Chronik der Stabskompanie

Wappen der Stabskompanie
Wappen der Stabskompanie

Mit dem Aufstellungsbefehl Nr. 98 (Heer) vom 6.11.1957 wurde die Stabskompanie gemeinsam mit dem Stab der Kampftruppe A6 ins Leben gerufen. Eine der ersten Maßnahmen war die Entsendung von Vorauspersonal nach Flensburg zur Übernahme und Vorbereitung der Unterkünfte. Kurze Zeit unterstanden Kompanie und Kampfgruppe I der 3. Panzerdivision, bis die 6. Panzergrenadierdivision das Kommando übernahm, Brigadegeneral a.D. Bruhn, einer der „Männer der ersten Stunde“ und zweiter Kompaniechef der Kompanie, erinnert sich: „Das Vorauskommando für die Aufstellung der Kampfgruppe A6, unter Führung von Hauptmann Zapp, ging zunächst im März 1958 nach Flensburg in die Grenzland-Kaserne, und ab 1.4.1958 begann die Aufstellung der Stabskompanie Kampfgruppe A6 und das Beziehen der neuen Kasernenanlage in Flensburg-Weiche.

In den Anfangsjahren gestaltete die Ausbildung nach den Vorgaben der Kampfgruppe. Die Bataillone und Kompanien entwarfen Ausbildungspläne, bei denen die Erfahrung des Bundesgrenzschutzes für die infanteristische Ausbildung genutzt wurde. Im September 1958 wurde die erste größere Übung der Stabskompanie mit anschließendem Manöverball bei Sande, Großraum Niebüll durchgeführt. Die Kompanie wurde freundlich aufgenommen. Alle Teilnehmer, Soldaten wie Zivilisten, waren von der Veranstaltung ganz hingerissen. Bei dieser ersten und allen weiteren Übungen im Raum Flensburg wurde der Kontakt zur Zivilbevölkerung, vor allem durch die im Anschluss stattfindenden Manöverbälle, so gefestigt, dass sich daraus Freundschaften bildeten, die teilweise bis zum heutigen Tage noch bestehen. Die gesamte Kampfgruppe verlegte im Dezember 1958 zur Durchführung von Schießvorhaben auf den Truppenübungsplatz BERGEN und kehrte, ich erinnere mich genau, am 3. Advent zurück.“ Etwa zeitgleich mit der Stabskompanie wurde mit Aufstellungsbefehl Nr. 183 (Heer) vom 09.09.1958 die Aufstellung der Panzeraufklärungskompanie 168 aus Teilen des Panzeraufklärungsbataillons 3 in Lingen befohlen. Kurze Zeit später verlegte diese Kompanie nach Flensburg-Weiche in die neu erstellte Kaserne und wurde der Kampfgruppe A6 unterstellt und am 16.3.1959, dem Beginn der Umgliederung in die Heeresstruktur 2, in Panzeraufklärungskompanie 160 umbenannt.

 

Am 16.6.1959 gründete Oberfeldwebel Günter das Unteroffizierkorps der Kompanie und gab ihm den Leitsatz: „Niemals seinen Geist darauf verwenden, wie mach ich es einem Vorgesetzten recht, sondern immer darauf, wie mache ich die Sache richtig. „ Die Selbstständigkeit dieser stolzen Kompanie währte kaum länger als der sprichwörtliche Sommer, denn bereits am 15.11.1961 wurde die Kompanie aufgelöst, und die Stabskompanie verleibte sich die Masse davon als Panzerspähzug ein. Sie hatte wegen der Freiheitsliebe und des ganz anderen Soldatenbildes des Zuges noch lange an diesem „dicken Brocken“ zu kauen. In der Zeit, in der die beiden Kompanien „getrennt gelebt hatten“, nahmen sie an der ersten“ großen Gefechtsübung in Norddeutschland HOLD FAST teil und bestanden diese Bewährungsprobe gut. Stabsfeldwebel a.D. Pientka berichtet, dass anschließend von 1960 bis 1964 in der Kompanie wie in der gesamten Brigade Grundausbildung betrieben wurde.

 

Aufgabe der Kompanie war es, Fernmelder, Versorger, Panzergrenadiere und Unteroffiziersanwärter auszubilden. In diese Zeit fiel auch der Einsatz bei der Sturmflutkatastrophe 1962. Nach der Erinnerung von Stabsfeldwebel a.D. Pientka wurde die Kompanie am Samstag, am 17.2.1962, alarmiert und bald darauf an der Küste Eiderstedts eingesetzt. Die Männer der Kompanie waren von 5.30 Uhr morgens bis 20.00 Uhr abends im Einsatz und hatten Faschinen zu binden, viele Sandsäcke zu schleppen, zahllose Pfähle zu schlagen und Kies zur Halbinsel zu transportieren.

 

Stabsrahmenübungen liefen nach seiner Erzählung damals für die Kompanie wie folgt ab:

  • Phase 1: Verlegen durch Schleswig-Holstein von Flensburg bis Gülzow,
  • Phase 2: Verlegen von Gülzow bis zum Harzanfang (Immenrode),
  • Phase 3: vormittags Betreuungsfahrt kreuz und quer durch den Harz.

 

Danach wurde die Übung gegen 14.00 Uhr am Westrand des Harzes bis nach Sennelager Angesetzt. Der damalige G3, Major Garken, wollte bei Übungen immer Action haben. Dazu hatte er stets zwei Kradmelder und einen Funkkoffer bei sich. Er verfasste während des Gerubbels bei der Fahrt Meldungen und gab sie über die Kradmelder an den Funkkoffer weiter. Dies war eigentlich auch keine Schwierigkeit, doch wir hatten nur Tastfunk auf unserem Funkkoffer.

