Chronik des Panzergrenadierbataillons 162

Wappen PzGrenBtl 162
Wappen PzGrenBtl 162

Unser Bataillon hatte durch seine jahrzehntelange, wechselvolle Geschichte hindurch zwei treue Weggefährten. Es war zum einen die »Hausnummer« 162, die allen Umbenennungen, Umorganisationen. Unterstellungswechseln und Umzügen getrotzt hat, und zum anderen unser Wappentier, der Wolfskopf. Diesem Wappentier, bereits vom ersten Kommandeur gekürt, von mehreren seiner Nachfolger z. T. per Befehl verbannt, hielt das Unteroffizierkorps die Treue und führte es durch manche Hintertür solange immer wieder ein (mal als Dekoration für den Eingang des Unteroffizierheims, mal als Aufkleber auf Parkausweisen oder Aufdruck auf Biergläsern), bis es schließlich Anfang der 80er Jahre im offiziellen Verbandsabzeichen verewigt wurde. Unser Wappen zeigt in der linken Hälfte diesen überlieferten Wolfskopf auf infanteriegrünem Grund und gleichgewichtig daneben den Pferdekopf aus denn Kreiswappen auf rotem Grund, beides umrandet von einer schwarz-weiß gegliederten Borte als Hinweis auf die feste Einbindung in den Kreis Herzogtum Lauenburg. Die Entstehung des Wolfskopfes als Erkennungszeichen des Bataillons führt uns ins Gründungsjahr 1958 zurück. Als der erste Kommandeur, Oberstleutnant Mayrhofer, auf Flugblättern der KPD Husum und im »Freiheitssender 904« wegen seines Einsatzes als Offizier der Wehrmacht an der Ostfront als »scharfer Hund« bzw. »Jagdhund Mayrhofer« tituliert wurde, beauftragte dieser seinen taktischen Zeichner, ein zu diesen Bezeichnungen passendes Bataillonswappen zu entwerfen.

Das Grenadierbataillon 162 wurde unter Führung von Major Mayrhofer ab 1.10.1958 in Husum, der »grauen Stadt am Meer«, als Teil der Kampftruppe A6, später Panzergrenadierbrigade 16, aufgestellt. Als erste Unterkunft und Anlaufstelle der Personalabgaben der Grenadierbataillone 12 (Göttingen), 16 (Flensburg) und 51 (Nienburg) diente die noch nicht fertiggestellte Kaserne »draußen vor den Toren der Stadt«. Doch bereits am 1.3.1959 verlegte das Bataillon in die neugebaute Kaserne an der Matthias-Claudius-Straße 122, deren feierliche Übergabe jedoch erst am 22.10.1959 in Anwesenheit von Innenminister Dr. Lemke und Divisionskommandeur Generalmajor von der Groeben erfolgte. Weitere zwei Jahre später, am 20.7.1961, erhielt die Kaserne im Rahmen einer Feierstunde und im Beisein des Befehlshabers im Wehrbereich I, Konteradmiral Rogge, im Gedenken an den 20.7.1944 den Namen Julius-Leber-Kaserne.

In dieser Anfangszeit gab es noch allerlei Probleme. Oberstleutnant a.D. Diethlof von Klass-Thomsen erinnert sich: »Ich habe nach absolviertem UA-Lehrgang Rekruten ausgebildet und zeitweilig die Erkundungsgruppe geführt. Dazu hatte jede Kompanie mindestens einen Soldaten abzustellen. Und wie es dann so üblich ist, stellt man natürlich den schlechtesten der Kompanie ab. Man hatte mir eine Truppe zusammengestellt, mit der überhaupt nichts anzufangen war. Einer von ihnen hatte als Taubstummer im zivilen Leben Seife von Tür zu Tür verkauft, und keiner von ihnen hatte einen Beruf ausgeübt. Als ich mich im Urlaub befand, kontrollierte der Kommandeur diese Gruppe und wurde von den Gruppenangehörigen mit »Guten Morgen, Herr Leutnant« begrüßt. Als ich aus dem Urlaub zurückkehrte, musste ich sofort zu ihm, und er wollte mich eigentlich ablösen. Nachdem ich ihm jedoch erklärt hatte, wie es zu dieser Gruppe gekommen war, ging er mit mir durch die Kompanien, und ich konnte mir die Soldaten für diese Gruppe selbst aussuchen. Es wurde dann auch eine wirklich gute Gruppe, die im Bataillon volle Anerkennung fand.«


Auch die Versorgung mit Gütern aller Art klappte noch nicht so richtig, so dass in der Ausbildung häufig zu ungewöhnlichen Mitteln gegriffen werden musste. So erging es beispielweise Hauptmann a.D. Rudolf Oppermann wie folgt: Im Frühjahr 1959 führte die 2. Kompanie unter der Führung von Hauptmann Kellermann auf dem neben der Julius-Leber-Kaserne liegenden Standortübungsplatz eine Nachtübung durch. Stabsunteroffizier Oppermann vom Fernmeldezug der 1. Kompanie war als Führer der Feinddarstellung eingeteilt. Auf seine Frage bei der Übungseinweisung, wie viel Manövermunition er bekäme, lautete die Antwort: »Keine! Denken Sie sich was aus!«


Was er dann auch tat: Gefechtslärm und feindliches Maschinengewehrfeuer wurden bei Annäherung der Kompanie mit dem Feldessbesteck im Kochgeschirr hergestellt. Der Technische Dienst lief ebenfalls, wie die folgende Panne belegt, noch nicht ganz reibungslos ab. Oberstleutnant a.D. Hans Joachim Heinrici erinnert sich an einen zum Glück glimpflich verlaufenen Unfall: »Nachdem das Bataillon die neue Kaserne in Husum bezogen hatte, wurde festgestellt, dass die Wasseranschlüsse im Technischen Bereich nachgerüstet werden mussten. Bis dahin wurde das Waschen der Fahrzeuge vor den Unterkünften erlaubt. Als ein Soldat der 2./162 eines Sonnabends beim Waschen seines Unimogs aus dem Führerhaus einen Reinigungslappen holte, sprang der Motor aus nie geklärter Ursache an, und das Fahrzeug setzte sich in Bewegung. Der Unimog gewann an Geschwindigkeit und hielt auf den großen Abwasserkanal am Kasernenzaun zu. Der Kraftfahrer war derart verdattert, dass er nicht mehr auf den Wagen springen konnte, um ihn zu lenken oder zum Stehen zu bringen. Das Fahrzeug stürzte in den Kanal - Totalschaden. Von technischen Sachverständigen anschließend durchgeführte Versuche ergaben, dass nach unendlichen Nachstellungen des Vorganges sich dieselbe Situation ergab, wie an dem besagten Wochenende. Keine Schuld des Soldaten!

Zu dieser Zeit erhielt das Bataillon den Auftrag, Stellungen an den Übergängen des Nord-Ostsee-Kanals in einem festgelegten Abschnitt zu erkunden. Diese Aufgabe hatte ich als S 3 und stellvertretender Bataillonskommandeur gerade abgeschlossen, als ich mich beim Stab 6. Panzergrenadierdivision in Neumünster zu einer Besprechung zu melden hatte. Vom stellvertretenden Divisionskommandeur, Brigadegeneral Markert, wurde ich zum Mittagessen an seinen Tisch gebeten. (Man muss wissen, dass er ein wortkarger, strenger Vorgesetzter war. Von ihm wurde das Histörchen berichtet, dass sein Kraftführer während einer Dienstreise nach der Fahrtroute fragte, worauf der General geantwortet haben soll: »Reden Sie nicht soviel!«). Während der Vorsuppe sprach mich der General Markert mit den Worten an: »Was macht der Kanal?« Ich begann von den Erkundungsergebnissen an den Kanalübergängen zu berichten, wurde aber sofort unterbrochen mit den Worten: »Ach Unsinn! Ich meine die Situation am Abwasserkanal in der Husumer Kaserne.« Daran hatte ich wirklich nicht gedacht. dass der stellvertretende Divisionskommandeur mehr an unserem Abwasserkanal als an dem Ergebnis zur Sicherung der Übergänge am Nord-Ostsee-Kanal interessiert sein könnte.«


Natürlich kamen in jenen Tagen auch der Spaß und die Geselligkeit nicht zu kurz. Ein Beispiel dafür ist die folgende Episode: Am 12.2.1960 wurde im Rahmen eines Unteroffizierabends der 1. Kompanie der Kompaniechef, Major Joachim Heinrici, vom Kompaniefeldwebel und 1. Vorsitzenden des Unteroffizierkorps, Feldwebel Harry Härtel zum »Feldwebel h.c.« befördert. Major Heinrici, als gebürtiger Berliner stets zu Späßen bereit, nahm diese hohe Ehrung dankend entgegen. Wie es sich zu dieser Zeit gehörte, musste zum Zeichen der Zugehörigkeit und des Stehvermögens ein delikater Imbiss und ein nicht minder »wohl-schmeckender« Trunk zu sich genommen werden. Major Heinrici meisterte dieses bravourös, indem er, auf einem Stuhl stehend, sich Imbiss und Trunk vom Feldwebel Härtel und dem 2. Vorsitzenden, Oberfeldwebel Kurt Engler, servieren ließ. Hierbei bezog er die Handlanger mit ein; denn das Ganze wurde nun gerecht durch drei geteilt. Später nahm Feldwebel h.c. Heinrici (mit eigens für ihn gefertigten Aufsteckschlaufen, die heutigen gab es noch nicht) an jedem weiteren Unteroffizierabend teil, er gehörte von nun an dazu.

Februar 1962 war für die Männer des Bataillons der Ernstfall da. An der Nordseeküste überraschte am 16.2.1962 eine verheerende Sturmflut die Bevölkerung, viele Deiche brachen oder waren stark gefährdet. Das Bataillon kämpfte Seite an Seite mit der Bevölkerung, Hilfsdiensten und weiteren Kräften der Brigade im Großeinsatz an den Husumer Deichen, um die Schäden der Flutkatastrophe in Grenzen zu halten und Leben zu retten. Herr Günther Lucks, damals als Stabsunteroffizier in der 3. Kompanie, berichtet: »Am Freitag, dem 16.2.1962, wurde durch den Offizier vom Dienst, Feldwebel Kroneberger, gegen 17.30 Uhr Alarm ausgelöst. Außer den wenigen Glücklichen, die zu diesem Zeitpunkt die Kaserne schon verlassen hatten, konnten wir uns den Wochenendausgang abschminken. Der schon seit Tagen herrschende Sturm hatte uns viel Regen z.T. vermischt mit Schnee beschert und die ersten Ziegel von den Dächern gerissen, so dass wir die Blöcke nur noch durch die Kellereingänge an den Stirnseiten betreten konnten. An diesem Abend hatte der Sturm noch kräftig zugelegt. In der Kaserne fielen Strom und Telefon aus, und auch die Stadt Husum und Umgehung lagen im Dunkeln. Wir fuhren unsere Unimog 1,5 t vor und verluden Pioniergerät und Schanzzeug. Unser Kompanieoffizier, Leutnant Bulicek, ließ wie bei jedem Alarm auch die zusätzliche Bewaffnung wie Maschinengewehr und Bazooka verladen, obwohl es uns wenig zweckmäßig erschien. »Bei Alarm gehören alle Waffen in die Hand des Soldaten - Punktum!«. So kam es, dass die 3. Kompanie schwer bewaffnet, wenn auch ohne Munition, in den Kampf gegen den »Blanken Hans« auszog. Die Deichgrafen forderten unsere Hilfe über den Katastrophenstab meist in Gruppen- oder Zugstärke an, reichten uns aber auch z.T. in andere Abschnitte weiter, ohne den Stab zu informieren. Wir mussten weite Wege gehen und kamen deswegen bisweilen zu spät, weil wir unsere Fahrzeuge frühzeitig stehen lassen mussten: die Durchlässe in den Sommerdeichen und die Katastrophenwege durch die Köge waren für die Pferdefuhrwerke ausgelegt, nicht jedoch für unsere Unimogs. Als wir bis zum folgenden Abend durch die Flensburger Kameraden der Panzergrenadierbataillone 161 und 163 abgelöst wurden, stellten wir mit Erleichterung nach diesem gefährlichen Einsatz unter widrigsten Umständen fest, dass niemand vermisst wurde.«

Sturmflut an der Nordsee (1962 - Horst Krien)
Sturmflut an der Nordsee (1962 - Horst Krien)

Dieser Einsatz brachte dem Bataillon viele Sympathien in der Bevölkerung ein, mehr als es durch die gute Öffentlichkeitsarbeit je hätte erwerben können. Als Dank für die willkommene Hilfe zeichnete der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein etwa 400 Soldaten des Bataillons mit der Gedenkmedaille des Landes Schleswig-Holstein aus.


