Willkommen zu Hause - eine Nachsicht

von sku (Kommentare: 0)

Die Analyse ist einhellig: Vielfach geht der Film an der Wirklichkeit vorbei. So, wie das Bild der Truppe gezeichnet wird, ist es nicht. Diese Bewertung treffen vier Soldaten des Aufklärungsbataillons 6 ""Holstein"" aus Eutin am Tag nach der Ausstrahlung des ARD-Filmes ""Willkommen zuhause"". Alle vier waren mehrfach im Ausland: Afghanistan, Kosovo, Bosnien. Einer schon fünf Mal. Ein anderer war 2006 als Zugführer nahe der afghanischen Stadt Kundus in einen Hinterhalt geraten, mit seinen Kameraden haarscharf einer Panzerfaust entgangen. Sie hatten mit der Bordkanone des Spähwagens ""Fennek"" das Gegenfeuer eröffnet und den Angreifer in die Flucht geschlagen.  PTBS. Posttraumatische Belastungsstörung. In der Truppe ist das, wie Hauptmann T. (Name auf Wunsch der Bundeswehr abgekürzt) versichert, kein Tabu mehr. Seit Jahren gebe es eine lückenlose Betreuung. Die Scheu von Soldaten, eine Erkrankung einzugestehen, habe deutlich abgenommen. Hauptmann T.: "Es kann einfach jeden treffen. Das hat nichts mit Schwäche zu tun." Es sei aber auch ein vielschichtiges Phänomen. "Dem ist der Film auf keinen Fall gerecht geworden", sagt Oberfeldwebel W.. Der Darsteller habe so ziemlich alle möglichen Symptome auf sich vereint: "Schizophrenie, Schlaflosigkeit, Aggressionen, Flashbacks, Halizunationen, Paranoia, Depressionen." Jedes Symptom für sich allein sei schon ausreichend, um aus der Spur zu kommen. Öffentlichkeit wird auf die Kehrseite der Einsätze aufmerksam

Die gute Seite des Filmes, auch darin Einhelligkeit: Eine breite Öffentlichkeit werde auf eine Kehrseite der Auslandseinsätze aufmerksam gemacht. Hauptfeldwebel G.: ""Eine Schlüsselszene im Film war für mich, als der Vater sagte: ,Du erzählst ja nichts und sein Sohn erwidert: "Ihr wisst ja schon alles"". Einen Verbesserungsbedarf sehen die vier Soldaten nicht bei der truppeninternen Behandlung des Themas PTBS, sondern beim Umgang von Angehörigen mit Soldaten und deren belastenden Erfahrungen. ""Für Angehörige gibt es zwar ein Informationsangebot, aber das ist auf freiwilliger Basis, dazu kann man niemanden zwingen"", erläutert der Stabsfeldwebel U.. 

Der Bundestag hat kommende Woche das Thema PTBS auf die Tagesordnung gesetzt, dem Verteidigungsausschuss liegt ein Antrag zur Verbesserung der Betreuung vor. ""Besser werden muss auf jeden Fall die Betreuung von Soldaten, die nach Jahren von PTBS eingeholt werden, wenn sie schon lange den Dienst quittiert haben"", so Hauptmann T. Kameraden, die zum Beispiel von den Erinnerungen an das Ausheben von Massengräbern im Kosovo eingeholt würden, fühlten sich von ihrem einstigen Dienstherren im Stich gelassen, müssten die Kosten für eine Therapie selbst tragen. Dieses späte Auftreten sei durchaus kein Einzelfall. Hauptmann T.: ""Meine Oma haben die Bombennächte in Hamburg 1943 eingeholt, als sie über 70 war. Der Arzt hat gesagt, das ist nichts Ungewöhnliches, das kann noch nach Jahrzehnten durch irgendein Ereignis plötzlich ausgelöst werden.""

Etwas sehr Gutes an dem Film findet ""Spieß"" U.: ""Der Abspann mit den Politikerszenen hat deutlich gemacht, dass wir im Auftrag der Regierung in Afghanistan sind, also im Auftrag aller Deutschen.""

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