 

Oberstabsfeldwebel a.D. Godorr erzählt aus den Jahren Mitte der 60er von Übungen und den bei Soldaten und „Holsteiner Deerns“ gleichermaßen beliebten Übungsnachbereitungen, den Manöverbällen: „1965 war ich Versorgungszugführer und musste bei Übungen über den Brigadeversorgungspunkt die Verpflegung für die Kompanie empfangen. Angeschlossen an diese Einrichtung war eine Bäckerei- und Schlachtereikompanie. Diese kam aus Bremen von der Nachschubschule und wurde zu Großübungen an die Brigade abgestellt. Auf dem Versorgungspunkt, der nachts angelaufen werden musste, wurde mit dem Formblatt 15 die Verpflegung empfangen. Unter anderem auch pro Soldat ein Brot, welches frisch von der eingerichteten Backstraße kam. Diese wurden natürlich nicht alle aufgegessen, also musste ich sie sammeln und brachte sie später zum Bauern. Bis dahin lagen sie wie Briketts aufgestapelt in einer Höhe von 100 cm x 80 cm in einer Länge von 4 m. Eines Tages kam der Brigadekommandeur, Brigadegeneral Ebeling, und fragte: „Sagen Sie mal, was ist das denn, was Sie hier gemacht haben? „ Ich erklärte ihm, dass wir die Brote immer auf dem Versorgungspunkt abnehmen müssen und die Soldaten halt nicht alle aufessen, Ich werde mich darum kümmern“, war seine Antwort. Und siehe da, am nächsten Tag brauchten wir nur soviel Brot zu nehmen, wie wir benötigten.

Die beiden großen Teileinheiten, Panzerspähzug und Fernmeldezug führten ständig kleinere Übungen durch. Während dieser Übungen wurde schon mit Plakaten bekannt gegeben, dass nach Abschluss ein Manöverball, zu dem alle Dorfbewohner eingeladen sind, durchgeführt wird. Dazu wurde eine geeignete Gastwirtschaft ausgesucht, und wir legten zunächst den richtigen Anzug an; nicht etwa den Feldanzug oder die Panzerkombi, sondern den Ausgehanzug, den wir extra zu diesem Zweck mitführten. Vor allem die Panzerspäher waren so ein bisschen, ich will nicht sagen arrogant, sondern eher leicht vornehm. Sie hatten ihr goldgelbes Halstuch um, einige hatten sogar ihre Ausgehjacken innen goldgelb unterlegt, und ihre Schuhabsätze waren eisenbeschlagen, damit es möglichst knallte, wenn sie durch die Gaststätte gingen. Wo die Späher und auch die Fernmelder auftraten, war immer etwas los. Zum Ball wurden dann die Frauen oder Freundinnen abgeholt. Nachdem Zugführer, Kompaniechef und Bürgermeister ihre Ansprachen gehalten hatten, ging es mit Trinken, Essen und Tanzen richtig los. Die Verbindungen, bei denen auch Freundschaften geknüpft wurden, ähnelten einer Patenschaft. Der Fernmeldezug hatte Verbindung zu Sörup, der Panzerspähzug zu Christiansholm und später zu Süderlügum. Nachdem die Verbindungen ausgebaut waren, wurden in den Dörfern auch des Öfteren „Tage der offenen Tür“ durchgeführt. „ Das Weihnachtsfest 1969 war das letzte große Vorhaben der Stabskompanie, bevor sie sich im April 1970 für immer nach Wentorf bei Hamburg aufmachte.

 

Dieser Wechsel in den Süden Schleswig-Holsteins, weg von der Waterkant und der Flensburger „Goldküste“, war ein tiefer Einschnitt in das Leben der Kompanieangehörigen und ihrer Familien. Für diese hieß es, vertraute Umgebung und Freunde aufzugeben und sich in einem neuen Umfeld, wie Schule, Nachbarn usw. zurechtzufinden. Durch die Mithilfe und das Verständnis der neuen Nachbarn wurde Wentorf und seine Umgebung schnell zur neuen Heimat der Kompanie, wenn auch noch bis heute Bilder aus alten Flensburger Zeiten die Wände des Geschäftszimmers zieren. Für die Kompanie bedeutete der Umzug aber auch, einen deutlich veränderten Auftrag in einer neu zusammengestellten und grenznah eingesetzten Brigade zu erfüllen. Als wir uns noch gar nicht ganz in Wentorf eingelebt hatten, kam schon die nächste Änderung auf die Kompanie zu: Der Panzerspähzug wurde mit seinem Zugtrupp und den fünf Spähtrupps am 1.4.1972 aus der Kompanie ausgegliedert und lebte die nächsten 7 1/2 Jahre als „Single“ Block an Block neben uns.

SpP Hotchkiss aufgefahren (W. Treu)
SpP Hotchkiss aufgefahren (W. Treu)

Hauptfeldwebel Lehmann, damals gerade ein Vierteljahr im Spähzug, berichtet: „Auch wenn auf die Kompanie Anfang der 70er bei der Weißbuchaktion sehr zum Missfallen der benachbarten Kommandeure ein wahrer Beförderungssegen niederging, konnte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kompanie durch den Umzug ein wenig gelitten hatte: Es mangelte überall an geeignetem Nachwuchs, und der Versorgungsablauf musste dringend verbessert werden. Mit Hauptmann „Hannes“ Grohmann, dem Infanteristen und Chef der 2./Sanitätsbataillon 6 erhielt die Kompanie 1972 einen Chef, der diese Aufgabe mit viel Fantasie, Risikobereitschaft und auch der nötigen Härte anging. Um ihm seine Aufgabe zu erleichtern, schaffte ihm der Brigadekommandeur günstige Startvoraussetzungen, indem er sich den Kompaniechef direkt unterstellte, ihm ausreichend Planstellen für Nachwuchs zusicherte und anordnete, dass die Kompanie in seinem ersten Chefjahr keinen Prüfungen und Inspektionen unterzogen wird.

