Chronik der Panzerpionierkompanie 160

Wappen PzPiKp 160
Wappen PzPiKp 160

Für die Geburt der Panzerpionierkompanie 160 hatte die Vorsehung den 1. April 1959 ausgewählt. Wie bei jeder Geburt traten auch hier vor dem eigentlichen freudigen Ereignis die Wehen ein, nämlich das entsprechende Stammpersonal zu finden und zu motivieren. Als Kompaniechef wurde der Hauptmann Keferstein befohlen, ihm als rechte Hand und Kompaniefeldwebel konnte man den Hauptfeldwebel Kretschmer gewinnen. Aber damit war noch kein Stamm vorhanden, denn es hieß, nach Aufstellung sofort ca. 100 Rekruten aufzunehmen. Woher also die restlichen Unteroffiziere und Mannschaftsdienstgrade nehmen? Es bot sich also an, da die 4. Kompanie des Pionierbataillons 6 aufgelöst werden sollte, dieses Personal zu nutzen. Verwöhnt durch einen schönen Standort und eine neue, saubere Kaserne, musste das entsprechende Personal zu diesem Schritt animiert werden. Der zukünftige Kompaniechef, Hauptmann Keferstein, begann somit in der 4. Kompanie und im restlichen Pionierbataillons 6 die Werbetrommel zu rühren. Durch Argumente wie »welch glänzende Beförderungsaussichten man in einer selbstständigen Kompanie hat, zumal es auch nur eine einzige dieser Art in der Panzergrenadierbrigade 16 gäbe«, oder »Flensburg ist die schönste und größte Stadt des deutschen Nordens« und auch das »Tor nach Skandinavien« konnte dann doch innerhalb des Pionierbataillons 6 der Stammkader für die zukünftige Panzerpionierkompanie 160 zusammengestellt werden. Jetzt konnte es also losgehen. Am 1. März 1959 traf das Vorkommando dann in Flensburg-Weiche ein. Aber jegliche Vorfreude auf den Neubeginn wurde mit dem Eintreffen am zukünftigen Kompaniegebäude jäh getrübt. Man fand einen verschmutzten Neubau vor, ganz zu schweigen von der trostlosen Umgebung. Augen, die sich an die Sauberkeit in Plön und an die schöne Seen- und Waldlandschaft gewöhnt hatten, sahen sich plötzlich in eine graue Einöde versetzt. Aber nichtsdestotrotz, nach kurzem Verdauen dieses moralischen Tiefschlags wurde mit echtem »Pioniergeist« durch das Vorkommando angepackt, geschoben, gefegt, getragen, geschrubbt und eine würdige zweite Heimat für die jetzigen und zukünftigen Soldaten geschaffen.


Am 1. April 1959 war es dann soweit, 48 Soldaten waren angetreten und gehörten nicht mehr einem Pionierbataillon an, sondern gehörten jetzt zur Panzerpionierkompanie 160, einer selbstständigen Kompanie in der Panzergrenadierbrigade 16. Aber es war keine Zeit zum Feiern, denn am 6. April 1959 sollten 100 Rekruten eintreffen. Es gab noch eine Vielzahl an organisatorischen Vorbereitungen zur Aufnahme der Rekruten zu erledigen. Aber auch dieses wurde mit Elan geschafft.

Als Ausbilder in der Grundausbildung 1.Quartal-1990 (1987 - Frank Jeguske)
Als Ausbilder in der Grundausbildung 1.Quartal-1990 (1987 - Frank Jeguske)

6. April 1959 - die ersten Rekruten der Panzerpionierkompanie 160 treffen ein. Der damalige Panzerpionier Wolfgang Reicke erinnert sich an diesen Tag: »Wie viele meiner Altersgenossen stand ich auf dem Bahnsteig, in der Tasche den Gestellungsbefehl, klopfenden Herzens den Zug erwartend. Ein neuer Lebensabschnitt sollte beginnen, ich sollte ein Jahr nicht mir selbst, sondern der Allgemeinheit dienen ... Wir alle hatten einen Begriff in den Ohren: Bürger in Uniform, aber keine klare Vorstellungen von der noch relativ jungen Institution Bundeswehr ...

