Sonderaufgaben und Weiterbildung

von sku (Kommentare: 0)

Selbstverständlich war der Dienst bei der Bundeswehr nicht einseitig, wie oft falsch vermutet wurde. Man lernte so ganz nebenher und unentgeltlich viele nützliche Dinge, die im späteren Privatleben anwendbar waren. Waschen und Bügeln, Betten beziehen und Schränke einräumen sind nur einige Beispiele aus der reichhaltigen Palette. Wir wurden auf Kosten der Bundeswehr auch automatisch nebenberuflich zu qualifizierten Gebäudereinigern ausgebildet, eine Ausbildung, die volle 18 Monate nebenher lief. Somit wurden wir zu Spezialisten auf dem Gebiet der Fußbodenreinigung. Der offene Spind eines Soldaten unmittelbar nach erfolgter Kontrolle, hätte jede Hausfrau beschämt. Es wurden aber leider im Haus keine Frauen zu diesem Erlebnis zugelassen.

Die Spindkontrolle fand meistens unmittelbar vor dem Wochenendurlaub statt. Je nach dem wer kontrollierte, war dieses Ereignis mehr oder weniger schnell erledigt, denn die Vorgesetzten wollten ja auch weg. Sie entfernten sich in Reihenfolge ihrer Dienstgrade und die etwas später (nach dem Abendessen) stattfindende Nachkontrolle wurde bereits von niederen Rängen erledigt. Noch spätere Kontrollen überließ man dann dem UvD. Es gab aber Kameraden, welche sehr selten Urlaub einreichten, weil die Entfernung in den Heimatort sehr weit war, das war zeitintensiv und kostspielig. Diese Kameraden brauchten sich um die Spindkontrolle keine Sorgen zu machen. Ohne irgendetwas an dem Zustand des bemängelten Spindes zu ändern, durchliefen sie alle weiteren Kontrollen. Die Endkontrolle (meistens bereits die 2. vom UvD durchgeführte) verlief immer ohne jegliche Beanstandung. Der UvD betrat die Stube, blickte in den (noch immer in gleichem Zustand befindlichen) Inhalt des Spindes und sagte : „Na also, geht doch! Warum nicht gleich so?“

Wohl nicht totzukriegen und vermutlich heute noch angewendet:
Offizier hebt die gestapelten Oberhemden hoch. Wischt mit der flachen Hand über das Regalbrett. Streckt die flache Hand in Richtung Rekrut und bläst über die Handfläche und stellt die Frage :“Können sie mich noch sehen?“

Auch an Fahrzeugen wurde natürlich extrem geputzt:
Fahrer der 4. Kompanie unter Aufsicht des Schirrmeisters waschen und reinigen mehre volle Tage einen Unimog. In der Inst.-Halle wurde dann unterseitig eine honigartige Schicht aufgesprüht. Anschließend durften wir diese Masse von den sogenannten Schmiernippeln unterhalb des Fahrzeuges wieder entfernen. Dann wurde mit einer Fettpresse Schmiere eingefüllt. Diese Nippel wurden dann entfettet und total blankpoliert. Zum zeremoniellem Abschluß erhielt ein Fahrer eine Mini-Dose Lack im Farbton Tomatenrot und durfte mit einem dünnen Tuschpinsel die Nippel lackieren (aber nur die Nippel) 
Somit war das Fahrzeug -fertig- wie unser Schirrmeister feststellte. Wir waren sehr stolz auf unsere Arbeit, denn der Unimog sah aus wie fabrikneu. Wir fragten unseren Schirrmeister, was mit diesem schönen Auto denn nun weiter passiert. Im Weggehen erwiederte der Schirrmeister : „Geht nach Flensburg, wird ausgemustert.“ Wir konnten es einfach nicht glauben.

Auch wir selbst sind im Gelände einmal richtig gründlich gereinigt worden! Soldaten in plumpen Gummianzügen mit eingebauter Maske umkreisten uns im Wald. In einer großen Zeltanlage wurden wir per Geigerzähler auf Radioaktivität überprüft mit positivem Ergebnis. Daraufhin wurden wir mit Schläuchen lange angespritzt um radioaktiven Staub zu entfernen. Unsere Bekleidung und die Waffe wurden gleichzeitig gesondert chemisch naß gereinigt.

Auch auf dem Gebiet der Naturkunde haben wir viel dazugelernt. Wohl jeder Wehrpflichtige hat erfahren, das Jahreszeiten nicht etwa natürlich entstehen, sondern befohlen werden. Demnach kennt wohl auch jeder Wehrpflichtige den folgenden Text : „Krempeln sie sofort ihre Hemdsärmel wieder runter, wir haben noch keinen Sommer. Sommer ist erst dann, wenn ich ihn befehle!“

Auch waren wir in der Lage, nur mit Hilfe einer einfachen Armbanduhr oder nur durch Beobachtung der Sterne garantiert wieder in die Kaserne zurück zu finden. Dies wohl für den (eher unwahrscheinlichen) Fall, dass der Gegner in einer nächtlichen Blitz-Aktion sämtliche Ortsschilder in der Umgebung demontiert hat.

Auch Bäume konnten wir gut unterscheiden, denn im Gelände waren Bäume sehr wichtig als Anhaltspunkt. Es hieß immer so etwa : „Sehen sie die Buche (oder Eiche oder andere) auf 11 Uhr? Daumensprung rechts davon befindet sich.....“

Wichtig war auch zu wissen wo morgens die Sonne aufgeht! Diese Richtung musste man sich merken. Von dort war grundsätzlich der böse Feind zu erwarten.

Wir waren ja nicht weit weg von der damaligen Zonengrenze und weil es bei der Bundeswehr viel Papierkrieg (Formulare, Formulare) gab, hatten wir in der Zeit der verschärften Alarmbereitschaft so unsere eigene Version. Es gab da folgenden Spruch :
Wenn hier der erste Russe über den Kasernenzaun klettert, stehen wir noch auf dem Ex-Platz bei den Mun-Kisten in Reihe angetreten und unterschreiben für 20 Schuss Munition.

Der erwartete Überfall aus dem Osten hatte nach Ansicht der Rheinländer für den Gegner ohnehin keine Chance auf Erfolg. Die russischen Truppen würden an einem Sonntag morgen angreifen, weil sich die Bundeswehr dann im Wochenendurlaub befindet. Diese Taktik wurde von den Japanern erfunden, (Pearl Habor) funktioniert in der BRD jedoch nicht.
Panzerspitzen würden mit Vollgas die Autobahnen in Richtung Westen befahren um schnell Raum zu gewinnen. Diese Taktik wurde 1939 von den Deutschen erfunden, aber in diesem Fall würde :

Spätenstens am Kamener Kreuz der gegenerische Angriff im Verkehrsstau zum Erliegen kommen. 

Zurück

Einen Kommentar schreiben