zwei Zügen. So mancher Außenstehende wunderte sich, dass sich hinter dem Namen 4./Panzergrenadierbataillon 161 eine waschechte Panzerkompanie verbarg.


Die Aufstellung der Stabs- und Versorgungskompanie war eine komplizierte Angelegenheit und spiegelte die Probleme des jungen Bataillons wieder. Das Kaderpersonal entstand aus dem Aufstellungsstab beim Brigadekommando in Wentorf als »Mini-Stab«, der das Zusammentreten des Bataillons vorzubereiten hatte. Jedes der drei Patenbataillone stellte eine 20 Mann starke Versorgungsanteilgruppe auf, die im Frieden die Versorgung, einschließlich Sanitätsdienst und die Nachweisführung Für die zu betreuende 161 er Kompanie, sicherstellen sollte. 66 aktive Soldaten der 1. Kompanie waren also verteilt auf den Stab und 3 Bataillone an zwei Standorten. Die Masse der Kompanie, ca. 120 Soldaten, wurde durch Alarmreservisten bzw. aktives Mobilmachungsergänzungspersonal gestellt.

Allein schon diese Art der Aufstellung und Gliederung des Bataillons und insbesondere die Aufteilung seiner Einheiten und Teileinheiten auf den Rest der Brigade machten eine Identifizierung mit demselben nicht eben leicht. Das Bataillon, und da besonders sein erster Führer Kaderpersonal, Major Bernhardt, war findig darin, Symbole und Gelegenheiten für das Zusammenwachsen zu schaffen und zu pflegen. Ganz wesentlich wirkte hierbei der harte, sehr rührige Kern der Alarmreservisten mit. Das Typische von »161« fand sich besonders wieder in der Truppenfahne, der Bataillonsfahne, dem Bataillonswappen/Verbandsabzeichen, der » 161 er Runde«, den »Wochen 161« und den Schießwettbewerben.

Das Bataillon wurde am 15.4.1981 mit einem großen Brigadeappell in den Kreis der anderen Bataillone der Brigade aufgenommen. Dies war das erste große Ereignis, an dem das Bataillon einschließlich der Versorgungsanteilgruppen geschlossen teilnahm. Der stellvertretende Bataillonskommandeur, Major Bernhardt, nahm bei diesem Anlass das Fahnenband zur Truppenfahne vom Brigadekommandeur Oberst Klewin entgegen. Damit hatten auch wir unser erstes Erkennungszeichen. Kurze Zeit später fügte Major Bernhardt dem ein zweites hinzu. Er entwarf das interne Verbandsabzeichen, das dann am 22.5.1981 durch die 6. Panzergrenadierdivision genehmigt wurde. Es vereinigt in sich Elemente aus den Wappen von Land. Kreis und Gemeinde wie folgt: Die Landesfarben von Schleswig-Holstein als Hintergrund sollen wegen der Nähe Hamburgs und Niedersachsens die Verbundenheit des Bataillons zur schleswig-holsteinischen Heimat besonders hervorheben. Der Rahmen vom Wappen des Kreises Herzogtum Lauenburg soll den Stationierungsraum des Bataillons, nämlich die beiden einzigen Bundeswehrstandorte des Kreises - Elmenhorst und Wentorf - näher eingrenzen, und der Rautenkranz und das Wagenrad aus dem Gemeindewappen Wentorfs sollen Sinnbild für den Standort der Masse des Bataillons und des Stabes sein.

Fahnenbandverleihung PzGrenBtl 161 (1983 - Bataillonschronik)
Fahnenbandverleihung PzGrenBtl 161 (1983 - Bataillonschronik)

Das Bataillon und seine Kompanien nahmen frühzeitig die Ausbildungs- und Übungstätigkeit auf, wobei der Ausbildungsauftrag für die Kampfkompanien und der Versorgungsanteilgruppen den Kommandeuren der Patenbataillone oblag und das Bataillon für die Mobilmachungsvorbereitung der 1./161 und des Bataillons insgesamt verantwortlich war. Daher konzentrierten sich die Ausbildungs- und Übungsvorhaben des Bataillons auf die Ausbildung der Alarmreservisten, die Einweisung des aktiven Mobilmachungsergänzungspersonals, die Planung und Erkundung des Einsatzauftrages und als unstrittigem Schwerpunkt auf die Mobilmachungsübungen. Darüber hinaus nutzte das Bataillon jede andere Gelegenheit zu gemeinsamer Ausbildung, wie z.B. die Teilnahme an Rahmen- und Gefechtsstandsübungen und an Sportfesten der Brigade.


Die 4./161 unter Hauptmann Bull machte den Anfang und nahm bereits vom 24.9. bis 12.10.1981 mit dem Panzerbataillon 164 an einem Schießplatzaufenthalt in CASTLE MARTIN/Wales teil und wenig später folgten die 2./161 unter Hauptmann Schmitz und wieder die 4./161 mit einer Teilnahme hei ihrem jeweiligen Patenbataillon vom 2. bis 5.11.1981 an der NATO-Gefechtsübung BRISK FRAY im Raum Schleswig-Holstein. Damit hatte sich das Bataillon zumindest mit ihren kampfkräftigen Teilen in die Übungstätigkeit der Brigade eingereiht.
Der Bataillonstab gab, verstärkt durch Teile der 3./161, bei der Divisionsrahmenübung HARTE FAUST 82 vom 3. bis 6.3.1982 seinen Einstand. Doch bereits im November 1982 führte das Bataillon seine erste Mobilmachungsübung durch. Vom 1. bis 12.1 1.1982 standen folgende Themen auf dem Programm: Aufnahme von Alarmreserve und MobErgänzungspersonal, Schießvorhaben in PUTLOS, Marsch- und Gefechtsübung südostwärts Schwarzenbek und Ausschleusung der Alarmreservisten. Von jetzt an machte das Bataillon nahezu in jährlicher Folge Mobilmachungsübungen mit unterschiedlicher Aufgabenstellung. Dies konnte nur so verwirklicht werden, weil ein solider Stamm hochmotivierter Reservisten gut mitzog und auch die Patenbataillone uns insbesondere personell unterstützten. Die Übungsdurchführung wurde sehr erleichtert durch eine problemlose Zusammenarbeit mit dem Kreiswehrersatzamt Hamburg, namentlich mit Frau Marquardt und Herrn Nienstedt und der Standortverwaltung Wentorf.