Wir waren uns einig, nach der Ankunft in Flensburg-Weiche trinken wir erst einmal ein Bier; aber wie so oft, es kam anders. Wir wurden von Soldaten in Empfang genommen, unter starkem Protest auf Ladeflächen der bereitstehenden Lkw verfrachtet und ab ging die Fahrt. So schnell die Fahrt auch begann, jäh wurde sie wieder unterbrochen. Aus Übermut trat der Fahrer so stark auf die Bremse, dass wir gegen das Führerhaus gepresst wurden und uns die Gepäckstücke um die Schienbeine rauschten. Sollte sich so das Soldatenleben darstellen? Nach Überwindung des ersten Schreckens merkten wir doch bald, dass bei der Bundeswehr nicht alles tierisch ernst genommen wird ...«

 

Drei Monate nach Aufstellung der Kompanie, am 2. Juli 1959, wurde der erste Kameradschaftsabend durchgeführt. Ziel dieses Abends war es, den jungen Soldaten die Tradition der jungen Bundeswehr als Nachfolgerin älterer deutscher Heeresorganisationen und deren Werte nahezubringen. An diesem Abend traf man sich mit Herren der damals schon bestehenden Flensburger Pionierkameradschaft. Vertreter der älteren Generation, die teilweise schon beide Weltkriege miterlebt hatten, kramten so - angeregt durch das Interesse der jungen Zuhörer, die kein tiefes Verhältnis zur Vergangenheit besaßen - in ihren Erinnerungen an die »gute alte Zeit«. Das Zugehörigkeitsgefühl zu einer gemeinsamen Waffengattung ließ schnell altersbedingte Schranken fallen, und die angehenden Pioniere trauten sich bald, nicht ohne Stolz über ihre »Erfahrungen« zu berichten. Der Rest des Jahres 1959 gestaltet sich durch Ausbildung, ein 14tägiges Manöver und zwei Übungsplatzaufenthalte in PUTLOS. Hervorzuheben sei hier, dass trotz der Kürze der Dienstzeit noch Zeit gefunden wurde, nach vollendetem Manöver mit der Öffentlichkeit einen Manöverball durchzuführen. Einen solchen erlebte die Kompanie dann auch vom 5. bis 7. September 1959 in Wesselburen.

Brückenleger M 48 Ausbildung StOÜbPl LANKEN (1987 - Frank Jeguske)
Brückenleger M 48 Ausbildung StOÜbPl LANKEN (1987 - Frank Jeguske)

So schrieb dann 4 Monate nach dem Manöverball der Gefreite Ernst Birth in seinen »Erinnerungen an einen Manöverball« unter anderem: »Am nächsten Morgen gab es dann die vorauszusehende Ernüchterung. Der Ausgehanzug wurde wieder mit dem Kampfanzug getauscht, und die Stunde des Abmarsches rückte immer näher. Heute, da der Abschied, der bestimmt keinem von uns sehr leicht fiel, schon lange vorbei ist, denken wir alle noch gern an die schönen Stunden und Tage in Wesselburen, an die herzliche Aufnahme und viele kleine persönliche Erlebnisse zurück.« Das Jahr (960 begann, wie das Jahr 1959 endete, im Februar mit dem Übungsplatzaufenthalt in PUTLOS, dem zwei weitere Übungsplatzaufenthalte in MUNSTER und wiederum PUTLOS folgten. Am 4. April 1960 traten 71 Rekruten ihren Dienst an. Höhepunkt des Jahres 1960 war das NATO-Manöver HOLD FAST, an dem neben deutschen auch dänische, englische und kanadische Truppen beteiligt waren. Das Manöver fand im Raum Bad Segeberg statt und endete mit einem Manöverball in Selent. Hauptaufgabe der Kompanie war es, Brücken zur Sprengung vorzubereiten und gegebenenfalls die Sprengung, natürlich nur mit Übungsmunition, auszulösen. Im Dezember fand der 1. Chefwechsel statt. Der inzwischen beförderte Major Keferstein übergab die Kompanie an Oberleutnant Gühlke und wurde in das Truppenamt nach Köln versetzt.

