Bundeswehr übernimmt Isaf-Kommando in Nord-Afghanistan

von sku (Kommentare: 0)

Kabul - Rund vier Jahre nach Beginn ihres Einsatzes in Afghanistan übernimmt die Bundeswehr am Donnerstag das militärische Kommando über die Isaf-Friedenstruppen im Norden des Landes.

„Mit der Übernahme dieser Verantwortung wird deutlich, wie ernst es der Isaf damit ist, Afghanistan voranzubringen und die afghanische Regierung zu unterstützen“, sagte der Sprecher des Regionalkommandos, Oberstleutnant Markus Werther, am Mittwoch in Masar-i-Scharif im Norden des Landes. Die Übernahme des Regionalkommandos bedeute, daß nun nicht mehr alle Entscheidungen in Kabul abgesegnet werden müßten. So könnten die über das Land verteilten Regionalkommandos künftig schneller und besser an die unterschiedlichen Anforderungen in den einzelnen Regionen angepaßt handeln. Die Lage sei zwar nicht ruhig oder stabil. Er gehe jedoch nicht davon aus, daß sich durch die Übernahme des Kommandos die Gefahr für die Truppen erhöhe.

Deutsche Soldaten ziehen in „Camp Marmal“
 

Bisher hatte die Bundeswehr den Einsatz der Nato-Friedenstruppe Isaf in den neun Nordprovinzen lediglich koordiniert, nun übernimmt der deutsche Brigadegeneral Markus Kneip auch das militärische Kommando. Zur Nordregion gehören die deutsch geführten Wiederaufbau-Teams in Feisabad und Kundus, außerdem das schwedisch geführte Team in Masar-i-Scharif, das norwegisch geführte in Meymaneh und das niederländisch geführte Pol-e Khomri. Die Übergabe des militärischen Kommandos an die Regionen bedeute eine neue Ära in der Unterstützung der afghanischen Regierung, da damit auch die Wiederaufbauteams auf das gesamte Land ausgedehnt würden, sagte Werther. Insgesamt solle die Zahl der Wiederaufbauteams auf 27 wachsen. Über die Teams wird die militärische Aufgabe der Friedenssicherung mit dem Wiederaufbau des Landes verzahnt.

Das deutsche Regionalkommando wird sich nach den Worten Werthers im neuen „Camp Marmal“ (zu deutsch: Gebirge) in Masar-i-Scharif ansiedeln, das dann mit rund 1100 Bundeswehr-Soldaten zum größten deutschen Feldlager im Land wird. Derzeit seien in Masar-i-Scharif 630 deutsche Soldaten stationiert, knapp 230 seien im Wiederaufbauteam in Feisabad und 360 im Team in Kundus im Einsatz. In Kabul seien noch etwa 1300 Bundeswehr-Soldaten, von denen jedoch viele nach Masar-i-Scharif umziehen würden. Am usbekischen Versorgungsstützpunkt Termes seien knapp 300 deutsche Soldaten stationiert. Mit den Deutschen zusammen sind in der Nordregion rund 1000 Soldaten aus 13 Nationen, vor allem aus Norwegen und Schweden, im Einsatz.

2800 deutsche Soldaten im Einsdatz

Insgesamt sind als Teil der Friedenstruppe Isaf derzeit rund 2800 deutsche Soldaten in Afghanistan und Termes stationiert. Deutschland stellt damit das größte Truppenkontingent für die Isaf. Zuletzt hatte der Bundestag das Afghanistan-Mandat Ende September verlängert und auf bis zu 3000 Soldaten aufgestockt. Weitere große Isaf-Kontingente stellen die Italiener, Niederländer, Franzosen, Briten und Spanier. Für den Westen des Landes ist Italien zuständig, für den Osten Großbritannien und für die Hauptstadt Kabul Frankreich.

Separat vom Friedenseinsatz der Isaf läuft in Afghanistan der von den USA geführte Kampfeinsatz „Operation Enduring Freedom“ gegen die radikal-islamischen Taliban und Anhänger der Extremistenorganisation al-Qaida. An ihm sind rund 22.000 amerikanische, 3500 britische und 2300 kanadische Soldaten beteiligt. Zeitweise waren dafür auch Soldaten der deutschen Elite-Truppe KSK im Einsatz.

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