Von einigen Reservisten wurden dem Bataillon sehr früh drei Bataillonsfahnen geschenkt, die auf weißem Grund das Verbandsabzeichen zeigten. Zum Satz »Bataillonsfahne« gehörten natürlich auch ein Fahnenstock mit Wandhalterung für das Kommandeurzimmer sowie ein Fahnenmast, zerlegbar, der es ermöglichte, die Bataillonsfahne stets mitzuführen und unabhängig von der jeweiligen Infrastruktur bei besonderen Vorhaben und Veranstaltungen zu zeigen. Die Fahnen waren offensichtlich so beliebt, dass bereits nach kurzer Zeit nur noch eine dieser Fahnen beim Bataillon verblieben war (die Nummer 1 von 3), die bei Auflösung an die 2. Kompanie zur Aufnahme in einen Traditionsraum gegeben wurde. Das Bataillon führte in jährlicher Folge von 1982 bis 1988 Schießwettbewerbe für die Offiziere und Unteroffiziere durch. Zunächst wurden die Wettkämpfe mit den 3 Waffen, Gewehr G3, Maschinengewehr und Maschinenpistole, ausgetragen, ah 1984 kam als 4. Waffe die Pistole P I hinzu. Diese Schießwettbewerbe waren insbesondere für die Reservisten eine gute Gelegenheit, den Kontakt zu den Aktiven auch außerhalb von Übungen zu pflegen und sich unter vergleichbaren Voraussetzungen mit ihnen zu messen. Bei den insgesamt guten Schießleistungen der Teilnehmer konnten sich folgende Soldaten als Sieger in die Bestenlisten eintragen: 1982 Stabsunteroffizier d.R. Keller, 1983 Oberfeldwebel d.R. Geschonke,1984 Feldwebel d.R. Dehning, 1985 Stabsfeldwebel Dopke und 1986 Oberfeldwebel d.R. Dehning. Auffällig ist, dass nur einmal ein Aktiver den »Vogel« abschoss; sicher ein Zeichen für gute Waffenbeherrschung durch unsere Reservisten.


Vom 2. bis 7.5.1983 führte das Bataillon die erste »Woche Panzergrenadierbataillon 161« durch. Diese »Woche 161« wurde danach regelmäßig einmal pro Halbjahr auf Antrag von der Brigade befohlen. Das Bataillon nutzte diese Wochen für gemeinsame Ausbildung der Kompanien, gemeinsame Ausbildung der Offiziere und Unteroffiziere (aktiv und Reserve), insbesondere taktische Weiterbildung einschließlich Geländebesprechungen zur Vorbereitung auf den Einsatzauftrag, Besprechungen mit Kompaniechefs, Kompaniefeldwebeln und Kompanietruppführern und Überprüfung der Einsatzbereitschaft der Versorgungsanteilgruppen. Die »Wochen 161« wurden regelmäßig mit einer Dienstlichen Veranstaltung und einem Unteroffizierabend der 1./161 abgeschlossen.

 

Die 4. Kompanie (1990 - Kompaniechronik)
Die 4. Kompanie (1990 - Kompaniechronik)

Am 9.6.1983 nahm Oberstleutnant Liebe für das Bataillon vom damaligen Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Uwe Barschel, das Fahnenband des Landes für »hervorragenden Einsatz bei Naturkatastrophen zum Schutz und zur Hilfe für Bürger des Landes« bei einem feierlichen Appell entgegen.

Im Herbst 1983 nahm das Bataillon an der Divisiongefechtsübung BRISK FRAY 83 teil und stellte den gesamten Leitungs- und Schiedsrichterdienst für das Panzerbataillon 181. Dies war neben der taktischen Aufgabe und Weiterbildung eine gute Gelegenheit, einmal zu schauen, wie andere die Probleme eines »Kampftruppenbataillons mit der Endnummer 1« lösen. An der Brigaderahmenübung SCHNELLE GALEERE 84 nahm das Bataillon erstmalig mit gleichem Umfang und vergleichbaren Aufträgen wie die übrigen Bataillone der Brigade in der Zeit vom 10. bis 12.4.1984 im Kreis Herzogtum Lauenburg teil. Dies war nur mit personeller und materieller Unterstützung möglich und erforderte einen hohen Organisationsaufwand. Das Bataillon konnte hierbei jedoch unter Beweis stellen, dass es nach Aufnahme personeller Ergänzung eine erhebliche Verstärkung für die Brigade bedeutete.
Seine 2. Mobilmachungsübung führte das Bataillon in der Zeit vom 30.10. bis 10.1 1.1984 durch und nahm an der Divisionsgefechtsübung BRISK FRAY 84 als Übungstruppe ROT teil.
Während der Übung wurden unsere Soldaten durch den bataillonseigenen »FELD Kurier« in 5 Ausgaben und einer Extraausgabe auf dem laufenden gehalten. »Chefredakteur« Leutnant d.R. Roesler und sein Team sorgten für eine gelungene Mischung aus hoher Politik, Sport, Manövergeschehen und sonstigem. Hier zwei Beispiele:

6. November 1984 Ausgabe Nr. 4 »DER GETREUE ECKARD - Das Lied vom treuen Spieß hat viele Strophen. Hier ist eine: Luftangriff auf die 3./161. Sowohl die abgesessenen Soldaten als auch die Marder werden bekämpft. Kein Hinderungsgrund für den Spieß, sei-ne Soldaten zu verpflegen. Er tut dies gefechtsmäßig: Brote unter dem Arm, Aktentasche mit gefüllten Thermosflaschen, Kochgeschirr mit heißer Suppe; ständig heißt es hinlegen, aufstehen, hinlegen, aufstehen. Viermal macht er den Weg. Den Respekt seiner Soldaten hat er längst, den des Schiedsrichters hat er hinzugewonnen. W.R.«