 

Noch im gleichen Jahr wurde durch den Kompaniechef der Kompaniewettbewerb ausgeschrieben, Vorschläge für ein Kompaniewappen einzureichen. Aus einer Vielzahl von Vorschlägen, die abstrakte, kitschige und malerisch wertvolle Kunst darstellten, wurde der Vorschlag des damaligen Stabsunteroffiziers Rieder als Vorbild für das heutige Kompaniewappen ausgewählt. Das oben abgebildete Verbandsabzeichen zeigt in seinem mittleren Hauptteil einen Schützenpanzer HS 30 beim Überschreiten einer Pionierbrücke. Dahinter steht versetzt das Eichenblatt aus dem Pionieremblem. Die Darstellung der Pionierbrücke einerseits und des Schützenpanzers andererseits soll die enge Verbundenheit zwischen Pionieren und Kampftruppe versinnbildlichen. Dass neben aller Härte und Anstrengung auch der Frohsinn nicht vergessen wurde, beweist ein Auszug aus einer Festschrift anlässlich eines Kappenfestes im Februar 1960. Hier ein Auszug aus »Wichtige Pioniergesetzänderungen für 1960«: § 1 Jeder Pionier hat den Dienst als das größte Vergnügen zu betrachten! Zu viele Anstrengungen bei der Formal- und Infanteriegefechtsausbildung sind verboten (bei Zuwiderhandlungen kann sofortige Entlassung aus der Truppe erfolgen)! oder 3 Wer versucht oder nur Anzeichen macht, Papier vom Fußboden zu entfernen (dafür sind die Hilfsausbilder da), die Stube zu reinigen (dafür sind die Reserveoffiziersanwärter zuständig) oder die Tafel abzuwischen (das macht der Spieß persönlich), wird mit einer Strafe bis zu drei Kästen Bier bestraft.


Übungsplatzaufenthalte und die Übung WASSERSPRUNG der 6. Panzergrenadierdivision, in der das Pionierbataillon 6 und die Panzerpionierkompanie 160 gemeinsam den Übergang über Gewässer mit Schwimmbrückengerät übten, prägten das Jahr 1961. Während dieser Divisionsübung konnte die Kompanie beweisen, dass sie neben dem Sprengen von Brücken und Anlegen von Minensperren ebenfalls in der Lage war, die Kampftruppen beim Über-winden von Gewässern zu unterstützen. Die Sturmflutkatastrophe im Februar 1962 forderte die Kompanie mit ihrer ganzen Kraft im Cäcilienkoog. Faschinen wurden in großen Mengen zur Befestigung beschädigter Deiche hergestellt. Sportveranstaltungen lockerten das durch Übungen und Truppenübungsplatzaufenthalte gespickte Jahr auf. So konnte die Kompanie mehrere große Erfolge erzielen: 2. Platz Divisionsmeisterschaft im Feldhandball, 3. Platz Sportfest des SV Holstein und 3. Platz Pokalturnier im Feldhandball in Erfde. Diese guten Ergebnisse waren dadurch zu erklären, dass glückliche Umstände viele aktive Handballspieler aus Sportvereinen der umliegenden Gemeinden als Soldaten in die Kompanie eingezogen wurden und die gesamte Kompanie als Zu- schauer immer ihre Mannschaft anfeuerte. Ein ganz »normales« Jahr 1963 folgte. Die knappe Niederlage (17:14) im Freundschaftsspiel gegen Flensburg 08, die Brigademeisterschaft im Feldhandball (Sieger: Panzerpionierkompanie 160), die Divisionsmeisterschaft (1. Sieger) und ein Übungsplatzaufenthalt in HOXTER an der Weser bildeten die absoluten Höhepunkte. Bau und Fahren von Schlauchbootfähren, Einfahren zur Schwimmbrücke und Bau von Schützenschwimmstegen waren hier die Ausbildungsschwerpunkte.14tägige Übungsplatzaufenthalte, darin eingeschlossen ein Wechsel der Übungsplätze im Mot-Marsch, waren selbstverständlich. Am 30. Dezember wurde der erste »Spieß«, Hauptfeldwebel Kretschmer, versetzt. Die Dienstgeschäfte des Kompaniefeldwebel übernahm der Oberfeldwebel Kägler. Ein weiterer Höhepunkt im Jahr 1963 war die Umrüstung der Fahrzeuge.

