Drei Bundeswehrsoldaten bei Attentat getötet - Merkel spricht von «perfidem Mord»

von sku (Kommentare: 0)

Berlin/Kundus (ddp). Beim schwersten Terroranschlag seit knapp vier Jahren gegen die Bundeswehr in Afghanistan sind am Samstag drei deutsche Soldaten getötet worden. Fünf Kameraden wurden bei dem Selbstmordattentat in Kundus verletzt, zwei davon schwer. Vier verletzte Soldaten sollten am Sonntagabend mit einem zur Intensivstation umgebauten Airbus am Köln-Bonner Flughafen eintreffen, um dann zur Behandlung in das Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz eingeliefert zu werden. Die getöteten Soldaten stammen aus Schleswig-Holstein, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Sie gehörten zu einer Patrouille, die zu Fuß auf dem belebten Markt der nordafghanischen Stadt unterwegs war, um technische Gegenstände einzukaufen. Der Bombenanschlag um 10.08 Uhr Ortszeit riss zudem fünf afghanische Zivilisten in den Tod und verletzte sieben schwer. Verletzungen erlitt auch ein Dolmetscher der Internationalen Schutztruppe ISAF. In Deutschland löste das Attentat tiefe Bestürzung aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem «perfiden Mord». Ziel der Terroristen sei es gewesen, die Erfolge bei der Stabilisierung Afghanistans zu zerstören, für die die Bundeswehr einen wichtigen Beitrag leiste. Die internationale Gemeinschaft sei aber «fest entschlossen, den Menschen in Afghanistan beim Aufbau einer guten Zukunft ihres Landes weiter zu helfen». Auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) kündigte an, dass die Bundeswehr ihren Auftrag fortsetzen werde: «Durch einen solchen hinterhältigen und feigen Anschlag werden wir uns nicht davon abbringen lassen». Die deutschen Soldaten müssten bei ihrem Einsatz in Afghanistan aber auch künftig Risiken eingehen. «Leider gibt es gegen Selbstmordattentäter keinen hundertprozentigen Schutz«, stellte Jung klar. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hob ebenfalls hervor, dass die Attentäter mit ihrer grausamen Tat auf die Zerstörung der mühsam errungenen Ordnung des Landes zielten. Der Anschlag unterstreiche, dass es am Hindukusch «keine vermeintlich ruhigen oder sicheren Zonen gibt». Der Auftrag der Bundeswehr im Norden sei ein zentraler Beitrag zur Stabilisierung Afghanistans. Führende Politiker der Koalition warnten davor, angesichts des Anschlags in Kundus das Mandat der Bundeswehr nicht zu verlängern. In der SPD gab es allerdings auch skeptische Stimmen. Links-Fraktionschef Oskar Lafontaine forderte erneut einen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Sein Amtskollege Gregor Gysi sprach von einem »sinnlosen Tod der jungen Männer». Gegenwärtig sind rund 3000 deutsche Soldaten am Hindukusch stationiert. Beim bislang letzten schweren Anschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan waren im Juni 2003 vier Soldaten getötet und 29 verletzt worden. (ddp)

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