Sehr früh bereits erhielt das Bataillon ganz hohen Besuch. Der Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß kam im Herbst 1960 zu uns nach Husum. Dem Bataillon war dieser Besuch zeitgerecht angekündigt worden, so dass es sich bestens vorbereiten konnte. Ganz anders sah es da mit den »Besuchen«, d.h. Dienstaufsichten des Brigadekommandeurs aus. Oberst Neitzel war diesbezüglich für seine Unberechenbarkeit berühmt. Da half uns weder der Umstand, dass wir in Husum für das Brigadekommando in Flensburg »weitab vom Schuss« lagen, noch dass wir beste Beziehungen zur Schirrmeisterei der Stabskompanie der Brigade hergestellt hatten, um frühzeitig über Fahrbefehle mit Fahrtziel Husum unterrichtet zu werden. Hauptmann Steinke berichtet: »Wieder einmal war es unserem Brigadegeneral Neitzel durch Tarnen und Täuschen gelungen, ohne Vorankündigung das Kasernengelände in Husum zu betreten. Der Anmarsch erfolgte mit der Bahn bis nach Schleswig, von dort ließ er sich mit dem Dienstfahrzeug abholen. Im Übungsdorf des Standortübungsplatzes erfolgte der Kleiderwechsel, dann die Weiterfahrt zum Wachgebäude. Pünktlich um 22.30 Uhr wurde dort Bereitstellungsalarm ausgelöst. Das Interesse galt der 4. Kompanie und dem zur Zeit höchsten Dienstgrad, dem Spieß. Ihn begleitete er zum Geschäftszimmer. Dort und im Kompaniebereich geschah nun nichts mehr ohne Mitwissen des Generals, bis auf eine Ausnahme, und damit nahm das Schicksal seinen Lauf. Nach Ablauf bestimmter Alarmmaßnahmen und deren Vollzugsmeldung erfolgte die Überprüfung in Form einer Inspektion der Keller und Mannschaftsräume.


Die Kontrolle des ersten Schrankes im ersten Raum gegenüber dem UvD-Zimmer war vorm Erfolg des Generals gekrönt. Die Tür des Schrankes gab gleich beim ersten Öffnungsversuch verdächtig nach. Beim zweiten Anlauf sprang sie auf. Vor die Füße des Generals fiel, eine Flasche Bier in der Hand haltend, das Sorgenkind des Spießes. Er raffte sich auf, nahm Grundstellung ein und erstattete Meldung: »Herr General, ich melde. Gefreiter von Lathen bei einer kleinen Flasche Bier!« Die restlichen Flaschen standen sichtbar im Kasten auf denn Boden des Schrankes. Leidtragender war der anwesende UvD, Unteroffizier Kruse. »Herr Unteroffizier, wie kommt ein ausgewachsener Soldat in Zivil nach 22.30 Uhr - unbemerkt mit einem Kasten Bier am UvD-Zimmer vorbei, in seinen Schrank, um betrunken daraus herauszufallen?« Die verdutzten Gesichter der Beteiligten ersparten jede Antwort. Welcher wehrpflichtige Soldat nimmt schon gern an einer Alarmübung teil, wenn er noch fast zwei Stunden Urlaub hat?« Im Laufe der Jahre hatten sich auch Einheiten unseres Bataillons Maskottchen zugelegt. Die 5. Kompanie, wegen ihrer Ausstattung mit Panzern und schweren Waffen auch »schwere Kompanie« genannt, machte mit einem Pony den Anfang. Warum es gerade ein Pony war und ob es hier einen inneren Bezug gab (möglicherweise eine kritische Fahrzeuglage oder ähnliches), kann heute nicht mehr geklärt werden. Fest steht jedoch, dass das Pony zum Bewachen eines Biwakplatzes absolut ungeeignet war -- wie Hans-Jürgen Kruse, seinerzeit Unteroffizier, zu berichten weiß:

»Die 5. Kompanie hatte während des Aufenthalts auf dem Truppenübungsplatz PUTLOS im Jahre 1961 auf Vorschlag des Kompaniefeldwebels, Hauptfeldwebel Heinz Steinke, ein Ponyfohlen gekauft. Es hieß »Pilger«, wir nannten es jedoch »Pascha«. Er begleitete uns fortan zu jedem Übungsplatzaufenthalt, so auch zum SENNELAGER - obwohl streng verboten - in einem Unimog, der auf einem Eisenbahnwaggon verladen war. Die Seitenwände waren mit Strohballen gepolstert. Ich musste bei »Pascha« bleiben, um ihn ruhigzuhalten. Auf dem Truppenübungsplatz lief er frei herum. Wie damals üblich, biwakierten wir in Zelten. Fast jede Nacht wurden wir von stöbernden Wildschweinen heimgesucht; sie liefen einfach durch die Zelte und durchwühlten diese auf der Suche nach Nahrung. Ein Kamerad kam auf die Idee, eine Fallgrube zu bauen, um dem Übel ein Ende zu bereiten und außer-dem noch einen leckeren Braten zu ergattern. Eine Grube war schnell ausgehoben, mit dünnen Latten abgedeckt und mit Sand getarnt. In der Mitte wurden Speisereste deponiert. Gleich am ersten Tag waren wir mit dieser einfachen Methode erfolgreich: Am anderen Morgen hörten wir ein klägliches Wiehern. Es war zwar kein Wildschwein in unsere Falle gegangen, aber dafür war der neugierige und ewig hungrige »Pascha« in der Grube.« Pascha wurde mit dem Kranwagen der 1. Kompanie aus der Grube geholt.

Umrüstung auf den Mannschaftstransportwagen MTW M113

Wache der Julius Leber Kaserne in Husum (Günther Wagner)
Wache der Julius Leber Kaserne in Husum (Günther Wagner)

Der Umbenennung am 15.12.1966 in Panzergrenadierbataillon 162 (MTW) folgte im Frühjahr 1967 der Austausch der Lkw 1,5 t gegen MTW M 113. Mit der Ausbildung am und mit dem neuen Gerät wurde unverzüglich begonnen. Insbesondere die Schwimmausbildung mit MTW war Neuland für uns. Wir schulten die Fahrer an der Elbe bei Geesthacht, in Plön und zum Abschluss im April 1968 in Allermöhe an der »Doven Elbe«, wo wir auch eine Übung durchführten. Die Bewährungsprobe sollte das Bataillon während der Großübung WESER 68 im Mai bestehen. Auftrag war, nach Bildung eines Brückenkopfes, mit abgesessenen Kräften in der Nacht, am nächsten Morgen die MTW unter Führung des S 3 Stabsoffiziers, Major Helmut Fleischer, durch die Aller schwimmend nachzuführen. Kommandeur und abgesessene Kräfte bildeten den Brückenkopf planmäßig. Der Morgen brach jedoch mit Nebel, in dem das andere Ufer verschwand, an. An der vorgesehenen Übersetzstelle standen ein Pionier-MTW, der dem Bataillon vorausschwimmen sollte, und viel, viel Generalität, die sich das Schauspiel ansehen wollten. Später wurden auch unsere Fahrer ans Ufer befohlen, um die Übersetzstelle zu erkunden und das Hinüberschwimmen des Pionier-MTW zu beobachten. Auch mein Hauptgefreiter Hinkfuß lag stundenlang hinter einem ufernahen Gebüsch, bis die Pioniere endlich bei leidlicher Sicht in zügiger Fahrt in die Aller stürmten, die Mitte des Flusses erreichten und dort wie ein Stein absoffen. Die Besatzung schoss in unterschiedlichsten Bekleidungen wie ein Sektkorken aus der Mannschaftsluke und strebte den Rettungsbooten zu. Damit endete für unsere Fahrer abrupt der Ausbildungshöhepunkt, bevor er begann. Der Divisionskommandeur untersagte vorerst jeden weiteren Schwimmbetrieb, und so mussten wir lange warten, bis eine nicht vorbereitete Kriegsbrücke eingeschwommen war. 

Im März 1969 wurde das Bataillon im tief verschneiten Ostholstein während der Übung BATTLE CRY eingesetzt und verlegte mit allen Rad- und Kettenfahrzeugen mit Landungsbooten von Großenbrode um Fehmarn herum Richtung Kiel. Die Radfahrzeuge sollten in Laboe und die Kettenfahrzeuge am Schönberger Strand anlanden. Bei der Absprache mit dem Landungsbootgeschwader legte der Kommandeur Wert darauf, dass er auf dem Boot des Geschwaderkommandanten eingeschifft wird, um mit ihm den Einsatz des Bataillons koordinieren zu können. Aber wie der geübte Leser es natürlich schon ahnt, fand er sich auf dem Boot des jüngsten Leutnants zur See wieder, und zwar nicht auf der Kommandobrücke, sondern wie wir alle, mit Schwimmweste unter Deck. Die Landungsboote schienen am nächsten Wintermorgen bei herrlicher Sicht in der mit kleinen Eisschollen bedeckten Ostsee kurz vor dem Strand leicht dümpelnd mit ihrer wertvollen Fracht still vor sich hinzudösen, als wir plötzlich auf ein Zeichen der »Beach-Boys« der StrandmeisterKompanie losbrachen, durch die eiskalten Fluten mit unseren MTW an Land schwammen und durch hohe Schneewehen neuen Feinden entgegenstürmten - bis auf meinen MTW; da sich unser Divisionskommandeur, ein Hobbyfilmer, verspätet hatte, durften Hauptgefreiter Hinkfuß und ich ein zweites Mal »filmreif« anlanden und den anderen hinterhertoben.«