M48 vs VW Käfer (1990 - Achim Möller)
M48 vs VW Käfer (1990 - Achim Möller)

Die bisher vorhandenen Lkw wurden abgegeben und MTW M 113 sowie Brückenlegepanzer M 48 und Räumpanzer M 48 wurden in die Kompanie eingeführt, so dass die Kompanie jetzt erst zu Recht den Namen Panzerpionierkompanie führen konnte. Das Jahr 1964 brachte zu den in den Jahren vorher beschriebenen Höhepunkten weitere neue Aufgaben. Im Rahmen des Ausbaus von Standortübungsplätzen hatte die Kompanie den Auftrag, Handgranatenwurfstände und Sprengplätze auf mehreren Standortübungsplätzen zu bauen. Ingolstadt hieß das Zauberwort im Jahr 1965. Das erste Mal verlegte die Kompanie Ende März für zwei Wochen im Eisenbahntransport auf den Wasserübungsplatz bei Ingolstadt. Ausbildungsgebiete wie Fährenbau, Bau von Schwimmbrücken, Fahren auf dem Wasser mit Schlauch- und Sturmbooten, die bisher nur auf stehenden oder sehr langsam fließenden Gewässern geübt wurden, forderten hier auf der Donau bei Stromgeschwindigkeiten bis zu 2,5 m/sec den ganzen Mann. Inzwischen bekannt über die Grenzen Flensburgs hinaus, bekam die Kompanie 1966 einen weiteren Bauauftrag. Es hieß, im Wattenmeer auf der der Insel Pellworm vorgelagerten Sandbank Norderoog Sand eine Schutzhütte für eine Erprobungsstelle der Bundeswehr zu bauen.


Dazu ein Auszug aus dem damals bereits umfangreichen Schriftverkehr. Gemäß Besprechung vom 7.4.1966 bei Mars Kiel zwischen den Herren Gunmich, OTL Dehning und Hoffmann erbittet ErpSt 81 im Wege der Amtshilfe Erstellung der Pfostenkonstruktion zur Aufstellung einer eisernen Schutzhütte für Erprobung auf Norderoog Sand nach dem bei der Besprechung übergebenen Modell. Die genauen Maße der Schutzhütte sind von den beiden zusammensetzbaren Teilen der Schutzhütte bei der Außenstelle Surendorfder ErpSt 81 zu erhalten. Nur diese Maße sind verbindlich, da das Modell nicht streng maßstabsgerecht ist. Die Höhe der Pfostenkonstruktion ist so auszulegen, daß ein Lkw mit 2.95 m Höhe frei untergestellt werden kann. Die anfallenden Materialkosten sind auf Erprobungsauftrag 21a/42/01 11-a-603/4 zu verrechnen. gez. i.v. Redlich

 

