Chronik des Panzergrenadierbataillons 163

Wappen PzGrenBtl 163
Wappen PzGrenBtl 163

Lassen Sie uns jetzt auf die Geschichte unseres Panzergrenadierbataillons 163, die bestimmt wurde durch den Einsatz als Lehrbataillon der Heeresoffiziersschule II, durch Umrüstungen und Umgliederungen, die Entstehung und Entwicklung von Patenschaften und durch Katastropheneinsätze, zurückblicken.

Jedes Bataillon hat seine Erlebnisse und Anekdoten, die es erst zu einem wirklich lebendigen und liebenswerten Gebilde werden lassen. Auch unser Bataillon hat unzählige dieser Geschichten und Histörchen erlebt. Dass wir sie nicht alle kennen und schon gar nicht alle hier erzählen können, liegt auf der Hand; so haben wir uns bemüht, einige exemplarisch für Sie zusammenzutragen.

Im November 1956 trafen auf dem Bahnhof Husum die ersten Kader des späteren Lehrbataillons der Heeresoffiziersschule II ein. Einige von ihnen kamen bereits in Bundeswehruniform von einer der Truppenschulen, während andere direkt aus dem Zivilleben zu uns kamen. Sie begannen alle gemeinsam ihren Dienst in der ehemaligen Marine-Kaserne, indem sie sich ihre Unterkünfte einrichteten und dann in die Hände spuckten, um ihren Auftrag, Aufstellung des Lehrbataillons der Heeresoffiziersschule II, zu erfüllen. In mühsamer Kleinarbeit ging man wie überall in der entstehenden Bundeswehr daran, Schränke und Betten zu transportieren, Geschäftszimmer einzurichten und vor allem die vielen Ausrüstungsstücke, die täglich einliefen, zu verteilen und zu lagern. Auch hier ein schwerer Beginn, auf den man aber später zu Recht mit Stolz zurückblickte. Zum Kaderpersonal des Lehrbataillons gehörten: Major Weithöner, die Hauptleute Klein und Allmenröder, die Oberleutnante Eckert, von zu Gathen, Nusser, Bulla, Steinbrücken und Tennstedt sowie die Oberfeldwebel Hohn und Diermann.

Als dann im Januar 1957 die ersten ca. 120 frisch einberufenen Freiwilligen für das Bataillon eintrafen, konnte in einer Kompanie mit der Rekrutenausbildung begonnen werden. Das Unteroffizierskorps wurde etwa zur Hälfte durch gerade aus dem Zivilleben einberufene ehemalige Unteroffiziere der Wehrmacht gebildet, während sich die andere Hälfte aus Unteroffizieren zusammensetzte, die schon bei der Bundeswehr Dienst taten und von unterschiedlichen Standorten nach Husum versetzt wurden. Durch Einberufung von weiteren 220 Rekruten im Mai wurde das Bataillon auf seine volle Personalstärke gebracht. Die Kompanien begannen nun mit der Allgemeinen Grundausbildung und später mit einer vorgezogenen Unterführerausbildung, um so möglichst schnell einem drohenden Unterführermangel vorbeugen zu können. Die als Panzergrenadiere und Gefreite zu diesem und weiteren Lehrgängen kommandierten Soldaten bildeten für die Zukunft das Gerüst des gesamten Unteroffizierskorps. Viele der Feldwebel, die später das Bataillon prägen sollten, stammten aus diesen Unterführerlehrgängen.

Die Materialzuweisungen für das Bataillon waren im Mai ebenfalls abgeschlossen; Panzer M 47 und Radfahrzeuge aller Typen warteten darauf, eingesetzt zu werden. Dieser Zeitpunkt kam für das Bataillon schon sehr schnell. Es fuhr bereits Ende Mai und Mitte Juli für jeweils acht Tage zu Truppenübungsplatzaufenthalten nach PUTLOS, um dort mit Waffen und Gerät unter Anleitung amerikanischer Berater im scharfen Schuss vertraut gemacht zu werden. Die Bewaffnung war, wie in fast allen Einheiten der Bundeswehr, amerikanischen Ursprungs und verlangte vor allem von den kriegserfahrenen Unteroffizieren und Offizieren eine völlige Umstellung. Die amerikanische Beratergruppe. zu der Oberleutnant Taylor, Sergeant Boos und Sergeant Paul gehörten, erfüllte ihre Aufgabe mit viel Takt, Können und Geschick, und sie gehörten schnell zur Kameradschaft des Bataillons.


Aus dieser Zeit ist folgende Geschichte überliefert: In den beschaulichen warmen Sommertagen wurde das Bataillon plötzlich in helle Aufregung versetzt. Ein Kompaniechef hatte auf dem Standortübungsplatz einem nicht gerade sehr dienstfreudigen Soldaten befohlen: »An den Horizont - weg, Marsch, Marsch!«; ein im norddeutschen Gelände weit auslegbarer Befehl. Der Soldat führte ihn auch wörtlich aus, lief los und stellte sich den »Achtung«-Rufen des Kompaniechefs gegenüber taub, verschwand dann allmählich im Schobüller Wald und ward nicht mehr gesehen. Die Kompanie und Teile des Bataillons suchten ihn in der näheren und weiteren Umgebung mehr als einen Tag, bis sie ihn am Nordseestrand gegenüber der Insel Nordstrand wiederfanden. Ob er sich dort zum Schwimmen fertig gemacht hat, um den befohlenen Horizont zu erreichen, entzieht sich der Kenntnis des Chronisten. Siegfried Batzer, der 1957 als Freiwilliger im Zug von Feldwebel Paul Roye in der 2. Kompanie gedient hatte, fasste seine Erinnerungen an die Husumer Zeit und dabei speziell an eine 36-Stunden-Gefechtsausbildung etwa wie folgt zusammen:


»Bis Janeby sind wir gefahren und wurden dort dann ausgeladen. Sodann ging es auf staubigen Wegen dem unbekannten Feind entgegen. Am Moor von Sillerup angekommen, hab'n wir den Feind dann rangenommen. Wir hab'n geübt und aufgeklärt und machten vieles noch verkehrt. Doch nach dem NATO-Mittagessen - die erste Mühsal war vergessen. Gefechtsausbildung hin und her, das fiel so manchem von uns schwer, zumal wir übten Tag und Nacht - doch letztlich hat's uns Spaß gebracht.


Am schlimmsten war der Marsch nach Haus - gar manchem ging die Puste aus. An Blasen waren wir nicht arm - doch wurden uns die Füße warm! Nach einer Rast in Bomstedt dann, kam noch die zweite Hälfte dran. Die meisten haben nur gehumpelt und sind von rechts nach links geschunkelt. Das Sturmgepäck, es drückte sehr, jedoch die Ritle noch viel mehr. Ein Ende hat ein jedes Ding, so auch der Marsch vorüberging.

Zum Schluss den Fußappell wir hatten und schliefen dann, grad wie die Ratten.«
In diesem ersten Jahr seines Bestehens gelang es sehr schnell, eine Brücke zwischen den Soldaten und der Zivilbevölkerung der Garnisonsstadt Husum zu schlagen. Die kleine Stadt an der Nordsee mit ihren beschaulichen Straßen und Gassen, mit den ehrwürdigen Bürgerhäusern aus der Zeit Theodor Storms wurde uns Soldaten schnell zu einer zweiten Heimat. Die Halligen im Wattenmeer, die Deiche, die das Land vor dem Blanken Hans schützten, die Insel Nordstrand mit ihren Grog-Stuben und die Waldstücke um die Ortschaft Schobüll luden zu Ausflügen und Spaziergängen ein. In Gesprächen mit den Husumern und der Landbevölkerung der Umgebung konnten die Soldaten feststellen, dass der Norddeutsche, dem eine gewisse Kühle und Zurückhaltung nachgesagt wird, viel Interesse und Entgegen-kommen für sie und ihre Sache zeigte. So fühlten sich Bataillon und Heeresoffiziersschule in den Mauern der »Grauen Stadt am Meer« ausgesprochen wohl. Als Ausdruck dieser Verbundenheit trugen Panzer und Radfahrzeuge des Bataillons neben dem damaligen Bataillonswappen das Wahrzeichen der Stadt Husum, die Tine, deren Standbild am Brunnen auf dem Marktplatz steht. Im 1. Quartal 1958 hatte die 1. Kompanie den ersten Unteroffizieranwärterlehrgang des Bataillons durchzuführen. Der Lehrgangsleiter, Oberleutnant Nusser, wurde kurz nach Lehrgangsbeginn versetzt. So hatte die Arbeit schließlich der Ausbildungsoffizier, Leutnant Schlieter, zu leisten. Für einen jungen Leutnant war das schon eine echte Herausforderung, und er erinnert sich an diese Zeit wie folgt:

