Der Abschied 1968 und Wehrübungen

von sku (Kommentare: 0)

Ende September 1968 war für meinen Kameraden Rolli und für mich das Ende des Wehrdienstes gekommen. Nach Rückgabe der Fahrzeuge durften wir bereits einige Tage vor dem Monatsende unsere Waffen abgeben und unsere Ausrüstung (Bekleidung) packen. Die Bekleidung haben wir dann im Seesack zur benachbarten Luftwaffen-Kaserne bringen müssen zwecks Einlagerung. Dort am Eingang natürlich von den Wachtposten wie üblich als Stoppelhopser tituliert worden, worauf wir die Propellerputzer gefragt haben, wie viele Tage sie denn noch hätten. Wir hielten uns von da ab im Kasernenbereich in ziviler Bekleidung auf, was völlig ungewohnt für uns war. Es kam aber doch noch ein kurzer Einsatz. Der Spieß bat uns, mit je einem MTW in die Wentorfer Lohe zu fahren und dort auf einer Wiesenfläche hin- und her zu fahren. War wohl als Feindsimulation für eine Ausbildung gedacht. Übermütig und in guter Laune haben wir auch diese Aufgabe nicht zur vollen Zufriedenheit abgeleistet. Wir haben aus hoher Fahrt heraus mit beiden Händen einen der Lenkhebel angezogen. Darauf (wie allgemein bekannt sein dürfte) hat uns das Heck des MTWs beinahe überholt. Grasmatten wurden großflächig von der Bodenfläche abgeschert und flogen durch die Luft. Ein gelungener Ausklang des Wehrdienstes, zumal wir dadurch noch mal mit dem Spieß reden duften bzw. er redete noch mal mit uns.

Am Tag der Entlassung fuhren wir beide nach Hamburg und hatten den damals obgligatorischen flachen Strohhut auf dem Kopf, verziert mit allerlei Sprüchen und anderer Kleindekoration. In Bahnhofsnähe haben wir in einem Restaurant sehr gut gespeist und viel getrunken. Ich habe meinen Kameraden dann im Hauptbahnhof zum Zug gebracht. Es war schon merkwürdig, sich nach so einer langen und gemeinsam verlebten Zeit zu verabschieden. 

Mit meinen Kameraden Rolli und Günther bin ich noch immer Kontakt. 


Im Jahre 1969 erhielt ich eine Einladung zu einer Wehrübung und war in Höltigbaum, wo wir 
nur geschossen haben. Von den alten Kameraden war leider keiner dabei und bei der Gelegenheit durfte ich auch den Seesack mit meiner Bekleidung mit nach Hause nehmen. Ich bekam ja regelmäßig Post, Briefe mit Information u. Fahrschein für den Ernstfall. Mit jedem neuen Brief änderte sich auch das Reiseziel. 

In 1973 oder 1974 erhielt ich eine weitere Einladung zu einer längeren Wehrübung. Konnte nicht teilnehmen wegen gebrochenem Arm. Wohnte damals nur 300 Meter entfernt von der Standortkommandantur. Dort wurde doch tatsächlich eine erneute Röntgenaufnahme meines (eingegipsten) Armes gemacht. Ich hatte vermutet, dass die ein Telefonat mit dem behandelnden Chirurgen führen würden, aber sie sind total auf Nummer Sicher gegangen. Hätte ja auch wieder ein Trick von mir sein können, schließlich bin ich ja mal in der 4./162 gewesen.

Irgenwann nach 1975 habe ich die Bekleidung dann nach schriftlicher Aufforderung in einer Kaserne in Hamburg-Osdorf abgeben müssen. Man konnte dort gegen geringe Beträge die Bekleidungsstücke auch käuflich erwerben. Ich habe mir Helm, Parka, Panzer-Kombi und die Schnürstiefel mitgenommen um im (immer noch erwarteten) Ernstfall wenigstens zweckmäßig gekleidet zu sein. Für die Schnürstiefel, oder besser gesagt wegen der Füße bekam ich beim Bund kostenlos hochqualitative verchromte Einlagen auf Maß. Die sind aus Edelstahl und unverwüstlich und kosten heutzutage sicher richtig Geld. Mit den Stiefeln bin ich an der Mosel viel gewandert und habe die Stiefel seit 1994 bei Fahrten mit meinem Motorrad in Gebrauch. Auch heute noch, unrasiert und fern der Heimat. Die haben mir immer Glück gebracht, nie ein Unfall. Falls ich aber doch mit dem Krad tödlich verunglücken sollte, bin ich dann wenigstens in den Stiefeln gestorben, wie man so schön sagt.

gez. Ronald von Pirch mit Gruß aus Thailand an alle Ehemaligen und an alle Aktiven

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