Das Fahrzeug MTW (M113) und seine Technik

von sku (Kommentare: 0)

Dieses vielseitige Fahrzeug war auf der Straße recht schnell und konnte durch geschicktes Tuning auf 100 Km/h gebracht werden. Chrysler V8 Motor mit 262 PS und Automatik. Kein ABS und kein Airbag, Stabile Kompaktbauweise mit Heckklappe, Kleinster Wendekreis.

An meinem Fahrzeug ist bei einer Übung die Kette gerissen und unser Kradmelder wäre beinahe dadurch verunglückt. Die Kette wurde auf der Straße geflickt (Hierzu sind Photos vorhanden) Von dieser Übung kamen wir an einem Freitagabend zurück und durften am nächsten Morgen für 2 Tage in den Urlaub. Ich durfte am Samstag mit Hilfe der Fußkranken eine neue Kette komplett montieren, denn am Montag sollte es schon wieder raus in die Natur gehen. In einer Riesen-Holzkiste waren die Einzelteile und die Helfer haben mit Reiniger die teerartige Schutzsschicht entfernt. Es war dann noch eine kurze Probefahrt fällig, bevor auch ich nach Hause durfte. Seit Übernahme des Fahrzeugs habe ich im Fahrtenbuch regelmäßig auf störende Geräusche hingewiesen und die Kette wurde mehrfach überprüft und ausgemessen. Die Ursache war ein falsch montierter Bolzen von dem auch nicht viel übrig war und laut Buch war natürlich nachprüfbar, wer seinerzeit die Kette montiert hatte. Das war nicht bei uns verbockt worden, sondern in Nordfriesland.

Kurzfristig und ohne Vorwarnung musste ich wegen Ausfall des Fahrers den MTW der 5. Kompanie übernehmen bei einer Übung. Der Mörserzug stand schon vor dem Gebäude der 5. und ich holte den MTW, der als Feuerleitpanzer ausgerüstet war. Das ganze Ding sah von innen aus wie eine teure Stereo-Anlage. Im Fahrzeug übler Benzingeruch selbst bei voll geöffneter Heckklappe. Die Zeit drängte und man sagte mir, dass dieses Fahrzeug schon länger nach Benzin rieche. Ich hatte Bedenken und habe die Bodenplatten entfernt und da wurden aber hurtig die brennenden Zigaretten gegen Feuerlöscher ausgetauscht. Eine andere Benzinpumpe wurde auch schnell organisiert und mit leichter Verspätung rückten wir aus.  

Für lustige Scherze war dieses Fahrzeug bestens geeignet. Die Opfer waren immer frische Rekruten, die sich neugierig im Bereich der Fahrzeughallen herumtrieben. Diese wurden von uns um kameradschaftliche Hilfestellung gebeten, und fühlten sich geschmeichelt.

Trick 1 :
Das Fahrzeug wurde in der Bodenwanne mit Wasser befüllt und die Lenzpumpe kurz betätigt. Dadurch befand sich der Wasserstand bereits oben an der Austrittsöffnung der Seitenwand. Der Neuling wurde nun gebeten sein Ohr an die Wand zu legen und Fremdgeräusche zu melden. Dann wurde die (starke) Lenzpumpe wieder zugeschaltet worauf der nette Helfer dann frisch geduscht wurde. 

Trick 2 :
Der Neuling wurde gebeten, sein Ohr auf die Motorklappe zu legen. Der Fahrer löste von innen die Arretierung und der Helfer bekam einen Stoß durch die sich öffnenden Klappe. Dieser Trick wurde eingestellt wegen Verursachung von üblen Schwellungen im Gesicht. 

Trick 3 :
Es wurde um die Mithilfe bei einem Druck- und Abgastest gebeten. Der Neuling durfte bei diesem Trick den MTW sogar besteigen (welche Ehre!) und ihm wurde die Wichtigkeit eingeschärft und der genaue Ablauf beschrieben. Er musste seine Mütze abnehmen und am Mützenschirm mit beiden Händen fest zugreifen. Sofern der Motor im Test ausgehen würde, sollte er dann blitzschnell die Mütze über das Auspuffrohr stülpen und gut festhalten. Im Leerlauf wurde nun mehrfach schnell hintereinander Vollgas gegeben, die Zündung wurde auf -off- und eine Sekunde später wieder auf -on- gestellt bei erneutem Vollgas. Der Neuling hatte seine Mütze platziert und es gab eine höllisch laute Fehlzündung plus einem bis zu 2 Meter langen Feuerschweif mit Rußpartikeln und Funken in fast waagerechte Richtung. 
Entweder flog dann die Mütze brennend sonst wo hin oder das Opfer hatte von seiner Mütze nur noch den qualmenden Mützenschirm in der Hand. Der Ober-Ablacher, wir haben uns jedes Mal fast bepisst vor Lachen. Das Ding war die absolute Krönung. 

Die Fehlzündung funktionierte auch ohne Mütze. Wurde von einem Fahrer der 4. Kompanie einmal bei einer Ausfahrt angewendet, die Fehlzündung wurde während der Fahrt erzeugt. Eine Radfahrerin fuhr unter Schockeinwirkung in den Straßengraben und das hatte natürlich die entsprechenden Folgen. Hu hu, schon wieder die böse 4.Kompanie

Ungelöst blieb im Bataillon auch eine wichtige technische Frage im Zusammenhang mit dem Fahrzeug MTW. Diese Frage wurde wegen starker Meinungsverschiedenheiten unter Experten niemals endgültig beantwortet und die Frage lautete :

Dürfen MTW-Fahrer an ihren Knobelbechern diese Metall-Stoßeisen tragen oder nicht?