Bose-Bergmann Kaserne T-Bereich (1974 - Otfried Breidenich)
Bose-Bergmann Kaserne T-Bereich (1974 - Otfried Breidenich)

»Die Lehrgangsteilnehmer waren fast alle älter als ich. Doch ich stand ja nicht allein, denn ich hatte Oberfeldwebel Boje als wertvollen Stellvertreter und drei weitere gute Unteroffiziere. Außerdem übernahm den Sport und die Fernmeldeausbildung an »PRC 6 und 10« der Fernmeldeoffizier, Leutnant Lissinna. Höhepunkte des Lehrgangs waren: der Schießplatzaufenthalt in PUTLOS, zu dem wir mit unseren Unimogs hin- und zurückfuhren, die Gefechtsausbildung und unsere Märsche im Raum Husum und die Besichtigung in der Kaserne und auf dem Übungsplatz Albersdorf/Arkebeck-Gut Riese und der gelungene Abschlussabend. Bei der Gefechtsübung erschien der Schulkommandeur, Brigadegeneral Willemer, und bemängelte einiges an den Gruppenaufgaben. Da die (helfende) Dienstaufsicht durch das Bataillon damals nur sehr, sehr locker gehandhabt wurde und der Leutnant die Aufgaben mit seinem Stellvertreter ohne Vorgaben hatte selbständig anlegen müssen, war eigentlich mit einer solchen Reaktion zu rechnen gewesen. Dafür war der Einsatz der zukünftigen Unteroffizieranwärter umso besser. Auch im Sport gelang es Leutnant Lissinna, die Männer zu Höchstleistungen zu bringen: Alle Unteroffizieranwärter segelten im Salto über den Sprungtisch! Beim Abschlussabend, zu dem der Schulkommandeur auch er-schien, erntete der Lehrgang mit seinen Ausbildern zur Freude aller dann doch noch dickes Lob.«


Hauptereignis des Jahres 1958 war die Verlegung der Heeresoffizierschule und des Bataillons von Husum nach Hamburg. Am 21.7.1958 verabschiedete sich die Heeresoffiziersschule mit einem vom Bataillon aufgeführten Großen Zapfenstreich von der Garnisonsstadt Husum. Das Bataillon selbst hatte sich entschlossen, die Bevölkerung Husums in ein drei-tausend Gäste fassendes Zelt zu einem Abschiedsball einzuladen. Die Kontakte der Soldaten zur Bevölkerung waren herzlich und tief gewesen, was zahlreiche Eheschließungen bewiesen. So fiel der Abschied aus Husum allen sehr schwer, denn man war sich darüber im klaren, dass eine Großstadt wie Hamburg niemals die Nestwärme, die Husum geboten hatte, ersetzen konnte. Nachdem in der Woche vom 28.7 bis 2.8.1958 die Transportfahrzeuge die wichtigsten Güter schon nach Hamburg gebracht hatten, rollte das Bataillon am 2.8.1958 endgültig aus seiner Garnisonsstadt. Als letzte Geste überreichte der Kommandeur einen Scheck über einen erheblichen Betrag, den die Soldaten für die Kranken- und Altenhilfe gesammelt hatten.

In Hamburg hatten die Vorkommandos die Litzmann-Kaserne für den Empfang des Bataillons hergerichtet. Die Unterkunft musste zunächst noch mit einer Kompanie des Instandsetzungsbataillons 461 geteilt werden. Im Rahmen der Offizier- und Unteroffizierausbildung wurde auf die Tradition dieser Kaserne hingewiesen: Die Litzmann-Kaserne wurde Ende 1935 beginnend in der Horner Geest, die überwiegend aus Acker- und Brachland bestand, im Spätsommer 1937 fertiggestellt. Den Namen bekam die Kaserne nach dem General der Infanterie a.D. Karl Litzmann, der sich im 1. Weltkrieg durch hervorragende Leistungen hervorgetan hatte. 1964 wurde die Litzmann-Kaserne aus politischen Gründen in Hanseaten-Kaserne umbenannt. Der mit dem Umzug verbundenen Umgliederung und der Unterstellung für den Einsatz unter die Brigade 17 folgte die Umbenennung in Panzergrenadierbataillon (L) 173 zwar sofort, die Materialzuweisungen ließen jedoch auf sich warten, so dass die Kompanien nur zögerlich die vorgesehene Ausstattung erhielten. Probleme also, die es in der Bundeswehr auch heute noch geben soll.


Im Jahr 1959 begann, nach Aufstellung der Ausbildungskompanie 402, in Hamburg die Ausbildung der ersten Wehrpflichtigen im Bataillon. Der Verband rüstete auf den damals hochmodernen Schützenpanzer HS 30 um und wurde das schlagkräftigste Grenadierbataillon im Hamburger Raum.


Wenn Oberst Frank Schlieter auf diese Zeit zu sprechen kommt, fallen ihm besonders die-se zwei Begebenheiten ein: »Nach einem kleinen Herrenabend ging mein Kompaniechef Hauptmann Herrmann relativ früh in seine Unterkunft im Stabsgebäude, die aus einem Zimmer über der Wache bestand. Bedauerlicherweise hatten wir ihn an diesem Abend nicht überreden können, länger zu bleiben. Zu gern hätten wir uns wieder von ihm zu fortgeschrittener Stunde einen seiner berühmten Saltos vorführen lassen. Wenn ich von »wir« rede, so waren das seine Kompanieoffiziere Leutnant Pistorius, Vogel und ich. Sicher war auch noch Leutnant Rickert von der 4. Kompanie dabei, und auch Leutnant Lissinna wird nicht gefehlt haben. Etwas später heckten wir einen Plan aus: Wir schlichen in den Flur des Stabsgebäudes, um zu überprüfen, ob Hauptmann Herrmann seine Stube abgeschlossen hatte. Der Schlüssel steckte, das Schloss war offen! Kurze Lagebesprechung und Verständigung durch Zeichen! Vier Leutnante drangen leise in das Zimmer ein und öffneten die gegenüberliegende Toilettentür. Dann hoben wir das Bett mitsamt Chef an, trugen den Schlafenden über den Flur und stellten ihn sanft in der Toilette ab. Dann leiser Rückzug! Am nächsten Tag aßen wir wie gewöhnlich gemeinsam im Kasino und warteten neugierig auf Hauptmann Herrmann. Der kam auch bald, ließ sich jedoch zu unserer großen Enttäuschung zunächst nichts anmerken. Aber dann beim Essen zeigte er, dass er doch Humor hatte. Er berichtete dem Kommandeur: »Herr Major, ich muss etwas melden! Gestern Abend legte ich mich in meinem Zimmer schlafen und erwachte heute morgen in einem ganz an-deren Raum mit eigenartigem, ortsfremden Geruch. Ich richtete mich auf und stellte fest, dass mein Bett in der Toilette stand. Der Atem stockte mir! Wenn jetzt jemand käme! Ich also raus aus dem Bett. Tür vorsichtig geöffnet, Flur feindfrei! Sprung über den Flur. Meine Zimmertür geöffnet! Wieder Sprung zurück und mit dem Bett »am langen Arm« über den Flur, hinein in meine Stube! Aufatmen! Keiner hatte mich gesehen. - Schauen Sie sich die grinsenden Leutnante an!« - Schallendes Gelächter. Hauptmann Herrmann gab einen Schnaps aus und in der Folgezeit hielt er sein Zimmer nachts stets verschlossen.«