 

Mit Hilfe so mancher verrauchten, „hochprozentigen Nachtausbildung“, meist im Raum 220, schaffte Grohmann es, soviel Nachwuchs zu gewinnen, dass er selbst guten Unteroffizieren wie den Stabsunteroffizieren Orgel, Romoth und Schaffer bei der Weiterverpflichtung schriftlich eröffnen musste, dass eine „Förderung zum Feldwebel nicht zugesagt wird“. Das Material war nach Jahresfrist vollzählig, einsatzbereit und vorschriftsmäßig nachgewiesen, und die Abrechnung von Munition und anderen Mengenverbrauchsgütern erfolgte in unserer Kompanie selbstverständlich in der gleichen Art und Weise wie im Rest der Armee.

 

Major Grohmann verstand es, das Unteroffizierkorps für seine Vorhaben zu begeistern, er organisierte gern und ideenreich und konnte außer seiner etwas beißend riechenden Pfeife auch noch einen „kräftigen Stiefel“ vertragen. Die Nachwuchswerbung machte er zu seinem Steckenpferd, und für die Verbesserung der Versorgung konnte er vom Panzergrenadierbataillon 162 den Hauptfeldwebel Plato abwerben. Plato reorganisierte den Versorgungsablauf auch gegen z.T. harten Widerstand einzelner Teileinheitsführer so erfolgreich, dass die Kompanie auf diesem Gebiet vorbildlich arbeitete.

 

In der Ausbildung wurden die Akzente in Richtung Infanterismus verschoben, und aufgetretene Mängel ließ Grohmann unverzüglich und schonungslos beseitigen; so führte die Kompanie jeden Donnerstagabend Marschausbildung durch, weil die Männer bei einem Aufenthalt in BERGEN nicht in der Lage waren, einigermaßen vollzählig und geordnet vom Lager Ostenholz aus die Schießbahn 102 zu Fuß zu erreichen. Bei den zumeist einsatzbezogenen Geländebesprechungen der Brigade, die ganztägig von der Innerdeutschen Grenze etappenweise bis in den Raum Itzehoe führten, konnte die Kompanie auch 1973 ihr ganzes Können, einschließlich Serviceleistungen, zeigen. Es begann mit einem ausgedehnten Frühstück auf einem Ponton mitten auf dem Elbe-Lübeck-Kanal und setzte sich mit der vorschriftsmäßigen Ausschilderung zu den zahlreichen Besprechungspunkten sowie Mittagessen in einem Sportlerheim u.a.m. fort. Für das sprichwörtlich gute „16er-Wetter“ sorgte der Brigadestab allerdings selbst, zumindest erhielt die Kompanie hierfür keinen Auftrag. Die Abschlussbesprechung und ein anschließendes kameradschaftliches Beisammensein wurden auf dem Standortübungsplatz Kaltenkirchen durchgeführt. Nach dem staubigen Tagesgeschehen waren ausgiebige Waschgelegenheiten einschließlich einer Felddusche und Badewanne für den Chef genauso selbstverständlich wie erfrischende Getränke und köstlich Gegrilltes; dazu natürlich ein Festzelt mit Lagerfeuerromantik. Als „Hannes“ Grohmann dann aber auch noch eine leibhaftige vollbusige Bardame in entsprechendem Outfit hinter dem Tresen präsentierte, gingen nicht nur dem Brigadeingenieur die Augen über. Probleme konnten aber natürlich nicht auftreten, da der S 2-Offizier, Major Müller, auf „Wunsch“ des Oberst Bruhn gerne auf jeglichen Alkoholgenuss verzichtete und die Aufgabe des Leibwächters für diese einzelne Dame in der fröhlichen Männergesellschaft übernahm.“

 

„Hannes“ Grohmann war auch der Begründer der Patenschaft mit der Gemeinde Brunstort" Begonnen hatte es damit, dass der Kompanie für Gefechtsstandsübungen ein Raum um Brunstorf zugewiesen wurde und der Chef natürlich gute Beziehungen zur ansässigen Bevölkerung anstrebte. Sein Einstieg mit Bürgermeister Arnold Kiehn war so beeindruckend, dass die Gemeinde diese Verbindung gerne einging. Grohmann ließ einen Kinderspielplatz bauen, besprach sich gerne bei Bier und Korn, und beide Seiten krönten die neue Gemeinsamkeit mit einem Dorffest und Tanz im Festzelt „am Siek“ in einer lauen Sommernacht Beim Dorffest am 1.7.1973 tauschten die Gemeinde Brunstorf und die Stabskompanie dann offiziell Patenschaftsurkunden aus. Zunächst skeptische Brunstorfer, wie der spätere Bürgermeister Franz Hagen-Burmester, wurden erst langsam durch die Jahre hindurch für diese Patenschaft gewonnen, waren dann jedoch die entscheidenden Träger dieser Gemeinschaft, die in den folgenden zwei Jahrzehnten in unterschiedlicher Intensität gepflegt wurde. Der Brigadekommandeur, Oberst Bruhn, war mit der durch „Hannes“ Grohmann deutlich veränderten, „leistungsgesteigerten“ Kompanie sehr zufrieden und nahm dabei auch einige „Schönheitsfehler“ des Chefs in Kauf, wie sich Oberstleutnant Heintke, Grohmanns Nachfolger, erinnert: „Zu Beginn meiner Chefzeit ermahnte mich der Kommandeur häufig, wenn ich mich bei ihm zur Patengemeinde abmeldete: „Und besauf Dich nicht wieder so!“