Unter der Führung von Oberstleutnant Prange bekam das Bataillon 1970 die einmalige Gelegenheit, geschlossen mit allem Gerät im Sachsenwald eine Übung westlich der Straße Friedrichsruh - Kuddewörde durchzuführen. Schnell hatte der Kommandeur das Übungskonzept zu Karte gebracht (eine Übungsanlage hatte bei ihm auf ein, zwei Kartenblättern Platz und enthielt außer den grob skizzierten Übungsphasen und der Truppeneinteilung keine weiteren taktischen Ergüsse). Die 5. Kompanie mit ihrer vielfältigen Ausstattung und hohen Beweglichkeit sollte durch hinhaltenden Kampf und Jagdkommandos den Angriff der MTW-Kompanien aufsplittern und südlich Grande, also erst am Nordrand des Sachsenwaldes, zum Stehen bringen. Der Kampf ging hin und her, und der Wald hallte nur so von Kettengeräuschen, Abschüssen, Detonationen und Schlachtrufen stürmender Grenadiere wider. Während wir bei der Annäherung noch Rudel friedlich äsender Rehe und beim An-griff im südlichen Teil des Waldes mehr Wild flüchten als Feind ausweichen sahen, trafen wir am letzten Tag hart südlich Grande außer einem verängstigten und vermutlich innen-dienstkranken Kaninchen in seinem Bau kein Stück Wild mehr an. 
Der Kommandeur war mit der Übung und der Waldbesitzer mit unserer Unterstützung zufrieden. Letzterer hatte uns in den Wald gelassen, da er wegen des Ausbaus der vorher gepflasterten Straße Friedrichsruh Grande zu einer viel befahrenen Teerstraße und der damit sprunghaft gestiegenen Zahl von Wildunfällen die Masse seines Wildbestandes ostwärts der Straße eingattern wollte. Mit dem Einfall, uns im Wald üben zu lassen, hatte er eine wirkungsvolle Methode gefunden, sein Wild für diesen »Umzug« ins Gatter zu gewinnen. Die offensichtlich vom Lärm aufgeschreckte Presse kannte jedoch als einzige den »wahren« Grund unserer Übung, nämlich: »Bundeswehr jagt Großkapital Wild vor die Flinte!« 


Brigadegeneral a.D. Prange schildert aus seiner Erinnerung einige Begebenheiten, aus denen hervorgeht, was das Bataillon Anfang der 70er unter anderem bewegte: »Im Herbst 1969 waren ca. 50 Stabsunteroffiziere im Bataillon, und zwar fast alle ohne Feldwebellehrgang und somit ohne Aussicht auf Be- und andere -fördereng. Grund hierfür war vorrangig die Unabkömmlichkeit dieser Unteroffiziere. Deren dennoch ungebrochenes Selbstbewusstsein fand in ihrem Zusammenschluss zur »OaS«, der »Organisation alter Staber«, seinen Ausdruck. Der Zusammenschluss diente nicht der Durchsetzung ihrer durchaus verständlichen Anliegen, sondern ausschließlich der Pflege der Kameradschaft. Um hier nun so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen, wurden trotz des auch weiterhin bestehenden Mangels an Unteroffizieren in jedem Quartal sechs der alten Staber zum Feldwebellehrgang kommandiert, so dass nach Ablauf von zwei .fahren die letzten Angehörigen der »OaS« diesen Lehrgang besucht haben konnten. Zum Dank für diese Maßnahme, die von der Stabsunteroffizier durchaus gewürdigt wurde, luden sie ihren Kommandeur bei dessen Ab-schied vom Bataillon, den viele von ihnen schon als Feldwebel erlebten, zu einem sehr feudalen Essen ein und überreichten ihm einen entsprechend gravierten Zinnbecher, auf den er noch heute stolz ist.


Ein beherrschendes Thema war damals sicher die »German Hairforce«. 1970 rückten auch bei uns die ersten Langhaarigen ein. Ihnen gegenüber war die politische Führung absolut hilflos. Es jagte ein »Haarerlaß« den anderen, geholfen hat uns das aber nicht. Diese seltsamen Erlasse waren im Gegenteil eher dazu angetan, die ganze Bundeswehr in den Augen der Öffentlichkeit lächerlich zu machen. Niemals war der »Abschreckungseffekt« unserer Armee größer als in jenen Jahren. Hinzu kam, dass es unter den Langhaarigen, die bei uns dienten, auch noch eine ganze Reihe von Drogenabhängigen gab. Praktisch jede Kompanie hatte ihren Drogenring. Hauptumschlagplätze für diese Drogen waren die Küche und der Sanitätsbereich. Ständig waren ca. 6 bis 8 Soldaten eigenmächtig abwesend, und eine weitere etwa gleich starke Gruppe saß ebenso ständig im Amtsgericht Schwarzenbek in Untersuchungshaft. Ganz allgemein war das äußere Erscheinungsbild der Vaterlandsverteidiger und deren Disziplin so schlecht wie nie zuvor und zum Glück ja auch später nicht mehr. Die messbare Folge dieses beklagenswerten Zustandes waren insgesamt siebeneinhalb Jahre Arrest, die in meiner Kommandeurzeit gegen Soldaten des Bataillons verhängt wurden!



Ein bezeichnendes Beispiel dafür, dass auch unsere Militärische Führung aufgrund der politischen Vorgaben dem Phänomen der langen Haare ziemlich hilflos gegenüberstand, wird im folgenden geschildert: Als dem Bataillon eines Tages einmal der überraschende Besuch unseres Kommandierenden Generals für den Nachmittag angekündigt wurde, ließ ich mittags die Kasernenwache ablösen und durch eine Wache aus lauter unmöglich aussehenden Langhaarigen ersetzen. Der arme Unteroffizier, der diesen Haufen führen und dem Kommandierenden General bei der Meldung vorzeigen musste, verstand das Anliegen seines Kommandeurs und machte gute Miene zum bösen Spiel. Als die Wache dann dem Kommandierenden General gemeldet wurde, verlor einer der Soldaten bei der Blickwendung seinen Helm, und auch sonst war das Erscheinungsbild dieser Wache geradezu grotesk. Ich stand etwas abseits und wartete eigentlich auf ein Donnerwetter, auf das ich argumentativ allerdings gut vorbereitet war. Es geschah aber nichts dergleichen. Der Kommandierende General fragte mich vielmehr freundlich, was ich ihm denn zeigen wolle. Meinen Vorschlag: »Am liebsten den Sanitätsbereich, Herr General, dort liegen jetzt noch (es war, wie gesagt, früher Nachmittag) etwa 30 Soldaten auf dem Flur und warten auf Behandlung«, akzeptierte er leider nicht, er wollte »etwas Erfreuliches« sehen. So etwas konnte das Bataillon natürlich auch bieten, zuvor aber noch eine Erklärung zu den Zuständen im Sanitätsbereich. Als Truppenärzte »wirkten« zu dieser Zeit die sog. W3er. Das waren junge, urgediente Stabsärzte, die frisch von der Uni kamen, und nur drei Monate zu dienen brauchten. 
Diese Leute waren mit der ihnen gestellten Aufgabe hoffnungslos überfordert.


Zurück zu unserer Geschichte. Wie häufiger in solchen Fällen, wurde nun der Chef der 4. Kompanie, Oberleutnant »Uli« Schecker, zuständig für das »Erfreuliche«. Er glänzte wie immer, so dass der hohe Besuch befriedigt wieder abzog. Seine Eindrücke von dem Besuch bei uns fasste der Kommandierende General dann dem Brigadekommandeur gegenüber wie folgt zusammen: »Ich habe da bei 162 einen ganz ausgezeichneten jungen Kompaniechef bei der Ausbildung seiner Unteroffizieranwärter erlebt, der Bataillonskommandeur scheint aber wohl schon resigniert zu haben, ihn kann man wohl nicht weiterempfehlen.« 


Unter den Langhaarigen gab es aber auch gute Soldaten und sportliche Typen, die durchaus zu großen Leistungen zu motivieren waren. Die besten von ihnen wurden nach der Allgemeinen Grundausbildung in den jeweiligen NEC-Zug versetzt, den der Hauptfeldwebel Jeutter führte. In diesem NEC-Zug wurden die Soldaten je nach Diensteintritt zwei/drei Quartale lang in harter Ausbildung auf den ja auch körperlich sehr fordernden NEC-Wettkampf im Herbst eines jeden Jahres vorbereitet. Damals wurden die teilnehmenden Mannschaften immer erst kurz vor dem Wettkampf durch den CINCNORTH persönlich unter allen Infanteriebataillonen der Division ausgelost. D. h., es mussten sich stets alle Panzergrenadier- und Jägerbataillone der Division auf den Wettkampf vorbereiten, ohne zu wissen, ob sie zum eigentlichen Wettkampf ausgewählt werden würden oder nicht. Für den Ausbildungsstand der damaligen Infanteriebataillone war dieses Verfahren natürlich von Vorteil, für die nicht ausgewählten Bataillone - und das war stets die Masse - aber höchst frustrierend. Um diesem Frust zu begegnen, wurde vor dem eigentlichen Wettkampf ein »NEC- Vorwettkampf« auf Divisionsebene durchgeführt. Diesen gewannen unsere Mannschaften schon 1970 mit deutlichem Vorsprung, erfuhren dann aber noch am Tage ihres Sieges, dass sie für den eigentlichen Wettkampf nicht ausgelost worden waren. Dafür wurden dann aber im folgenden Jahr gleich beide Mannschaften von 162 ausgelost. Die Soldaten dieser Mannschaften waren nun inzwischen alle langhaarig. Alle Bemühungen, die zum Teil auch mit handfesten Versprechungen (z.B. Sonderurlaub) verbunden waren, die Wettkämpfer da-hin zu bringen, sich wenigstens für den eigentlichen Wettkampf die Haare schneiden zu lassen, waren jedoch vergeblich. Sie wollten zeigen, dass sie auch mit langen Haaren gewinnen können. Und das taten sie dann auch. Sie gewannen Gold und Silber und die begehrte Trophäe für den Mannschaftssieg. Zu ihrer Heimkehr war dann das ganze Bataillon angetreten, die Sieger schritten die Front ab und wurden am Ende des Appells ausnahmslos und ohne Rücksicht auf ihren bisherigen Dienstgrad bzw. ihr »Konto« im Disziplinarbuch zu Obergefreiten befördert. Manch einer übersprang dabei den Dienstgrad eines Gefreiten. Irgendwelche Regressansprüche hat es deswegen aber nicht gegeben.

Die 1970er Jahre

KaJaPa in der Bismarck Kaserne (Gunnar Berke)
KaJaPa in der Bismarck Kaserne (Gunnar Berke)

Leider wurde meine Kommandeurzeit durch Schicksalsschläge und Trauer überschattet. Das Jahr 1970 war für unser Bataillon ein schwarzes Jahr, wohl das schwärzeste seiner gesamten Geschichte. Danach hat es zum Glück nie wieder etwas Vergleichbares gegeben. In diesem Jahr verlor das Bataillon insgesamt acht Soldaten durch tödliche Unfälle bzw. Selbsttötungen. Zwei Unteroffiziere und ein Rekrut nahmen sich das Leben, und ein weiterer Unteroffizier und vier Mannschaften verunglückten tödlich. Auch wenn sich alle diese Unfälle außer Dienst ereigneten und es für die Selbsttötungen keinerlei dienstliche Gründe gab, hat mich, und sicher nicht nur mich, diese Serie von Schicksalsschlägen damals sehr stark belastet. In den 12 Jahren, die das Bataillon 1970 schon bestand, hatte es insgesamt nicht so viele tödliche Unfälle gegeben!«



Viele Jahre später, als General Prange in den Ruhestand versetzt wurde, verabschiedete das Bataillon diesen beliebten Kommandeur mit einem »lnfanterieparcours« in der Wentorfer Lohe im Beisein vieler Ehemaliger. Die Aufgaben steigerten sich von Fliegerabwehrschießen über Alarmposten und Einsatz als Kradmelder bis hin zum Führen über Funk aus dem Bataillonsgefechtsstand. Geprüft wurde das Verschleiern im Funksprechverkehr. Gedoubelte Nachbarkommandeure überschütteten ihn pausenlos mit nach Sprechtafel verschleierten Texten über Funk und wollten Absprachen mit ihm im laufenden Gefecht treffen. Sofort hörte er aus dem Stimmengewirr den einzigen »echten« Kommandeur heraus, seinen Weggefährten und ehemaligen Kommandeur 164, Oberstleutnant Lueder, und funkte mit ihm mit ihrer Verschleierungsmethode alter Zeiten, nämlich in »Mecklenburger Platt« im Klartext, und löste somit auch diese Prüfungsaufgabe souverän.