Am 7. November 1984 war in der Ausgabe Nr. 5 zu lesen: »ÜBUNGSSTREIFLICHTER - Es sei nochmal festgehalten, dass die 3./164 in allen Feind- und Lebenslagen eine gute Adresse ist. Neuestes Beispiel: Die Kuh Emma wollte kalben, hatte aber Probleme. Ein Tierarzt war nicht aufzutreiben. Stabsunteroffizier Hauschild von der 3./164, selber Landwirtssohn, kümmerte sich um den Fall und war gemeinsam mit dem Bauern erfolgreicher Geburtshelfer. Am Ende eine glückliche Kuh mehr. W.R. Der Name der Kuh wurde geändert, der wahre Name ist der Redaktion bekannt.«

 Die Schlussausgabe endete mit folgendem Dank: »DANKE! Die Freundlichkeit der Bevölkerung diesseits und jenseits des Nord-Ostsee-Kanals ist kaum noch zu überbieten. Nicht nur, dass bereitwillig Unterkunft zur Verfügung gestellt wird, sondern unsere Soldaten werden auch mit heißem Kaffee und Tee (manchmal auch gegen die Kälte mit Zusatz) versorgt. Auch dass extra Kuchen gebacken wird, ist keine Ausnahme. Was uns dennoch überrascht hat, ist, dass der 800 Einwohner zählende Ort Windbergen die Uhren auf »Z-Zeit« umgestellt hat. Wir hoffen nur, dass Arbeitgeber und Schule für evtl. Verspätungen ebenfalls Verständnis aufbringen. Go.«


 

Marsch aus der Bose-Bergmann-Kaserne (1987 - Mike Baumann)
Marsch aus der Bose-Bergmann-Kaserne (1987 - Mike Baumann)

Am 26.1.1985 übergab Oberstleutnant Liebe das Bataillon an Oberstleutnant Moderow. Mit Oberstleutnant Liebe verließ ein Kommandeur das Bataillon, der den Aufbau und die rasche Einsatzbereitschaft des Bataillons ganz wesentlich beeinflusst hat. Geachtet und beliebt war er nach den Worten seines Stellvertreters. Major Bernhardt, im Wesentlichen durch seinen 6. Sinn für taktische Abläufe und Gefechtshandlungen, unkonventionellen Führungsstil und originelle Einfälle/Antworten in allen Situationen und die Ablehnung jeglicher formeller Abläufe.

Zum Abschied erhielt er unter anderem eine Dankurkunde mit dem folgenden Text:
 Dem Gründungs- und damit 1. Bataillonskommandeur zur Erinnerung an seine letzte Mobilmachungsübung beim Panzergrenadierbataillon 161 gewidmet mit folgenden Bemerkungen:

  • Wert der Urkunde »Streitwert unter eine Mark!«
  • Sollte diese Urkunde nicht gefallen »Flachmachen«!
  • Sollten die Patenkommandeure Einspruch gegen diese Urkundenverleihung erheben »Das Feindbild stimmt wieder!«
  • Annahmeverweigerung der Urkunde: »Die Annahme wird hiermit befohlen!«


1985 waren erstmalig Teile des Bataillons jenseits des Atlantiks im Einsatz. Unsere gesamte 4. Kompanie mit Hauptmann Globig an der Spitze nahm im Mai 1985 mit dem Panzerbataillon 164 an einem Truppenübungsplatzsaufenthalt in SHILO/Kanada teil, während von der 2./161 lediglich geringe Teile das Panzergrenadierbataillon 162 verstärkten.
Am 5.7.1985 konnte Major Bernhardt die Leistungen von 6 verdienten Unteroffizieren des Bataillons mit der Verleihung des Ehrenkreuzes der Bundeswehr anerkennen. Es waren dies: Feldwebel d.R. Ingo Militzer, Feldwebel d.R. Cornelius Richter, Stabsunteroffizier d.R. Joachim v. Sawilski, Stabsunteroffizier d.R. Hans-Stephan Werder, Stabsunteroffizier d.R. Ulrich Wieghorst und Oberfeldwebel d.R. Thomas Keller. Die Auszeichnung ist schon deswegen bemerkenswert, weil es bislang für Reservisten kaum möglich war, neben den herausragenden Leistungen auch die zeitlichen Voraussetzungen für eine Verleihung zu erbringen.


Am 4.7.1985 wurde auf Anregung der Chefs und Kompaniefeldwebel des Bataillons die »161er-Runde« geschaffen, die zur Verbesserung des Zusammengehörigkeitsbewusstseins einmal pro Quartal eine Abendveranstaltung in geselliger Runde bei freiwilliger Teilnahme durchführte. Diese Runde trug erheblich zum gegenseitigen Kennenlernen bei, was für dieses so gemischt zusammengesetzte Bataillon von besonderer Bedeutung war. Häufig wurden darüber hinaus Gäste, wie z.B. Vertreter des Kreiswehrersatzamtes Hamburg, eingeladen. Im gleichen Jahr stellte das Bataillon beim neu eingeführten Brigadesportfest eine eigene Mannschaft. Wir kamen allerdings, nicht zuletzt wegen der schwierigeren Trainingsbedingungen, in der Gesamtwertung nicht über den 6. von 7 Plätzen hinaus.


Lediglich der Unteroffizier Borutta glänzte mit einem ersten Platz im 100-m-Lauf (11,8 Sek.). Die 3. Mobilmachungsübung führte das Bataillon vom 4. bis 9.11.1985 als Mobilmachungsrahmenübung der 1./161 durch. Innerhalb von 6 Tagen übte das Bataillon:

• die Ein- und Ausschleusung von 85 Alarmreservisten am 4. und 8./9.11.1985,
• die Bataillons-Rahmenübung KLEINER RAUTENKRANZ 85 am 6. und 7.1 1.1985 und
• das Bataillonsvergleichsschießen am 9.1 1.1985.