Hinweis für Zivilisten : Gemeint sind schwarze Lederstiefel und nicht diese Dinger aus der 
  Dorfkneipe!  

Beim Betanken der Fahrzeuge wurden wir von einem Offizier aufgefordert, unverzüglich diese Eisen von den Stiefeln zu entfernen. Begründung : Möglicher Funkenschlag und Explosion. Wir wurden von dem Moment an automatisch Stammkunden des Schusters und es kam wie es kommen musste: Wenig später erspähte uns ein anderer Offizier und wir erhielten den Befehl, unverzüglich diese Eisen wieder anbringen zu lassen. Das Spiel wiederholte sich noch mehrfach, bis dann die Anweisung von oben kam, die Eisen vorerst bis zur Klärung an den Stiefeln zu belassen. Somit waren wir wieder bei der Frage : Darf oder darf nicht? Außerdem bezeifelten wir die Gefährdung an. Gefährdet war unsere Fahrerlaubnis, sofern beim Betanken keine Kameraden mit bereiten Feuerlöschern vorhanden gewesen wären.

Noch eine technisch niemals hinreichend geklärte Frage.
Vorgang : Bei einer Ausfahrt zu einer längeren Übung ist unmittelbar nach Verlassen der Kaserne ein Unfall passiert. In Höhe einer Bushaltestelle an einer Querstraße gab es einen sehr lauten Knall. Einer unserer MTWs hob am Heck derart hoch ab, dass der Fahrer fast vorne rausgefallen ist. Heißes Öl lief auf die Straße und Zivilisten standen unter Schock. Wir mussten weiter, um den Zeitplan für die Verladung am Güterbahnhof einzuhalten. Also technisch gesehen war das Auto-Wandlergetriebe des MTW geplatzt. Das Fahrzeug wurde irgendwo mehrfach von div. Experten untersucht. Man leitete gegen den Fahrer auch eine Untersuchung ein. Ihm wurde unterstellt, aus moderater Vorwärtsfahrt direkt in den Rückwärtsgang geschaltet zu haben, mit Kenntnis der Folgen. Diese Handlung, um nicht an der Übung teilnehmen zu müssen. Zu einer endgültigen Klärung kam es nie weil auch Gutachter sich nicht einig waren und weil auch ich ein technisches Problem an meinem Fahrzeug hatte:
Mir wurde bei der Instandsetzung definitiv eine falsche Ölsorte eingefüllt. Dies habe ich erst im Gelände gemerkt, denn es fing bei hoher Geschwindigkeit an zu stinken. Es war ein beißender und unerträglicher Geruch. Ich habe dann das Öl selbst gewechselt. Den abartigen Geruch des verbrannten bzw. überhitzten Öls hatte ich noch tagelang an mir haften, denn ich bekam beim Ablassen eine Ladung davon ab. Die Arbeit wurde nicht stehend in einer Grube ausgeführt, sondern ich lag dabei flach unter dem Fahrzeug. 

Der amüsante Teil der Geschichte:
Als ich mit verölten Händen und Unterarmen und wie der Teufel stinkend unter dem MTW herausgekrochen war, sah ich meinen Freund und Kamerad Günther mit seinem Krad. Er war als Melder beim Stab eingesetzt worden, wo es qualitativ bedeutend bessere Nahrung gab, wie er mir schon vorher berichtet hatte. Zum Beweis hatte er jetzt eine kleine Auswahl davon mitgebracht und hat mich mit der Beute gefüttert. 
 

Vorgeschriebene Probefahrt (z.B. nach Austausch oder Arbeiten an der Gleiskette) 

Die zu fahrende Kilometerzahl war auf dem Fahrbefehl vorgegeben. An einem Wochenende stand für eine solche Fahrt einmal auf dem Befehl als Route nur : Raum Schwarzenbek

Der MTW Fahrer 4. Kompanie nahm das wörtlich und bog auf eine wunderschöne neue schmale Querstraße ab, welche er räumlich erspäht hatte. Fahrbahn wie neu, weil frisch asphaltiert, null Verkehr. Einem erregt winkendem Zivilisten wurde freundlich zurück gegrüßt, 
und es folgten einige (nicht vorgeschriebene) Testmanöver : Starkes Beschleunigen, Vollbremsung, hin- und her wedeln und Ermittlung der absolut möglichen Höchstgeschwindigkeit. Das hatte negative Auswirkungen auf den frischen Straßenbelag Die Testfahrt nahm ein jähes Ende, weil ein buntes Band über die Straße gespannt war. Honorige Mitbürger in ihren Sonntagsanzügen und mit Blumen geschmückt, waren gerade im Begriff diese neue Querverbindung feierlich zu eröffnen. Das gab dann hinterher aber richtig Stress und speziell für denjenigen, der diesen Fahrbefehl ausgefüllt hat. Er hätte ja zum Beispiel schreiben können: Schwarzenbek, hin und zurück unter Angabe der Bundesstraßennummer. So wurde jedenfalls argumentiert, denn ein Sündenbock musste ja gefunden werden.

Peinlich auch die MTW Testfahrt mit Nachtsichtgeräten. Wir wussten nicht, dass es so etwas überhaupt gab. Auf einem Gelände bei Höltigbaum ging es nachts los an einem (astronomisch gesehen) denkbar schlechten Datum. Es war Vollmond, welcher trotz der Bewölkung zu Störungen führte. Die Geräte waren nur in völliger Finsternis optimal, wir hatten zu dem Zeitpunkt also schon mal relativ schlechte Sicht. Als der Mond dann plötzlich hinter einer Wolke hervorkam, bin ich direkt gegen den Betonpfeiler einer Einfahrt gefahren. Den Kopf konnte man ja nicht rausstecken, weil diese Zusatz-Optik direkt in den Lukendeckel eingebaut wird.


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