Wintervortrag: Abbau der Mauer

von sku (Kommentare: 0)

General Ocken kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück. Der ehemalige Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 16 aus den Jahren 1988 bis 1991 folgte der Einladung des Vorsitzenden des Traditionsverbandes und hielt einen Vortrag über seine Erfahrungen bei der Demontage der innerdeutschen Grenzanlagen und der Auflösung der DDR-Grenztruppen. Bereits im Jahre 1996 war General Ocken zu Gast in Wentorf.

Im Herbst des vergangenen Jahres standen in Deutschland die Feierlichkeiten zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls im zentralen Blickpunkt. Im Jahre 1989 wurde die Mauer geöffnet, so dass die Bürger der DDR frei reisen konnten. Bereits ein Jahr später war Deutschland wiedervereinigt und fortan wieder ein suveränes Land. In dieser Zeit bekam der damalige Oberst Ocken die Aufgabe übertragen, die Sperr- und Grenzanlagen der innerdeutschen Grenze zu beseitigen und die ehemaligen „Bewacher“ der Grenztruppe nach dem Abbau der Grenze zu entlassen und die Truppengattung aufzulösen.

In seinem Vortrag ging Ocken seine Geschichte der Wiedervereinigung an Hand einzelner Fotografieren ab. Alles begann am 1.10.1990 mit der Ernennung zum Chef der Grenztruppen. Ihm unterstand die einst gefürchtete Truppengattung, die bereit war, auf ihre Landsleute zu schießen. Aus eben diesem Grunde machte Ocken den Leute klar, dass für sie eine Zukunft in der Bundeswehr ausgeschlossen war. Dennoch war die Devise, dass „Deutsche zu Deutschen kommen“ und nicht „Sieger zu besiegten“. Auch der Ansatz, dass diejenigen, die einst die Grenze bewachten diese nun abbauten, sollte bei den Personen die Möglichkeit eröffnen, zu reflektieren, was nun in diesem großem Umbruch geschehen war.

Der Abbau der Anlagen verlief insgesamt rasch, auch wenn immer wieder Personalmangel herrschte, da Baufirmen die Soldaten abwarben. „Wir haben erstmal eine Bestandsaufnahme gemacht: Wer ist überhaupt noch da, und was machen die?“, sagt Ocken. Was er noch vorfindet, sind 5.600 Mann, vor allem Offiziere und Unteroffiziere, und mit denen wird er die Mauer abreißen und Minen suchen. „Die haben das gut gemacht“, erinnert er sich heute. Zur Ausbildung neuer Kranfahrer wurde sogar eine schon geschlossene Ausbildungsstätte der Grenztruppen wieder eröffnet, um dem Personalschwund entgegen zu wirken.

Am 30. November 1990 wird das offiziell letzte Stück Mauer vor ungezählten Kameras gezogen. Auftrag erfüllt! Dass draußen auf den Äckern der Abbau noch bis März 1991 währt, wird nicht so stark vermittelt. Immerhin lautete der Auftrag ja „nur“, die Grenze im bebauten Stadtteil Berlins zur Wahl zu beseitigen.

Der gut besuchte Vortrag war -typisch für Ocken- hervorragend lebendig und fesselnd vorgetragen. Die Zuhörer bekamen auch durch die vielen Bilder einen Einblick in seine persönlichen Erfahrungen bei der Bewältigung seines „historischen“ Auftrages. Von der Möglichkeit, im Anschluss an den Vortrag Fragen zu stellen wurde reger Gebrauch gemacht.

Der Traditionsverband dankt Herrn General a.D. Ocken für seine Bereitschaft an der Teilnahme der Wintervortragsreihe.

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