Acht Tage arbeitete an diesem Objekt ein Panzerpionierzug. In Zusammenarbeit mit Marine, Flußpionieren und Heeresfliegern konnten Sicherheit für Mensch und Gerät, der Transport von Material usw. in dieser Zeit mitten in der Nordsee sichergestellt werden. Nicht nur Arbeit war der Schwerpunkt in diesen Tagen, das Baden und ein Besuch der Vogelschutzinsel Norderoog unter Führung eines Vogelwartes versüßten die Dienstzeit im Wattenmeer. Diesem Sonderauftrag sollten noch viele folgen. Nicht nur der Aufbau von militärischen Ausbildungsanlagen wurde zur Aufgabe der Kompanie, sondern auch das Beseitigen von Relikte des 11. Weltkrieges auf der Insel Sylt sollten das Leben der Soldaten der Panzerpionierkompanie 160 in diesem und in den folgenden Jahren prägen.

MG-Schiessen in PUTLOS (1990 - Arne Sander)
MG-Schiessen in PUTLOS (1990 - Arne Sander)

Der erste Aufenthalt auf Sylt dauerte vom 16. bis zum 31. März 1968. Im Oktober des gleichen Jahres folgte schon der zweite Aufenthalt. Das wohl aufregendste Sprengerlebnis war die Sprengung des Towers eines Seefliegerhorstes im Jahr 1970. Bauzeichnungen waren nicht mehr vorhanden, so nutzte man die Erfahrungen, die man aus vorangegangenen Sprengungen gewonnen hatte. Man brachte also die Ladungen an mit dem Ziel, den Turm bei der ersten Sprengung zu fällen, aber wie so oft kam es anders. Es wurden lediglich einige Betonbrocken aus den Massen herausgesprengt und einige bisher unbekannte Stahlträger freigelegt.

Frage des Kompaniechefs, Hauptmann Noehl, an den Leitenden des Sprengens, Hauptfeldwebel Sauerbaum: »Was war denn das, Spieß'.«

Antwort: »Sch ..., Herr Hauptmann, da haben die doch einfach Doppel-T-Träger in den Beton eingemauert!«

Das sollte aber nicht die letzte Reaktion auf diesen Fehlschlag sein. Am Abend tat sich noch einiges hinter verschlossenen Türen - das Ergebnis wurde am kommenden Morgen bekannt. Nach gelungenem Sprengaufenthalt sollte ebenfalls ein »Manöverball« mit Unterstützung der Sylter Bevölkerung durchgeführt werden. Das war einfacher gesagt als getan, denn wo nahm man die weiblichen Gäste her, die man zum Tanzen in großer Zahl benötigte? Dieses Problem wurde aber auch gelöst, indem der auf Sylt gebürtige Stabsunteroffizier Herzog seine Beziehungen spielen ließ, zwei Omnibusse aus-lieh und ganz einfach die Krankenschwestern des ortsansässigen Krankenhauses und deren Bekannte zum Manöverball einlud und abholte. So wurde das Ganze ein voller Erfolg, wie die Presse zu berichten wusste. Die Sprengaufenthalte auf Sylt wurden bis einschließlich 1975 mindestens einmal jährlich durchgeführt.