Am 1.10.1971 wurde das Bataillon in Jägerbataillon 162 (MTW) umbenannt, wodurch sich die Ausrüstung des Bataillons kaum, das Erscheinungsbild dagegen jedoch entscheidend änderte: Ab sofort trugen wir als erste weit und breit »unser« grünes Barett. Wir trugen es gern und stolz, andere Kopfbedeckungen waren verpönt, und selbst beim scharfen Handgranatenwerfen wurde der Stahlhelm nur noch zähneknirschend aufgesetzt, und das auch nur kurzzeitig. Die Ausbilder der AusbildungsKompanie 3./6 heulten dem Kommandeur solange die Ohren voll, bis auch sie (nach Ansicht ihres Chefs ungerechtfertigterweise) das Barett tragen durften.


Hauptfeldwebel Eugen Kroneberger, Inbegriff für Organisation von Veranstaltungen aller Art, Betreuung von Familienangehörigen des Bataillons, Herstellung von jeder Menge Räucherfisch für rustikale Feste und »Vertretung« des Deutschen Bundeswehrverbandes im Bataillonsstab, wurde am 15.1.1972 mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Als es noch lange nicht die Stelle eines Kasernenfeldwebels gab, übte Hauptfeldwebel Kroneberger schon eine vergleichbare Tätigkeit aus und führte daneben u.a. Kinderfeste mit Seifenkistenrennen durch, organsierte (etwas am Kommandeur vorbei) einen Ausflug des halben Bataillons in der Dienstzeit mit dem Musikdampfer »Sonamento« nach Helgoland (die zweite Hälfte musste darauf verzichten, weil der Kommandeur dahintergekommen war), hielt Verbindung zu befreundeten Verbänden und Organisationen und leitete jahrelang traditionelle Veranstaltungen, wie z.B. die »Lotto-Abende« in der Vorweihnachtszeit, bei denen sich so mancher Jahr für Jahr vergnügte und nebenbei seine Weihnachtsgans »erspielte«. Hätten wir Eugen Kroneberger nicht gehabt, wäre das Bataillon um vieles ärmer gewesen!

Oberstleutnant Heintke setzt seine Erinnerungen fort: »Mit Oberstleutnant Magunia bekamen wir in mancherlei Hinsicht einen etwas anderen Kommandeur; für uns war das besonders wegen seiner unmittelbaren Nachfolge auf »Hein Prange« spürbar. Sein preußisches Auftreten gab uns bisweilen das Gefühl, er sei noch ein Verfechter der Leibeigenschaft. Ab sofort galten folgende Grundsätze: offenes Fenster und Ärmel halbhoch (unabhängig vom Wetter) bei allen Chef- und sonstigen Besprechungen im Kommandeurzimmer, offiziermäßiges Auftreten in Form und Stil, und als Ausdruck dafür häufiges Üben des perfekten Handkusses in der OA-Weiterbildung (mein Leutnant Schmidt wollte dabei auch mal den Part der Dame spielen, durfte aber nicht), einheitlich lautstarke Kommando- und Aussprache, unabhängig vom Anlass; wir brüllten also auch bei der Nachtausbildung, Begrüßung von Gästen auf Empfängen usw., und jede Weiterbildung beinhaltete kriegsgeschichtliche Beispiele. Letzteres führte in einem Fall dazu, dass beim anschließenden gemütlichen Beisammensein der Kommandeur so in sein Beispiel (der Feldzug einer Division durch Russlands Weiten) vertieft war, dass er die Auflassung zum Trinken vergaß und vom Hauptmann Lüdemann, Chef 3./162, wie folgt daran erinnert wurde: »Herr Oberstleutnant, darf ich Ihre Abschlussbesprechung des Weltkrieges kurz unterbrechen, damit das Bier nicht schal wird?« 



In diese Zeit fiel die Verkürzung des Wehrdienstes auf 15 Monate und damit einhergehend die quartalsweise Auffüllung der Kompanien und die sogenannte »Verwürfelung«. Mit diesen Maßnahmen wurde nachhaltig sichergestellt, dass die Kampfkompanien stets auf einem niedrigen Ausbildungsniveau gehalten wurden, dass Zusammenwachsen von Kampfgemeinschaften erschwert wurde, die »alten Hasen« den Jungen durch die sog. »Vordermannausbildung« weniger militärische Kenntnisse als Tricks zum Verdrücken weitergaben und die Führer das Gefühl hatten, immer auf der Stelle zu treten, da sie jedes Quartal mit einem Viertel der Kompanie von vorn anfingen. Die 3. Kompanie traf es gleich mit voller Härte; sie wurde nach Entlassung des letzten Schuhs W 18er nicht mehr mit Rekruten aufgefüllt, und Hauptmann Lüdemann versammelte aus der ganzen Region Soldaten, die er anderen Chefs abschnacken konnte, um zumindest noch Zugstärke halten zu können. Mit einem solch geringen Personalbestand, allerdings mit einem prall gefüllten »Disziplinarkonto«, 
übergab er mir die Kompanie. Heimlicher Führer dieses Haufens war nicht der Zugführer Oberfeldwebel Loch, sondern Gefreiter Heller, ein offenbar »schwerer Junge«. Vor ihm kuschten alle anderen, bis der Spieß. Hauptfeldwebel Manfred Gehrmann, eine Sammlung für das Soldatenhilfswerk durchführte. Er ließ dazu auf dem Oberboden einen Boxring aufbauen und lud alle Interessierten des Bataillons gegen geringen Eintritt ein. Geboten wurde:



  • ein auflockernder »Schaukampf« von zwei Spaßvögeln,
  • 1 bis 2 »Freundschaftskämpfe« von Freiwilligen und als Höhepunkt
  • das Angebot »Mannschaften fordern Unterführer heraus«.


Dieser »Höhepunkt« schmeckte mir nicht. Da der Spieß trotz meiner Hinweise auf diese »Verbrecherbande« mir versicherte, dass das alles harmlos ist und alle Unterführer einverstanden waren, willigte ich schließlich ein. Wir hatten viele Gäste, die Stimmung war toll, und die ersten Kämpfe verliefen wunschgemäß. Doch zum Schluss bahnte sich die von mir befürchtete Katastrophe an: Der gefürchtete Gefreite Heller forderte den eher zierlichen Fahnenjunker Zacharias heraus. Die erste Runde war ein vorsichtiges Abtasten mit leichten Vorteilen für heller, der Fahnenjunker musste ein paar »mittelschwere Dinger« einstecken. In der zweiten Runde wollte Heller offensichtlich alles klarmachen und stürmte auf den Fahnenjunker zu. Doch dieser blockte geschickt ab und war plötzlich wie entfesselt. Er trieb Heller vor sich her und hätte ihn vermutlich k.o. geschlagen, wenn dieser nicht aus dem Ring direkt in seine Stube geflüchtet wäre. Die Veranstaltung hatte unerwartete Nebenwirkungen: Heller war seine »Anführerrolle« los, und bei Vernehmungen bekam ich auf ein-mal Aussagen, mit denen ich ihn »festnageln« konnte, und der Zugführer hatte kaum noch Disziplinschwierigkeiten.


1972 verlegte das Bataillon mit Oberstleutnant Verstl für drei Wochen auf den Truppenübungsplatz WILDFLECKEN. Für uns alle eine starke Herausforderung, aber auch willkommene Abwechslung. Erstmalig drei Wochen in einem Stück üben und schießen, ein langer Anmarschweg, der gleich ab Bad Brückenau nahtlos ins erste Übungswochenende über-ging (»Sprengung« der Bahngleise), ein uns unbekannter Platz mit ungewohnt bergigem Gelände, in dem die MTW zum Teil Mühe hatten, die Schießbahnen zu erreichen, und ausgesprochen herzliche Aufnahme bei der Bevölkerung am Platzrand.


Zu einem Schießen der Kompanie auf Bahn 12 unter Leitung des Oberleutnants Peter Hisgen fuhr ich mit einem Krad zur Dienstaufsicht. Das Wetter war prima, das Schießen lief gut, und Pfarrer Reinke hatten wir bereits (ungewollt) samt seinem Helfer Herrn Westermann durch einen Schuss mit der schweren Panzerfaust vertrieben, als Oberstleutnant Verstl kam und sich einen Schießdurchgang anschaute. Beiläufig hatte er mich gefragt, ob ich ihn später mit ins Lager nehmen könne, da er seinen Wagen zum Instandsetzungszug schicken wollte. Ich hatte dies gern und wahrheitsgemäß bejaht. Zufrieden mit unseren Leistungen bat er irgendwann darum, dass wir losfahren. Meine Männer hatten darauf nur gewartet. Dem Kommandeur und mir wurden Kradhelme, Handschuhe usw. gebracht. Ich schmiss die Maschine an und bat den Kommandeur, hinter mir Platz zu nehmen. Unsicher stieg er auf, und die Fahrt begann. Ich bekam kaum Luft, da der Kommandeur sich unheimlich fest-klammerte. Im Lager angekommen, sprang er sofort vom Krad und machte mich nieder. Ich hätte ihm melden müssen, dass ich meinen Chefwagen nicht auf der Bahn hatte, und ich hätte wissen müssen, dass er eins hasst: mitfahren auf dem Sozius! Jetzt wusste ich es für alle Zeiten!

Das Jahr 1975 war (wie eigentlich die ganze Kommandeurzeit von Oberstleutnant Eikliebe) ein ausgesprochen übungsintensives Jahr, und der Truppenübungsplatz BERGEN wurde für 162 fast zur zweiten Heimat. Zunächst rüstete das Bataillon die 2. und 3. Kompanie auf fabrikneue Schützenpanzer Marder um. Hierbei handelte es sich um eine Sonderfertigung der Firma MAK. Kiel, die nur für die Panzergrenadierbataillone 162 und 172 mit den bekannten fortlaufenden »804 Y-Nummern« hergestellt wurde. Gleichzeitig wurden dem Bataillon Lkw 1,5 t Unimog als Gruppenfahrzeuge für die Ausbildung und Durchführung der Heeresversuchsübung LV 75 (als Jägerbataillon 76) zugewiesen. Das gesamte Bataillon grub sich in dieser Übung mit Mann und Marder, Gerät und allen Rad- und Kettenfahrzeugen auf dem Truppenübungsplatz BERGEN ein. Prägend für dieses Jahr war auch, dass viele Kraftfahrer des Bataillons drei Fahrzeuge zu führen hatten. Montags und dienstags einen MTW M 113, mittwochs und donnerstags einen Unimog und an Freitagen, allerdings nur bei schönem Wetter, einen nagelneuen Marder. 