»Es gab in der jungen Bundeswehr 1958 auch schon Leutnante mit besonderer Note. Der Landser bezeichnete sie damals vielleicht als »feine Pinkel« oder ähnliches. Ein solcher Leutnant diente auch im Lehrbataillon als S2-Offizier im Bataillonsstab: Leutnant Sauvant. Seine Liebe für das Besondere wurde dadurch deutlich, dass er in seinem Unterkunftszimmer im Stabsgebäude einige echte Teppiche bzw. Brücken liegen hatte. Wir, die anderen Leutnante des Bataillons, beschlossen, ihm einen Streich zu spielen. Während eines fröhlichen Kasino-Abends - Leutnant Sauvant weilte noch im Offizierheim - schlichen sich einige Leutnante für kurze Zeit weg. Sie hatten sich den Schlüssel zum Zimmer des »feinen Pinkels« besorgt, eilten auf seine Bude und rollten die Teppiche auf! Aber wo sollten sie da-mit hin? Der »Entschluss ohne Begründung« lautete: Wir machen dem Kommandeur, Herrn Major Krieg, eine Freude. Also wurden die Teppiche noch in derselben Nacht in des Kommandeurs Dienstzimmer dekorativ ausgelegt. Als der Kommandeur am nächsten Morgen in sein Dienstzimmer kam, war er angenehm von den Neuerwerbungen überrascht. Er soll so-gar die Standortverwaltung für ihren guten Geschmack gelobt haben, weil er natürlich dachte, die Teppiche seien dienstlich geliefert. Als der S2-Offizier wegen Unterschriften zum Kommandeur kam, soll er sehr erstaunt gewesen sein. Er hatte seine Teppiche zwar vermisst, sie aber in irgendeinem Versteck vermutet, und zur Suche nach ihnen hatte er natürlich noch keine Zeit gehabt. Leutnant Sauvant bat um Herausgabe seines Eigentums und vermieste dem Kommandeur damit seine ganze Freude an der überraschenden Verschönerung seiner Arbeitsstätte. Wir aber wurden den Eindruck nicht los, dass Leutnant Sauvant über unseren Streich eigentlich nie so richtig hatte lachen können.«

BBK Kaserne (1978 - Siegfried Wessolowsky)
BBK Kaserne (1978 - Siegfried Wessolowsky)

Hauptmann a.D. Wolfgang Claußen berichtet: »Spieß Diermann, der Gesang und Musik liebte, war unser Förderer. Er setzte sich dafür ein, dass ein Soldatenchor gegründet wurde und aus dem Freizeittitel Musikinstrumente gekauft wurden. Gab es doch eine ganze Reihe von Angehörigen des Bataillons, die irgendwo und -wann in einem Spielmannszug oder auch privat musiziert hatten. Einige hatten auch ihre Instrumente mit in die Kaserne gebracht. Man setzte sich zusammen, und aus der Vielzahl der Talente entstand eine Bläsergruppe, eine Band für Tanz- und Unterhaltungsmusik und ein Spielmannszug, der jedoch leider wieder von Amts wegen verboten wurde und dessen Trommeln und Querflöten wir zu allem Ärger auch noch an das Musikkorps 6 abgeben mussten. Für diese Musiker stand vor allem ein Name: Willi Scheffler! Für uns war es selbstverständlich, dass er als alter Berufsmusiker unser musikalischer Boss und Ausbilder wurde. Die Posaune und die Trompete waren neben den sonstigen Blasinstrumenten und dem Klavier seine stärkste »Waffe«. Wenn Willi sich ins Zeug legte, dann gab es Applaus auf offener Szene. Unsere Band hatte auch eine besondere Art von Entlohnung, als Major Krieg noch unser Bataillonskommandeur war: die sogenannte Sekt-Währung - einmal Lilli Marlen spielen - hieß eine Flasche Sekt für uns. Klar, dass diese Währung allerdings immer erst gegen Ende einer Veranstaltung zog. So eine Schlußnummer verlängerte sich dann aber auch oftmals bis in die frühen Morgenstunden.


Viele werden sich noch an unser Wirken erinnern, denn die Bläsergruppe trat jeden Morgen mit dem Wecken in Aktion, begleitete die Flaggenparaden und blies schließlich allabendlich um 22.00 Uhr zum Zapfenstreich.
Das Jahr 1962 ist allen Hamburgern noch in übler Erinnerung: Im Februar ließ der Blanke Hans die Elbe über die Deiche treten. Die »Jahrhundertflut« hatte besonders in Harburg, Veddel und Wilhelmsburg katastrophale Folgen: Todesopfer waren zu beklagen, und Tau-sende hatten aus ihren überschwemmten Häusern nichts als die bloße Haut gerettet. Dass nicht noch mehr passierte, verdankten die Hamburger »ihrem« Lehrbataillon. In selbstlosem Einsatz retteten die Soldaten manchen Wilhelmsburger aus den Obergeschossen und von den Dächern ihrer Häuser, stopften die geborstenen Deiche mit Sandsäcken und versorgten die Obdachlosen mit Wolldecken sowie Kaffee und Erbsensuppe aus der Feldküche. Hierfür wurde der Verband noch im selben Jahr durch den damaligen Innensenator Helmut Schmidt ausgezeichnet.

Ein besonderes Ereignis fand am 24.4.1965 statt. An diesem Tag wurde allen Bataillonen der Bundeswehr in Münster in Westfalen die vom Bundesminister der Verteidigung, Kai Uwe von Hassel, gestifteten Truppenfahnen übergeben. Unser Bataillonskommandeur, Major Waltsgott, nahm die Fahne aus der Hand des Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant de Maizicre entgegen. Die feierliche Übergabe fand unter großer Anteilnahme der Zivilbevölkerung statt. Besonders eindrucksvoll war der Einmarsch der 323 Truppenfahnen, die von Fähnrichen und Fahnenjunkern der drei Heeresoffizierschulen getragen und später an die Fahnenabordnungen der Bataillone übergeben wurden. Die Fahnenabordnung des Bataillons bestand aus Feldwebel Below und den Leutnanten Lenz und Kröger.


Im September 1966 trafen die lange erwarteten neuen acht Kanonenjagdpanzer für die 5. Kompanie ein und bildeten fortan eine echte Schwerpunktwaffe des Bataillonskommandeurs. Sie wurden in zwei Panzerjägerzügen (Kanone) eingesetzt und traten erstmals bei der Feldparade aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des Lehrbataillons am 22.10.1966 öffentlich in Erscheinung. Das Bataillon trat zu dieser Feldparade mit einer noch nie erreichten Zahl von Ketten- und Radfahrzeugen an. Die drei Kampfkompanien marschierten kriegsstark mit jeweils 16 Schützenpanzern HS 30 vorbei, die 5. Kompanie konnte neben den neuen Kanonenjagdpanzern, von uns auch »Wölfe« genannt, einen fast vollständigen Panzermörserzug vorstellen, und in der schließenden 1. Kompanie war die gepanzerte Nachschubgruppe mit vier M 113 ebenfalls vollständig! Die Feldparade auf der Rodigallee fand, wie im Vorjahr, wiederum regen Zuspruch durch die Hamburger Bevölkerung. Einigen »Kundigen« allerdings stockte doch der Atem etwas, als die Kompanien mit bis zu 40 km/h am Schulkommandeur und am ehemaligen Divisionskommandeur der 6. Panzergrenadierdivision, General Haag, vorbeidonnerten.

Zwei Tage später begann der erste Truppenübungsplatzaufenthalt im Ausland. Der sog. »Frankreichfeldzug« führte das Bataillon in fünf Transportzügen für zwei Wochen auf den Truppenübungsplatz LA COURTINE in Südfrankreich. Eine Menge widriger Umstände waren zu überwinden, bis die Soldaten sich an die völlig andersartigen französischen Lebensverhältnisse gewöhnt hatten. Das ungewohnte Essen und schlechtes Wetter machten vielen Soldaten schwer zu schaffen; die Kompaniechefs sowie der Truppenarzt hatten ernstliche Sorgen wegen der Einsatzbereitschaft der Kompanien.

Bei zwei Brigadeübungen mit der ebenfalls anwesenden Panzergrenadierbrigade 13 zeigte das Bataillon jedoch, dass solche »Kleinigkeiten« ihm wenig anhaben konnten und verlangte den anderen Einheiten und auch dem »Feind« Achtung vor seiner kriegsmäßigen Stärke und Ausrüstung ab. Wegen der geringen Nutzungsmöglichkeiten des Truppenübungsplatzes für Schießvorhaben wurden auch ausgedehnte Betreuungsfahrten durchgeführt, bei denen die Soldaten die nähere Umgebung im südfranzösischen Zentralmassiv sowie die Großstadt Clermont-Ferrand mit ihrer »Vulkankette« kennenlernten. Ein hochoffizielles Fußball-Freundschaftsspiel gewann eine Bataillons-Mannschaft gegen eine Mannschaft des 126. französischen Infanterieregiments. Anschließend saß man freundschaftlich beieinander und feierte Sieg und Begegnung. Stabsfeldwebel Alfred Mielke berichtet von dieser Übung: »Wenn ich an diesen Truppenübungsplatzaufenthalt denke - mein erster übrigens von insgesamt 75 - fällt mir zuerst der Eisenbahntransport ein. Er begann am 24.10.1966, aber wir kamen erst am 27. Oktober in LA COURTINE an. Ganze 62 Stunden - drei Nächte und 2 Tage - dauerte die Fahrt. Seither fahre ich gerne Eisenbahn. Der Zug musste jeweils für mehrere Stunden auf Nebengleisen von Bahnhöfen halten, damit die Verpflegung zubereitet, ausgegeben und eingenommen werden konnte. Als Schlafplatz diente nicht nur der Gang vor der Abteiltür, auch die Gepäcknetze waren sehr begehrt. Ebenfalls an den Ausbildungstag, vor dem wir die größte Angst hatten, erinnere ich mich noch genau. »Auf- und Absitzen vom fahrenden Schützenpanzer HS 30« stand auf dem Dienstplan. Wahre Horrorgeschichten über die Gefährlichkeit dieser Ausbildung waren im Umlauf. Unser Bataillonskommandeur, der wieder einmal Dienstaufsicht durchführte, munterte uns aber mit freundlichen Worten auf, wie zum Beispiel: »Wie alt sind Sie?« Antwort eines zögernden Panzergrenadiers: »Zwanzig, Herr Oberstleutnant.« »Springen!«