Im vierten Quartal 1969 kam kurzfristig der Befehl zur Verlegung in den neuen Standort Elmenhorst. Dazu verlegten die Ketten-Kfz geschlossen im Eisenbahntransport und alle Rad-Kfz im Landmarsch nach Elmenhorst bei Schwarzenbek. Der Umzug der Familien nach Schwarzenbek sollte kein Problem bedeuten, es wurde extra eine neue Siedlung (Nord-Ost) gebaut. Umzugstermine wurden reichlich geplant und auch durchgeführt. Mit Eintreffen in der neuen Wohnung erlebten dann etliche ihr blaues Wunder. So fehlten hier und da die Wohnungstüren, die Waschbecken, an einigen WC-Becken sollte es sogar mangeln. Es blieb nichts weiter übrig - man musste einziehen! Etwas Gutes hatte dieser Zustand doch, man war mehr denn je auf andere Familien angewiesen, und so wuchsen diese zu einer noch festeren Gemeinschaft zusammen. Nicht nur auf den vielfältigen Übungen und Übungsplatzaufenthalten wurde im Rahmen des Umweltschutzes Müll vermieden, nein, ein Hilferuf des Landrates des Kreises Herzogtum Lauenburg im Jahr 1975 sollte die Kompanie in ganz anderer Form fordern. Ein Kranichsiedlungsgebiet bei Güster drohte zu vertrocknen. Durch Bodensprengungen trug die Kompanie dafür Sorge, dass wieder ein Feuchtbiotop entstand, welches heute noch einer Unmenge von Kranichen eine Heimat gewährt. Mit der Einführung der Panzerschnellbrücke M 48 war die Kompanie in der Lage, den Kampftruppen die Wege über Gewässer bis zu einer Breite von 18 m zu ebnen. Das sollte aber nicht alles sein. Während einer 14tägigen Pionierübung mit der Panzerpionierkompanie 170 und dem Pionierbataillon 6 im Raum Kellinghusen, Bad Bramstedt und der Elbe sollte mit allem verfügbaren Kriegsbrückengerät der Pioniere der Gewässerübergang geübt werden. Die Panzerpionierkompanie 160 hatte hier den Auftrag, das überlappende Verlegen von Panzerbrücken über Gewässer breiter als 18 m und die Aufnahme der Brücken vom jenseitigen Ufer in einem Truppenversuch zu erproben. Die hier gesteckten Ziele wurden über alle Maßen erreicht.

Minenwerfer Skorpion auf dem StOÜbPl LANKEN (1990 - Achim Möller)
Minenwerfer Skorpion auf dem StOÜbPl LANKEN (1990 - Achim Möller)

Eine absolute Glanzleistung sollte der Bau einer Tribüne für ein »Schießen verbundener Waffen« im Rahmen der Korps-Gefechtsübung TRUTZIGE SACHSEN im September 1985 werden. 1400 geladene Gäste militärischer und ziviler Art sollten von dieser Tribüne aus einen freien Blick auf das Gefechtsgeschehen auf einer Schießbahn auf dem Truppenübungsplatz BERGEN genießen. Umfangreiche Planungen wurden in Angriff genommen, denn diese Tribüne durfte nur aus Bundeswehr (Pionier-) eigentümlichem Gerät gebaut werden. Berechnungen ergaben dann: 40 Satz Rohrbaugerüst werden benötigt, die Kompanie besaß aber nur 2 Sätze. Quer durch die Pioniereinheiten und -verbände der Bundesrepublik wurde telefoniert, um die immense Anzahl an Gerät zu beschaffen. Mit Lkw und Bundesbahn wurde tage- bzw. wochenlang das Gerät zusammengeholt. Die weiteste Fahrt führte eine Lkw-Besatzung bis nach Sigmaringen. Dann folgte die heiße Phase des Baus.

 

