Endgültige Schließung der Bose-Bergmann-Kaserne

von sku (Kommentare: 0)

1994 - Entnamung Bose-Bergmann-Kaserne am 09.12.1994
1994 - Entnamung Bose-Bergmann-Kaserne am 09.12.1994

Heute vor genau 20 Jahren wurde ein allerletztes Mal die Bundesdienstflagge in der Wentorfer Bose-Bergmann-Kaserne eingeholt.

Nachdem bereits zum 30.09.1994 die Sachsenwald-Kaserne und die Bismarck-Kaserne geschlossen worden waren (siehe News und Video hier) beendete dies die Geschichte der aktiven Panzergrenadierbrigade 16.

 

Die Abschlussrede des damaligen Bürgermeisters Holger Gruhnke können Sie hier noch einmal nachlesen:

Liebe Soldaten, meine Damen und Herren,

mit der Einholung der Bundesflagge; die bisher über der Bose-Bergmann-Kaserne geweht hat, wird ein letztes Zeichen des Abschieds von unseren aktiven Soldaten in den Kasernen in Wentorf gesetzt.

Am 1. Oktober 1960 rückte die erste Bundeswehreinheit hier ein. Die Soldaten wurden im Kreis und in der Gemeinde Wentorf willkommen geheißen, und in der Folgezeit ist es sehr rasch gelungen, die Brigade im Herzogtum Lauenburg auch in der Bevölkerung fest zu verwurzeln.

Der Auftrag unserer Soldaten, die freiheitlich- rechtsstaatliche Grundordnung unseres Landes nach außen zu schützen und den Frieden in Freiheit zu erhalten, ist auch der zivilen Bevölkerung wohl bewußt. Regelmäßige öffentliche Gelöbnisse in verschiedenen Städten und Gemeinden des Kreises und die große Beteiligung der Bevölkerung an diesen Ereignissen legen davon ein beredtes Zeugnis ab.

Für den Kreis fand das wohlwollende Miteinander zwischen Soldaten und Bürgern seinen sichtbaren äußeren Ausdruck in der Verleihung des Namens "Herzogtum Lauenburg" an die Panzergrenadierbrigade 16 im Dezember 1987.

Auf der kommunalen Ebene, dort, wo man sich täglich begegnet - in den Städten und Gemeinden - wurden von 1971 bis 1991 insgesamt 16 Patenschaften gegründet und gaben somit dem herzlichen Einvernehmen sozusagen Brief und Siegel. Es ist wahrhaftig keine Nostalgie, wenn man jetzt in dieser Stunde des Abschieds auf diese Gegebenheiten hinweist, denn im Kern bedeutet dies, daß die Brigade 16 ein großer Verband des deutschen Heeres mit unverwechselbarer Identität geworden ist - nicht nur in seiner untadeligen militärischen Leistungserfüllung, sondern auch in der Anerkennung durch die Bevölkerung. Denn der Einsatzauftrag war für jedermann klar erkennbar und die überwältigende Mehrheit der heimischen Bevölkerung stimmte dem Verteidigungsauftrag der Brigade im Kreis Herzogtum Lauenburg zu.

Die Einsätze und Hilfeleistungen der Soldaten, z. B. bei Naturkatastrophen im Heimatgebiet, haben zum Ansehen der Soldaten erheblich beigetragen. Auch dieses soll an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich erwähnt werden.

Die Zeit der Kasernen umfaßt in Wentorf eine Spanne von weniger als 60 Jahren. Dieses ist nach geschichtlichen Maßstäben eine kurze Zeit - und doch haben sie das Leben der Gemeinde in vielfältiger Weise geprägt - sind gleichsam zum Markenzeichen für Wentorf geworden. Sie waren zugleich ein Spiegelbild jüngster deutscher Geschichte bis zuletzt : Von 1938 bis 1945 dienten sie der Wehrmacht, von 1945 bis 1952 waren sie für sog. Displaced Persons eine Zwischenstation zur Rückführung in die Heimat, von 1952 bis 1960 dienten die Kasernen als Flüchtlingsdurchgangs- und Heimatvertriebenenlager.

1960 hat die Bundeswehr hier Einzug gehalten und nach der Übernahme von den Luftwaffensoldaten die Brigade 1 6 aufgebaut und zu einem einsatzstarken Kampfverband entwickelt.

Mit der deutschen Wiedervereinigung hat sich der Auftrag der Bundeswehr gewandelt. Sie hat darauf mit einschneidenden Änderungen in ihrer Organisation und ihrer Struktur konsequent reagiert. Wentorf ist auch davon betroffen im Sinne des Spiegelbildes unserer Geschichte.

Auch wenn in dieser übergreifenden Betrachtung der Standort Wentorf entbehrlich geworden ist, so bleibt doch der Grundauftrag der Soldaten, den Frieden in Freiheit zu erhalten, unverändert bestehen.

Wir danken unseren Soldaten. Ihnen gilt auch in der Zukunft unser Vertrauen.

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