Und auch »er« war ab 1966 im Bataillon und zwar für volle 18 Monate in Oliv und mit kurzen Haaren. Dass der Kasernenfriseur seine Haare über eine Anzeige im »Musik-Express« büschelweise angeboten haben soll, ist sicher nur ein Gerücht. Am 4. Juli 1966 trat er mit eigenem Presseoffizier seine Grundausbildung in der Ausbildungskompanie 402, 1. Zug, 1. Gruppe an. Sein Bett in der mit 12 Soldaten belegten 8-Mann-Stube blieb jedoch in den ersten Tagen wegen zahlreicher Termine noch unbenutzt. Der Junge von St. Pauli mit abgeschlossener Kellnerlehre war damals schon sowas wie ein Star. Mit den Rattles hatte Achim Reichet eine England-Tournee, bei der Joe Locker im Vorprogramm auftrat, mit großem Erfolg abgeschlossen und die Beatles kurz vor seiner Einberufung auf deren einziger Deutschlandtour supportet. Aber er »trug es wie ein Mann«, entsprechend dem Titel seiner ersten Single. Nach 12 Monaten und entsprechender Ausbildung wurde er zum Unteroffizier befördert. Nun steht sein Name nach über 30 Jahren im Musikgeschäft wie kein zweiter für deutsche Rockmusik. Riesenhits wie »Aloha Heja He«, »Der Spieler« oder »Wahre Liebe« brachten ihm den verdienten Erfolg.


Ein Jahr später konnte das Bataillon ein weiteres Mal der Stadt Hamburg und ihren Menschen große Hilfe leisten, als es während der Sturmflut, die glücklicherweise deutlich glimpflicher als die von 1962 verlief, eingesetzt wurde. Erst viele Jahre später mussten wir »163er« während der Schneekatastrophe von 1979 unsere Leistungsfähigkeit bei Katastropheneinsätzen noch ein letztes Mal unter Beweis stellen.

In der Nacht vom 22. auf den 23.6.1968 wurde eine Waffenkammer im Kasernenbereich aufgebrochen und 38 Pistolen entwendet. Erst gegen 11.00 Uhr bemerkte eine Streife den Diebstahl. Die Täter hatten offensichtlich gute Ortskenntnisse. da sie nach Durchtrennen des Kasernenzaunes nur 30 m benötigten, um durch ein urvergittertes Kellerfenster in besagten Kompanieblock einzusteigen. Danach gelangten sie problemlos zur Waffenkammer, die sich im Keller befand. Ein Vorhängeschloss und das normale Türschloss waren schnell geknackt, und auch der Stahlblechschrank, in dem die Waffen lagerten, war fair sie dann kein großes Hindernis mehr.

Panzergrenadier Elshoff - im Jahr 1970 Wehrpflichtiger im Abiturientenzug - antwortete auf die Frage, warum seine Kameraden und er in einer Zeit, in der Anträge auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer an der Tagesordnung waren, den Wehrdienst nicht verweigert hätten: »Wenn man die 31 Soldaten des Abiturientenzuges befragt, warum sie, im Gegensatz zu einigen ihrer Schulkameraden, den Wehrdienst nicht verweigert haben, so erhält man recht verschiedene Begründungen. Einige von ihnen geben unumwunden zu, dass sie sich darüber bis heute keine großen Gedanken gemacht haben. Zusammen mit anderen sind sie aber ehrlich genug, um zuzugeben, dass ihnen ihr Gewissen es im Verteidigungsfall nicht verbieten würde, mit der Waffe zu kämpfen. Das Gros meiner Kameraden aber glaubt, dass die derzeitige politische Lage Europas die Bundeswehr erforderlich macht. Die Bundesrepublik kann von ihren Verbündeten in der Nato keinen alleinigen Schutz zur Aufrechterhaltung ihrer freiheitlich demokratischen Grundordnung verlangen, ohne selbst einen wesentlichen Verteidigungsbeitrag in diesem Bündnis zu leisten. Die meisten Soldaten des Abiturientenzuges sind sich in dieser Begründung einig, obwohl der Dienst manchmal recht »sauer« wird und wohl keinem die Umstellung vom zivilen auf das militärische Leben leichtgefallen ist. Keinem von ihnen war wohl bei dem Gedanken, eventuell auf Menschen schießen zu müssen, als sie die Waffen zum ersten Mal empfingen, aber die meisten von ihnen sind realistisch genug einzusehen, dass eine wirksame Verteidigung der Bundesrepublik nur so möglich ist, und dass dies die einzige wirksame Möglichkeit sein wird, die Demokratie in unserem Land vor Diktatur und Totalitarismus zu schützen. Besonders positiv wird dabei empfunden, dass der Soldat in der Bundeswehr immer mehr als Staatsbürger in Uniform herausgestellt wird, dessen Grundrechte nur unwesentlich beschränkt werden, und der mit seinen Vorgesetzten durchaus über Sinn und Zweck der Bundeswehr diskutieren kann.« Bereits ab Mitte des Jahres 1969 verstummten die Gerüchte, dass das Bataillon verlegen sollte, nicht mehr. Man sprach über einen möglichen Umzug in die Boehn- oder die Graf-Goltz-Kaserne, über eine Verlegung aus Hamburg heraus und sogar über den Verlust der Eigenschaft als Lehrbataillon. Letztlich wurde eines klar: In absehbarer Zeit würde es eine Änderung geben, wie auch immer.

Technischer Dienst (1977 - Wolfgang Gorniak)
Technischer Dienst (1977 - Wolfgang Gorniak)

Aus dieser Zeit berichtet Oberst i.G. Sachau: »Dumpf dröhnend, kettenrasselnd wälzt sich eine olivgrüne Panzerschlange durch die Oktaviostraße in Wandsbek. Vor dem ersten Schützenpanzer marschiert ein Soldat, von Zeit zu Zeit aufmerksam die Ketten des ihm in fünf bis zehn Meter Abstand folgenden Panzers beobachtend. Er schüttelt hin und wieder den Kopf. Was mag er denken, der Staatsbürger in Uniform? Ein Blick zur Seite und er erkennt den Mann, der dort vor seiner Villa stehend, argwöhnisch die Panzerbewegungen überwacht. - Ach ja, wir müssen ja Rücksicht auf Herrn Blum und seine Beziehungen nehmen - bloß keine Lärmbelästigung in seiner Nähe! Man könnte zwar meinen, dass, um der Ausbildung der Bundeswehr willen, also eines echten Anliegens des Staates, dieser eine einmal auf sein Privatrecht verzichten und sich in die Gemeinschaft der Bürger schlechthin einordnen könnte; aber es ist eine alte Weisheit: »Alle Menschen sind gleich, nur einige sind gleicher als andere«. Kaum ist die Oktaviostraße passiert, sitzt der Soldat, der vorher »per pedes« die Panzer angeführt hat, auf seinen Panzer auf, und der olivgrüne Panzerwurm setzt sich, etwas lauter rasselnd als zuvor, in Bewegung. Munter, Geschwindigkeit 20 km/h, geht es durch die dichtbesiedelten Wohngebiete Rahlstedts. Kinder stehen am Straßenrand und winken. Hin und wieder ruft eine durch den Lärm argwöhnisch gewordene Mutter ihren Sprössling zurück. Hier ist ja auch keine Villengegend, hier wohnen nur Familien mit Kindern, und die sind Lärm ohnehin gewöhnt. Niemand nimmt hier Anstoß an der Bundes-wehr. Motto: »Alle Menschen sind gleich, nur einige haben bessere Beziehungen!« Berechtigt stellt ein Soldat, selbst Bürger der Stadt Hamburg, diese Frage an mich: »Was machen wir eigentlich, wenn ein Alarm ausgelöst wird, muss dann auch einer von uns vor den Panzern hergehen? Dann muss es doch wohl vor allem auf Schnelligkeit ankommen?« Meine Antwort gleicht jener des Radio Erivan: »Im Prinzip ja! Natürlich muss es auf Schnelligkeit ankommen, aber Herr Blum machts unmöglich. Durch die Oktaviostraße geht's nur im Schrittempo.« Und die Moral von der Geschieht': Dem Staatsbürger in Uniform ist klarzumachen und überzeugend darzulegen, dass für die Verteidigung der Freiheit der Bundesrepublik auch die Verteidigung der Freiheit des Staatsbürgers ohne Uniform Blum notwendig ist, wenn auch nicht ganz so schnell, sondern gemächlich im Schritttempo.


