Die Wentorfer Lohe

von sku (Kommentare: 0)

In diesem Gebiet fand ein Großteil der Ausbildung statt. Meistens in der Form von Halbtagsausflügen wurden hier einzelne Themen der Ausbildung durch die Ausbilder vermittelt. Angenommen wurde auch hier immer der schon öfter zitierte sogenannte Ernstfall. Wir hatten dort viel Spaß, anbei einige schöne Erlebnisse.

Hasenfalle:
Nachdem wir durch die Büsche geschlichen waren um den sogenannten Deut-Schuss zu simulieren erhielten wir eine Einweisung über den sogenannten Feuer-Überfall. Hierbei feuert die Gruppe auf Kommando zum gleichen Zeitpunkt jeweils nur einen Schuß ab. Somit wird der Gegner über die tatsächliche Anzahl der feindlichen Kräfte getäuscht. Anschließend kam dann der fröhliche Teil des Tages. Auf einer kniehhoch mit Gras bewachsenen Wiesenfläche haben wir von unserem Ausbilder die Kunst des Fallenstellens gelernt, wobei es nicht um die Bereicherung des Speisezettels ging. An in die Erde geschlagenen Pflöcken wurden auf eine bestimmte Methode diverse starke Drahtschlingen rund um den Pflock befestigt. Wir gingen anschließend in Deckung, Kommando zum Feuer-Überfall wurde erwartet. Da tauchten von uns aus gesehen Richtung 9 Uhr sehr viele Neulinge auf und wurden in Schützenkette aufgestellt. Auf Kommando haben diese Kameraden dann einen Sturmlauf über die Wiese praktiziert. Einer nach dem anderen verschwand buchstäblich wie vom Erdboden verschluckt im hohen Gras. Das für den Sturmlauf befohlene Hurra-Geschrei wurde immer dünner und wir waren vor Lachen nicht in der Lage den Feuer-Überfall korrekt auszuführen. Erst als wir die armen Opfer mit Hilfe von Zangen befreiten, konnten wir sehen, wie effektiv diese Drahtschlingen waren. Der Draht war sehr stramm und teilweise schmerzhaft um die Knobelbecher gewickelt und von Hand kaum zu lösen.

Dünne Suppe:
Geübt wurde das Einbringen von Verpflegung unter gefechtsmäßigen Bedingungen. Es regnete und die MG-Gräben füllten sich mit Wasser. Einige Trupps von je 2 Soldaten wurden gebildet und sammelten das Essgeschirr der Kameraden ein. Die Pötte wurden am Henkel über eine lange Holzstange geschoben. Die Aufgabe, mit diesem klappernden Geschirr leise und unauffällig bis zur Gulaschkanone zu gelangen, war doch etwas absurd. Wir haben bezweifelt, ob sich das in der Realität auch so abspielt oder ob das wieder ein Gag der Ausbilder war. Auf einem unbefestigten Weg kam vom Ausbilder die Warnung >Tiefflieger< und so sind wir vom Rand des Weges weg und haben uns fortan direkt im Knick daneben bewegt. Hier wuchsen Jungbäume und Büsche und die Akkustik des Blechgeschirrs verstärkte sich. Zerkratzt und zerzaust und pitschnaß haben wir dann pro Essengeschirr einen Schlag dünne Kartoffelsuppe bekommen. Dazu gab es noch leichtfeuchte Brötchen, die wir am Mann verstauten. Auf dem Rückweg wurde dann eine schnellere Gangart befohlen, vermutlich war uns der böse Feind schon auf den Fersen. Im Knick seitlich des Weges war es mittlerweile echt rutschig, Stürze unvermeidlich und die Gesamtmenge der Suppe nahm rapide an Volumen ab. Vom Feind angeblich einsehbare Geländestrukturen wurden im Entengang überwunden. Fazit : Von der geplanten Einnahme einer warmen Mittagsmahlzeit blieb fast nur noch die Grundidee erhalten. Auch die Brötchen waren mittlerweile richtig naß und hatten auch optisch nichts mehr mit Backwaren gemeinsam.