 

Oder vor Übungen wurde ich bisweilen etwa so von ihm vergattert: „Und nimm nicht wieder Deinen Spieß fest, wenn Ihr beide duhn seid! „, obwohl ich beides nicht zu tun pflegte, zumindest letzteres nicht. „

 

„Gleich in meinem ersten Monat als Chef ging es in der Kompanie heiß her: Am Nachmittag des 30.4.1974 war für die Kompanie die Welt noch in Ordnung; es war schönes Wetter, die Vorbereitungen für den Truppenübungsplatzaufenthalt waren fast abgeschlossen, und alle freuten sich auf den nahenden Mai-Feiertag, aber die Lunte brannte schon. Bemerkt wurde das Feuer zuerst von den Offizieren der Brigadeeinheiten, die just an diesem Abend eine Veranstaltung im nahe gelegenen Offizierheim hatten und gegen 20.00 Uhr beim Warten auf das Festessen zunächst befürchteten, selbiges sei angebrannt. Stattdessen sahen sie aber unvermittelt die ersten Flammen aus dem Dach der Stabskompanie züngeln. Obwohl sich die Freiwillige Feuerwehr redlich mühte und den ganzen Block unter Wasser setzte, breitete sich das Feuer schnell über zwei Brandmauern hinweg auf das gesamte Dach aus. Bei Dunkelheit gingen die Lösch- und Bergungsarbeiten unvermindert weiter; selbst aus dem Keller und der Waffenkammer wurden Fernmeldegeräte und Waffen bei Kerzenschein und durch knöcheltiefes Löschwasser ohne ordnungsgemäße Ausgabe in ein Notquartier zum katholischen Militärpfarrer gebracht und später ohne Verluste wieder zurückgeholt. Erst weit nach Mitternacht waren die Flammen besiegt, und die Feuerwehr rückte bis auf eine Brandwache wieder ab. Die Kripo Geesthacht ermittelte sehr schnell den Verursacher: Es war ein gerade erst zur Kompanie versetzter Erkunder, der am Vorabend auf seinem Bett mit brennender Zigarette eingeschlafen war und dabei sein Bettzeug in Brand gesteckt und sich selbst Brandverletzungen auf dem Rücken zugezogen hatte. Nachdem er die angekokelte Matratze mit Kameraden gelöscht hatte, legte er sich in ein anderes Bett und schlief weiter. Am 30.4.1974 vormittags drängten seine Kameraden ihn, die Matratze verschwinden zu lassen, da er sonst „Ärger mit dem Spieß“ bekäme. Zu faul, die stinkende, vermeintlich gelöschte Matratze vom zweiten Stock zum Müllcontainer herunterzuschleppen, brachte er sie in der Mittagspause eine Etage höher auf den Boden und versteckte sie dort. Hier schwelte sie dann still vor sich hin und löste schließlich den Brand aus. Nach den Aufräumungsarbeiten deckte die Kompanie den Boden mit Planen zum Schutz gegen das Hamburger Schmuddelwetter ab und marschierte erst einmal zum Truppenübungsplatz BERGEN -HOHNE. In der Zwischenzeit bemühte sich der S1-Stabsoffizier, Oberstleutnant Reichardt, zusammen mit der Standortverwaltung Wentorf um ein neues Dach für die Kompanie.

Fernmeldezug der StabsKp (Gerlach)
Fernmeldezug der StabsKp (Gerlach)

Für den Brigadeball am 28.9.1974 hatte die Kompanie nach Vorgabe von Kommandeur und S1-Stabsoffizier die Gesamtorganisation zu stellen. Dies war eine Aufgabe für den bewährten „Cheforganisator“, der in der Beschaffung und Herstellung der erforderlichen Requisiten und Dekorationen ausgesprochen einfallsreich war. Da einige Beschaffungsmethoden möglicherweise nicht ganz zur Veröffentlichung geeignet sind, soll hier auf Details verzichtet werden. Es gelang jedoch voll und ganz, das vom Kommandeur gewählte Motto so umzusetzen, dass die Gäste begeistert waren. Schon Monate vorher hatte der Kommandeur, Oberst Bruhn, über dem Thema gegrübelt, bis er endlich die Katze aus dem Sack ließ und wir mit den Vorbereitungen beginnen konnten. Die Kunst bestand natürlich darin, dass alles möglichst „echt“ sein sollte, aber nichts kosten durfte. Motivationssteigernd war auch immer wieder die helfende Dienstaufsicht des Kommandeurs. Zur Einstimmung hieß es etwa „Nun macht mal was Ordentliches, die Gäste sollen sich wohlfühlen, schließlich veranstalte ich so einen Ball auch nicht zu meinem Vergnügen. Wenn ich mit meiner Frau unbedingt tanzen will, kann ich das auch bei mir zu Hause in der Küche machen. „ Offensichtlich von langjähriger Erfahrung geprägt, bestand er zum Beispiel auf einer ausführlichen Sitzprobe. Jeder einzelne Stuhl wurde durch „Probesitzen“ von stämmigen Soldaten der Kompanie getestet, und anschließend wurden jeweils die nebeneinander stehenden Tische „besetz“ um zu prüfen, ob die Gäste sich zum Tanz erheben können, ohne sich dabei restlos einzukeilen. Für die Soldaten der Kompanie war dies stets eine durchaus willkommene Abwechslung, und dennoch: Bei einem Ball gab einer der Stühle ausgerechnet am Kommandeurstisch seinen Geist auf und musste schleunigst ersetzt werden.