Die Situation war für unser gepanzertes Bataillon tatsächlich sehr unerfreulich geworden, da es im Laufe der Zeit rundherum von Wohngebieten eingeschlossen worden war und jeder Marsch zum Standortübungsplatz Höltigbaum, zur Heeresoffiziersschule oder zum Verladebahnhof auf ganzer Länge durch dicht bewohntes Stadtgebiet führte und somit die immer empfindsamer werdende Bevölkerung stark beeinträchtigte. Unter anderem der Hamburger Bundestagsabgeordnete Carl Damm wurde nicht müde, eine Lösung dieses Lärmproblems anzumahnen. In Gesprächen mit den betroffenen Hamburger Bezirksamtsbereichen Wandsbek und Mitte wurden seit etwa 1968 wechselnde Fahrtrouten für die Schützenpanzer festgelegt und Schritttempo vereinbart, um zumindest die Lärmeinwirkung zu minimieren und »gerecht« zu verteilen. Auch die Schaffung einer eigenen Autobahnauffahrt für die Hanseaten-Kaserne wurde diskutiert, aber als nicht praktikabel wieder verworfen. Die Lösung ergab sich dann im Zuge der Umgliederung des deutschen Heeres in die Struktur 3: Unser Bataillon verabschiedete sich im Juni 1971 von seinem bisherigen Standort Hamburg und der Heeresoffiziersschule II, löste die Ausbildungskompanie 402 auf und verlegte in die Bose-Bergmann-Kaserne nach Wentorf. Damit wurde die Lärmbelästigung so vieler Hamburger beseitigt, das Bataillon hatte kurze Wege zu seinem Standortübungsplatz, und die Panzergrenadierbrigade 16 erhielt endlich ein schlagkräftiges, gepanzertes Infanteriebataillon und war damit für seinen neuen grenznahen Auftrag komplett und gut ausgestattet. Die Wentorfer Lohe drohte allerdings aufgrund der ungewohnten und intensiven Nutzung durch unsere Kettenfahrzeuge, ihr Image als »Naherholungspark Wentorfer Pilzsammler und Hobbyreiter« zu verlieren. Dieser akuten Gefahr wurde zunächst mit unverzüglicher drastischer Einschränkung für das Üben mit Kettenfahrzeugen und später mit Millionenaufwand durch den Bau von Schützenpanzerkampfbahnen begegnet. Bereits wenig später erfolgte die Umwandlung und Umbenennung des »stolzen« Lehrbataillons der Heeresoffiziersschule Il in ein »schlichtes« Panzergrenadierbataillon mit der Nummer 163. Das Bataillon führte nun die Stabs- und Versorgungskompanie, drei Kompanien mit je 16 Schützenpanzern und die Panzermörserkompanie mit 6 Mörserträgern.

Auch mit ihrer neuen Aufgabe fanden sich die Soldaten des Bataillons schnell zurecht, wenn es auch vielen schwerfiel, von der besonderen Stellung als Lehrbataillon Abschied zu nehmen. Aber so ganz schlicht waren wir natürlich auch wieder nicht: Wir hatten immerhin unsere Schützenpanzer HS 30, während das in der Brigade bereits vorhandene, mit uns gegebenenfalls vergleichbare Jägerbataillon (MTW) 162 nur über Mannschaftstransportwagen MTW M 1 13 verfügte und im Kampf deutlich statisch orientiert war, während unsere Stärke gerade in der Beweglichkeit lag. Außerdem zogen wir in unmittelbare Nähe des Brigadestabes und waren damit gleich so etwas wie eine Leibgarde, während die anderen Kampftruppenbataillone deutlich auf Distanz zur Brigade waren und in eigenen Kasernen lagen.

Tag der offenen Tuer mit SPz Marder (1982 - Ralph Kalkreuter)
Tag der offenen Tuer mit SPz Marder (1982 - Ralph Kalkreuter)

Am 3.9.1971 versuchte das Bataillon unter Leitung von Oberstleutnant Pfeiffer mit einem »Tag der offenen Tür« die Aufmerksamkeit der Wentorfer Bevölkerung auf sich zu ziehen und sich am neuen Standort vorzustellen. Der Kommandeur warb in seiner Ansprache während des Empfanges um Verständnis für die Belange des ersten mit Schützenpanzern ausgerüsteten Verbandes in Wentorf und bat um Hilfestellung für ein rasches Einleben der Bataillonsangehörigen am Ort. Bürgermeister Werwinski sicherte die Aufgeschlossenheit von Verwaltung und Bürgern zu, wies aber, vielleicht wegen des forschen Auftretens von Oberstleutnant Pfeiffer, auch darauf hin, dass Freundschaften wachsen müssen und selten im »Sturmangriff« zu gewinnen sind. Das Echo auf die Einladung zum »Tag der offenen Tür« war dann auch eher bescheiden; dennoch konnte das Bataillon vielen interessierten Bürgern einen Einblick in die Arbeit unseres Verbandes geben. Bei der Brigade stieß allerdings in der Nachlese des Ereignisses sauer auf, dass in der örtlichen Presse Bilder von jungen Mädchen an Maschinengewehren erschienen, was nicht gerade Ziel unserer Öffentlichkeitsarbeit sein konnte. Somit hatten wir für einen schönen Belehrungspunkt für weitere »Tage der offenen Tür« unter der Rubrik »Lehrvorführung falsch« gesorgt.


Der damalige Hamburger Innensenator Ruhnau überreichte dem Verband zwei Jahre später, am 20. Juni 1973, »aus Anlass der Verlegung aus dem Standort Hamburg, des Ausscheidens aus dem Unterstellungsverhältnis der Heeresoffiziersschule 11 und in Anerkennung der verdienstvollen Arbeit zum Wohle dieser Stadt und ihrer Bürger« ein Fahnenband.

Ebenfalls im Jahr 1973 wurde das Bataillon mit dem Schützenpanzer Marder ausgerüstet. Durch ihn konnten die gestiegenen Anforderungen an Beweglichkeit, Feuerkraft und Panzerschutz beim Kampf der verbundenen Waffen erfüllt werden. Der Marder prägte von da an bis zur Auflösung das Gesicht und die Ausbildung des Bataillons. Unsere Leistungsfähigkeit in der neuen Rolle stellten wir frühzeitig und bei vielen Gelegenheiten insbesondere bei Großübungen wiederholt unter Beweis. Dabei ließen wir uns auch durch kleine Patzer wie bei der NATO-Gefechtsübung BOLD GUARD 1974 nicht irritieren: Eine Kompanie des Bataillons verlor bereits bei der Annäherung an den Feind im Raum Kayhude - Wakendorf II den gesamten Angriffsschwung, da der vorn eingesetzte Zugführer das schwere mittelholsteinische Gelände unterschätzte und zunächst mit einem seiner Marder in einer morastigen Wiese steckenblieb.

