Der Bataillonskommandeur

von sku (Kommentare: 0)

Der damalige Kommandeur des Bataillons war Herr Oberstleutnant Czerwinsky. Dieser hatte bei Übungen im Gelände ein besonderes Hobby : Er spazierte unbegleitet und unauffällig herum und tauchte überraschend plötzlich bei Mannschaftsdienstgraden auf. Er legte dabei gesteigerten Wert auf unverzügliche und korrekte Meldung, so wurde es uns von Ausbildern gesagt. Da der Herr Oberstleutnant jedoch so unvermutet auftauchte, hatten viele Kameraden damit ein Problem und die Meldung war dann oft gewürzt mit Versprechern oder Gestotter und Silben wie Ähh, ähh....

Große Schlagfertigkeit bewies mein Kamerad Rollie bei der folgenden Begebenheit :
Wir lagen in der Heide auf dem Rücken liegend flach in der ersten Frühlingssonne. Zu unseren Füßen tauchte urplötzlich der Oberstleutnant auf mit der Frage, was wir dort auf dem Boden zu tun hätten. Wir legten beide die Hand an die Mütze, ohne unsere Position in irgendeiner Form zu verändern. Ehrlich, mir wäre nichts als Antwort auf die Frage oder als Meldung eingefallen. Rolli rettete die Situation mit der einzigartigen Meldung : Gefreiter Rollshäuser und Gefreiter von Pirch bei der Luftraumüberwachung. Der Oberstleutnant war entzückt und sagte : „Gut so, weitermachen!“ und spazierte davon.

Bei meinem Einsatz als Fahrer des Feuerleitpanzers (MTW) für die 5./162 hatte ich nichts zu tun, nachdem das Fahrzeug im Gelände zwischen jungen Tannen in Stellung gebracht worden war. Es war kalt und ich lief ein wenig herum und habe mir etwa 100 Meter entfernt von einem Unimogfahrer eine Axt entliehen. Dann habe ich kleine Bäume gefällt und die Bäume an den Seitenwänden des MTW aufgestellt. Nach Fertigstellung brachte ich die Axt wieder zurück und kurz vor Erreichen des Unimogs stand der Oberstleutnant plötzlich vor mir. Ich machte Meldung und gemeinsam brachten wir die Axt zurück und versetzten den Fahrer in leichte Panik. Nun äußerte der Herr Oberstleutnant den dringenden Wunsch, das Ergebnis meiner Fahrzeugtarnung zu sehen. Wir gingen in die grobe Richtung und es kam der Punkt, wo ich selbst nicht mehr sicher war, wo das Fahrzeug stand. Wir gingen hin und her bis ich an einer Stelle ziemlich sicher war, das wir dicht dran sind. Da hörten wir leise Stimmen und das Rauschen der Funkgeräte direkt vor uns, wir standen unmittelbar am MTW. Der Herr Oberstleutnant sprach mir seine Anerkennung aus und schaute dann am Heck des Fahrzeuges ohne Vorwarnung durch die geöffnete Mannluke der Heckklappe. Das hatte natürlich den erwünschten Effekt!

Bei einer anderen Übung konnten wir folgendes beobachten:
Wir hatten Pause und sahen den Herrn Oberstleutnant von links kommend auf einer Betonstraße. Er ging nicht zu Fuß, sondern fuhr extrem langsam auf einem Motorrad. Beiderseits und am Heck des Krades trabten hochrangige Offiziere, welche dabei verbale Lobhudeleien von sich gaben. Wir hielten das automatisch für die erste Fahrstunde mit gleichzeitiger Prüfungsfahrt zur Erlangung des Führerscheines Krad-Klasse. Vermutlich durch diese Mitläufer abgelenkt oder sogar behindert, fiel der Herr Oberstleutnant aus langsamer Fahrt heraus mit dem Motorrad um. Hu hu, da war aber was los! Wir haben natürlich in voller Deckung geräuschlos in die Grasnarbe gelacht. Später erfuhren wir, dass sich unser Kommandeur bei diesem Sturz seriös verletzt hatte. Angesagt war also erstmal Gipsbein und Krückstock statt der Fahrerlaubnis, und in dieser Aufmachung haben wir ihn in der Kaserne auch das nächste Mal gesehen.  

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