 

Bei einer Abnahme des festlich dekorierten und eingedeckten Ballsaals stimmte alles, und die Miene des Kommandeurs war, als er den Saal schon verlassen wollte, sehr zufrieden, bis die zufällig anwesende Frau des Chefs mehr beiläufig fragte, warum denn die Nähte der selbstgefertigten Tischdecken nach oben zeigen (eine Entdeckung, die sie erst nach sehr eingehendem Studium der Tische gemacht haben konnte). Eine gute Frage, und dann auch noch genau zur richtigen Zeit gestellt, also: alles noch mal abräumen, die Decken umdrehen und wieder neu eindecken!

 

Im Jahre 1975 wurde die Gefechtsstandstechnik durch Auslieferung der MTW M 577 erheblich verändert und verbessert. Bislang standen nur einige, mit wenig Technik ausgestattete MTW M 113 zusammen mit einem Lkw-Kommandowagen für die Führung der Brigade zur Verfügung. Mit dieser Ausstattung war der Aufbau des Gefechtsstandes langwierig, und die Verbindung der Zentralen und Zellen untereinander war nur mit Behelfen und abhängig vom Geschick der Fernmeldesoldaten herzustellen. Um diesem Zustand ein Ende zu bereiten, erfand Hauptfeldwebel Jarmatz den nach ihm benannten „Jarmatzkasten“ und reichte die Pläne dafür als Verbesserungsvorschlag ein, der auch prompt angenommen und prämiert wurde. Durch diese geniale Erfindung wäre der Aufbau erheblich beschleunigt worden und die Verbindungen hätten auch von Ungeübten sicher hergestellt werden können, wenn nicht, siehe oben, just zu diesem Zeitpunkt die veraltete Gefechtsstandtechnik heeresweit ausrangiert worden wäre. Wesentlicher Auftrag der Kompanie für den „Tag der offenen Tür“ am 15.5.1975 war neben dem Vorstellen eines typischen Unterkunftsgebäudes und dem Aufstellen einiger Imbissstände die Vorbereitung und Durchführung einer „Riesen-Tombola“. Dies war ein Spezialauftrag wie geschaffen für Hauptfeldwebel Wilke. Seine Kuriere, fein herausgeputzte Fahnenjunker, die vor Abmarsch jeweils eine peinlich genaue Anzugskontrolle über sich ergehen lassen mussten, zogen tagelang durch die umliegende Geschäftswelt, um Preise für die Tombola einzuwerben. Ergänzt wurden diese durchaus fruchttragenden Bemühungen durch Hauptfeldwebel Kern, der zahllose Bittschreiben in die halbe Republik verschickte. Nach kurzer Zeit nahmen die Wareneingänge solche Ausmaße an, dass zehn große Kisten, die auf dem Kompanieboden bereitgestellt wurden, bis zum „Tag der offenen Tür“ vor Kostbarkeiten (von wertlos bis wirklich interessant) quasi überquollen. Hauptpreis war schließlich ein VW Polo. Als Lostrommel stellte die Bergedorfer Firma Hauni ein dafür geeignetes Gerät zur Verfügung. Ein Fallschirmjäger schwebte zur Auslosung mit einem Sack voller Lose mitten in die Menge auf den Ausbildungsplatz hernieder und übergab sie dem aus Funk und Fernsehen bekannten Postboten Herrn Sparbier, der dann auf einer Plattform die Gewinner der Hauptpreise ermittelte. Die vielen Gewinne, die auf Tischen vor einer gesamten Längsseite der Sporthalle in der Bose-Bergmann-Kaserne ausgelegt waren, wurden von den Besuchern genauso geschwind geräumt, wie die Losverkäufer zuvor ihre 35.000 Lose aus Sektkübeln verkauft hatten.

 