Im abschließenden Tagesbefehl für die MobÜbung konnte der Major Bernhardt feststellen: »Obwohl die 1./161 aus je zu 50 % Alarmreservisten und aktiven Soldaten (aus 12 verschiedenen Einheiten der Brigade 16) besteht, konnten die strukturbedingten und unvermeidlichen Anfangsschwierigkeiten beim Zusammentreten der Kompanie rasch auf ein Mindestmaß reduziert werden. Einsatzbereitschaft, Leistungswille, Einsicht und fachliche Qualifikation von allen beteiligten Soldaten hatten dazu geführt, dass die 1./161 nach zwei Übungstagen in der Lage war, die mit Marder und Leopard ausgerüsteten Kampfkompanien des gemischten Bataillons zu führen und zu versorgen.«
1986 war für das Bataillon oder zumindest große Teile desselben ein »großes Übungsjahr«. Es begann mit der Teilnahme einer Auswahlmannschaft des Bataillons an einem Schießwettkampf in Norwegen. Der Brigadekommandeur würdigte die guten Leistungen in einem Tagesbefehl wie folgt: »Ich spreche allen Teilnehmern, die am Internationalen Schießwettkampf der Norwegischen Reserveoffiziervereinigung und der Norwegischen Heimwehr teilgenommen haben, meine Anerkennung aus. Die Mannschaft des Panzergrenadierbataillons, Major Bernhardt, Hauptmann Kriebel, Oberleutnant d.R. Willimczik und Feldwebel d.R. Berghausen errang vom 9. bis 11. Mai 1986 in Lahugmoen bei Oslo in der Mannschaftswertung den 3. Platz. Besonders anerkennenswert ist die Einzelleistung von Hauptmann Kriebel, der in der Einzelwertung den 1. Platz belegte.«

 

Verabschiedung Eckard Dopke (1990 - Eckard Dopke)
Verabschiedung Eckard Dopke (1990 - Eckard Dopke)

Einen kleinen Rückschlag brachte das Brigadesportfest 1986, bei dem das Bataillon in der Gesamtwertung auf den siebenten und damit letzten Platz zurückfiel. Dafür konnten wir aber bei der abschließenden Dienstgradstaffel mit Major Bernhardt als Startläufer die an-deren Mannschaften hinter uns lassen und den ersten Platz erringen.


Höhepunkt war dann die 4. Mobilmachungsübung des Bataillons, die die Teilnahme an der NATO-Gefechtsübung BOLD GUARD 86 vom 16. bis 27.9.1986 einschloss. Die Übung wurde durch Geländebesprechungen und Weiterbildungen, z.T. als »Dienstliche Veranstaltung«, sowie einen 14tägigen Vorlauf der MobÜbung so intensiv vorbereitet, dass sich das Bataillon ohne Abstriche neben den anderen Bataillonen im Brigadeverband als Übungstruppe Blau wacker geschlagen hat. Für unsere Reservisten, insbesondere von der 1. Kompanie, war dies der Höhepunkt der Ausbildungs- und Übungstätigkeit des Bataillons und die entscheidende Bewährungsprobe im Bestehen des Bataillons überhaupt. Da der Stab und die 1. Kompanie zu ca. 50 % aus Alarmreservisten bestand, war nur durch ihren unermüdlichen und fachkundigen Einsatz die Führung und Versorgung des Bataillons gewähr-leistet. Die Auftragserfüllung des Bataillons wurde wieder begleitet und unterstützt vom Redaktionsteam des »FELD Kurier«. Der ersten Ausgabe vom 21.9.1986 stellte der Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Moderow, folgende Worte voran: »Liebe Kameraden! Als Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 161 freue ich mich, mit Ihnen gemeinsam an der Großübung BOLD GUARD teilnehmen zu können. Diese Übung dokumentiert, dass wir zusammen mit unseren NATO-Verbündeten - hier Amerikaner, Engländer, Dänen und Holländer - willens und fähig sind, Hamburg und Schleswig-Holstein gegen jeden Aggressor zu verteidigen. Tragen Sie - jeder an seinem Platz - durch Ihren Einsatz und Ihre Leistungsbereitschaft mit dazu bei, dass diese Absicht vor Beobachtern aus Nicht-NATO-Staaten klar erkennbar wird und unsere Bevölkerung sieht, dass sie sich auf ihre Bundeswehr und ihre Verbündeten verlassen kann. Sie dienen damit der Erhaltung in Frieden und Freiheit in besonderer Weise. Unser Bataillon hat ja den besonderen Status, dass es nur bei MobÜbungen zusammentritt und dann schnell aufwachsen muss und leistungsfähig sein soll. In dieser Übung »kämpfen« Alarmreservisten, Soldaten aus der Verfügungsbereitschaft und aktives Rahmenpersonal zusammen. Es werden besonders hohe Anforderungen an Kameradschaft, Motivation und Leistungsvermögen gestellt, und ich konnte mit Freude feststellen, dass Sie diesem Anspruch bisher gerecht geworden sind. Packen wir's weiter gemeinsam an!«