Im Januar 1976 war wie immer Verlass auf die Soldaten unseres Bataillons: Mit vielen tau-send anderen Soldaten kämpften sie erfolgreich gegen die Sturmflut an der Nordseeküste und halfen bei der Beseitigung der entstandenen Schäden. Ein Jahr später, am 26.1.1977, hieß es dafür mal zur Abwechslung bei uns in der Kaserne »Land unter«, und nur mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehren der umliegenden Gemeinden konnte die Überschwemmung in der Bismarck-Kaserne beseitigt werden.«


Oberstleutnant Volker Behrends, elf Jahre lang Chef der 1. Kompanie, berichtet vom traurigen Ende des Kompaniemaskottchens: »Der Instandsetzungsführer, Hauptfeldwebel Peter Verges, besaß ein Haus mit einem Hanggrundstück in Lauenburg. Nachdem er Soldaten seines Zuges offenbar mehrfach von den Schwierigkeiten, den Rasen am Hang zu mähen, berichtet hatte, sann man, auch aus Gründen der Fürsorge für Vorgesetzte, auf Abhilfe. Diese wurde geschaffen durch den Kauf einer (Berg-)Ziege. Einige Zeit hat dann wohl auch dieser »Rasenmäher« recht gut funktioniert. Dann aber beklagten sich die Nachbarn über die lauten Motorgeräusche (sprich Meckern), und so musste diese Ziege weg. Nach Über-winden unendlicher Schwierigkeiten (Tierhaltung in Liegenschaften der Bundeswehr) fand »Herbie« ein neues Zuhause in der Bismarck-Kaserne. Zwischen den Fahrzeughallen gegenüber der Werkhalle entstand ein Ziegenstall mit Auslauf. Herbie wurde Maskottchen der 1./162. Sie hatte gute und weniger gute Eigenschaften. Lange konnte sie sich im Kasernengelände frei bewegen. Sie fraß die Zigarettenkippen in der Werkhalle, diente den Soldaten zum Abwischen ölverschmierter Hände und als Abwechslung in den Pausen. In einem transportablen Stall nahm sie auch an Truppenübungsplatzaufenthalten teil. Mit Vorliebe fraß sie den Nachbar-Kompaniefeldwebeln die Blumen in den Vorgärten ab und unternahm Ausflüge bis zum Küchengebäude. Ihr Ende war jedoch unrühmlich. Zu jener Zeit war der Oberleutnant Jensen unser Kasernenoffizier. Er besaß einen Jagdhund, den er oft auf seine Kasernenrundgänge mitnahm. Eines Tages nun packte diesen Hund eine übermäßige Jagdleidenschaft, und er übersprang den Zaun zu Herbies Gehege. Was weiter geschah, ist unter den Chronisten noch heute umstritten. Es gibt zwei Versionen. Nach der ersten erlitt Herbie ob dieses unerhörten Tuns einen Schlaganfall, dem sie erlag. Nach der anderen, wohl glaubhafteren Version, biss der Hund die Ziege tot. Große Trauer in der 1./162. Die Haftpflichtversicherung des Oberleutnants leistete Schadenersatz. Auf dem Fischmarkt wurde »Herbie 2« gekauft. Damit er nicht so allein war, wurde dort später auch ein weißes Kaninchen erstanden. Bald darauf bevölkerten grau-weiße Kaninchen die Kaserne. Herbie 2 war weniger friedlich. Mit seinen Hörnern fuhr er mit Vorliebe Damen an die Waden, weshalb er zu strenger Klausur verurteilt werden musste.

1979 machte das Bataillon einige Schlagzeilen. Eine lautete: »Wentorfer Panzerspitzen im Schneegefecht«, in der Bergedorfer Zeitung vom 5. Januar 1979. Teile des Bataillons waren im Einsatz und kämpften gegen die Schneemassen nördlich des Nord-Ostsee-Kanals. Hier-bei gab es auch ein Wiedersehen mit der Geburtsstadt Husum, wo das Bataillon mit zwei Bergepanzern mehrere Tage im Einsatz war.




Im Oktober konnte man in der Tageszeitung »Die Welt« lesen: »Die Amokfahrt eines 20jährigen Bundeswehrgefreiten mit einem Schützenpanzer vom Typ Marder durch Hamburg konnte gestern erst nach längerer Verfolgungsjagd gestoppt werden. Nach Angaben der Polizei raste der Gefreite mit Geschwindigkeiten bis zu 70 Stundenkilometer von der Bismarck-Kaserne in Wentorf in Richtung Hamburger Innenstadt. Dabei zerstörte er mehrere Fahrzeuge völlig, vier Personen wurden verletzt. Nach ersten Schätzungen belaufen sich die Schäden auf etwa 100 000 Mark. Die Insassen zweier Personenwagen, deren linke Fahrzeughälfte der Panzer niedergewalzt hatte, sind mit leichten Verletzungen davongekommen. Es handelt sich um ein Ehepaar im Alter von 30 Jahren und deren acht Monate altes Kind. Nicht einmal ein querstehender Lastwagen konnte den 20jährigen Gefreiten auf-halten. Nachdem er den Laster zunächst mit seinem Panzer gerammt hatte, setzte er zurück und umfuhr das Hindernis. Erst in einem Verkehrsstau in der Innenstadt konnte ein 27 Jahre alter Feldwebel auf den Marder aufspringen und den Fahrer überwältigen. Als Motiv gab der Amokfahrer an: »Mir stinkt alles.«


Die 1980er Jahre

Gewinnerteam JgPokal 4./PzGrenBtl 162 (1983 - Michael Scholtysek)
Gewinnerteam JgPokal 4./PzGrenBtl 162 (1983 - Michael Scholtysek)

Das Jahr 1980 hielt Höhe- und Tiefpunkte bereit: Ein Höhepunkt war sicherlich die gemeinsame Ausbildung mit unseren nördlichen NATO-Partnern. Zunächst war unsere 3./162 für eine Woche auf dem Truppenübungsplatz BORRIS im Nordosten Dänemarks zu gemeinsamer Ausbildung mit dem in Aalborg stationierten 1. Bataillon Dronningen Live Regiment, und im Oktober waren wir mit Soldaten des gleichen Regiments auf dem Truppenübungsplatz in HAMMELBURG. Neben den Möglichkeiten, die sich dort für die Ausbildung boten, genossen die dänischen Kameraden auch bayerisches Bier und fränkische Gastlichkeit. Ein Tiefpunkt war zumindest für die Kameraden der NachschubausbildungsKompanie 3./6 unter Kompaniechef Hauptmann Buschung die Auflösung der Kompanie nach 20jähriger erfolgreicher Ausbildung vieler Generationen von Rekruten als eine der ersten Maßnahmen zur Einnahme der Heeresstruktur 4. Der vom Kompaniefeldwebel Norbert Fischer liebevoll vorbereitete Abschlussball in den Räumen der Unteroffizierheimgesellschaft der Bose-Bergmann-Kaserne wurde dann auch nicht zu einem rauschenden Tanzvergnügen, da bei den meisten Angehörigen des Unteroffizierkorps Wehmut und Betroffenheit vorherrschten. 


Die Einnahme der Heeresstruktur 4 brachte 1981 eine Menge Unruhe und Veränderung ins Bataillon und in die Kaserne. Mit Ausnahme der 1. und 2. Kompanie war man nicht mehr alleiniger Herr im Hause, sondern musste sich ein Kompaniegebäude mit einer weiteren Kompanie teilen, so wie sich das Bataillon mit dem neu aufgestellten Jägerbataillon 66 die Kaserne teilen musste.
Am 1.10.1983 feierte das Bataillon unter Oberstleutnant Neumann sein 25jähriges Bestehen und seine 20jährige Stationierung in Wentorf mit einer ganzen Serie von Veranstaltungen. Unter anderem kehrte Oberstleutnant Neumann in einer Führerweiterbildung »25 Jahre Panzergrenadierbataillon 162 - bereits eine eigene Tradition?« an die Geburtsstätte des Bataillons, Husum, mit »Männern der ersten Stunde« zurück. Bei dieser Exkursion in die Vergangenheit, die auch von der Stadt Husum aufmerksam verfolgt und unterstützt wurde. begleiteten den Kommandeur die Stabsfeldwebel Kroneberger, Nay und Wagner sowie die Hauptfeldwebel Borchert, Krieter und Saul. Bei dem fälligen Bataillonsappell überreichte Fürst Ferdinand von Bismarck dem Bataillon eine Statue des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck. Das feierliche Kernstück war die Aufführung des Großen Zapfenstreiches auf dem Sportplatz Marienburg vor der malerischen Kulisse des Billetals ( mit der Tatsache, dass die SPD-Fraktion Wentorf aus grundsätzlichen Bedenken dieser Veranstaltung fern-blieb, konnten wir leben). Beim anschließenden Empfang in der Realschule tauschten Bürgermeister Werwinski und unser Kommandeur als Ausdruck der besonderen Verbundenheit die Urkunden zur Ernennung unseres Bataillons zum »Hausbataillon« aus. Auf der Fest-wiese feierte das Bataillon mit der Bevölkerung und den Ehemaligen zwei Tage lang in einem riesigen Festzelt, und am dritten Tag trafen sich dort noch die Unermüdlichen zu einem Frühschoppen bzw. Katerfrühstück.


Die Gemeinde Wentorf bei Hamburg
Die jüngere Geschichte der Gemeinde Wentorf bei Hamburg wird in vielfältiger Weise von den 1937/38 gebauten Bose-Bergmann- und Bismarck-Kasernen geprägt. Die großen Bauten an der Hamburger bzw. Berliner Landstraße dominieren in der Gemeinde nicht nur durch ihren Umfang und ihre Größe, sondern aufgrund der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Folgen, die sie für die Gemeinde seit über 50 Jahren gehabt haben.

An der Nutzung der Kasernen kann ein anschauliches Stück deutscher Zeitgeschichte abgelesen werden. Zwischen 1938 und 1945 beherbergten sie Wehrmachtssoldaten, zwischen 1945 und 1952 wurden sie zum größten Displaced-Persons-Lager Schleswig-Holsteins (d.h. ehemalige Fremd- und Zwangsarbeiter, vornehmlich aus dem Osten Europas) um-funktioniert, zwischen 1952 und 1960 wurden sie dann als Flüchtlingsdurchgangs- und Heimatvertriebenenlager genutzt. Als der Flüchtlingsstrom aus dem Osten Anfang der 60er Jahre versiegte, erlangten die Kasernen wieder eine militärische Nutzung. Als Folge des Kalten Krieges kamen 1960 die ersten Bundeswehrsoldaten - Luftwaffensoldaten - nach Wentorf. 1963 zog als erster Verband das Panzergrenadierbataillon 162, das spätere »Hausbataillon« der Gemeinde, in die Wentorfer Kasernen ein. Die Nutzung durch die Bundeswehr geht nunmehr dem Ende zu. Bis Dezember 1994 wird nach den Anfang 1993 bekannt gegebenen »vorgezogenen Maßnahmen zur Realisierung der Heeresstruktur 5« die Panzergrenadierbrigade 16 aufgelöst. Damit verlieren die Wentorfer Kasernen ihre militärische Bedeutung. Vor dem Bau der Kasernen setzte sich die 1217 zum ersten Mal urkundlich erwähnte Gemeinde Wentorf aus zwei recht unterschiedlichen Siedlungsbereichen zusammen.

»Unten« entlang der Bille und am Sachsenberg hatte sich zwischen etwa 1860 und 1920 die Villensiedlung etabliert, die überwiegend von wohlhabenden Bürgern aus Hamburg angelegt wurde. Angelockt durch die schöne Umgebung und die Bahnstation in Reinbek bauten zahlreiche Hamburger Kaufleute ein »Häuschen« im Grünen. »Oben« um den alten Dorfanger und an der Chaussee entlang befanden sich die Bauern-und Handwerkerschichten, die entweder aus alten Wentorfer Geschlechtern oder aus neu angesiedelten Arbeitern und Handwerkern bestanden, die durch die Villensiedlung und das benachbarte Bergedorf ein wirtschaftliches Auskommen hatten. Diese beiden Siedlungsbereiche waren durch den Reinbeker Weg verbunden. Diese räumliche und soziologische Trennung schuf eine besondere Ausgangslage für die ab etwa 1920 aufgestellten Entwicklungspläne der Gemeinde. Angestrebt wurde, einen grünen Vorort der Großstadt Hamburg entstehen zu lassen. Diese Pläne ließen sich zum großen Teil nicht umsetzen. Erst mit dem Bau der Kasernen erhielt die Gemeinde neue Entwicklungsimpulse, die allerdings erst nach der Belegung durch die Bundeswehr voll zum Tragen kamen.