Die Kompanie verlegte 1978 bei herrlichem Herbstwetter alleine auf den Truppenübungsplatz SCHWARZENBORN. Da gerade Quartalsbeginn war, wurden die Neuzuversetzten ohne Einführungsausbildung mitgeführt und erhielten praktisch zum Abschluss ihrer Grundausbildung eine umfassende Schießausbildung mit Handwaffen, die in einer Jägerkompanie nicht hätte besser sein können. Vom Schießen des Einzelschützen über die kleine Kampfgemeinschaft bis hin zum Zug(!)-Gefechtsschießen wurde der Kompanie alles abverlangt und mit gutem Erfolg durchgeführt. Die Übungsmöglichkeiten für die Kompanie waren deutlich besser als in dem sattsam bekannten BERGEN-HOHNE, insbesondere, weil die Kompanie hier tatsächlich intensiv üben konnte und nicht zu anderen Aufgaben herangezogen wurde. Gleich am zweiten Tag trat ein Problem beim Schießen mit Maschinengewehr auf. Die gleiche Munition, die mit dem Gewehr problemlos verschossen werden konnte, führte jeweils nach dem ersten Schuss zu einer Störung. Der Sicherheitsoffizier, Oberfeldwebel Schade, stellte als versierter Waffenfeldwebel fest, dass die Patronen ca. 1 mm zu kurz waren und daher nicht vom Verschluss ausgezogen wurden. Die von der Kompanie erstellte technische Sofortmeldung führte zu einer sofortigen Sperrung unseres gesamten Bestandes, und wir mussten über Nacht 17.000 Schuss in Wentorf austauschen, um die Schießausbildung fortsetzen zu können. Der Brigadekommandeur, Oberst Brugmann, besuchte uns per Hubschrauber und war mit der Gestaltung und Durchführung der Ausbildung soweit zufrieden, verblüffte den Chef aber doch etwas mit der Frage, wieso der Spieß denn kein Schießen leitet - zu seinerzeit sei dies eine Selbstverständlichkeit gewesen. Unser Spieß war aber gut ausgelastet mit der Truppenbetreuung, die unter anderem in der Herstellung kalter Platten für die Männer auf den Schießbahnen bestand. Bei dieser Beköstigung bezog er die Schießbahnwärter voll mit ein, was sich ausgesprochen positiv auf die Zusammenarbeit wie Aufbau der Schießbahnen, Darstellungsmunition und ähnliches auswirkte. Beim abschließenden Zuggefechtsschießen unter Leitung der „Grünen“ in der Kompanieführung (Chef und Erkundungsgruppenführer, Oberfeldwebel Schaffer) war der Erfolg der Schießausbildung zwar deutlich sichtbar, andererseits wurden aber auch die Grenzen einer Stabskompanie auf diesem Gebiet aufgezeigt. Spontaner Ausspruch von Oberfeldwebel Schaffer: „So ein Schießen nie wieder mit Bongos, Tintenpissern und anderen Fehlfarben!“

 

Während der Brigaderahmenübung SCHNELLE GALEERE im Frühjahr 1979 unterhielt sich Oberst Brugmann mit seinem Ordonnanzoffizier, Leutnant d.R. Plinke, auf dem Hauptgefechtsstand im Gasthof Koberg. Plinke hatte seine Dienstzeit in der Kompanie abgeleistet und studierte damals Jura. Der Kommandeur, der auch einige Semester Jura studiert hatte, war von den Leistungen des Leutnants angetan und wollte ihn zur Wiedereinstellung ermuntern. Auf die Frage, ob Plinke sich einen Wiedereintritt bei der Brigade vorstellen könnte, antwortete der Leutnant sofort mit „Nein, Herr Oberst“ und lieferte auch gleich die Begründung: „Zwei abgebrochene Jurastudenten kann die Brigade nicht verkraften !“

 

Nach langen unbekümmerten, aber bisweilen auch beschwerlichen Jahren der Trennung kehrte der Spähzug am 1.10.1979 wieder in die Kompanie zurück und erhielt nahezu das gesamte obere Stockwerk für sich. Der arglose Chef freute sich, dass der Zug den Flur geschmackvoll mit all seinen Traditionsgegenständen wie Zugwappen, Bildern, Pokalen und Fahrzeugmodellen in Vitrinen verschönerte. Wenn der Zug schon nicht mehr selbstständig war, so sollte er sich doch wenigstens in vertrauter Umgebung wohl fühlen können. Die> war aber offensichtlich einigen Fernmeldern nicht recht, denn bereits kurze Zeit später lag eine der schönen Vitrinen zerborsten in den Büschen hinter dem Kompanieblock. Die Männer des Spähzuges träumten daher gern von der ruhmvollen Vergangenheit oder hofften auf eine bessere Zukunft. Hauptfeldwebel Lehmann plaudert im Folgenden ein wenig aus seiner Erinnerung an die sieben Jahre der Selbstständigkeit:

 

„Während Übungen, ob im freien Gelände oder auf Truppenübungsplätzen, waren die Spähtruppführer nicht nur mit ihrem Zugführer, sondern auch mit ihrer Brigade in Funkkontakt. Nach dem Motto „Viel sehen und hören, aber nicht selbst gesehen und gehört werden“, erwartete die Führung schnelle Ergebnisse aus Aufträgen wie Überwachen der rechten / linken Flanke oder Aufklärung in die Tiefe des Feindes. Nicht jedes Mal wurde der Auftrag zur Zufriedenheit der Brigade erfüllt. Als Spähtruppführer war man auf sich allein gestellt, und so manch einer hat den zweiten Teil des o.a. Mottos bisweilen zu wörtlich genommen und sich in eine abgelegene Scheune oder ähnliches zurückgezogen, Motor und Funk ausgestellt und sich erst nach einer „Auszeit“ von zwei Stunden wieder auf dem Funkkreis gemeldet. Vielleicht war dies der Grund dafür, dass Oberst Jekat den Spähzug bei einer Abschlussbesprechung wegen magerer Aufklärungsergebnisse erbost „das blinde Holzauge der Brigade“ nannte. Aber es ging auch anders! „Nicht gesehen werden“ war recht einfach, denn gut getarnt glich der Hotchkiss einem Busch. Schwierig dagegen war es mit dem „nicht gehört werden“. Dies klappte nur mit sehr gut ausgebildeten Kraftfahrern, die das, was auch mir von den Fahrlehrern Oberfeldwebel Busch und Petersen beigebracht worden war, beherzigten. Untertouriges Fahren, aber nur, wenn es nötig war, z.B. in Feindnähe. Dann war unser Hotchkiss nicht lauter als ein gewöhnlicher Pkw Diesel. Dass der Schützenpanzer 10 auch schnell war, hat unser Schirrmeister, Stabsunteroffizier Lublow amtlich bestätigt bekommen, als er mit einem Schützenpanzer, den er von Elmenhorst aus der Instandsetzung nach Wentorf überführte, mit 95 km/h geblitzt worden war. Wieder ging eine Übung ihrem Ende entgegen, und die vorausgegangene Schießwoche hatte die Besatzungen der Spähtrupps ziemlich gefordert. Spähtrupp 3 hatte den Auftrag, das Gelände nördlich Goldbockenberg zu überwachen und die Bewegung des Feindes zu melden. In der Morgendämmerung saß der Spähtruppführer mit einem Sicherer ab, ging bis zum Rand einer Senke vor und erkannte verschwommen im Bodennebel einen Panzerzug in Stellung. Diese Beobachtung meldete er seinem Zugführer und bekam den Auftrag, das Verhalten des Feindes weiter zu beobachten und zu melden. Nach weiteren 30 Minuten, der Nebel hatte sich schon etwas gelichtet, stand der Feind immer noch in Stellung. Wieder einige Zeit später, als der Zugführer erneut nachfragte, wie sich der Feind denn verhielte, meldete der Spähtruppführer: „Der Feind ist plötzlich verschwunden, ohne dass ich es bemerkt habe.“ Was wirklich geschehen war, wusste nur die Besatzung. Die schemenhaften Umrisse der Panzer entpuppten sich, nachdem der Nebel sich aufgelöst hatte, als die bekannten auf den Schießbahnen abgestellten Panzerwracks. Dies zu melden war dem Truppführer dann doch zu peinlich.

