Die 4 . Kompanie - Ronald von Pirch

von sku (Kommentare: 0)

Wir begaben uns mit unserer Ausrüstung also zum Gebäude der 4. Kompanie. Das Gebäude war leer, neue Rekruten wurden erwartet. In der Schreibstube machten wir Meldung mit dem Hinweis, das wir uns beim Spieß melden sollten. Der Spieß kam dann wie eine Rakete aus dem Zimmer hinter der Schreibstube und belehrte uns laut über seinen Dienstgrad und die Tatsache, dass er der Kompanie-Feldwebel sei. Sein Name war Laszyk (oder ähnlich) und er wies uns ein Zimmer im Erdgeschoss zu. Wir verließen das Gebäude schnellstens und trafen draußen auf einen uns unbekannten Hauptmann. Instinktiv wussten wir beide, dies war unser neuer Kompaniechef und machten Meldung. Freundlich begrüßte uns der Hauptmann und informierte uns, dass wir seine neuen MTW-Fahrer werden würden. (Davon wussten wir vorher nicht) Im weiteren Verlauf änderte der Hauptmann Tonlage und Tonart für kurze Zeit, denn er teilte uns u.a. mit, dass er uns den A.... aufreissen würde bis zur Halskrause usw. und wir waren entlassen. Einige Meter weiter gegangen, wurden wir von ihm erneut angesprochen. In freundlichem Ton rief er uns hinterher : „Wollt ihr euch nicht eventuell als Zeitsoldaten melden, also Z12 oder so? Denkt mal drüber nach!“ Etwas verwirrt sind wir erst einmal in die Kantine gegangen.  

Wir haben dann den Schirrmeister OF Lorenz (oder Lorenzen) kennengelernt und Kamerad Rolli und ich hatten ab sofort Fahrschule. Zuerst LKW (Vorbedingung für F1 Schein) und dann Kettenschein-Fahrschule auf MTW (M113) Dank der Ausbilder eine unvergesslich schöne Zeit im Sommer 1967 – Viel gelernt und LKW Führerschein gratis. Neben den MTWs hatte die 4. Kompanie noch 2 der sogenannten Panzer-Atrappen, das Unimog-Schaukelpferd. Hauptsächlich im Einsatz für Fahrten zur Mun-Wache während der Winterzeit.

Während unserer Fahrausbildung fand unter der Leitung von Hauptmann Windels in der 4. Kompanie eine Grundausbildung für neue Rekruten statt. Auch diese Kameraden bis auf einige Ausnahmen wieder aus dem Ruhrgebiet und Rheinland. Dies ist einer der Gründe für unzählige Anekdoten und unvergessliche Erlebnisse. Ein weiterer Grund war der damals immer erwähnte und erwartete sogenannte Ernstfall, welcher für viele harte dienstliche Entscheidungen und Befehle als Begründung herhalten mußte. War auch wegen der damaligen außenpolitischen Lage gar nicht so abwegig. (Israel / Tschechoslowakei)  

Es wurden dann einige der neuen Kameraden ebenfalls als MTW-Fahrer ausgebildet und für Rolli und mich war Ende 1967 Halbzeit angesagt.
Richtig schön wurde es dann 1968. Wegen der politischen Lage und Krisen waren wir mehr außerhalb der Kaserne als innerhalb, und das oft für größere Zeiträume in einem Stück. Diese Tatsache hat bewirkt, dass nie Langeweile aufkam und die komplette Wehrzeit auch nicht als lang angesehen wurde. Die damals sogenannte Vollausbildung beinhaltete diverse kurze Lehrgänge und viele Übungen, die generell außerhalb der Kaserne abliefen. Viel Zeit wurde auf die Schießausbildung verwendet und Chef-Hobby Nr. 2 waren Märsche.

Innerhalb der Kaserne hatten wir auch immer Spaß, schon wegen der guten Kameradschaft. Die 4. Kompanie war damals auch außerhalb des Bataillons bekannt, berühmt und berüchtigt. Das wohl nicht zuletzt auch wegen der guten Leistungen, für die einzig und allein unser Kompaniechef der ausschlaggebende Faktor war, aber auch wegen diverser Vorkommnisse. Genug Gesprächsstoff für unzählige Abende am Lagerfeuer.  
Die Verpflegung in der Bismarck-Kaserne war gut. Mehrfach in der Woche gab es abends ein Buffett zur freien Auswahl, reichlich und satt. Auch die privat betriebene Kantine hatte einige unvergesslich gute Speisen auf der Karte.

Ich persönlich habe meine Zeit in der Bismarck-Kaserne in guter Erinnerung und denke positiv an diese Zeit zurück. Allein schon die Tatsache, dass ich bei der Bundeswehr war, hat mir in einem Fall beruflich sehr geholfen. Familiäre Gründe waren ausschlaggebend, dass ich mich nicht länger zum Dienst verpflichtet habe. 


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