Die Nutzung als Bundeswehrstandort stellt insofern nicht allein zeitlich den wichtigsten Abschnitt der Kasernengeschichte dar, sondern auch qualitativ in bezug auf ihre Bedeutung für die Gemeindeentwicklung. Stärker als die vorherige Belegung sind die Bundeswehrsoldaten und ihre Angehörigen in das Leben der Gemeinde eingebunden. Die Auflösung der Brigade 16, die 1987 den Beinamen »Herzogtum Lauenburg« bekam, bedeutet daher einen schmerzlichen Einschnitt für viele Menschen in Wentorf. Ein Strick Heimatidentität geht mit dem Abzug der Bundeswehr aus Wentorf verloren.


Um die Bedeutung der Bundeswehr in Wentorf nachzuvollziehen, bedarf es eines Rückblickes in die jüngere Geschichte der Gemeinde. Bei einer ersten Zusammenfassung anlässlich des 10jährigen Jubiläums der Bundeswehr in Wentorf im Jahre 1970 wiesen die lokalen Zeitungen auf Aktionen wie den Einsatz von täglich 300 Soldaten bei der Hamburger Flutkatastrophe 1962, die Übernahme von Patenschaften für Waisenkinder im DRK-Kinderheim in Ratzeburg (Spenden in Höhe von 25.000,- DM wurden hierfür gesammelt) sowie die Wohltätigkeitsveranstaltung »Aktion Sorgenkind«, die einen Reinerlös von über 36.000,- DM erzielte. Die Zeitung weiter: »Heute sind noch etwa 800 Luftwaffensoldaten in den beiden Kasernen stationiert. Die Kollegen von der Panzergrenadierbrigade stellen über 1.000. Also rund 2.000 Staatsbürger in Uniform prägen das Bild von Wentorf. Moderne Wohnblocks stehen im Gemeindegebiet heute da, wo vor zehn Jahren noch Einsamkeit herrschte. Geschäftswelt, Sportgeschehen und Verkehrsaufkommen haben sich seit dem Einzug der Soldaten gewaltig geändert.« In den 70er und 80er Jahren vertieften sich die Beziehungen zwischen der Bundeswehr und ihrem zivilen Umfeld. Die Kasernen, vor allem das Offiziersheim, wurden zu einem geselligen Mittelpunkt. Der jährliche Neujahrsempfang, die Standortbälle, Vorträge über wehr- und außenpolitische Themen und regelmäßig abgehaltene »Tage der offenen Tür« boten Anlässe für gesellschaftliche Kontakte. Auf dem Sportplatz am Südring spielten nicht nur Bundeswehrsoldaten.


Die Unterbringung von so vielen Menschen in der Gemeinde führte zu einem »Bau-Boom« sowohl im Bereich des Wohnungsbaus als auch bei Versorgungseinrichtungen wie Schulen. Diese Bauvorhaben wurden für die Gemeinde auch dadurch ermöglicht, dass aufgrund des 
Bundeswehrstandortes Mittel des Bundes gewährt wurden. Das gilt auch für weitere infrastrukturelle Maßnahmen wie Straßenbau.

Einen Höhepunkt in der Beziehung zwischen der Bundeswehr und der Gemeinde bildete die Unterzeichnung einer Patenschaftsurkunde am 7. Oktober 1983. An diesem Tage besiegelten Vertreter des Panzergrenadierbataillons 162 und der Gemeinde Wentorf bei Hamburg eine Urkunde, die die Entwicklung dieses Verbandes zum Wentorfer Hausbataillon dokumentierte. Der Unterzeichnung vorausgegangen waren 20 Jahre Zusammenarbeit, die nach der Stationierung des 1958 gegründeten Bataillons 1963 in der Gemeinde Wentorf begann. 
In der Urkunde wird festgehalten: »Das Zusammenwirken von Hausbataillon und Gemein-de soll das Verständnis der Bürger für die Bundeswehr als Instrument einer wehrhaften Demokratie und das Verständnis der Soldaten für die Aufgaben ihrer Garnisonsgemeinde weiterhin fördern. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass die Soldaten des Wentorfer Hausbataillons und die anderen Bürger der Gemeinde die gewachsenen Verbindungen pflegen und vertiefen sowie neue eingehen und entwickeln.«

Mit der Ausstellung dieser Urkunde entstand die Aufgabe, sie mit Leben zu erfüllen. Als besonderer Ausdruck der Patenschaft wurde beschlossen, 1985 ein Sportfest, Wentorfiade 85 genannt, abzuhalten. Die Gemeinde bewilligte einen Betrag von 10.000,- DM, und die Bundeswehr stellte Mann und Material zur Verfügung. Das erste Sportfest fand am 21. September 1985 auf der Sportanlage der Bundeswehr statt. Es beteiligten sich über 470 Bürger und 60 Soldaten, u.a. die Schulen und der Sport-Club Wentorf. Wentorfiade 85 bedeutete eine offene Sportversammlung mit einem begleitenden Sommerfest unter freiem Himmel. Das Sportfest umfasste neben den klassischen Einzel- und Mannschaftsdisziplinen Darbietungen der Wentorfer Vereine (Turnen, Voltigieren, Musik) sowie Spiele in Form eines »Spiels ohne Grenzen«. Dabei wurden in Vergessenheit geratene Spiele wie Ringreiten, Vogelschießen und Fischstecken wieder veranstaltet. Seit 1985 findet die Wentorfiade alle zwei Jahre statt. 1991 besuchten an die 2.500 Menschen die Veranstaltung. Darüber hinaus lädt die Gemeinde jährlich zum Rathausfest ein, das ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Hausbataillon stattfindet. 1992 stand dieses Fest im Zeichen der Einweihung des neuen Rathauses an der Hauptstraße. Es kamen am 29. August 1992 an die 4.500 Menschen zum »Tag der offenen Tür« und zum abendlichen Rathausfest. Sowohl die Wentorfiade als auch das Rathausfest haben sich zu festen Bestandteilen des kulturellen Lebens der Gemeinde entwickelt und drücken in besonders anschaulicher Weise die Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Soldaten aus. 


Um auch nach Aufgabe des Standortes die sich im Standort Wentorf gebildeten Traditionen fortsetzen zu können, wurde der Traditionsverband Panzergrenadierbrigade 16 am 24. November 1993 gegründet. 
Der Satzungszweck wird verwirklicht, insbesondere durch die Soldaten-Betreuung und die Aufrechterhaltung des traditionellen Brauchtums. Weiterhin ist die Aufgabe des Verbandes, den Besitz der aufgelösten Panzergrenadierbrigade 16 sowie seiner Verbände und Einheiten zu pflegen und das Archiv zu führen, und zwar in der Weise, dass das Archiv der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. 
Im Mai bis Juni 1985 verlegte das Bataillon mit der 2. und 3. Kompanie sowie Teilen der 1. Kompanie für drei Wochen zur Schießausbildung auf den Truppenübungsplatz SHILO in die unendliche Weite Kanadas. Neben den hervorragenden Ausbildungsmöglichkeiten nutzten die Soldaten auch ausführlich die Möglichkeit. etwas von Land und Leuten zu sehen. Die Saloons der kleinen Präriestadt Brandon wurden fast allabendlich mit Mietwagen oder Bus erkundet. und am Betreuungswochenende zog es so manchen in einen der urwüchsigen Nationalparks. So machten z.B. die Unterführer der 2. Kompanie Angelurlaub am einsamen Clear Lake, andere fuhren in die Provinzhauptstadt Winnipeg oder sogar bis in die Vereinigten Staaten. Höhepunkt der Schießausbildung war die Gefechtsübung »SCHWARZER BÄR«, der für die 3. Kompanie noch die Kompaniebesichtigung »GRÜNER BÄR« vorgeschaltet wurde und die den Hauptmann Ulrich Hörner und seine Männer nicht nur im Orientieren in der nächtlichen Prärie ganz schön schlauchte.


Am 21.9.1985 veranstalteten wir die erste »Wentorfiade« mit anschließendem Rathausfest. Mit der Wentorfiade wurde versucht, auf der Basis der bewährten Bataillonssportfeste eine gemeinsame Veranstaltung mit der Gemeinde durchzuführen. Es sollten sich fairer Wettkampf, gemeinsames fröhliches Spiel und ausgelassene Geselligkeit miteinander abwechseln. Das Vorhaben war auf Anhieb ein Hit und wurde in den Folgejahren zur festen Einrichtung. Der Erfolg liegt sicherlich darin begründet, dass die Bevölkerung Freude an der bunten Mischung der unterschiedlichsten Veranstaltungen fand und dies mit reger Beteiligung belohnte. Angesagt waren u.a. Platzkonzert, Verkehrskaspertheater, Tanzdarbietungen, Ortsquiz, gemeinsamer Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche und jeweils zum krönenden Abschluss rund um das Rathaus Musik, Tanz und Lagerfeuerromantik einschließlich der Wahl zur »Miss Hausbataillon«.

Die 2./161 stellte am 20.3.1986 vor dem Offizierkorps der Brigade in der Lehrübung »Die verstärkte Panzergrenadierkonmpanie in der Verteidigung im Knickgelände« die Besonderheiten eines Einsatzes in Schleswig-Holstein heraus. Der Chef, Hauptmann Herbert Kriebei, hatte im Ostteil des Standortübungsplatzes Höltigbaum ein dafür gut geeignetes Gelände gefunden. Schnell war das Übungskonzept erstellt und die Vorführung ausgearbeitet. Im Mittelpunkt stand ein prächtiger Holsteiner Knick, den man vom vorgesehenen Zuschauerpunkt gut einsehen konnte. Nachdem alle Befehle bereits lange verteilt waren, sollte die heiße Phase, das Üben vor Ort, beginnen. Im Übungsraum angekommen, traute Hauptmann Kriebel seinen Augen nicht. Vom Knick war außer dem Erdwall nichts mehr zu sehen, die fleißigen Arbeiter der Standortverwaltung Hamburg hatten ihn »auf den Stock« gesetzt. Dass die Übung dennoch genau an dieser Stelle eindrucksvoll die Besonderheiten des Kampfes im Knickgelände zeigen konnte, hat die Soldaten der 2./161 viele Stunden Einsatz als »Landschaftsgestalter« gekostet, denn sie haben in mühevoller Kleinarbeit aus dem noch herumliegenden Buschholz den Knick naturgetreu wiedererstehen lassen.


Im Februar 1987 wurde das Bataillon zum zweiten Mal und diesmal mit hervorragendem Ergebnis von Oberst Palapies inspiziert. Dies freute den Kommandeur, Oberstleutnant Hans-Bernd Helms, besonders, weil die vorausgehende Inspizierung trotz intensiver Vorbereitung und guten »Zustandes des Bataillons« (Eigenbeurteilung) zu einer anderen Bewertung geführt hatte. Damals, im März 1984. besuchte der Inspizient uns und das Panzergrenadierbataillon 163 in SENNELAGER.