 

Während dieser Übung hatten wir noch einen nicht alltäglichen Unfall. Der Spähtruppführer Spähtrupp 5 überwachte das Vorgehen seines zweiten Schützenpanzers. Dieser war im Begriff auftragsgemäß entlang des Weges zur Anhöhe 200 so in Stellung zu gehen, dass er das vor ihm liegende Gelände beobachten konnte, als er unvermittelt von der Bildfläche verschwand und nicht mehr gesehen ward. Folgendes war passiert: Die Anhöhe, auf die der Weg führte, war ein Scheibenbunker, der auf seiner Rückseite senkrecht abfiel. Der Funkunteroffizier erkannte dies nicht rechtzeitig und stürzte mit seinem Panzer ab. Der Panzer wies erhebliche Schäden auf, die Besatzung war jedoch glücklicherweise mit geringen Blessuren davongekommen. Insgesamt waren diese 7 Jahre für mich geprägt von hartem Dienst, einem tollen Zusammenhalt und einer einmaligen Kameradschaft. Dass wir als Panzerschützen und auch noch als junge Unteroffiziere mit Wasser gefüllte Panzertrecks in der kleinsten Gangart durchqueren mussten, bis 20mal nacheinander das Ausbooten aus dem Schützenpanzer übten und tagelang in den Dünen an der Ostsee Kampfstände ausheben mussten, empfanden wir sich nicht als reine Freude, aber diese gemeinsam erbrachten Leistungen schweißten unsere kleine, aber feine Schar unheimlich zusammen.“

Der letzte Neujahrsempfang (1993)
Der letzte Neujahrsempfang (1993)

Nun lassen Sie uns wieder in das Jahr 1979 zurückkehren und dem Oberstleutnant Heintke weiter bei seinen Erinnerungen zuhören: „Die Kompanie erkundete die Einsatzräume für die ersten Gefechtsstände für die Divisionsgefechtsübung KÜHLE BRISE einige Monate im voraus. Da im hügeligen, verkehrsmäßig gut erschlossenen Südteil Angelns mehrere kleine Güter mit überwiegend bundeswehrfreundlichen, zum Teil adeligen Besitzern liegen, waren schnell gut geeignete Aufbauorte erkundet und festgelegt. Vom Gut Barkelsby, dem ersten Aufbauort, ließ der Chef eine Einsatzskizze fertigen, um das Beziehen bei Übungsbeginn gut vorzubereiten. Die Operationszentrale sollte sich an eine große Scheune anlehnen, die Erkunder sollten in die zweite, gegenüberliegende große Scheune gehen, und für den Kompanietrupp wurde ein kleines Gehöft nebenan ausgeguckt. Das kleine schmucke, in der Tiefe des Gutes liegende Herrenhaus wurde nicht mit eingeplant. Bei Übungsbeginn fuhren die Trupps des Gefechtsstandes, mit Skizzen ausgestattet, auf das Gut und begannen mit dem Aufbau. Der Chef, zufrieden mit dem störungsfreien Anmarsch, gab seinem Kompanietruppführer, Hauptfeldwebel „Hannes“ Ohlendorff, letzte Anweisungen und schaute sich dann das Einrichten des Gefechtsstandes an. Verärgert stellte er fest, dass der Fernmeldezugführer, Hauptmann Baganz, eigenmächtig von der geplanten Aufstellung abwich. Der Fernmeldezugführer erklärte ihm wortreich, dass die Funk-MTW zwingend anders aufgestellt werden mussten, da sonst die Reichweiten negativ beeinträchtigt würden. Wie der Chef ja selber sehen könnte, sei das Scheunendach voller Raureif und dies sei extrem hinderlich für die Funkwellen. Daher habe er sofort reagiert und den Aufbauplatz in Anlehnung an die an die zweite Scheune ganz dicht an das Herrenhaus herangezogen. Dem Chef leuchtete jedoch nicht ein, dass von zwei baugleichen Scheunen eine erheblich stören sollte, während die andere sich gut eignete. Er forschte nach und fand auch schnell den wahren Grund. Der Fernmeldezugführer hatte vom Gutsbesitzer die Genehmigung erhalten, einen hergerichteten, beheizten Kellerraum im Herrenhaus als „Dienstzimmer“ des Leiters des Fernmeldedienstes und als Ruheraum zu nutzen. Da er als dieser Leiter des Fernmeldedienstes aber nicht weiter als ca. 50 m von der Operationszentrale entfernt sein durfte, musste er auf diesen schönen Raum verzichten oder eben die Operationszentrale näher heranziehen. Der Chef blieb stur bei seiner ersten Raumaufteilung und ließ obendrein den schönen, von Hauptmann Baganz erkundeten Kellerraum als Ruheraum für die freie Schicht des Stabes nutzen. Bei einem Rundgang über den Gefechtsstand stellte er allerdings fest, dass keiner aus dem Stab diesen wunderschönen Raum nutzte, obwohl alle informiert worden waren. Nur ein einsamer Funkunteroffizier lag dort selig in seinem Schlafsack, und er sollte auch noch lange alleine bleiben, denn er war berühmt für sein markerschütterndes Schnarchen und seine unverwechselbaren „Käsemauken“. Hauptmann Baganz stritt natürlich ab, seinen Unteroffizier gezielt in diesen Raum zum Schlafen geschickt zu haben.

