Kasernen-Sport

von sku (Kommentare: 0)

Sport in dem Sinne hatten wir nicht viel, die Ausbildung war ja sportlich genug. Es gab ja die Hindernisbahn und das so beliebte und angeblich gesunde Jogging wurde schon vor ewigen Zeiten beim Heer erfunden. Hatte nur eben nicht diesen werbewirksamen Namen sondern nennt sich beim Militär >Im Laufschritt, marsch marsch<

Beliebt (zumindest bei den Ausbildern) war während der Grundausbildung das Völkerballspiel auf dem Ex-Platz. In Abwandlung der offiziellen Regeln wurde ein großer sogenannter Medizinball aus Leder verwendet und es durfte auch auf sehr kurze Distanz geworfen werden. Auch logisch, dass keine gemischten Teams gebildet wurden. Hühnenhafte Ausbilder warfen uns den schweren Ball gegen die Körper und wir fielen um wie die Kegel. Weglaufen zwecklos, denn dann kam der Ball in Beinhöhe und man flog vorwärts auf die Schnauze. Einen frontal aus kurzer Distanz kommenden Ball konnte man fangen, jedoch stolperte man dann eben rückwarts und fiel auf den Rücken. Toller Sport!

Der sogenannte Fliegertest bei der Ausbildungskompanie 3/6 fand in Turnbekleidung auf dem Ex-Platz statt. Mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand musste man sich die Nase zuhalten. Der rechte Arm wurde oberhalb des linken Armes durchgeschoben. Auf dem Boden lag ein Medizinball. Man bückte sich und legte den Zeigefinger der rechten Hand mittig auf den Ball und lief in dieser Haltung 10x so schnell wie möglich um den Ball herum. Anschließend sollte versucht werden, aufrecht laufend das gegenüberliegende Gebäude zu erreichen. Hinweis : Alle die nicht wissen was dann abläuft, dürfen diesen Test bei nächster Gelegenheit selbst ausprobieren. Aber fragen sie vorher ihren Arzt oder Apotheker.

Fußball wurde für eine relativ kurze Zeit auch im Bataillon gespielt und Mannschaften gebildet. Wegen der durch Fouls verursachten Verletzungen und der damit verbundenen zahlreichen Ausfälle, wurde diese Sportart storniert. Schon durch den Belag des Ex-Platzes wurden selbst bei normalen Stürzen üble Schürfwunden verursacht.

Noch schneller untersagt wurde Baseball bzw. wegen fehlender Schutzbekleidung war das ja korrekt Rugby. Hat die 4. Kompanie in der Turnhalle ausgeübt mit negativen Ergebnissen. Totalausfall der Turnhemden durch irreparable Beschädigung und massiver Schwund von Ausbildern, welche vermutlich nur mangelhafte Kenntnisse über die Spielregeln dieser derben Sportart hatten.

Die Ausbilder stellten uns auch eine völlig neue Sportart vor. Nannte sich 6PX-Übung und bestand aus verschiedenen vorgegebenen Fitness-Übungen. Sah bei der Vorführung leicht und albern aus, ging aber auf die Knochen. Zum Beispiel auf einem Bein über einen Schwebebalken hüpfen, immer hin und her. Untrainiert gibt man diese Lachnummer sehr schnell auf. Da beim Heer kein Geld für teure Fitness-Geräte vorhanden war und es die heutigen Geräte in dieser Form damals noch gar nicht gab, war man sehr erfinderisch. Statt auf einem Gerät für teure Club-Beiträge das Treppensteigen zu simulieren, durften wir dieses Erlebnis noch kostenlos und in echt praktizieren. Leistungssteigerung wurde auch nicht elektronisch geregelt sondern akkustisch. Es gab 3 Stufen :

Stufe 1 : Aufrecht in hoher Geschwindigkeit im Treppenhaus rauf und runter (4 Etagen)

Stufe 2 : Dito im sogenannten Entengang bei mittlerer Geschwindigkeit

Stufe 3 : Dito im Entengang mit Gewehr in Vorhalte bei langsamerer Geschwindigkeit

Die nicht überall bekannte Sportart des Stemmen von Biergläsern in Stiefelform (auch bekannt unter dem Namen Stiefelsaufen) wurde im Bereich Wentorfer Gaststätten von uns häufig ausgeübt. Bestehende Rekorde wurden permanent überboten.

Zurück

Einen Kommentar schreiben