Gleich beim ersten Aufeinandertreffen von Kommandeur, Oberstleutnant Neumann und Oberst Palapies wurde jedem Anwesenden klar: Die beiden werden nicht zueinanderfinden. Unser Kommandeur wollte den Inspizienten persönlich empfangen und wartete daher auf ihn im Bataillonsstab. Das brachte ihm die erste Rüge ein: »Was machen Sie hier in der warmen Bude? Der Kommandeur gehört auf die Schießbahn!« Das für ihn bereitstehende Funkfahrzeug einschließlich Begleitoffizier schickte er weg (überflüssig). Die Folge war, dass der Fahrer, den er sich selbst vom Jägerbataillon 66 besorgt hatte, in er Nacht verschlief, und er u spät zur Kompaniebesichtigung der 2. Kompanie kam und sauer war, dass wir ohne ihn begonnen hatten. Auf dem Turm der Beobachtungsstelle herrschte er den Vorgeschobenen Beobachter, Oberfeldwebel Worthmann, an, warum denn nicht geschossen würde. Worthmann gab statt einer Antwort etwa folgende Zielansprache: »Herr Oberst, diese Richtung 1.500, schwach erkennbar, Waldspitze!« Der Oberst bestätigte ungeduldig: »Scheinen Kiefern zu sein«. Worthmann fuhr ruhig fort: »Daumenbreit rechts davon, auf 1.800 - auffälliger Turm!« Der Oberst: »Kann ich nicht sehen!« Darauf Worthmann ungerührt: »Deswegen schießen wir nicht, Herr Oberst!« Diese und weitere Begebenheiten trugen nicht dazu bei, einen günstigen Prüfbericht zu bekommen.


Am 27.3.1987 verließen Stabsfeldwebel Krieter und Hauptfeldwebel Saul als letzte Soldaten »der ersten Stunde« das Bataillon. Dies und eine zweite Tatsache machten deutlich, dass 162 in die Jahre kam und schon in die zweite Generation ging. Immer mehr Söhne der »alten Kameraden oder -dienen« dienen oder dienten in den Kompanien. Ich kann sie hier nicht alle aufzählen, aber als Beispiel können genannt werden: Leutnant Beecken (Sohn des 
chem. Chef 3. Kompanie), Leutnant d.R. Scholtysek (Sohn des ehem. Rechnungsführer der 4. Kompanie). Stabsunteroffizier d.R. Kroneberger ( Sohn des oben erwähnten Organisators), Unteroffizier d.R. Brinsa (Sohn des langjährigen Zivilkraftfahrers des Chefs der AusbildungsKompanie 3. 6) und nicht zuletzt Obergefreiter d.R. Bleise, der seinen Wehrdienst hei seiner Mutter in der Vorschriftenstelle des Bataillons ableistete. 
Am 17.10.1987 gründete sich die »Gemeinschaft der Ehemaligen des Panzergrenadierbataillons 162«. Hiermit wurde dem Wunsch vieler entsprochen, für aus dem Bataillon ausgeschiedene Soldaten, in den Ruhestand versetzte Angehörige des Bataillons sowie Freunde unseres Verbandes eine »militärische Heimat« bzw. einen Anlaufpunkt zu schaffen. Seit-dem trifft man sich in loser Folge im Unteroffizierheim der Bismarck-Kaserne zum Gedankenaustausch, zum Klönschnack und zur Vertretung gemeinsamer Interessen. 
Hauptfeldwebel Thomas Gühlcke von der 21161 rettete am 7.3.1988 beim Handgranaten-werfen auf dem Truppenübungsplatz EHRA-LESSIEN einem Soldaten das Leben, indem er geistesgegenwärtig eine heruntergefallene Handgranate aufnahm und ins Vorgelände warf, wo sie, ohne Schaden anzurichten, detonierte.

Das Ende in den 90er Jahren

Aumühler Paten (Horst Krien)
Aumühler Paten (Horst Krien)

Am 3 .8. 1990 wurde der erste kampfwertgesteigerte Schützenpanzer Marder 1 A3 an das Bataillon ausgeliefert. Der Fall der Mauer und die Vereinigung unseres Vaterlandes wirkten bis in unser Bataillon hinein. So erhielt das Bataillon am 18.9.1990 erstmalig einen Informationsbesuch von sieben Offizieren des Pionierbataillons der 8. Motorisierten Schützendivision (NVA). Unser S4-Offizier, Hauptmann Lehr, wurde am 2.10.1990 als S4-Offizier in die »DDR« nach Hagenow kommandiert. Im Oktober 1990 wurde unsere 4. Kompanie, die durch ihre jahrzehntelange Ausstattung mit MTW M 1 I3 immer eine besondere Stellung in unserem Verband hatte, bei Beginn der Einnahme der Heeresstruktur 5 aufgelöst, und die letzten MTW verließen die Bismarck-Kaserne am 15.11.1990. 


Am 18.2.1991 führte das Bataillon unter Leitung des Oberstleutnant Wolf-Joachim Clauß die Abnahme des Feierlichen Gelöbnisses der Rekruten der Brigade auf Einladung der Gemeinde in der Bisnmarckstadt Aumühle durch. Erstmals waren unter den ca. 550 angetretenen Wehrpflichtigen auch 110 Rekruten aus den neuen Bundesländern. Die Veranstaltung, die bei Fackelschein und in Anwesenheit zahlreicher Besucher auf dem Sportplatz stattfand, wurde leider durch johlende, rasselschwingende Jugendliche, die zum Teil aus Ostberlin angereist waren, erheblich gestört. 
So drangen einige von ihnen in den Innenraum der angetretenen Formation vor und gesellten sich zur Truppenfahne, während andere versuchten, die Kabel der Lautsprecher zu durchtrennen. Oberstleutnant Clauß behielt Übersicht und Ruhe und brachte die Veranstaltung ungerührt zu einem glücklichen Ende; die Störer hatten zur großen Genugtuung der Aumühler Bürger und der anderen Gäste ihr Ziel verfehlt.


Aumühle - die Patengemeinde der 2. Kompanie
In der Gemeinde Aumühle und der 2. Kompanie reitle nach langjährigen Kontakten die Idee, das bisherige Miteinander durch eine Patenschaft zu besiegeln. Diese Patenschaft wurde durch die Gemeindevertretung der Gemeinde Aumühle im September 1991 beschlossen. 

Am 4.12.1991 wurden zwischen der 3.500 Einwohner zählenden Gemeinde und der 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillon 162 vor dem Rathaus in einer öffentlichen Veranstaltung die Patenschaftsurkunden ausgetauscht. Aumühle mit dem Ortsteil Friedrichsruh hat eine recht junge Geschichte. aber dennoch, die Aumühlerinnen und Aumühler fühlen sich der deutschen Geschichte sehr verbunden. Zwei Kanzler lebten in Aumühle: Fürst Otto von Bismarck, der Gründer des Deutschen Reiches, und Cuno. Kanzler in der Weimarer Republik. Heute ist Aumühle mit seinen großzügigen Villengrundstücken bevorzugter Wohnort in unmittelbarer Nähe Hamburgs. In der von Fackeln beleuchteten Gartenanlage vor dem Rathaus tauschten Bürgervorsteher Nils Braun und Bürgermeister Michael Schimanel mit Hauptmann Richter am 4.12.1991 die Patenschaftsurkunden aus. In der Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung der Bundeswehr war und ist das partnerschaftliche Zusammenleben von besonderer Bedeutung. Die Patenschaft wurde von gegenseitiger Hilfe und vielen Gemeinsamkeiten getragen. In den Jahren des partnerschaftlichen Umgangs miteinander wurden viele freundschaftliche Kontakte geknüpft. Gelegenheiten dazu waren gegeben beim traditionellen Tannenbaum-schlagen, der Fußgängerrallye rund uni Aumühle. der Teilnahme am Rathausfest, Schützenfest, Sportfesten und vielem mehr. Im Gegenzug besuchten die Bürger Aumühles ihre PatenKompanie bei Truppenübungsplatzaufenthalten in ganz Norddeutschland. Die Soldaten der 2. Kompanie denken gern an die gute gemeinsame Zeit mit den Bürgern Aumühles zurück.


Am 1. April 1992 hatte das Panzergrenadierbataillon 162 (Stamm) nach der Heeresstruktur 5 folgende Gliederung eingenommen: 1./162 Stabs- und VersorgungsKompanie, 2./162 KampfKompanie, 3./162 KampfKompanie, 4./162 KampfKompanie, 5./162 KampfKompanie, 6./162 Panzermörserkompanie, 7./162 UnteroffizierlehrKompanie, 8./162 FeldersatzKompanie (im Frieden gekadert). Nach Einnahme der neuen Gliederung verfügte das Bataillon nun über mehr als 1.000 Soldaten. Am 2. April 1992 fand der Aufstellungsappell des Panzergrenadierbataillons 162/163 (Stanmm/Aufwuchs) statt. Die Truppenfahnen der Panzergrenadierbataillone 161 und 163 sowie des Jägerbataillons 66 wurden durch Oberst Fischer an den Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Hofmann, übergeben. Die Traditionen dieser nun aufgelösten bzw. nicht mehr aktiven Bataillone werden zukünftig durch unser Bataillon fortgeführt. 1992 erfüllte das Bataillon im Rahmen der Ausbildung vielfältige Aufträge: Teilnahme an einer Übung in Dänemark. Abstellungen von Schiedsrichtern für die NATO-Übung BOLD GROUSE. Durchführung von drei Lehrübungen vor den Offizieren der Brigade und Teilnahme an der Gelände-/Gefechtsstandübung SCHNELLE GALEERE sowie an der Brigadegefechtsübung GRÜNE EICHE 1992. Das Jahr 1992 galt auch dem Zusammenwachsen innerhalb der Kompanien und des Bataillons. Darüber hinaus hieß es: Pflege der Partner- und Patenschaften zu den umliegenden Gemeinden und zu den neu übernommenen Patenschaften mit Bergedorf und Reinbek. Mit großen Anstrengungen und beiderseitigem Verständnis wurde ein solides Fundament für die Zukunft geschaffen. LESOMO (Letzter Sonntag im Monat), »kleiner« und »großer« Panzergrenadier/Jägerabend, Nestrunde, Schießen der Ehrenjäger, um nur einige Vorhaben zu nennen, förderten sehr schnell die neue Gemeinschaft. Ende des Jahres konnten wir befriedigt feststellen: Wir haben es alle gemeinsam geschafft und sind ein Bataillon mit vielen Freunden im zivilen Umfeld geworden. 


Am 15.12.1992 traf uns die Entscheidung des Bundesministers der Verteidigung über die Auflösung der Brigade wie ein Keulenschlag. Der Divisionskommandeur, Generalmajor von Falkenhayn, und der Kommandeur der Panzerbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg«, Oberst Fischer, teilten uns die Nachricht über die Auflösung mit. Allgemeine Betroffenheit bei den Soldaten und unseren Freunden kennzeichneten die nächsten Tage. Unsere in fast 35 Jahren gezeigte Leistungs- und Einsatzfreude ließen uns auch vor dieser bitteren Entscheidung nicht kapitulieren. Nach dem Motto »Jetzt erst recht« bildeten wir in altbewährter Weise weiter aus. So stand im März 1993 der erste Truppenübungsplatzaufenthalt für das Jahr, wiederum in BERGEN, an.


Am 1.4.1992 übernahm Oberstleutnant Harrendorf als letzter Kommandeur das Bataillon. Der 14tägige Übungsplatzaufenthalt im Mai in BERGEN und MUNSTER SÜD bildeten den Höhepunkt der Ausbildung im Jahr 1993. Das Bataillon ging nach langer Zeit nahezu geschlossen auf den Übungsplatz. Dieser Aufenthalt begann mit einer Ausbildungs- und Gefechtsübung zusammen mit dem Panzerbataillon 164. Die Panzermörserkompanie feuerte während dieses Aufenthalts ihren »Goldenen Schuss« vor ihrer Auflösung am 30.9.1993 ab.