Ein Übungsstreiflicht aus dem Feldkurier Nr. 2 beschreibt ein wenig die Eignung des Übungsgeländes für gepanzerte Truppen. »...und weiche keinen Finger breit vom rechten Wege ab! Man erinnere sich: Vor zwei Jahren war es der Fahrer eines 5-Tonners vom Panzergrenadierbataillon 161, der sich an diese alte fromme Mahnung nicht gehalten und des-halb jede Menge Bergepanzer längere Zeit beschäftigt hatte. Es war unser Technischer Offizier, Major d.R. Dietrich, der seinerzeit den Archäologen kommender Zeiten den Spaß verdarb, kein Fahrzeug des berühmten Panzergrenadierbataillons 161 im Torf auszugraben. Dabei hat der Major Dietrich Erfahrungen gesammelt, die er - weil die Vorwitzigen nicht aussterben und wir wieder mal in Dithmarschen sind - jetzt wieder gebrauchen konnte. Diesmal waren es die Pioniere, von denen zwei 5-Tonner zum Teil bis zur Ladekante im Morast steckten. 161 hat Berggehilfe geleistet. Wiederum werden die Archäologen leer ausgehen.«
Major Bernhardt bewertete die Übung in seinem Jahresbrief 1986 ausschnittsweise wie folgt: »Die Vorbereitung aller Angehöriger des Verbandes (Reservisten, aktive Soldaten, zivile Mitarbeiter) war gut, die Motivation hervorragend. Die hochgesteckten Erwartungen, insbesondere die Motivation aller Teilnehmer, wurde jedoch enttäuscht...Trotz dieser ungünstigen Rahmenbedingungen und des enttäuschenden Verlaufs von BOLD GUARD 86 hat sich das Panzergrenadierbataillon 161 voll bewährt, alle Aufträge mit gutem Erfolg durchführen und die Versorgung aller Teile des Verbandes uneingeschränkt sicherstellen können Diese Leistung war nur möglich durch die erfolgreiche Zusammenarbeit von Reservisten und aktiven Soldaten...« Die von Major Bernhardt angesprochene Enttäuschung lag darin begründet, dass das Bataillon trotz bester Voraussetzungen nur zögerlich eingesetzt wurde und kaum Möglichkeiten hatte, sich »vor dem Feind« zu bewähren, da das Bataillon kaum einen zu Gesicht bekam.


Durch die Norwegenfahrt im Frühjahr auf den Geschmack gekommen, meldete das Bataillon erneut eine Mannschaft für ein Vergleichsschießen am 18.10.1986, diesmal jedoch ein internationales Milizschießen in Wien. Unsere Mannschaft, bestehend aus Major Bernhardt, Hauptmann Kriebel, Hauptmann Joers und Oberleutnant Obstmayer belegte einen achtbaren sechsten Rang.


Das Ausbildungsjahr 1986 schloss mit einem Besuch der Reservistenkameradschaft Pinneberg am 15. November. Die 2./161 führte in BERGEN auf dem Truppenübungsplatz ihr Gerät und den Einsatz einer Panzergrenadierkompanie Marder vor. Die Gäste bewerteten die Vorführung unserer 2. Kompanie als »einen lehrreichen und informativen Tag«.


Bereits kurze Zeit später, am 26. Januar 1987, erhielten wir erneut Besuch, diesmal vom Kreiswehrersatzamt Hamburg. Mit dieser Veranstaltung sollten die Sachbearbeiter für personelle Mobilmachungsangelegenheiten mit der Ausrüstung und den Besonderheiten des Bataillons sowie mit den Anforderungen, die an die einzuplanenden Reservisten gestellt werden müssen, vor Ort vertraut gemacht werden. Unsere Gäste, Herr Modrow mit seinen Damen und Herren, betonten, dass es für sie von großem Wert war, einmal vor Ort zu sehen, welche Auswirkung ihre Einplanungen in den betroffenen Einheiten haben können, insbesondere, wenn nicht genügend ATN-gerecht ausgebildete Reservisten zur Verfügung stehen.


 

Bataillonsuebergabe Uebe an Moderow (1985 - Bataillonschronik)
Bataillonsuebergabe Uebe an Moderow (1985 - Bataillonschronik)

1987 brachte dem Bataillon größere Veränderungen: Am Samstag, dem 14.März 1987, übergab Oberstleutnant Moderow das Bataillon an Major Heintke, der zugleich von Major Bernhardt die Aufgaben des Führer Kaderpersonal übernahm.


Wegen des großen Anteils von Reservisten in entscheidenden Funktionen des Bataillons war der Übergabeappell bewusst auf ein Wochenende gelegt worden. Die Reservisten honorierten dies durch starke Beteiligung, ging es hier doch darum, den »Gründer« des Bataillon, Major Bernhardt, gebührend zu verabschieden. Major Bernhardt war für die Reservisten von der Aufstellung des Bataillons an der entscheidende Mann. Durch kräftiges Rühren der Werbetrommel bei allen sich bietenden Gelegenheiten und enge, gezielte Zusammenarbeit mit den personalbearbeitenden Stellen in der Brigade, der Stammdienststelle des Heeres, dem Personalstammamt sowie den zuständigen Kreiswehrersatzämtern stellte er schnell eine schlagkräftige Alarmreserve zusammen. Dabei bot er auch einer erheblichen Anzahl von Angehörigen von Reservistenkameradschaften eine militärische Heimat. Schwierigkeiten wie fehlende Ausbildungsnachweise, Einplanung bei anderen Mobilmachungstruppenteilen oder gar die Zugehörigkeit zu einer anderen Teilstreitkraft konnten eine gewünschte Einplanung allenfalls verzögern, nicht jedoch verhindern. So erreichte er, dass das Bataillon nahezu seinen gesamten personellen Bedarf gedeckt bekam und stets geringe Ausfallquoten bei den Mobilmachungsübungen verzeichnen konnte. Wie tatkräftig Major Bernhardt bei der Hebung des Einsatzstandes vom Brigadestab in enger Zusammenarbeit mit dem Kreiswehrersatzamt unterstützt wurde, beweist die Tatsache, dass der private Geländewagen eines Offiziers des Stabes als materielle Mobilmachungsergänzung hei uns eingeplant war. Major Bernhardt bedankte sich mit folgendem Schreiben: »Sehr geehrter Herr Küttner, im Rahmen der materiellen Mobilmachungsergänzung hat das Kreiswehrersatzamt ... Ihren Privatwagen.... mit Wirkung vom ... bei Panzergrenadierbataillon 161 eingeplant. Im Mobilmachungsfall müssen Sie deshalb damit rechnen, das o.a. Kfz nach Aushändigung der Leistungsunterlagen abgeben zu müssen... Als Berufssoldat werden gerade Sie für die Einplanung Ihres Fahrzeuges Verständnis haben. Ich hoffe, dass uns der Frieden erhalten bleibt und wir Ihr Fahrzeug nicht zu nehmen brauchen. Fahren Sie vorsichtig!«


Ein Angehöriger der Alarmreserve dagegen, der Hauptgefreite Fischer, hatte sich vergeblich bemüht, dass er als Erkunder sein privates Kfz, einen Iltis, auch bei Wehrübungen ein-setzen durfte, da es dem KWEA für eine Einplanung zu alt war.


