Grundausbildung

von sku (Kommentare: 0)

Am 1. April 1967 (kein Aprilscherz) rückte ich in Wentof in die Bismarck-Kaserne ein zum Grundwehrdienst bei der Ausbildungskompanie 3/6.

Da standen wir Rotärsche nun und hatten noch krumme Finger vom Koffertragen, bis dann die ersten lauten Kommandos kamen. Der Ton war mehr rauh als herzlich und einige von uns waren ziemlich geschockt. Nach der Einkleidung erfuhren wir die traurige Nachricht, dass wir alle auf Grund einer zivilen Erbkrankheit weder richtig gehen noch richtig stehen konnten! Mit der Rehabilitierung dieses schweren Leidens wurde unverzüglich begonnen. Es bestand nämlich eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Heilung durch ein Wundermittel namens Formalausbildung.

Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt schon 21 Jahre alt und somit älter als meine Kameraden. Diese Kameraden kamen fast ausschließlich aus dem Rheinland und aus dem Ruhrgebiet, von daher war der Spaß schon vorprogrammiert. Die ersten 4 Wochen gab es keinerlei Ausgang, aber einen Tag der offenen Tür an dem Verwandte Gelegenheit zu einem Besuch in der Kaserne hatten. Hauptsächlich haben wir uns außerhalb der Kaserne in dem bekannten Naherholungsgebiet Wentorfer-Lohe aufgehalten und in dem bekannten Open-Air Restaurant Zur Hunger-Eiche unsere Mittagsmahlzeit eingenommen. 

Die Grundausbildung in der Ausbildungskompanie 3/6 war nicht übel und die Zeit war schnell vorbei. Es war ja auch immer Action angesagt, dort also keine Langeweile genau wie später auch nicht. Das haben Schulkameraden von mir ganz anders erlebt. Deren Bundeswehrzeit wurde von ihnen als lange und langweilig beschrieben. Es kam wohl darauf an, wo und mit wem man diese Zeit erlebt hat.

Die Grundausbildung endete mit einer Abschluss-Übung bei der sich die Ausbilder etwas ganz tolles ausgedacht hatten. An einem mückenverseuchten Teich (Mönchsteich) gruben wir rechteckige MG-Stellungen aus und bezogen Deckung. Als Verpflegung gab es auf 2 Rekruten je 1 rohes Huhn (oder Hahn ?) und das Tier haben wir uns dann über dem Feuer gegrillt. Es fand ansonsten gar nicht viel statt, alles war ruhig, aber es war die Ruhe vor dem Sturm. In der zweiten Nacht wurden die Offiziere plötzlich hektisch, es wurde viel gefunkt und leise geredet. Dann wurden einige von uns als vorgeschobene Beobachter rausgeschickt. Einige Zeit später war plötzlich Gewehrfeuer zu hören, Handgranaten wurden geworfen und Leuchtraketen wurden abgefeuert. Eine Stimme aus einem Lautsprecher-Megaphon forderte uns in gebrochenem Deutsch mit stark russischem Akzent zur bedingungslosen Kapitulation auf. Die vorgeschobenen Beobachter kamen kreidebleich zurück und meldeten Soldaten in fremden Uniformen. Nun wurden wir mehr als nur nachdenklich, denn schließlich waren wir dort ja schon einige Zeit ohne jegliche Verbindung zur Außenwelt. Bei der damaligen politischen Lage, also wer weiß. Das Spektakel ging noch einige Zeit weiter und es kam bei einigen Rekruten doch echte Panik auf (was wohl beabsichtigt war) Es blieb wegen Mangel an scharfer Munition wohl nur die Kapitulation, denn die (nicht anwesenden) Offiziere waren wohl auch schon alle gefallen oder gefangen genommen worden. Kurz und gut, eine gelungene Verarsche, bei der die Ausbilder wohl einen tollen Spaß auf unsere Kosten gehabt haben. Ein unvergessliches Erlebnis.

Nach der Abschluss-Übung kam die Verteilung auf andere Kasernen. Mein Freund Rolli und ich bekamen die Order, uns gegenüber beim Spieß der 4. Kompanie zu melden. Unser Ausbilder sprach uns dann sein Beileid aus, er bedauerte das dieses harte Los auf uns gefallen war. Wir konnten uns damals da gar keinen Reim darauf machen und wussten nicht was er meinte. Gemeint war damit nämlich : 15 Monate beim Kompaniechef Hauptmann Windels. 
Laut Information der Ausbilder war sein interner Spitzname : Zorro, der Mann mit der Peitsche und bekannt für das Zitat :“Wenn ich lache, lacht der Teufel!“



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