Der seit Jahren regelmäßig stattfindende Offizier- und Feldwebel-Dreikampf wurde dies-mal in einer veränderten Form durchgeführt. Ziel war es, den Spaß und das gemeinsame Erlebnis mehr in den Vordergrund zu stellen und die Elemente des engagierten militärischen Wettkampfs, die diese Veranstaltung in den vergangenen Jahren bestimmt hatten, ein wenig hinten anzustellen. Die 1. Kompanie hatte eine Militärpatrouille vorbereitet, die im Anschluss an die Schießübungen in Hohenhorn querfeldein in Richtung Patengemeinde der 2. Kompanie, Aumühle, führte. Klassische Stationen wie Schleußseil, Entfernungsschätzen und Handgranatenwurf wurden durch »ummilitärische« Einlagen wie Bierprobe und verschiedene Geschicklichkeitsübungen abgerundet. Eine Wertung gab es auch, doch war diese kein Anlass zu einem harten Wettkampf- der gewünschte Nebeneffekt, nämlich die Stärkung der Kameradschaft des Führerkorps, war zur Hauptsache erklärt worden. 
Der Einzelsieger, Hauptfeldwebel Hartmut Werner, Kompaniefeldwebel der 5. Kompanie, erhielt den von einem Bergedorfer Unternehmer gestifteten »Bismarck-Pokal« im Rahmen des sich anschließenden gemütlichen Beisammenseins im Sportzentrum Aumühle über-reicht. Ein weiterer Pokal, nämlich der nach dem ehemaligen Kommandeur benannte »Clauß-Cup«, die Auszeichnung für die siegreiche Kompanie in einem spannenden Fußballturnier, ging an die überlegene Mannschaft der 3. Kompanie.


Vom 3. bis 10.12.1993 verlegte das Bataillon auf den Truppenübungsplatz BERGEN, wo sich Oberstleutnant Harrendorf am 9.12.1993, als das Bataillon bei Sturm und strömendem Regen die »Ära Schützenpanzer Marder« mit einem Schießen verbundener Waffen auf der Schießbahn 20 mit dem Thema »Die verstärkte PanzergrenadierKompanie in der Verteidigung« beendete, die Frage stellte: »Kann Baumwolle rosten."«


Mit der Durchführung des Schießens war die 3. Kompanie unter Führung von Oberleutnant Schult beauftragt. Ziel und Zweck war es, unseren Soldaten die Leistungsfähigkeit der Waffensysteme sowie den Gästen aus den Patengemeinden unseren Ausbildungsstand und unser Leistungsvermögen zu demonstrieren. Im Mittelpunkt standen dabei die Schützentrupps der Kompanie. Die zusammengefasste Kompaniestellung der abgesessenen Grenadiere wurde dazu so angelegt, dass sie sich unmittelbar vor den über 200 Zuschauern befand, jedoch nicht zu erkennen war. Das Schießen fand trotz des miserablen Wetters bei den geladenen Gästen großen Anklang - auch der Divisionskommandeur war beim letzten Vor-üben anwesend und äußerte sich lobend. So gesehen war das letzte Schießen ein voller Erfolg. 
Auch für einen Panzergrenadier in der ausgebauten Stellung war das Schießen ein Erlebnis. Der Begriff »Befehl und Gehorsam« bekam für ihn eine völlig neue Dimension: »Sie verlassen diese Stellung nur auf Befehl, verhalten sich ruhig und beobachten das Gefechtsfeld. Die Stellungen dürfen nicht erkannt werden!« - so oder so ähnlich muss der Auftrag für den armen Soldaten gelautet haben, und eigentlich gehörte zu dessen Ausführung ja auch nicht viel. Nur muss man dazu wissen, dass besagte Stellungen bereits um 10.00 Uhr bezogen und erst nach Herstellen der Sicherheit und Abrücken der Zuschauer gegen 15.00 Uhr wieder verlassen wurden.


So harrte der Soldat in seiner Stellung aus - offenes Gelände, kein Baum, kein Strauch, hinter sich die Zuschauer - und beobachtete das Gefechtsfeld. Mittlerweile hatte er jedoch weiß Gott Dringlicheres zu tun, als das ohnehin schon sattsam bekannte Vorgelände zu beobachten; aber Befehl ist Befehl und so kam, was kommen musste -...! Die Übung war ein Erfolg - und doch war hei Schießende »irgendetwas in die Hose gegangen«. Seitdem fragt sich nun mit dem Kommandeur die gesamte 3. Kompanie: »Kann Baumwolle rosten?« Oberst Fischer hatte auch für 1994 wieder einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem jede Einheit dazu aufgerufen war, möglichst viele Leistungs-, Sport- und sonstige Abzeichen abzulegen und zu erwerben. Dies führte dazu, dass bereits zwei Tage nach dem letzten Neujahrsempfang, bei dem im übrigen das Offizierheim aufgrund der zahlreichen Gäste fast aus den Nähten platzte, unser stellvertretender Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Brandt, als erster Soldat der Brigade im letzten Jahr des Bataillons sein Sportabzeichen erfüllte. Motto: Wir gehen mit unseren Abzeichen dem Ende entgegen.

Letztes Sommerfest PzGrenBtl 162 (1994 - Achim Gottschall)
Letztes Sommerfest PzGrenBtl 162 (1994 - Achim Gottschall)

Am 15.12.1992 traf uns die Entscheidung des Bundesministers der Verteidigung über die Auflösung der Brigade wie ein Keulenschlag. Der Divisionskommandeur, Generalmajor von Falkenhayn, und der Kommandeur der Panzerbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg«, Oberst Fischer, teilten uns die Nachricht über die Auflösung mit. Allgemeine Betroffenheit bei den Soldaten und unseren Freunden kennzeichneten die nächsten Tage. Unsere in fast 35 Jahren gezeigte Leistungs- und Einsatzfreude ließen uns auch vor dieser bitteren Entscheidung nicht kapitulieren. Nach dem Motto »Jetzt erst recht« bildeten wir in altbewährter Weise weiter aus. So stand im März 1993 der erste Truppenübungsplatzaufenthalt für das Jahr, wiederum in BERGEN, an.


Am 1.4.1992 übernahm Oberstleutnant Harrendorf als letzter Kommandeur das Bataillon. Der 14tägige Übungsplatzaufenthalt im Mai in BERGEN und MUNSTER SÜD bildeten den Höhepunkt der Ausbildung im Jahr 1993. Das Bataillon ging nach langer Zeit nahezu geschlossen auf den Übungsplatz. Dieser Aufenthalt begann mit einer Ausbildungs- und Gefechtsübung zusammen mit dem Panzerbataillon 164. Die Panzermörserkompanie feuerte während dieses Aufenthalts ihren »Goldenen Schuss« vor ihrer Auflösung am 30.9.1993 ab.

Der seit Jahren regelmäßig stattfindende Offizier- und Feldwebel-Dreikampf wurde dies-mal in einer veränderten Form durchgeführt. Ziel war es, den Spaß und das gemeinsame Erlebnis mehr in den Vordergrund zu stellen und die Elemente des engagierten militärischen Wettkampfs, die diese Veranstaltung in den vergangenen Jahren bestimmt hatten, ein wenig hinten anzustellen. Die 1. Kompanie hatte eine Militärpatrouille vorbereitet, die im Anschluss an die Schießübungen in Hohenhorn querfeldein in Richtung Patengemeinde der 2. Kompanie, Aumühle, führte. Klassische Stationen wie Schleußseil, Entfernungsschätzen und Handgranatenwurf wurden durch »ummilitärische« Einlagen wie Bierprobe und verschiedene Geschicklichkeitsübungen abgerundet. Eine Wertung gab es auch, doch war diese kein Anlass zu einem harten Wettkampf- der gewünschte Nebeneffekt, nämlich die Stärkung der Kameradschaft des Führerkorps, war zur Hauptsache erklärt worden. 
Der Einzelsieger, Hauptfeldwebel Hartmut Werner, Kompaniefeldwebel der 5. Kompanie, erhielt den von einem Bergedorfer Unternehmer gestifteten »Bismarck-Pokal« im Rahmen des sich anschließenden gemütlichen Beisammenseins im Sportzentrum Aumühle über-reicht. Ein weiterer Pokal, nämlich der nach dem ehemaligen Kommandeur benannte »Clauß-Cup«, die Auszeichnung für die siegreiche Kompanie in einem spannenden Fußballturnier, ging an die überlegene Mannschaft der 3. Kompanie.


Vom 3. bis 10.12.1993 verlegte das Bataillon auf den Truppenübungsplatz BERGEN, wo sich Oberstleutnant Harrendorf am 9.12.1993, als das Bataillon bei Sturm und strömendem Regen die »Ära Schützenpanzer Marder« mit einem Schießen verbundener Waffen auf der Schießbahn 20 mit dem Thema »Die verstärkte PanzergrenadierKompanie in der Verteidigung« beendete, die Frage stellte: »Kann Baumwolle rosten."«


Mit der Durchführung des Schießens war die 3. Kompanie unter Führung von Oberleutnant Schult beauftragt. Ziel und Zweck war es, unseren Soldaten die Leistungsfähigkeit der Waffensysteme sowie den Gästen aus den Patengemeinden unseren Ausbildungsstand und unser Leistungsvermögen zu demonstrieren. Im Mittelpunkt standen dabei die Schützentrupps der Kompanie. Die zusammengefasste Kompaniestellung der abgesessenen Grenadiere wurde dazu so angelegt, dass sie sich unmittelbar vor den über 200 Zuschauern befand, jedoch nicht zu erkennen war. Das Schießen fand trotz des miserablen Wetters bei den geladenen Gästen großen Anklang - auch der Divisionskommandeur war beim letzten Vor-üben anwesend und äußerte sich lobend. So gesehen war das letzte Schießen ein voller Erfolg. 
Auch für einen Panzergrenadier in der ausgebauten Stellung war das Schießen ein Erlebnis. Der Begriff »Befehl und Gehorsam« bekam für ihn eine völlig neue Dimension: »Sie verlassen diese Stellung nur auf Befehl, verhalten sich ruhig und beobachten das Gefechtsfeld. Die Stellungen dürfen nicht erkannt werden!« - so oder so ähnlich muss der Auftrag für den armen Soldaten gelautet haben, und eigentlich gehörte zu dessen Ausführung ja auch nicht viel. Nur muss man dazu wissen, dass besagte Stellungen bereits um 10.00 Uhr bezogen und erst nach Herstellen der Sicherheit und Abrücken der Zuschauer gegen 15.00 Uhr wieder verlassen wurden.


So harrte der Soldat in seiner Stellung aus - offenes Gelände, kein Baum, kein Strauch, hinter sich die Zuschauer - und beobachtete das Gefechtsfeld. Mittlerweile hatte er jedoch weiß Gott Dringlicheres zu tun, als das ohnehin schon sattsam bekannte Vorgelände zu beobachten; aber Befehl ist Befehl und so kam, was kommen musste -...! Die Übung war ein Erfolg - und doch war hei Schießende »irgendetwas in die Hose gegangen«. Seitdem fragt sich nun mit dem Kommandeur die gesamte 3. Kompanie: »Kann Baumwolle rosten?« Oberst Fischer hatte auch für 1994 wieder einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem jede Einheit dazu aufgerufen war, möglichst viele Leistungs-, Sport- und sonstige Abzeichen abzulegen und zu erwerben. Dies führte dazu, dass bereits zwei Tage nach dem letzten Neujahrsempfang, bei dem im übrigen das Offizierheim aufgrund der zahlreichen Gäste fast aus den Nähten platzte, unser stellvertretender Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Brandt, als erster Soldat der Brigade im letzten Jahr des Bataillons sein Sportabzeichen erfüllte. Motto: Wir gehen mit unseren Abzeichen dem Ende entgegen.

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Weitere Bilder des Panzergrenadierbataillons 162 finden sich im Fotoalbum unter:

Fotoalbum