Als erste Maßnahme nach Übernahme des Kommandos verlegte Major Heintke das Kaderpersonal aus den Block des Brigadestabes in den Block 7. Dies war keine plötzliche Eingebung, sondern es war bereits schon vorher zum Wohle des Kaderpersonals geplant und vorbereitet. Die Bedingungen für Mobilmachungsvorbereitung und -durchführung wurden für Stab und 11161 deutlich verbessert. Zum anderen kamen wir dadurch in den Genuss von zwei modernen Wohneinheiten 2000, die später des Öfteren als »Vorzeigeobjekte« für Besucher aller Art genutzt wurden.

Auch die zweite Maßnahme des neuen Kommandeurs war erfreulicher Natur. Er konnte wieder hervorragende Leistungen würdigen: Im Jahr 1987 erhielten vier verdiente Reservisten ein Ehrenkreuz und zwei weitere eine Ehrenmedaille von ihm ausgehändigt.
Beim Brigadesportfest 1987 trumpfte die Bataillonsmannschaft am 10.9.1987 gegen starke Konkurrenz mit einem hervorragenden zweiten Platz groß auf und konnte erneut die Dienstgradstaffel für sich entscheiden. Im Tagesbefehl des Brigadekommandeurs wurde die Leistung des Bataillons so gewürdigt: »Meine besonderen Glückwünsche gelten dem Gesamtsieger Panzergrenadierbataillon 162 und dem Panzergrenadierbataillon 161, das mit dem erkämpften 2. Platz erstmals in vorderster Platzierung zu finden ist.« Mit einer beachtenswerten Einzelleistung stellte der Gefreite Eltgen von der 2. 161 einen neuen Brigaderekord im Hochsprung mit 1,83 m auf.


Die 5. Mobilmachungsübung führte das Bataillon allein mit der 1./161 vom 22.9. bis 3.10.1987 durch. Schwerpunkt nach Aufstellung der Kompanie im Standort war die Verlegung zum Truppenübungsplatz SCHWARZENBORN zur Durchführung von Schieß- und Übungsvorhaben. Der Hin- und Rückmarsch über diese weite Entfernung stellte Hauptmann Numberger und seine Kompanie vor keine besonderen Probleme. Routiniert leiteten die Erkunder unter Oberfeldwebel Gebhardt die Marscheinheiten ans Ziel. So wollte ich den Erkundern auf einem Autobahnrastplatz bei Nacht schon befehlen, den Technischen Halt zu verlegen, da fast alle Stellflächen belegt waren, erntete aber nur verständnisloses Kopfschütteln meiner z.T. langmähnigen Kradmelder und Erkunder. Sie hätten doch noch 30 Minuten Zeit für die Vorbereitungen! Und tatsächlich, bei Eintreffen der etwa 50 LKW der Kompanie hatten unsere Reservisten wie Hauptgefreiter Hirsch, Obergefreiter Behrends u.a. so viele »Kapitäne der Landstraße« zum vorzeitigen Aufbruch überredet, dass die Kompanie locker Platz hatte. Der Instandsetzungszug hatte auf dem Hinmarsch wenig Arbeit, dafür kam Feldwebel d.R. von Sawilski auf dem Rückmarsch allerdings mit den letzten im Schlepp erst viele Stunden nach der Kompanie in Wentorf an.

Der Übungsplatz bot reichhaltige und interessante Übungsmöglichkeiten, gerade für die infanteristische Schießausbildung. Auch der Brigadekommandeur konnte sich davon überzeugen, dass diese zusammengewürfelte Stabs- und Versorgungskompanie einen so hohen Standard in der Anlage und Durchführung der Schießausbildung hatte, dass sie sich mit so mancher Grenadierkompanie messen konnte. Besonders das Schießen auf der Waldkampfbahn, die eigentlich der Jägertruppe vorbehalten war, beeindruckte ihn sehr, und das lag sicherlich nicht nur daran, dass Hauptfeldwebel d.R. Geschonke ihm die Übung, bartzwirbelnd und wortgewandt von Feldwebel d.R. von Sawilski unterstützt, erläuterte.


Dass durchgehend gute Stimmung herrschte, war mit ein großes Verdienst vom Spieß Hauptfeldwebel d.R. Bogdan und »Oberversorger« Hauptfeldwebel Margraf, die für annehmbare Unterkünfte und stets reichhaltige, schmackhafte Verpflegung gesorgt hatten. Lediglich die Biersorte musste bereits nach dem ersten Abend gewechselt werden, da ein Großteil von Stab und Kompanie am nächsten Tag mit »dickem Kopp« herumlief.
Das Jahr 1988 hielt zunächst Unerfreuliches bereit: Das Bataillon nahm mit dem Hauptgefechtsstand und den Kompanieführungsgruppen an der Brigaderahmenübung SCHNELLE GALEERE 88 im Raum Mittelholstein vom 26. bis 27.4.1988 teil.