Vom 12. bis zum 17. September, 15.00 Uhr (in Worten: 5 Tage) hatte die Kompanie Zeit, die Tribüne fertigzustellen. In zwei Schichten wurde jetzt 24 Stunden am Tag gebaut. Zur befohlenen Zeit stand sie dann, die Tribüne, ein Mammutwerk, gebaut von 126 Soldaten in einer Sisyphusarbeit. Stolz wartete man nach getaner Arbeit auf die Generalprobe. Aber wie so oft kommt unverhofft. Die »Feindlage« hatte sich über Nacht geändert, und die Tribüne stand nicht mehr so, dass ein ungetrübter Blick gewährleistet werden konnte. Niedergeschlagen stand man im Gelände. Wie sollte man diese Tribüne mit diesem riesigen Gewicht mit so wenigen Soldaten bis zum nächsten Morgen bewegen? Es handelte sich lediglich um 1 Meter! Irgendwem, es ist nicht mehr nachvollziehbar wem, kam plötzlich die Erleuchtung: Die Tribüne in drei gleich große Teile zerlegt, 126 Soldaten inklusive Kompaniechef, Zugführer und Gruppenführer angepackt, gehoben, geschoben und gedreht, das dreimal, dann wieder zusammengeschraubt. So muss es klappen. Gesagt, getan, es klappte, das Werk stand! Um die Moral der bauenden Truppe aufrechtzuerhalten, wurde ein Kaffeezelt eingerichtet. Kostenlosen Kaffee gab es, belegte Brötchen zu geringem Preis. Das alles sprach sich schnell herum, auch zu fremden an dem Schießen beteiligten Truppenteilen. So betrat der Kommandeur der beteiligten Heeresflieger eines Tages dieses Zelt »rein zufällig«; er suchte seine Piloten, die er eigentlich am 1limmel über der Schießbahn vermutete. Nach kurzen, kernigen Worten hörte man dann wie Hornissen Hubschrauber an besagtem Himmel sich verteilen und einen Kommandeur sagen: »So, und jetzt trinken wir erst einmal einen Kaffee.« Dieses Zelt entwickelte sich zum allgemeinen Treffpunkt aller beteiligten Truppenteile. Wenn jemand gesucht wurde, hier fand man ihn bestimmt.

 

Das Bild kann nicht vermitteln, welche Leistung hier durch Soldaten aller Berufszweige er-bracht wurde. So aufwendig der Aufbau sich gestaltete, genauso entwickelte sich der Abbau und die Rücklieferung des entliehenen Gerätes. Wochenlanges Reinigen, Zählen, Verpacken und Zurückliefern waren die Folge. Während der Brigadegefechtsübung BRICK FENCE galt es, neben dem Bau eines VIP-Zeltes aus Anlass des Besuches durch den Bundesverteidigungsminister Dr. Stoltenberg und des britischen Verteidigungsministers Jeremy King auch den damaligen Generalinspekteur General Altenburg in einem Stationsring aus dem aktiven Dienst zu verabschieden. Bei der Panzerpionierkompanie »lernte« er Sprengen sowie das Befahren eines Gewässers mit dem Transportpanzer Fuchs. Im doppelten Sinne des Wortes »Feste« wurden neben einer großen Anzahl von Faschings-und Oktoberbällen auch vier Jubiläen gefeiert, so da waren: 10, 20, 25 und 30 Jahre Panzerpionierkompanie 160. Allen Jubiläen waren erfolgreiche »Tage der offenen Tür« und Festbälle nachgeschaltet, die aufgrund der großen Gästezahl immer wieder das gute Zusammenleben mit den umliegenden Gemeinden und deren Bevölkerung dokumentierten.

 

Zeichen der PzPiKp160 vor Eingangsbereich (1990 - Arne Sander)
Zeichen der PzPiKp160 vor Eingangsbereich (1990 - Arne Sander)

Die letzten Jahre auf einen Blick:

  • 9. November 1989: Öffnung der innerdeutschen Grenze, darauffolgend Strukturänderungen der Bundeswehr, verbunden mit der Auflösung erster Truppenteile. Dieser Kelch ging an der Kompanie vorbei.
  • 3. Oktober 1990: Vereinigung beider deutscher Staaten.
  • Juni 1992: Aufgrund der Umstrukturierung der Bundeswehr verlegt die Kompanie in den Standort Wentorf bei Hamburg
  • 10. Dezember 1992: Durch Auflösung erster Pionierkompanien erhält die Kompanie endlich die Panzerschnellbrücke Biber und gibt die M 48 ab.
  • 15. Dezember 1992: Befehl zur Auflösung der Panzergrenadierbrigade 16 »Herzogtum Lauenburg«, davon in vollem Umfang betroffen ist die Panzerpionierkompanie 160. Die Auflösung der Kompanie hatte bis zum 30.6.1994 zu erfolgen.

Links

Weitere Bilder der Panzerpionierkompanie 160 finden sich im Fotoalbum unter:

Fotoalbum