Durch sofort einsetzende Kameradenhilfe, sprich Bergeversuche des Zuges bzw. der Kompanie, wurde dieser Marder nicht befreit, sondern er erhielt nur Leidensgefährten, da sich noch weitere fünf oder sechs Marder bei den Bergeversuchen im Moor festfuhren und ganz langsam einsanken; den Besatzungen blieb jedoch genügend Zeit, ihre persönliche Ausrüstung in Sicherheit zu bringen. Als dann der Hilferuf an das Bataillon ging, zeigten sich auch ein, zwei Bergepanzer solidarisch und blieben ebenfalls bewegungsunfähig im Moor stecken. Nun war die Zeit für den Auftritt des Technischen Stabsoffiziers, Hauptmann Eberhard (Atze) Zimmermann, reif. In einer etwa zehntägigen großangelegten Bergeaktion, die das Abholzen eines Wäldchens und Herstellen eines tragfähigen Knüppeldamms einschloss, gelang es schließlich, alle 9 Marder und Bergepanzer wieder aus dem Moor zu befreien und, allerdings deutlich verspätet, an den Standort zurückzuführen. Eine Zeitlang hatten wir dadurch in der Brigade den Beinamen »Moorbataillon« weg, bis das nächste Bataillon sich durch etwas Vergleichbares auszeichnete. Die Gemeindevertretung von Kayhude beratschlagte sogar ernsthaft, diese Gegend nach unserem Kommandeur in »Rommel-Moor« umzubenennen, es kam trotz längerer Beratung jedoch keine Mehrheit zustande. Das Bataillon hat sich in jeder Hinsicht rasch in die Brigade und ihre Umgebung eingefügt. Die bereits 1976 begründete Patenschaft zur Stadt Reinbek ist Ausdruck dieser gelungenen Integration.

Patenstadt Reinbek

SPz Marder in der Lohe (1982 - Ralph Kalkreuter)
SPz Marder in der Lohe (1982 - Ralph Kalkreuter)

Am 2. Oktober 1975 fasste die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Reinbek folgenden Beschluss: »Die Stadt Reinbek übernimmt für das Panzergrenadierbataillon 163, Wentorf bei Hamburg, Bose-Bergmann-Kaserne, eine Patenschaft.« Mit diesem Beschluss verbindet die Stadtverordnetenversammlung die Erwartung und die Hoffnung, dass er Anstoß für die Begegnung zwischen Soldaten und Bürgern sein wird. Die Überreichung der Urkunde und offizielle Begründung der Patenschaft erfolgten am 14. Mai 1976.

Wie wurden 18 Jahre Patenschaft gestaltet? Was ist daraus geworden? Die Idee des ehemaligen Bürgervorstehers Kreft und des damaligen Bürgermeisters Kock, zur Intensivierung des Verhältnisses Bürger und Bundeswehr beizutragen, wurde im Offizierheim der Bose-Bergmann-Kaserne durch mehr als 100 Personen aus Öffentlichkeit und Bundeswehr in die Tat umgesetzt. Die monatelange Prüfung der Möglichkeiten und Auswirkungen einer Patenschaft durch den damaligen Bataillonskonmmandeur, Oberstleutnant Klaus Bodenstein, führte zu intensiven persönlichen Gesprächen zwischen Soldaten und Vertretern der Reinbeker Vereine, Verbände und Parteien.


Oberstleutnant Bodenstein dazu: »Wir wollen keine plötzliche Aktivität, sondern einen stetigen Ausbau der Beziehungen -- allzu groß wäre die Gefahr, dass massive Spontanität schnell wieder verpufft.« Nachdem Bürgermeister Kock die Koordination in seine Hände nahm, konnte mit dem Feierlichen Gelöbnis von 400 Rekruten im Sportzentrum Reinbek am 14. Mai 1976 der erste Meilenstein in der Geschichte der Patenschaft gesetzt werden.


Eingebettet in eine Waffenschau am Nachmittag und einen Empfang anlässlich der Überreichung der Patenschaftsurkunde und -geschenke, kamen Bürger - Teilnehmer am Empfang wurden übrigens wahllos aus der »Meldekartei« gezogen - und Soldaten zu der einhelligen Meinung: »Das Patenschaftsverhältnis sollte auf eine möglichst breite Basis gestellt wer-den.« Die Wehrpflichtigen und auch Dienstgrade des Bataillons sollten schnell erfahren, wie »intensive lebendige« Beziehungen, wie »echtes und ehrliches« Interesse am Dienst entstehen. In den Folgejahren erwarben einige hundert Soldaten ihren Haupt- oder Realschulabschluss in der Volkshochschule Sachsenwald, wurden Wehrpflichtige im Quartal ihrer Grundausbildung zu einem Informationstag in die Patenstadt eingeladen, boten sich Pateneltern für heimatfern einberufene Soldaten an. Jährlich fanden Fußballturniere zwischen der TSV Reinbek, FC »Voran« OHE, Stadtverordneten und städtischen Mitarbeitern und dem Bataillon statt. Ein internationales Fußballturnier mit mehreren hundert Teilnehmern wurde durch das Bataillon unterstützt. Fachlich näherte man sich den Freiwilligen Feuer-wehren, ABC- und Selbstschutzausbildung folgten im stetigen Wechsel. Jährliche Wohltätigkeitskonzerte des Heeresmusikkorps 6 belebten das kulturelle Leben der Stadt. Und schließlich sorgte der EDOMO (Erster Donnerstag im Monat) lange Zeit als Geprächskreis für regen Gedankenaustausch zwischen Bürgern und Soldaten. 
Einer der Höhepunkte der 750-Jahr-Feier Reinbeks war sicherlich das Geschenk des Bataillons: 750 Arbeitsstunden für soziale Dienste.

Und schließlich erhielt der zum 31. Januar 1990 aus dem Dienst ausgeschiedene Bürgermeister Günter Kock am 20. Dezember 1989 aus den Händen des Bataillonskommandeurs, Oberstleutnant Walkhoff, die Bataillonsehrennadel Nr. 20. Trotz zunächst erfolgter Kaderung und mittlerweile endgültig vollzogener Auflösung des Panzergrenadierbataillons 163 ist festzustellen, dass jahrelanges Miteinander - durchaus mit Höhen und Tiefen - im persönlich-privaten Bereich bis zum heutigen Tage Früchte trägt.


Beim Panzerabwehrwettbewerb der 6. Panzergrenadierdivision erreichte der Panzerabwehrtrupp unserer 4. Kompanie 1976 in PUTLOS trotz widriger Witterungsbedingungen den ersten Platz. Auch den Sieger in der Einzelwertung stellte mit dem Panzergrenadier Martin Conrad unser Bataillon. Der Ausbildungsleiter für die Panzerabwehrtrupps, Oberfeldwebel Heinz Thode, erhielt unter anderem für diese erfolgreiche Ausbildung einen Bestpreis vom Kommandierenden General des I. Korps.
Kameradschaft will gepflegt werden. Diese Einsicht hatten auch die Aktiven und Reservisten unseres Bataillons. Viele Gespräche sind geführt worden, bis am 8.9.1979 das Treffen der ehemaligen und aktiven Angehörigen des Bataillons in Wentorf stattfinden konnte. Der Einladung waren insgesamt 140 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften gefolgt. Für den Anfang eine erfreuliche Beteiligung. Nach der Begrüßung gab Bataillonskommandeur Oberstleutnant Böker eine kurze Einweisung in den damaligen Auftrag sowie Gliederung und Stärke des Bataillons. Eine kleine Waffenschau schloss sich an. Die Tagesordnung sah anschließend die Gründung der »Kameradschaft der 163er« vor, die dann auch einstimmig beschlossen wurde. Bei der Wahl des Vorstandes wurde Oberstleutnant a.D. Busch zum 1.Vorsitzenden gewählt. Das Treffen endete mit einem »geselligen Teil«, der sich nach den Berichten Beteiligter bis in die frühen Morgenstunden des folgenden Tages ausgedehnte.
Am 12.6.1980 erhielt das Bataillon als Anerkennung für seinen Einsatz bei der Schneekatastrophe zum Jahreswechsel 1978/79 vom Ministerpräsidenten Dr. Gerhard Stoltenberg das Fahnenband des Landes Schleswig-Holstein verliehen.