 

3./PzGrenBtl 161 in SENNELAGER (1987 - M Baumann)
3./PzGrenBtl 161 in SENNELAGER (1987 - M Baumann)

Nach anfänglich planmäßig verlaufenen, simulierten Kampfhandlungen musste der Bataillonsstab in einen echten Einsatz. In der Nacht brach in einer Scheune des Gehöfts, auf dem der Gefechtsstand aufgebaut war, ein Feuer aus. Die Scheune, an die die Operationszentrale angelehnt war, brannte bis auf die Grundmauern nieder; das darin untergestellte Vieh konnte trotz sofortigem Rettungsversuch nicht mehr geborgen werden. Personal kann nicht zu Schaden, obwohl ein Großteil der Soldaten in der Scheune geruht hatte. Dagegen brannten ein Führungspanzer und ein Transportpanzer Fuchs vollständig aus. Dass der Schaden, insbesondere für das eingesetzte Personal, noch einigermaßen begrenzt werden konnte, ist dem beherzten, umsichtigen Handeln aller Beteiligten und insbesondere dem schnellen Eingreifen der Teileinheitsführer Feldwebel Boll, Stabsunteroffizier Anke, Oberfeldwebel Paetow und des Zivilkraftfahrers Lucht zu verdanken. Entscheidend für die Schadensbegrenzung war auch, dass die Aufteilung der Teileinheiten auf dem Gefechtsstand klar geregelt war und das gesamte Personal in die räumlichen Gegebenheiten genau eingewiesen war, obwohl der Gefechtsstand truppweise erst bei Dunkelheit bezogen worden war. Die Brandursache ist letztendlich nicht eindeutig geklärt worden; es wurde als wahrscheinliche Ursache angenommen, dass die Heizungsabgase eines Führungspanzers, der unter einem Schleppdach dicht neben der Holzscheune abgestellt war, leicht brennbares Material in der Scheune entzündet haben könnte.


Im Herbst 1988 verlegte nahezu das gesamte Bataillon in der Zeit vom 1. bis 25.10. nach Kanada. Die 2./161 und die 3.!161 übten auf dem Truppenübungsplatz SHILO. Da auch die 1./163 zu einem erheblichen Teil aus aktivem Mobilmachungsergänzungspersonal unseres Bataillons zusammengestellt war, waren wir fast komplett. Lediglich die 4. Kompanie wurde schmerzlich vermisst. Die hohe Übungsbereitschaft unserer Reservisten wurde durch Hauptfeldwebel d.R. Eggers, Feldwebel d.R. Lemke und Stabsunteroffizier d.R. Anlauf bestätigt, die als Wehrübende mit ihrem Einsatz die 2. 161 verstärkten. Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit herrschten tagsüber zum Teil sommerliche Temperaturen, und die Übungsbedingungen waren gut. Insbesondere die Führer und Unterführer hatten hier die Gelegenheit, sich intensiver als am Standort über die Kompanie- und Bataillonsgrenzen hinweg durch ausgiebiges gemeinsames Üben kennenzulernen. Daneben war auch das Kennenlernen der Weiten Kanadas mit seinen Nationalparks und der Austausch mit der Bevölkerung im »Country Club« und der nahen Ortschaft Brandon mit seinen Saloons und »Home-Parties« von besonderem Reiz.

6 Wochen später ging das Bataillon mit der 1. 161 und der vorher daheimgebliebenen 4.161 in der Zeit vom 14. bis 25.11. in der 6. Mobilmachungsübung auf den Truppenübungsplatz PUTLOS. Innerhalb dieser 12 Tage wurden durchgeführt: Aufnahme von 113 Alarmreservisten am 14.1 1.1988, Übernahme von Waffen, Kfz und Gerät, Einweisung an Gerät und Kfz, Schieß- und Gefechtsausbildung vom 16. bis 23.11., einschließlich der Gefechtsübung DREIKLANG 88 auf dem Standortübungsplatz Eutin und im freien Gelände und Ausschleusung der Alarmreservisten am 25.1 1.1988.

Hptm Obstmayer verlegte mit seiner 41 161 und einem Versorgungspaket der 1./161 bereits vor Eintreffen der personellen Alarmreserve im Eisenbahntransport nach PUTLOS. Die 1./161 folgte nach Aufstellung im Straßenmarsch. Allerdings ohne den Feldkoch Panzergrenadier d.R. Hammann, der seinen Dienst nicht angetreten hatte. Als die Feldjäger ihn am folgenden Wochenende auf einem Fußballfeld ertappten, gab er an, er habe sich um eine Woche vertan und wolle gern nach Ende des Spiels mitkommen. Da seine Mannschaft sonst geschwächt worden wäre, hatten die Feldjäger ein Einsehen und überstellten ihn uns erst nach gewonnenem Spiel. Hamann hat den Rest der Übung dann treu und brav in unserer Küche gedient.



Beide Kompanien schossen ein umfangreiches Programm mit guten Ergebnissen. Auch das sehr winterliche Wetter mit zum Teil »arktischen« Temperaturen tat dem keinen Abbruch. Die Kälte verlor auch etwas von ihrer Schärfe, nachdem der Kommandeur klargestellt hatte, dass die Kälteschutzbekleidung selbstverständlich auszugeben und zu tragen und nicht nur vom Feldwebel d.R. Wittenburg zu verwalten ist. Gute Motivation und fachliches Können insbesondere auch der Alarmreservisten ließen sich von Minustemperaturen und steifer Ostseebrise nicht ablenken. Die Gefechtsübung bestätigte den hohen Ausbildungsstand der 1./161. Verlegung und Aufbau der Gefechtsstände Haupt und Rück sowie der rückwärtigen Versorgungsdienste erfolgten zügig und routiniert unter der Leitung vom Hauptmann d.R. Bruhn, Oberleutnant d.R. Petersen und Hauptmann Numberger sowie dessen Kompanietruppführer Feldwebel d.R. Thiessenhusen. Auch der Truppenverbandsplatz wurde jeweils zweckmäßig lind schnell arbeitsbereit eingerichtet; das häufige gemeinsame Üben des »Reservistenteams« Truppenarzt Oberstabsarzt d.R. Dr. Holtz und Sanitätsgruppenführer Oberfeldwebel d.R. Schneider zeigte hier exemplarisch seine positive Wirkung. Zu Beginn des Jahres 1989, vorn 6. bis 10.3., war die 1.161 Gastgeber für den Panzerabwehrzug des 11. Jydske Dragonregiment. Aufgabe der Kompanie war vorrangig die Unterbringung und Betreuung dieser 35 dänischen Soldaten. Der Zug nahm an einer Gefechtsübung des Panzergrenadierbataillons 162 im Raum Elmenhorst teil und erholte sich anschließend bei unserer 1./- von den Strapazen. Gemeinsame Hafenrundfahrt und Besichtigung Hamburgs. inklusive Reeperbahn, sowie eine gesellige Abendveranstaltung schlossen den Besuch ab.
Mit dem Jahr 1991 wurde der Beginn der Auflösung des Bataillons eingeläutet. Wir taten ab diesem Zeitpunkt viele Dinge »ein letztes Mal«. Es begann am 12.4.1991. an denn die 1./161 ihre letzte Dienstliche Veranstaltung für Unteroffiziere und Offiziere des Stabes und der Stabs- und Versorgungskompanie durchführte. Der relativ frühe Zeitpunkt wurde gewählt, da nach der Festlegung des Auflösungsdatums bereits frühzeitig zahlreiche Personalveränderungen unsere Kompanien erheblich veränderten.