 

Am 1.4.1982 kam bereits nach 2 1/2 Jahren die erneute Trennung vom Spähzug. Diesmal wurde der Zug aber wegen der schlechten Erfahrungen nicht in die Selbstständigkeit entlassen, sondern quasi in ein „Internat“ nach Eutin geschickt, um beim Panzeraufklärungsbataillon 6 dauerhaft die „hohe Schule“ der Gefechtsaufklärung vermittelt zu bekommen. Nur bei größeren Übungen sah man sich bisweilen wieder, jedenfalls solange die Luchse fuhren. Wir blieben auf dem Papier zwar vereint, im tatsächlichen Leben wurden wir uns jedoch sehr schnell fremd. 1983 feierte die Kompanie ausgelassen mit der Gemeinde Brustkorb das 10jährige Bestehen der Patenschaft. Die Kontakte zu den Soldaten waren in diesen Jahren fester Bestandteil des Brunstorfer Dorflebens geworden. Bei zahllosen Gelegenheiten wie Volkswanderung durch die Gemarkung Brunstorf, Tannenbaumschlagen, Skatabende, aber auch zum gemeinsamen Gedenken an den Volkstrauertagen trafen wir uns, und es entwickelten sich Freundschaften und enge Verbindungen. So waren die Soldaten der Kompanie und ihre Paten auch beim „10jährigen“ wieder gemeinsam fröhlich auf dem Dorffest, wobei die Kompanie mit Schlauchbootfahren und ähnlichen Belustigungen fleißig zum guten Gelingen mit beitrug. Im Jahr 1989 wurde die Kompanie während der Übung EIGENES SPIEL, die gezielt für die Kompanie angelegt und durchgeführt wurde, besichtigt. Es war eine Gefechts- und zugleich Mobilmachungsübung, in deren Verlauf die Kompanie nach Garlstedt auf den Truppenübungsplatz verlegte und dort ein Biwak mit Gefechtsschießen durchführte. Ständiger Einsatz, Schießen bei Tag und Nacht, Reservisten gemeinsam mit Aktiven, das war trotz aller Anstrengungen so recht nach dem Geschmack der Soldaten. Auch der besichtigende Kommandeur Brigadeeinheiten, Oberst Meurer, war mit den Leistungen der Kompanie vollauf einverstanden.

 

Die Einnahme der Heeresstruktur 5 brachte für die Kompanie tief greifende Änderungen. Zunächst begannen wir mit der Umgliederung und hatten dafür auch schon einiges Großgerät empfangen und anderes abgegeben. Parallel dazu nahmen eine Reihe von Soldaten der Kompanie das Personalstärkegesetz in Anspruch, andere wurden in die neuen Bundesländer kommandiert. Durch diese außerplanmäßigen Personalbewegungen wurde die Arbeit für Chef und Steuerkopf „Personal“ nicht eben leichter. In diese Situation hinein kam die Nachricht vom 15.12.1992: Die Brigade wird aufgelöst! Nach Überwindung des ersten Schocks stürzte sich die Kompanie wieder voll ins „laufende Geschäft“. Die Ausbildungsforderungen waren 1993 eher höher, und das Jahr schloss mit der Brigaderahmenübung GRÜNE EICHE, die die Kompanie bis in den Raum Braunschweig führte. In der Hitze des Gefechts oder weil die Kompanie dem sicheren Ende entgegeneilte, wurde - der Zeit etwas vorauseilend, der 20. Jahrestag der Patenschaftsübernahme schlicht „vergessen“ . Dies wurde der Beziehung zur Gemeinde Brunstorf nicht gerecht, denn die zwei Jahrzehnte der Patenschaft waren sicher nicht nur für die Kompanie eine wertvolle Erfahrungen angefüllt mit vielen menschlichen Begegnungen. Ganz sicher war die Patenschaft für uns eine wichtige Einbindung in unser unmittelbares Umfeld, wofür wir Dank sagen.

 

1994 war bestimmt durch die Vorbereitungen zur Auflösung, und am Ende des Jahres wurde unsere Kompanie nach gut 36 Jahren als letzte Einheit der Brigade aufgelöst. Hiermit wird auch das Kapitel in Wentorfs Geschichte „die Gemeinde als Bundeswehrstandstandort“ beendet

In der Patengemeine Brunstorf steht bis heute der Stein, der an die Patenschaft erinnert.

Patenstein
Patenstein