Auf Uebung in Bergen (1985 - Michael Gundhoff)
Auf Uebung in Bergen (1985 - Michael Gundhoff)

Schon lange hatte das Bataillon nach Kanada fliegen wollen - 1980 war es endlich soweit: SHILO rief? Am 15.8.1980 marschierten die 2. Kompanie und Teile der 1. Kompanie nach Köln, um mit einer Boeing der »Apel-Airline« nach Winnipeg in Manitoba zu fliegen; die 4. Kompanie folgte einen Tag später. Die strapaziöse Busfahrt nach Köln wird vielen Kanadafahrern noch lange unangenehm in Erinnerung bleiben: Die 7 Stunden in einem »komfortablen« Bundeswehrbus schaffte alle, bis das Flughafengebäude endlich erreicht war. Dafür entschädigte der Flug die Teilnehmer, zumal er für viele der erste war. Die Flugroute verlief über die Nordsee, Schottland, den Atlantik, Grönland, Neufundland nach Winnipeg in der Mitte Kanadas. Es schloss sich sogleich wieder eine Busfahrt an, diesmal jedoch nur für zwei Stunden in ausgesprochen bequemen, klimatisierten Reisebussen. Kaum angekommen, hieß es Fahrzeuge und Unterkünfte zu übernehmen, und tags darauf waren wir bereits heftig beim Schießen und Üben. Die weiten Schießbahnen ließen die Soldaten die Enge und Einfachheit der Unterkünfte vergessen; die Mannschaften waren in riesigen Schlafsälen untergebracht, wie sie in der Heimat keinem Soldaten zugemutet werden. Die Chefs bemängelten die nur unzureichenden Ausbildungsmöglichkeiten für die Schützentrupps. Trotz allem waren jedoch die gezeigten Leistungen und das Vorankommen in der Ausbildung durchweg anerkennenswert. Höhepunkt und krönender Abschluss war natürlich das Schießen verbundener Waffen in Bataillonsstärke mit dem beziehungsreichen Namen SCHWARZER BÄR, zusammen mit den Panzerbataillonen 183 und 184 auf der Schießbahn Berlin. Am einzigen freien Wochenende fuhren viele Soldaten mit dem Bus im Kompanierahmen oder auch allein in gemieteten Straßenkreuzern nach Winnipeg und/oder in die weitere Umgebung von SHILO. Einige verbrachten das Wochenende in Baptistenfamilien, lernten Wasserski- oder Motorbootfahren, freundeten sich mit der Bevölkerung, meist natürlich der weiblichen, an und brachten eine Menge neuer Eindrücke mit nach Hause. Am meisten beeindruckte wohl alle die so vollkommen andersartige Natur, die Weitläufigkeit der Landschaft, die Unberührtheit der Wälder, Flüsse und Seen, die überwältigende Schönheit der Sonnenauf- und -untergänge in der Prärie und die Büffel, die Wappentiere der Provinz Manitoba: Sie wollen alle wieder nach Kanada, möglichst bald. Außer Andenken brachten einige auch neue Angewohnheiten mit: So avancierte der Technische Stabsoffizier zum begeisterten Angler, und der Kommandeur trinkt seitdem fast ausschließlich »Planter's Punch«. Auf dem Rückflug gab es dann noch eine schöne Überraschung: 34.000 Fuß über der Südspitze Grönlands beförderte der Kommandeur den Unteroffizier Prangenberg zum Stabsunteroffizier.


Nach der 1981 erfolgten Umgliederung in die Heeresstruktur 4 verfügte das Bataillon über zwei mit dem Schützenpanzer Marder ausgerüstete Kompanien, eine mit leicht gepanzerten Mannschaftstransportwagen bewegliche Kompanie, eine Mörserkompanie und die Stabs-und Versorgungskompanie. Für den Friedens- und Ausbildungsdienst wurde dem Bataillon die 3. Kompanie des gemischten Panzergranadierbataillons 161, das seine Kampfkompanien auf die präsenten Bataillone verteilt hatte und erst im Alarmierungsfall zu einem Verband zusammengetreten wäre, unterstellt. Diese Kompanie fühlte sich aber bis zur Auflösung des Bataillons auch immer als 163er Kompanie, schließlich war sie durch schlichte Umbenennung aus der ehemaligen 4./163 personell und materiell hervorgegangen.

Im Jahre 1981 wurde offiziell ein Verbandsabzeichen als Teil der Traditionspflege unter Berücksichtigung heraldischer Gesichtspunkte entworfen, geprüft und schließlich genehmigt. Das Wappen unseres Bataillons ist dreigeteilt. Im linken oberen Teil ist das Hamburger Stadttor zu sehen, Teil des Stadtwappens der Freien und Hansestadt. Das Stadttor, Symbol sowohl für Schutz und Wehrhaftigkeit durch eine mächtige zinnenbewehrte Mauer, als auch der Offenheit für ein friedliches Miteinander, ist Zeichen für die immer noch tiefe Verbundenheit des Bataillons zu dieser Stadt, deren Gastfreundschaft es während 13 Jahren in Anspruch nehmen durfte. Daneben steht das dem Familienwappen der Grafen von Schaumburg entlehnte Holsteinische Nesselblatt als Zeichen für die Einbindung des Verbandes in die Landschaft nördlich der Elbe. Da die Gemeinde Wentorf seit 1971 Heimat unseres Verbandes ist, wurde das Wagenrad aus dem Gemeindewappen (Symbol für Handel und holz-verarbeitendes Gewerbe am Rande des Sachsenwaldes) mit in unser Wappen aufgenommen. Im unteren Teil wird der Marder eingefügt.

Das 25jährige Bestehen des Bataillons wurde am 25.9.1981 »bataillonsintern« mit einem Appell eingeläutet. Am 26.9.1981 hatten dann ca. 8.000 bis 10.000 Besucher bei einem »Tag der offenen Tür« die Gelegenheit, sich von der Ausrüstung, dem Truppenalltag, aber auch vom Können ihrer Soldaten ein Bild vor Ort zu machen. Der große Andrang vor allem auch von jugendlichen Besuchern verdeutlichte, dass nicht nur ehemalige Kameraden und Vertreter der älteren Generation ein großes Interesse an der Bundeswehr hatten. Die Soldaten sahen sich teilweise einer Vielzahl von Fragen gegenüber, die gar nicht alle an diesem einen Tag beantwortet werden konnten. Naturgemäß fanden gerade die Waffensysteme Marder und Milan sowie der Einsatz des Bergepanzers beim »Verschrotten ausgedienter VW-Käfer«, als auch der reibungslos ablaufende Triebwerkswechsel eines Marders größtes Interesse. Da bei strahlendem Sonnenschein auch für Erfrischungen und Verpflegung gesorgt war, hielt der Ansturm von Neugierigen bis zum späten Nachmittag an. Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Veranstaltung gelungen war. In seiner Ansprache anlässlich des folgenden Empfangs im Offizierheim verwies der Kommandeur, Oberstleutnant Gerlach, vor zahlreichen Gästen auf die Geschichte des Bataillons und dankte allen Soldaten und deren Angehörigen für ihre Leistungen und ihre treue Pflichterfüllung. Die Verbundenheit mit dem Bataillon wurde vom Bürgervorsteher der Gemeinde Wentorf, Arnold Mex, Herrn Christiansen für das Infanterieregiment Nr. 76 und vom Vorsitzenden der Kameradschaft ehem. 163er in ihren Dankadressen eindrucksvoll hervorgehoben. Am Abend wurde schließlich ah 20.00 Uhr zum großen Ball ins Festzelt in Wentorf gebeten. Die Tanzkapelle und verschiedene Darbietungen einer Tanzsportgruppe sorgten für ausgelassene Stimmung auf dem Tanzboden, und es wurde ausgiebig bis spät in die Nacht geschwooft. Das erstklassige kalte Büfett und die Sektbar rundeten den Abend geschmackvoll ab, wobei die letzten das Feld erst gegen 4.00 Uhr in der Frühe räumten. Dies wurde aber auch höchste Zeit, da man sich bereits um 10.00 Uhr am Sonntag wieder zum Frühschoppen im Festzelt zu den Klängen einer Feuerwehrkapelle versammelte. Einige bemühten sich dabei, ihr an-geschlagenes Gleichgewicht durch einige Biere oder Schoppen wiederherzustellen. Der Ablauf der Veranstaltungen verlief so reibungslos, weil die 1. Kompanie und insbesondere der Hauptfeldwebel Berndt sich emsig bemüht hatten, Festzelt und Zubehör für diese Veranstaltung herbeizuschaffen und herzurichten. Ihr Einsatz hat sich gelohnt, denn der Geburtstag des Bataillons war rundherum ein voller Erfolg. 


Für die vielen, verdienstvollen Angehörigen des Bataillons, die in diesem Verband ihr 25jähriges Dienstjubiläum feiern konnten, wird hier der Stabsfeldwebel Jürgen Pautz exemplarisch genannt, der dieses Jubiläum im April 1983 begehen konnte. Pautz trat 1958 seinen Dienst in Husum in unserem Bataillon an, er diente in wechselnden Verwendungen im Versorgungsbereich, bis er am 1.1.1986 von der Funktion des Truppenversorgungsbearbeiters im Bataillon auf die Stelle des S4-Feldwebels in der G4-Abteilung der Brigade wechselte. Für seinen Einsatz während der Flutkatastrophe 1962 erhielt er die Dankmedaille der Stadt Hamburg, und in Würdigung seiner besonderen Verdienste um das Bataillon bekam er die Bataillonsehrennadel Nr. 1 verliehen.