Vom 27. bis 29.5.1991 nahm das Bataillon noch an der Brigadestabsübung SCHNELLE GALEERE 91 teil. Das Besondere dieser Übung bestand darin, dass die Gefechtsstände in den Wentorfer Kasernen aufgebaut und während der Übung nicht verlegt wurden. Zum Schrecken des für den Aufbau verantwortlichen Kompaniefeldwebels 1./161, Hauptfeldwebel Krage, befahl der Bataillonskommandeur, die Operationszentrale im ABC-Übraum der Bismarck-Kaserne einzurichten. Diese Lösung erschien ihm als besonders realitätsnah, da das Gefechtsstandspersonal darauf trainiert war, die Operationszentrale möglichst in Gebäuden, wie z.B. Scheunen oder Dielen von Gehöften, aufzubauen. Dies garantierte eine schnelle, der Umgebung angepasste Tarnung und eine nahezu verzugslose Verlegebereitschaft. Bei dem gewählten Aufbauort befürchtete der Kompaniefeldwebel jedoch nicht ganz unbegründet, dass die Übung für das Bataillon unter Atemschutz stattfinden wird. Nach zweitägiger gründlicher Reinigung und intensiver Lüftung erschien der Aufbauplatz dann aber doch »bedingt geeignet«, das Gefechtsstandspersonal konnte »ungeschützt« die Übung durchstehen. Auffällig war jedoch, dass die »Gefechtsfeldbesucher«, die sonst gerne beim Bataillon verweilten, diesmal nur solange wie gerade für Absprachen oder ähnliches nötig bei uns blieben.


 

Auflösung in Bergen Hohne (1991 - Bataillonschronik)
Auflösung in Bergen Hohne (1991 - Bataillonschronik)

Die Brigadegefechtsübung GRÜNE EICHE 91 setzte für unser Bataillon einen Schlusspunkt. Das Bataillon stellte noch einmal Stabs- und Truppenschiedsrichter für das Panzergrenadierbataillon 162. Die Stabsschiedsrichtergruppe setzte sich aus dem durch einige Reservisten und aktives Ergänzungspersonal verstärkten Kaderpersonal zusammen. Insbesondere die Reservisten bewiesen hier ein letztes Mal ihre Leistungsfähigkeit und flexible Einsetzbarkeit, so profilierte sich z.B. der eingeplante Materialnachweisfeldwebel, Feldwebel d.R. Dwielies, als versierter Kommandant des Konmmandeurmarders, während Oberfeldwebel d.R. Otto wie immer routiniert für sichere Fernmeldeverbindungen sorgte.


 Am 1.9.1991, unmittelbar nach Abschluss der Gefechtsübung GRÜNE EICHE 91, entließ der Brigadekommandeur das Bataillon ein Jahr vor seiner endgültigen Auflösung mit einem Brigadeappell aus seinem Auftrag und würdigte dabei die Leistungen des Bataillons folgendermaßen: »...Ich möchte hier gerade den Alarmreservisten für ihr Engagement, ihre Freude und ihren Korpsgeist danken, mit dem sie das Bataillon lebendig und lebensfähig gemacht haben. Ich weiß, welche persönlichen Opfer an Zeit und Kraft dies bedeutet ... Aus einem so heterogenen, verwürfeltem Kreis einen Verband zu formen, dem Panzergrenadierbataillon 161 ein eigenes Gesicht zu gehen, war eine ständige Herausforderung; das konnte den Voraussetzungen nach an sich nur schiefgehen. Dass es dennoch gelungen ist, dass dieses Bataillon über Jahre eine anerkannte und unverkennbare Identität hatte - auch dokumentiert durch eine eigene Truppenfahne -, dass das Bataillon sich vielfach bewährt hat in den zurückliegenden 10 Jahren, ist eine Leistung, die ich nur anerkennen kann und zu der die Bataillonsfiührung, die immer wieder geforderten Offiziere und Unteroffiziere des aktiven Mobilmachungsergänzungspersonals und die Alarmreservisten alle an ihrer Stelle Wichtiges beigetragen haben.«

 

Danach kehrte Stille beim Bataillon ein. Viele Reservisten waren schon vorher zum Jägerbataillon 713 umgeplant worden, für die meisten anderen erfolgte jetzt die Umplanung in Abstimmung mit den Kreiswehrersatzämtern. Die Kampfkompanien veränderten sich deutlich. Die 4./161 lief leer und wurde aufgelöst, die 3./161 erhielt einen anderen Auftrag und wurde Unteroffizierlehrkompanie, und die 2./161 schließlich wurde umbenannt und dem Patenbataillon unterstellt. Das Kaderpersonal gab Material und Unterkünfte ab und zog sich für die letzten Tage noch ins »Altenheim« Holzhaus 5 zurück, bis das Panzergrenadierbataillon 162 als Abwicklungsdienststelle das restliche Material und die Tradition unseres stolzen Verbandes übernahm.

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Weitere Bilder des Panzergrenadierbataillons 161 finden sich im Fotoalbum unter:

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