Mission Impossible:
Wieder war es dem bösen Feind gelungen, größere Teile der Wentorfer Lohe zu erobern. Wir bekamen also reichlich Platzpatronen und rückten aus. In einem Knick wurde uns dann der Ernst der Lage und die Vorgehensweise erläutert : 
Geradeaus 12 Uhr ein absolut flaches Gelände, vom Feind gut einsehbar. Der Boden fast weiß vom Rauhreif. Hinter dieser Fläche ein natürlicher hoher Erdwall mit starkem Bewuchs und somit uneinsehbar. Hinter diesem Wall starke alte Bäume und junge Birken, dahinter vermutlich Kusselgelände. Der Feind (simuliert durch andere Kameraden) hatte der Lage nach vermutlich mindestens 2 versteckte MG-Nester hinter dem Wall und weitere Kräfte in Entfernung in Stellung gebracht.
Befohlene Vorgehensweise : 
Gruppenweise auf die Freifläche vorrücken. Weiteres kurzes Vorrücken in Sprüngen, wobei die eine Hälfte der Gruppe flach liegend jeweils die andere durch Sperrfeuer absichert. Nach Ausschaltung der MG-Stellungen und der Überwindung des Erdwalls das vorausliegende Gelände aus der Deckung heraus beobachten und weitere Befehle abwarten.
Vor der Aktion wurde noch eine Zigarettenpause genehmigt und ich fing mit einem Leutnant eine kontroverse Diskussion über militärische Vorgehensweise an. Ich habe ihn gefragt, wie viele Kompanien er denn auf dieser flachen Fläche verheizen wolle. Da unser MG-Schütze von der rechten Flanke her angreifen sollte (wo kein Erdwall war) fand ich es sinnvoller, einen Blitzangriff mit allen Gruppen über beide Flanken zu versuchen, denn auch weiter links gab es keinen Erdwall. Da ich nur im Rang eines Gefreiten war, gelang es mir nicht, den Leutnant von meiner brillianten Strategie zu überzeugen. Nach dem dienstlichen Befehl nun doch endlich die Schnauze zu halten, fand der Angriff gemäß der befohlenen Taktik statt. Die freie Fläche schnell überquert und die MG-Nester ausgeschaltet, von rechts heftiges Geknatter unseres MG-Schützen und dann mit Sprung über den Erdwall. Überraschung ! Der Wall war rückseitig tiefer als auf der Vorderseite! Wir strauchelten und kollerten alle diesen kleinen Abhang hinunter, verloren dabei Teile der Ausrüstung und erlitten leichte Verletzungen. Vor uns lag ein ausgetrocknetes Sumpfgelände mit leichtem Buschwerk und vereinzelt stehenden hohen Büscheln aus Sumpfgras. Vom Feind absolut nichts zu sehen und auf Kommando erfolgte ein Sturmlauf (mit Hurra). Wir waren schon gut gelaufen, als der Feind unvermutet auftauchte und zwar aus dem Erdboden. Die Sumpfgrasbüschel (aufgesetzt auf dem Stahlhelm) hoben sich aus dem Boden und rußgeschwärzte bekannte Gesichter eröffneten das Feuer. Tolle Tarnung und für uns keine Chance. Ich erhielt einen direkten Körpertreffer, da der Gegner (verbotenerweise) eine leere Platzpatrone vorne in den Lauf gesteckt hat. Auf dem Weg zurück konnte ich mich am Erdwall davon überzeugen, welch gute Sicht der Feind auf die Freifläche hatte. Vergessen wir es, Herr Leutnant. Bin ja nicht nachtragend.
   
Entengrütze
Wir rückten aus in die Wentorfer Lohe zur Feinddarstellung. Auf einem sumpfigen Gelände, teilweise mit kleinen Teichen bedeckt begannen wir mit Vorbereitungen. Es wuchs dort Sumpfgras und auf dem Wasser schwamm grüne Entengrütze. Knallkörper DM1 wurden nun geschickt platziert, befestigt und getarnt und mit langen Schnüren versehen. Wir gingen dann in einiger Entfernung hinter einem hohen natürlichen Erdwall in Deckung. Ich bestieg einen alten hohen Baum als Beobachter. Durch ein einzelnes Schilfrohr und der sogenannten Daumensprung-Methode konnten wir die Position der Knallkörper trotz der Tarnung ermitteln. Die anrückenden Rekruten in Zugstärke konnte ich aus meiner Position schon aus großer Entfernung ausmachen. Sie bewegten sich langsam und gebückt rundum sichernd vorwärts. Der Zugführer hatte eine Schutzbrille auf (wohl weil er ja wusste, was kommen würde) und führte seine Truppe im Entengang in das Sumpfgebiet. Dort hockten sie eine Weile im Wasser und der Zugführer spähte mit dem Fernglas umher. Er befand sich in seiner Position unmittelbar über einer DM1 und wir schlugen auf Handzeichen zu. Die Übungskracher explodierten und rissen Schlammfontänen hoch und dazu eröffneten wir das Feuer. Da brach dann aber die volle Panik aus, der Zugführer flog rückwärts in die Entengrütze, wobei ihm seine Mütze vom Kopf flog. Von uns war wegen der Helmtarnung kaum etwas zu sehen. Also wieder ein gelungene Aktion der Sorte Sport, Spiel Spannung. Ich kam übrigens nur mit Hilfe von Kameraden wieder von diesem Baum hinunter. Also rauf war es irgendwie leichter gewesen.

 
Ja wo laufen Sie denn?
Leutnant mit Karte und Kompass in den Händen erklärt Unterführern die Lage. Weist mündlich und durch Handzeichen den einzelnen Gruppen die Einsatzräume zu. SU Szyska (damals glaube ich noch SU ohne S) soll mit seiner Gruppe nach cirka 100 Schritten links abbiegen und in einem entfernteren Wäldchen Stellung beziehen. Gruppe trottet dem Vorgesetzten hinterher, welcher plötzlich nach rechts abbiegt. Leutnant ruft (sehr laut) : „Ich habe links befohlen, Sie Idiot!!“ Der Uffz. wird rot wie ein Feuermelder. Bei uns kurze Verzögerung durch Atemnot verursacht durch Gelächter verbunden mit teilweise leichter Durchfeuchtung der Unterwäsche.

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