Am 1.6.1983 waren 31 Wehrpflichtige zu einem Informationstag zu Gast in unserer Patenstadt Reinbek. Sie besichtigten das Sachsenwaldforum, erhielten vom Bürgermeister zunächst eine ausführliche Einweisung in die Stadt, einschließlich einer Rundfahrt durch die unterschiedlichen Stadtteile, und schlossen nach einer Schloßbesichtigung den informativen Tag mit sportlichem Vergnügen im Freizeitbad ab. So wurde der Einblick in die Strukturen einer Gemeinde für unsere Wehrpflichtigen interessant gemischt mit einem Vertrautmachen mit Reinbeks Freizeitmöglichkeiten.
Nach fast 26jährigen Einsatz im Bataillon wurde der »Pionierfeldwebel Berndt« am 28.9.1983 in den Ruhestand versetzt. Oberstleutnant Gerlach würdigte in einem Appell nicht nur die dienstlichen Leistungen von Hauptfeldwebel Berndt, sondern auch seinen Einsatz mit Hilfeleistungen zum Wohle der Allgemeinheit, wodurch er sich auch in der Öffentlichkeit einen Namen gemacht hatte. So hat er u.a. für den katholischen Kindergarten in Wentorf einen Spielplatz gebaut und für die Schule sprachgestörter Kinder ein Indianerdorf errichtet. Alle Vorgesetzten, die im Laufe der letzten Jahre ein Fest oder einen Ball vorzubereiten hatten, griffen immer gerne auf die Ideen, die Arbeitsleistung und das Organisationstalent des Hauptfeldwebel Berndt zurück.
Im September 1985 verlegte das Bataillon das letzte Mal in der fast sechsjährigen Kommandeurzeit des Oberstleutnant Gerlach auf den Truppenübungsplatz BERGEN-HOHNE. Höhepunkt war fraglos das Schießen verbundener Waffen als Abschluss der Heeresübung TRUTZIGE SACHSEN bei herrlichem Wetter und ausgezeichneter Sicht. Doch bereits nach kurzer Zeit hatten die Zuschauer nur noch wenig Durchblick, da künstlicher Nebel und Feuerschläge der Artillerie und der Panzermörser ihre Wirkung zeigten. Gefechtslärm herrschte allerorten, und die abgesessenen Schützentrupps mischten kräftig mit. Nach 90 Minuten anstrengender Show waren die Gäste beeindruckt und zollten unseren Akteuren Anerkennung. Oberstleutnant Gerlach fasste seine Meinung mit folgenden Worten zusammen: »Jungs, Ihr ward Spitze!« Im Dezember desselben Jahres stiftete Oberstleutnant Heinz-Georg Keerl eine spezielle Bataillonsehrennadel, die seitdem an nahezu fünfzig Soldaten in Würdigung ihrer besonderen Verdienste um das Panzergrenadierbataillon 163 verliehen wurde.

Oberleutnant Thomas Maul nutzte im Mai 1989 mit der 3. Kompanie die Feierlichkeiten anlässlich des 100jährigen Geburtstages der Freiwilligen Feuerwehr Schnakenbek, um die Patenschaft zwischen der Gemeinde Schnakenbek und der Kompanie auch augenfällig zu unterstreichen. Er enthüllte den »Stein der Patenschaft« zusammen mit Bürgermeister Dieter Bielenberg, der dieses Ereignis wie folgt würdigte: »Dieser Stein soll als Zeichen der Patenschaft stehen, die von Jahr zu Jahr enger und vertrauter wurde und die im Frieden wachsen und gedeihen möge.« Oberleutnant Maul überreichte ihm aus diesem Anlass einen Gutschein über »100 Arbeitsstunden zum Wohle Schnakenbeks« mit den Worten: »Dieser Tag ist der Höhepunkt einer mit schönen Ereignissen gespickten Patenschaft. Soldaten erfahren selten so viel Unterstützung wie hier.« Begründet wurde die Patenschaft bereits am 19.5.1978, und seitdem hatte es viele Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten gegeben; so führte die Kompanie jährlich eine Übung im Raum Schnakenbek durch, die regelmäßig mit einem Grillabend unter Beteiligung der Dorfbewohner ausklang. Das gemeinsame Fußballspiel mit Sportverein und Feuerwehr jeweils am Himmelfahrtstag wurde bald zur Tradition, genauso wie die Beteiligung der Schnakenbeker am herbstlichen Wettkampf-schießen der 3. Kompanie. Ihren besonderen Ausdruck fand die Patenschaft in der Tatsache, dass es für junge Schnakenbeker Ehrensache war, ihren Wehrdienst in ihrer 3. Kompanie zu leisten.

Technischer Dienst (1977 - Wolfgang Gorniak)
Technischer Dienst (1977 - Wolfgang Gorniak)

Mit der am 8.9.1990 bei der Jahresversammlung beschlossenen Fusion der »Kameradschaft ehemalige 76er« und der »Kameradschaft 163er« zur »Mook-wi-Kameradschaft« ist der über 20 Jahre währenden guten und engen Zusammenarbeit konsequent Rechnung getragen worden. In der Kameradschaft ehemalige Angehöriger des Panzergrenadierregiments Nr. 7 6 (vormals Infanterieregiment Nr. 76 zu Hamburg) traf man sich bei Erbsensuppe und Bier, tauschte Erfahrungen und Erinnerungen aus, pflegte eine Vielzahl privater Kontakte zwischen den Kameradschaftsangehörigen und ihren Familien und gedachte der gefallenen oder inzwischen verstorbenen Kameraden. Diese Partnerschaft wurde bereits gegründet, als wir noch Lehrbataillon der Heeresoffiziersschule in Hamburg-Wandsbek waren. Damals war der Brigadegeneral Dr. Hermann Wulf (auch Knubben Wulf genannt) Schulkommandeur, und von ihm stammte das saloppe »Mook wi«, mit dem er kurz und bündig Einsatz-befehle während des Krieges quittierte. »Mook wi« wurde bereits im Jahre 1950 als Nothilfegemeinschaft zur Unterstützung der Witwen und Waisen der gefallenen Kameraden und der in Not geratenen ehemaligen Regimentsangehörigen gegründet. Diese Gemeinschaft wurde auch von Veteranen des Hanseatischen Infanterieregiments Nr. 76 des 1. Weltkrieges unterstützt .

Das Jahr 1991 stand ganz im Zeichen der Umgliederung in die Heeresstruktur 5 und der gleichzeitigen Integration von Teilen der ehemaligen Nationalen Volksarmee in die Bundeswehr. So stellte das Bataillon seit 1.1.1991 ununterbrochen Ausbilderteams für den Standort Hagenow, und langsam gewöhnte man sich an Trabis und Wartburgs in der Bose-Bergmann-Kaserne, ebenso wie an Militärfahrzeuge mit dem Kennzeichen VA (für Volksarmee) und der zusätzlichen großen Aufschrift Bundeswehr an den Türen. Zum 1.1.1991 nahm auch die Einsatz- und Lehrkompanie, die 3./161, ihren Lehrbetrieb auf: Hier wurden Unteroffizieranwärter zu »Führern im Gefecht« und »Helfern in der Ausbildung« ausgebildet.

Im Mai wurde dann noch einmal kräftig »gerudert«, d.h. der Bataillonsgefechtsstand nahm an der Brigadestabsrahmenübung SCHNELLE GALEERE teil, ohne jedoch dabei ins Schwimmen zu geraten. Zum 30.6.1991 stellte die 2./163 ihren Ausbildungsbetrieb ein, und auch die 5./163 gab ihre Soldaten ab.

Am 5.7.1991 traf der Befehl Nr. 1 für den Übergang in die Heeresstruktur 5 mit folgender Konsequenz ein: 35 Jahre und 6 Monate nach Aufstellung hatte das Panzergrenadierbataillon 163 zum 1.4.1992 seinen Dienstbetrieb endgültig einzustellen; es ging personell im Panzergrenadierbataillon 162 auf und blieb lediglich materiell als mobilmachungsabhängiges »Aufwuchsbataillon« bestehen.

Aber auch dies war nur von kurzer Dauer, denn bereits mit Befehl vom 13.7.1993 wurde das letzte Kapitel des Bataillons eingeläutet, die Auflösung vorbereitet und schließlich zum 31.12.1993 vollzogen. Damit endete die Geschichte eines der ersten Bataillone des Heeres nach zwei einschneidenden Umzügen, zwei Unterstellungswechseln und vielen hervorragend gemeisterten Aufträgen.

Links

Weitere Bilder des Panzergrenadierbataillons 163 finden sich im Fotoalbum unter:

Fotoalbum